Interview mit Christof Schönfeld, Head of Business Development:

So will Insta vernetzte Gebäudetechnik flexibler und robuster machen

von Nakisa Kaltenbach
von Thomas Buchbauer – Recherche, Konzept und Kuration Foto: © Insta GmbH

Gebäudeautomation wird komplexer, der Regulierungsdruck steigt, und gleichzeitig muss Technik im Feld praktikabel bleiben. Im Gespräch mit dem i-Magazin erklärt Christof Schönfeld, Head of Business Development bei der Insta GmbH, warum Plattformen, Offenheit und saubere Verzahnung heute wichtiger sind als der große Einzelwurf.

Herr Schönfeld, viele in der Branche kennen Insta über KNX, DALI oder OEM-Lösungen. Wenn Sie Insta heute einem Elektriker, Planer oder Architekten in zwei Minuten erklären müssten: Wofür steht das Unternehmen aktuell?

Porträt eines Mannes im Anzug vor neutralem Hintergrund.

Christof Schönfeld, Head of Business Development bei Insta GmbH. (Bild: Insta GmbH)

Christof Schönfeld: Wir verstehen uns als Zulieferer und Lösungspartner. Das heißt: Wir entwickeln Technologien und Produkte, mit denen unsere Partner neue Produkte und neue Lösungen gestalten können. Einerseits halten wir Standardkomponenten bereit, die mit kurzer Time-to-Market verfügbar sind. Andererseits entwickeln wir neue Technologien vor, suchen neue Lösungswege und schaffen so gemeinsam mit unseren Kunden innovative Lösungen. Wichtig ist uns dabei auch der Standort Lüdenscheid. Dort bündeln wir Entwicklung und Fertigung. Als mittelständisches Unternehmen mit starker lokaler Bindung ist das für uns ein wesentlicher Teil unserer Identität.

Das hat auch historische Wurzeln.

Christof Schönfeld: Absolut. Insta wurde 1970 von Gira, Jung und Berker gegründet. Der Grundgedanke war damals bemerkenswert vorausschauend: Man hat erkannt, dass Elektronik in der Gebäudetechnik an Bedeutung gewinnen wird. Also wurde diese Kompetenz in einem eigenen Unternehmen gebündelt, um individuelle Lösungen für mehrere Marken zu entwickeln und gleichzeitig Skaleneffekte zu erzielen. Heute sind wir noch einen Schritt weiter und stellen als OEM-Zulieferer für viele große Marken der Branche Lösungen bereit.

Die Gebäudetechnik steckt gerade in einer Übergangsphase. Alt und neu müssen parallel funktionieren, alles soll ineinandergreifen. Das klingt nach einer anspruchsvollen Aufgabe.

Christof Schönfeld: Das ist es auch – und genau deshalb ist es spannend. In den Gesprächen mit unseren Partnern spüren wir diese Entwicklung sehr deutlich. Einerseits gibt es den Wunsch, stärker auf Plattformen zurückzugreifen, um Entwicklungszeiten zu verkürzen und Produkte schneller in Serie zu bringen. Andererseits wächst der Bedarf an Individualisierung. Kunden wollen Lösungen, die in ihr jeweiliges Gesamtangebot passen und dort einen klaren Mehrwert liefern. Unsere Aufgabe besteht darin, beides zusammenzubringen.

Messestand mit KNX-Technologie und Präsentationsflächen auf einer Fachmesse.

Insta Messestand Light+Insta präsentiert Lösungen für vernetzte Gebäudeautomation auf der Light + Building. (Bild: Insta GmbH)
2026

Was heißt das konkret?

Christof Schönfeld: Wir entwickeln Plattformen – sowohl in Hardware als auch in Software –, die sich wiederverwenden und skalieren lassen. Gleichzeitig schaffen wir Spielraum für kundenindividuelle Ausprägungen, etwa über Konfiguration, Softwareanpassungen oder konstruktive Varianten. Das beginnt manchmal schon bei Themen wie Gehäuseform, Formensprache oder Wiedererkennungswert. Gleichzeitig müssen die Plattformen technologisch offen genug sein, um unterschiedliche Funktechnologien und Kommunikationswege abzubilden. Genau in dieser Balance liegt heute die eigentliche Herausforderung.

Das Stichwort Plattform hört man derzeit überall. Auch, weil Anforderungen an Gebäudeeffizienz und Gebäudeautomation wachsen. Wie zahlt Insta darauf ein?

Christof Schönfeld: Für uns heißt Plattform zunächst, eine belastbare Basis für Anwendungen im Gebäude zu schaffen. Wenn ich auf unsere Unterputz-Mini-Plattform schaue, dann reden wir über ganz konkrete Anforderungen: Schalten, Dimmen, Beschattung, das Ansteuern von Kleinregelventilen für Heizungen und viele weitere Funktionen der Raum- und Gebäudeautomation. Der Gedanke dahinter ist, unseren Kunden aus einem Guss Produkte für diese Anwendungen zur Verfügung zu stellen. Zugleich müssen sich diese Produkte nahtlos in die Systeme unserer Kunden einbinden lassen – softwareseitig, kommunikativ und funktional. Raumtemperaturregelung muss effizient funktionieren, Anwesenheitserkennung muss sauber eingebunden sein, und am Ende muss das Gesamtangebot im Projekt rund wirken. Unsere Plattformen stützen das. Wir liefern die Grundlage.

Bleiben wir bei der Raumtemperaturregelung. Wie groß ist dieser Hebel im Gebäude aus Ihrer Sicht wirklich?

Christof Schönfeld: Aus unserer Sicht ist das ein sehr großer Hebel. Die entscheidende Frage lautet immer: Welche Verbraucher werden gerade tatsächlich benötigt – und welche nicht? Genau dort liegen die relevanten Einsparpotenziale. Das betrifft ausdrücklich auch die Raumklimatisierung. Ich muss im Sommer keinen ungenutzten Büroraum permanent auf Komforttemperatur halten. Und im Winter genauso wenig. Es reicht, wenn ich den Raum so bewirtschafte, dass beim Betreten in akzeptabler Zeit wieder der gewünschte Sollwert erreicht wird. Gerade hier zeigt sich, wie wichtig das Zusammenspiel der Funktionen ist: Wenn Anwesenheit radarbasiert erkannt wird und Aktoren sauber darauf reagieren, entsteht daraus echte Effizienz – nicht als theoretisches Versprechen, sondern als Funktion im Gebäudealltag.

Sie haben im Gespräch auch Autarik angesprochen. Wie reiht sich dieses Thema in das Energiemanagement im Gebäude ein?

Christof Schönfeld: Zuerst muss man der Fairness halber sagen: Autarik spielt aktuell keine aktive Rolle mehr in unserem Portfolio, der dahinterliegende Ansatz bleibt für uns jedoch relevant. Das Produkt wird man also so im Feld vermutlich nicht mehr antreffen. Relevant bleibt aber der dahinterliegende Gedanke. Autarik ist aus der Beobachtung entstanden, dass es in der Praxis noch immer nicht einfach genug ist, verschiedene Verbraucher – etwa Wärmepumpe, PV-Anlage und E-Mobilität – sinnvoll zusammenzubringen. Technisch lässt sich vieles lösen, aber oft sind diese Lösungen komplex, aufwendig und nicht unbedingt der erste Schritt, den man im Bestand realistisch gehen kann.

Zwei Mitarbeiter der Insta GmbH prüfen ein elektronisches Gerät an einem technischen Prüfstand

Bei Insta wird die Funktion elektronischer Komponenten unter realitätsnahen Bedingungen getestet, um Qualität und Zuverlässigkeit in der Gebäudeautomation sicherzustellen. Foto: © Insta GmbH

Also eher ein Brückenansatz?

Christof Schönfeld: Genau. Der Bestand ist riesig, und wir sollten nicht immer nur auf den Neubau schauen. Bei Autarik war der Ansatz, bestehende Wärmepumpen mit SG-Ready-Schnittstelle besser in ein übergeordnetes Energiemanagement einzubinden. Wenn beispielsweise über KNX ein PV-Überschuss erkannt wird, konnte diese Information an die Wärmepumpe übersetzt werden, damit sie etwa den Warmwasserspeicher mit eigenem Überschussstrom höher lädt, statt dass dieser Strom ins Netz abgegeben wird. Der Charme lag also nicht in der großen Universalantwort, sondern in einem pragmatischen Zwischenschritt für Bestandsanlagen.

Genau das ist ja eines der Grundprobleme im Gebäude: Es gibt sehr viele Einzellösungen. Eigentlich bräuchte es eine Gesamtlösung.

Christof Schönfeld: Das stimmt. Und da passt das Bild der Zahnräder wieder sehr gut. Wir stellen uns so auf, dass unsere Produkte den Kunden helfen, ihr Portfolio zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenzuführen. Typische Anwendungen sind Schalten, Beschattungssteuerung, Einzelraumregelung, Heizen und Kühlen. Diese Funktionen bilden wir in unterschiedlichen Bauformen ab – für die Verteilung, für die Unterputzdose, für Nachrüstung oder Neubau. Unser Lösungsangebot ist deshalb bewusst breit gefächert: weil die Anwendungsfälle im Feld eben sehr unterschiedlich sind. Nicht jedes Projekt beginnt auf der grünen Wiese. Sehr oft muss man mit dem arbeiten, was im Gebäude bereits vorhanden ist.

Dann kommen wir zu einem Begriff, den man auf dieser Messe tatsächlich gefühlt an jeder Ecke hört: Interoperabilität. Wird sie vom Vorteil zur Pflicht?

Christof Schönfeld: Für uns hat das Thema hohe Relevanz, weil Vernetzung in unserem Portfolio eine große Rolle spielt. KNX ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Ein offener Standard bietet den Vorteil, dass Gebäudebetreiber und Endkunden später nicht auf einen einzigen Hersteller festgelegt sind. Wenn Anforderungen sich ändern, ein Produkt ersetzt oder ein System erweitert werden soll, können auch Produkte anderer Hersteller eingebunden werden – und man hat trotzdem die Sicherheit, dass die Geräte miteinander funktionieren. Genau darin liegt ein enormer Wert.

Also nicht nur Komfort, sondern Zukunftsfähigkeit?

Christof Schönfeld: Ganz klar. Deshalb ist KNX für uns so wichtig: wegen Offenheit, Standardisierung und Interoperabilität. Gleichzeitig zeigen wir aber auch andere Vernetzungstechnologien, etwa Matter. Auch dort geht es letztlich darum, dass Geräte interoperabel miteinander kommunizieren. Wir sind überzeugt, dass Lösungsvielfalt für den Markt wertvoll ist – solange daraus am Ende passende, funktionierende Lösungen entstehen.

Zwei kompakte Unterputz-Aktoren für Gebäudeautomation mit Anschlussklemmen.

Modulare Aktorenlösungen ermöglichen flexible Integration in unterschiedliche Systeme. (Bild: Insta GmbH)

Wo Vernetzung zunimmt, wächst auch die Bedeutung von Security. Laut eigener Aussage war Insta das erste Unternehmen mit einem zertifizierten KNX Data Secure Stack. Wird Security gerade zur Grundvoraussetzung?

Christof Schönfeld: Ich würde sagen: ja. Allein der Blick auf den Cyber Resilience Act zeigt, in welche Richtung sich der Markt bewegt. Ohne zu tief in die Regulierung einzusteigen, ist für uns klar: Kommunikation zwischen Geräten muss sicher sein. Bei KNX Data Secure lösen wir das über sichere Verschlüsselung. Deshalb sehen wir Security nicht als Randthema, sondern als etwas, das zunehmend zum Standard wird. In einer stärker vernetzten Gebäudetechnik ist das kein Luxus und auch kein Spezialthema mehr, sondern Grundvoraussetzung.

Und wohin soll die Reise bei Insta in den nächsten Jahren gehen? Bleibt man Technologiepartner im Hintergrund – oder will man stärker als Impulsgeber sichtbar werden?

Christof Schönfeld: Die rein passive Rolle funktioniert heute nicht mehr. Wenn man nur wartet, was angefragt wird, und dann liefert, greift das heute zu kurz. Für uns ist es sehr relevant, technologische Impulse zu setzen, Markt- und Anforderungsentwicklungen früh zu antizipieren und daraus eigene Lösungsvorschläge zu entwickeln. Wir wollen unseren Partnern nicht nur Standardprodukte liefern, sondern auch Ideen und Ansätze, auf die sie vielleicht selbst so noch nicht gekommen wären. Genau darin sehen wir unseren Wertbeitrag: gemeinsam mit unseren Partnern zu besseren Lösungen zu kommen.

Eine letzte Frage aus Sicht des Fachpublikums: Wie kommen Elektrotechniker, Systemintegratoren oder Planer in der Praxis mit Insta in Berührung, wenn Sie als OEM-Zulieferer auftreten?

Christof Schönfeld: Das ist tatsächlich eine schöne Frage. Wir empfinden es als sehr wertvoll, dass gerade Fachhandwerk, Systemintegratoren und Verarbeiter hier auf dem Messestand mit uns sprechen. Sie geben ehrliche Rückmeldungen, berichten aus der Praxis und sagen uns auch sehr klar, was gut funktioniert und wo sie sich Verbesserungen wünschen. Natürlich sind sie nicht unsere direkten Kunden im klassischen Sinn. Aber erstaunlich viele wissen ganz genau, wo unsere Technologien drinstecken. Häufig erkennt jemand am Stand sofort: Das kenne ich doch von Gira oder Jung. Genau daraus entstehen dann oft sehr gute, direkte Gespräche. Und diesen Austausch schätzen wir sehr.

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