Das Exklusiv-Interview mit Roger Karner:

Die Hintergründe zum Wechsel

von Thomas Buchbauer

Zwei Wochen vor Beginn seines neuen Abenteuers als Geschäftsführer eines Unternehmens im Bergischen Land telefonierten wir mit Roger Karner – zu einem Zeitpunkt, zu dem die Wenigsten in der Branche Bescheid wussten, wohin die Reise für den bisherigen Signify-Manager gehen würde. Er wechselt dieser Tage vom Weltmarktführer der Lichtbranche zu einem deutschen Mittelstandsunternehmen – einem Hersteller von intelligenten KNX-Gebäudelösungen mit Sitz im deutschen Engelskirchen nahe Köln.

Interview: Thomas Graf-Zoufal / Text: Thomas Buchbauer

Als wir (das i-Magazin) die knappe Nachricht von Signify bekamen, dass Roger Karner den Konzern verlassen werde, aktivierten wir alle unsere Informationskanäle. Sehr bald stand für uns fest, wohin der gebürtige Österreicher wechseln wird. Doch bevor wir mit der Nachricht an die Öffentlichkeit gingen, ließen wir den erfolgreichen Manager selbst zu Wort kommen. Lesen Sie das Exklusiv-Interview mit ihm! – Aufgenommen während einer Autofahrt auf der Strecke zwischen Hamburg und seinem neuen Wohnort – der viertgrößten Stadt Deutschlands.

Herr Karner, wie gestalten sich Ihre Tage derzeit?

Roger Karner: Ich arbeite aktuell an einer ordnungsgemäßen Übergabe an meine Nachfolgerin, damit dem Signify-Team ein guter Start in eine neue Ära möglich ist. Ich persönlich freue mich aber auch ungemein auf mein neues Team und darauf, meine neue Funktion am 1.5.2021 antreten zu können.

Unseren Informationen nach ist Ihr neuer Arbeitgeber die Firma MDT – ist das korrekt?

Karner: Ja, das ist es. Das Unternehmen hat sich ausschließlich auf KNX-Lösungen spezialisiert und zählt mit der Angebotspalette aus Aktorik und Sensorik zu den führenden Anbietern Deutschlands. MDT hat es im Laufe der Jahre durch die Entwicklung innovativer Produkte – zurückzuführen auf ein sehr agiles Verhalten auf Kundenanforderungen – sowie den Support und den Service geschafft, das doch relativ komplexe Thema KNX für die Kunden gut aufzuarbeiten und mit dieser Strategie sehr erfolgreich zu sein. MDT ist seit rund 12 Jahren in dem Bereich tätig und ich freue mich nun, die nächste Phase der Entwicklung in einem Unternehmen mit derzeit rund 100 Mitarbeitern begleiten zu dürfen.

Brancheninsider vertreten die Meinung, dass die arrivierten KNX-Hersteller das Unternehmen MDT speziell in den ersten Jahren komplett unterschätzt hatten. Man könnte meinen, es hätte sich für manche unter dem Radar bewegt. Warum war das so?

Karner: Die Frage ist für mich sicherlich nicht einfach zu beantworten — vor allem auch deswegen, weil ich in dieser Zeit keinen unmittelbaren Kontakt hatte. Aber mit Hans-Joachim Kremer hat MDT sicherlich einen Gründer und Geschäftsführer, der sich auf Grund seiner »Hands on-Mentalität« einen Vorteil verschafft hat. Sein Verständnis für Kundenanforderungen, welche Features notwendig und in der Praxis wertvoll sind, aber auch die Geschwindigkeit bei der Umsetzung durch sein Team, führten dazu, dass er immer einen Schritt voraus war. Seine Priorität lag stets auf der Verbesserung des Kundennutzens – vom Handwerksunternehmen über die Handwerker selbst bis hin zu den Endkunden wie den »Häuselbauern« aber auch den Bauherrn aus dem Bereich Wohnungsbau, Gewerbe- und Industriegebäude. Dabei reichte es manchmal aus, zwei bis drei Funktionen in einem Gerät zu vereinen, sodass diese Kombination schlussendlich einen deutlichen Mehrwert für die Kunden ergab. Und genau das ist bei sehr vielen Elektrotechnikern in der KNX-Branche gut angekommen und hat dazu geführt, dass das Unternehmen mittlerweile einen hohen Stellenwert in diesem Segment einnimmt.

Die Produkte von MDT sind aber noch dazu auch als sehr preisgünstig bekannt – manche sind versucht zu sagen »billig« – wie lässt sich das mit dem bisher Genannten vereinbaren?

Karner: Wir bieten gute Innovation, mit guter Qualität »made in Germany« zu einem guten Preis an. Der englische Begriff »best value for money« trifft es viel eher. Die Kunden aus der Elektrotechnik wissen, dass die MDT-Produkte neben dem Mehrwert auch den richtigen Preis haben. Und auf der anderen Seite ist MDT ein profitabel agierendes Unternehmen – schon alleine deswegen kann die Bezeichnung »billig« nicht stimmen.

Derzeit herrscht in vielen Bereichen der Industrie ein Nachschubproblem – Rohstoffe und speziell Teile aus der Halbleitertechnik sind nur schwer zu bekommen. Die Folge daraus: Lieferprobleme für die gesamte Wertschöpfungskette. Welche Maßnahmen müssen Sie setzen, um der Situation Herr zu werden?

Karner: Ich habe mir erst gestern die Zahlen angesehen – derzeit sind die Kunden von MDT von keinen Auswirkungen eines »backlogs« betroffen. Abgesehen vom Monat Jänner, in dem wir von einer ungewöhnlich großen Nachfrage überrollt wurden, ist die Situation bei MDT vollkommen stabil – unsere Kunden sind aktuell von keiner Lieferverzögerung betroffen. Wir verzeichnen zwar ein starkes Wachstum – für das wir auch sehr dankbar sind – haben die Entwicklung aber insgesamt sehr gut im Griff, weil wir die Mittel für Investitionen stets sehr rasch zur Verfügung haben.

Herr Karner, welche Position werden Sie bei MDT einnehmen?

Karner: Ich beginne am 1.5.2021 als CEO des Unternehmens.

Unseren Informationen zur Folge steigen Sie aber auch als Gesellschafter ein …

Karner: Ja, ich werde Unternehmensanteile erwerben. Wichtig zu erwähnen ist allerdings, dass wir beide – sowohl Hans-Joachim Kremer als auch ich – als Geschäftsführer tätig sein und das Unternehmen gemeinsam führen werden. Herr Kremer bleibt selbstverständlich mit an Bord, wird jedoch – bedingt durch meinen Einstieg – mehr Zeit für seine Passion – Technik und Innovation – haben. Er wird seine Leidenschaft nun noch mehr leben können, was dazu führen wird, dass man von MDT in den nächsten Jahren technologisch einiges zu erwarten hat. Meine Aufgaben werden neben der Gesamtgeschäftsführung der Vertrieb, das Marketing und die Internationalisierung unseres Geschäfts sein, wodurch wir uns hinsichtlich unserer Stärken perfekt ergänzen werden.

Gibt es bereits Pläne auf Vertriebsebene?

Karner: Wir sind aktuell am deutschen, österreichischen und Schweizer Markt tätig und haben uns dem dreistufigen Vertrieb verschrieben. Das kennt man von MDT und das kennt man auch von Roger Karner – daran wird sich nichts ändern.

Abschließend vielleicht noch ein kurzer Rückblick und eine ebenso kurze Vorausschau …?!

Karner: Es waren fantastische neun Jahre bei Signify. Ich hatte sowohl in den USA als auch hier im DACH-Raum ein tolles Team an meiner Seite und bin überzeugt davon, dass das Unternehmen weiter einen Erfolgskurs fahren wird. Ich freue mich nun auf meinen Schritt, zum ersten Mal in meiner rund 30-jährigen Berufslaufbahn in ein Unternehmen des deutschen Mittelstandes zu wechseln und bin sehr zuversichtlich, dass speziell die Agilität von MDT, auf die Kundenanforderungen schnell zu reagieren, mir noch sehr viel Spaß an der Arbeit bereiten wird. Apropos Emotionen: Unsere Familie wird von Hamburg nach Köln übersiedeln – auch darauf freue ich mich sehr.

Herr Karner, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg im neuen Unternehmen!

www.mdt.de

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