Frauenthal Expo 2026: Wie sich ein Großhändler neu ausgerichtet hat:

Großhandel im Wandel

von Nakisa Kaltenbach
Foto: © Frauenthal Handel Gruppe AG

Messen sind im Großhandel längst mehr als Produktschauen. Sie fungieren als Seismografen für Marktstimmungen, technologische Verschiebungen und strategische Kurskorrekturen. Die fünfte Frauenthal Expo, die 2026 erneut ausschließlich Fachpublikum adressierte, zeigte genau das. Hinter Rekordzahlen und vollen Hallen stand ein Unternehmen, das nach bewegten Jahren bewusst neu sortiert hatte – strukturell, personell und strategisch.

Die Expo als Spiegel eines veränderten Selbstverständnisses

Mit 187 Ausstellern verzeichnete die Frauenthal Expo 2026 so viele Teilnehmer wie nie zuvor. Laut Angaben aus dem Pressegespräch lagen zum Start rund 13.000 Anmeldungen vor, mehr als 30 Prozent über dem bisherigen Niveau. Gleichzeitig betonte das Management rückblickend, dass diese Entwicklung nicht geplant gewesen sei. Qualität sollte vor Quantität stehen, der Fachdialog vor dem Massenevent. Dass dennoch so viele Branchenvertreter erschienen, wurde intern als Vertrauensbeweis gewertet.
Auffällig war der gewachsene Elektro-Anteil: Rund 30 Aussteller stammten aus diesem Segment, das innerhalb der Gruppe noch zu den jüngeren Geschäftsfeldern zählte. Dass diese Präsenz parallel zu einer weiteren Elektro-Fachmesse gelang, wurde als Signal interpretiert, dass sich die Expo als eigenständige Plattform etabliert hatte.

Nach dem Automotive-Ausstieg: Konzentration statt Expansion um jeden Preis
Erika Hochrieser spricht bei der Frauenthal Expo an einem Stehtisch, im Hintergrund stehen zwei weitere Mitglieder des Managements in der Messehalle.

Erika Hochrieser im Gespräch bei der Frauenthal Expo, begleitet von zwei weiteren Mitgliedern des Managements. (Bild: Frauenthal)

Ein zentraler Einschnitt war der Verkauf der Automotive-Sparte Ende Dezember. Signing und Closing waren noch vor Jahreswechsel erfolgt, womit das Geschäftsjahr 2026 ohne diesen Bereich startete. Finanzvorständin Erika Hochrieser beschrieb diesen Schritt als bewusste Entlastung der Struktur und als Voraussetzung für einen klaren Fokus auf den Handel.
Parallel dazu wurde der Aufbau einer zweiten Division vorbereitet: Immobilien. Dabei ging es nicht um spekulative Expansion, sondern um funktionale Ergänzungen – von Handelsimmobilien bis hin zu Büro- oder Wohnobjekten. Der Kern blieb jedoch der Großhandel. Akquisitionen waren weiterhin ein Thema, allerdings nur dort, wo sie strategisch und kulturell passten.

Digitalisierung ohne Bruch mit der Dreistufigkeit

Der zunehmende Online-Wettbewerb zählte zu den strukturellen Herausforderungen im Großhandel. Frauenthal hatte darauf mit einem umfassenden Relaunch seiner digitalen Plattformen reagiert. Seit dem Umstieg auf eine neue Business-Plattform im Frühjahr bildete der Webshop die technologische Basis für weiteres Wachstum.
Entscheidend war dabei die klare Abgrenzung: Alle digitalen Kanäle blieben strikt auf das B2B-Geschäft ausgerichtet. Verkäufe ohne Gewerbeschein wurden ausgeschlossen, unabhängig vom Vertriebskanal. Damit positionierte sich Frauenthal bewusst innerhalb der klassischen Dreistufigkeit und grenzte sich klar von B2C-getriebenen Plattformmodellen ab.

Personalabbau, Stabilisierung und vorsichtiger Optimismus

Die vergangenen Jahre waren auch intern von Anpassungen geprägt gewesen. Nach einem Abbau von rund zehn Prozent der Belegschaft beschäftigte die Gruppe zum Zeitpunkt der Expo rund 1.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, was etwa 1.500 Vollzeitäquivalenten entsprach. Weitere Maßnahmen waren laut Management nicht geplant.
Die wirtschaftliche Lage wurde als stabil eingeschätzt. Zwar rechnete man nicht mit einem Jubeljahr, doch ging der Vorstand davon aus, dass das konjunkturelle Wellental durchschritten sei. Eine moderate Erholung der Baukonjunktur wurde für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet.

Wärmepumpen zwischen Förderlogik und Marktanpassung

Kaum ein Thema wurde im SHK- und Elektrohandel so intensiv diskutiert wie die Wärmepumpe. Im Rückblick zeigte sich, wie stark der Absatz von Fördermechanismen abhängig gewesen war. Phasen mit attraktiven Förderungen hatten zu kurzfristigen Nachfragespitzen geführt, gefolgt von deutlichen Rückgängen.
Gleichzeitig wurde eine strukturelle Veränderung sichtbar: Wärmepumpen entwickelten sich zunehmend vom erklärungsbedürftigen Spezialprodukt hin zu standardisierten Systemen. Laut Vorstand setzte Frauenthal rund zehn Prozent des österreichischen Wärmepumpenmarktes um. Zudem war eine klare Verschiebung hin zu dreistufigen Vertriebsmodellen erkennbar, insbesondere im Gewerbe- und Industriebereich.

Klimaanlagen als konstantes Wachstumsfeld

Anders als bei Wärmepumpen zeigte das Klimageschäft eine bemerkenswerte Kontinuität. Unabhängig von konjunkturellen Schwankungen waren die Verkaufszahlen über Jahre hinweg gestiegen. Engpässe hatten sich weniger bei den Geräten selbst gezeigt als bei der Inbetriebnahme, da qualifizierte Klimatechniker fehlten.
Für den Großhandel erwies sich dieses Segment als strategisch relevant, weil es nicht nur Geräte umfasste, sondern auch ein breites Spektrum an Zubehör, Installationsmaterial und Serviceleistungen. Besonders im Bereich kleinerer Anlagen bis zu vier Inneneinheiten dominierte der dreistufige Vertrieb.

Fachkräfte, Ausbildung und die Rolle der Expo

Ein weiterer Schwerpunkt der Expo lag auf Ausbildung und Nachwuchs. Mit Programmen wie „Mission to Skill“ hatte sich Frauenthal gezielt an Fachschulen, Berufsschulen und Lehrlinge gewandt. Die Gruppe bildete selbst über 100 Lehrlinge aus und sah darin einen wesentlichen Baustein zur langfristigen Sicherung von Know-how und Wertschöpfung.
Dass die Expo bewusst ohne klassische Vorträge auskam, war Teil dieses Konzepts. Stattdessen führten sogenannte Show-Walks direkt zu Industriepartnern, wo kompakte Produktvorstellungen stattfanden. Ziel war es gewesen, Bewegung, Austausch und Praxisnähe zu fördern – nicht Bühnenpräsenz.

Zusammengefasst

Die Frauenthal Expo 2026 war mehr als ein Branchentreffen. Sie dokumentierte, wie sich ein Großhandelsunternehmen nach strukturellen Einschnitten neu positioniert hatte: fokussiert auf B2B, digital anschlussfähig, aber klar in der Dreistufigkeit verankert. Wärmepumpen und Klimaanlagen standen exemplarisch für Märkte, die zwischen Förderpolitik, Fachkräftemangel und technischer Reife navigieren mussten. Für Frauenthal wurde die Messe damit weniger zum Schaulauf als zur Standortbestimmung – und zu einem Indikator dafür, wie sich Handel in einem veränderten Energiemarkt behaupten konnte.
Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses war die Messe noch im Laufen, finale Besucherzahlen lagen daher noch nicht vor.

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