Die Stromerzeugung in Deutschland bleibt 2025 mengenmäßig bemerkenswert konstant – strukturell jedoch in Bewegung. Das zeigen die nun veröffentlichten Strommarktdaten der Bundesnetzagentur, basierend auf der Datenplattform Smard. Hinter der nahezu identischen Gesamtmenge verbergen sich klare Verschiebungen zwischen erneuerbaren und konventionellen Energieträgern, ein spürbarer Preisanstieg am Großhandelsmarkt sowie ein veränderter Blick auf den grenzüberschreitenden Stromhandel.
Erzeugung und Verbrauch: Fast gleich viel Strom, aber anders verteilt

Anteile der einzelnen Energieträger an der gesamten Stromerzeugung in Deutschland 2025: Erneuerbare Energien dominieren, mit Wind Onshore und Photovoltaik als größten Einzelposten. Foto: ©Bundesnetzagentur
Insgesamt wurden 2025 437,6 Terawattstunden (TWh) Strom erzeugt – praktisch identisch mit dem Vorjahr (437,7 TWh). Auffällig ist weniger die Menge als vielmehr die Zusammensetzung: 257,5 TWh stammten aus erneuerbaren Energien. Damit kletterte ihr Anteil leicht auf 58,8 Prozent (2024: 58,5 Prozent).
Wind bleibt Nummer eins – mit regionalen Unterschieden
Den größten Beitrag lieferte erneut die Windenergie. Onshore-Windkraft kam auf 106,5 TWh, lag damit jedoch unter dem Vorjahreswert (112,6 TWh). Offshore-Windanlagen steigerten sich leicht auf 26,1 TWh. Zusammengenommen bleibt Wind die tragende Säule der deutschen Stromerzeugung – auch wenn das Windjahr regional unterschiedlich ausfiel.
Photovoltaik legt deutlich zu
Einen klaren Wachstumsschub verzeichnete die Photovoltaik: Mit 74,1 TWh lag sie deutlich über dem Vorjahreswert von 63,2 TWh. Überdurchschnittlich viele Sonnenstunden im Sommer sowie der kontinuierliche Ausbau der installierten Leistung machten sich hier unmittelbar bemerkbar. Wichtig dabei: Erfasst wird nur jener Strom, der tatsächlich ins öffentliche Netz eingespeist wurde – der Eigenverbrauch privater PV-Anlagen bleibt in dieser Statistik außen vor.
Biomasse stabil, Konventionelle leicht rückläufig
Die Stromerzeugung aus Biomasse blieb mit 36,0 TWh nahezu unverändert. Konventionelle Energieträger kamen insgesamt auf 180,1 TWh, ein Rückgang um 0,7 Prozent. Innerhalb dieser Gruppe zeigen sich jedoch gegensätzliche Trends:
- Steinkohle legte um 3,0 Prozent auf 28,2 TWh zu
- Braunkohle ging um 5,4 Prozent auf 67,2 TWh zurück
- Erdgas stieg um 6,4 Prozent auf 60,6 TWh und erreichte damit einen Anteil von 13,8 Prozent an der Gesamterzeugung
Großhandelsstrompreise: Teurer, volatiler – und mit mehr Negativstunden
Am Day-Ahead-Markt lag der durchschnittliche Großhandelsstrompreis 2025 bei 89,32 Euro pro Megawattstunde. Das entspricht einem Anstieg von 13,8 Prozent gegenüber 2024.
Gleichzeitig nahm die Zahl der Stunden mit negativen Strompreisen zu: In 573 von 8.760 Stunden lag der Preis unter null (2024: 457 Stunden). Diese Entwicklung spiegelt das wachsende Zusammenspiel aus wetterabhängiger Erzeugung und zeitlich schwankender Nachfrage wider.
Preisspitzen blieben hingegen selten: Preise über 300 €/MWh traten in 40 Stunden auf – nahezu identisch mit dem Vorjahr.
Interessant ist der Blick auf den Terminmarkt: Ein Jahresfuture für 2025 kostete im Jahr 2024 im Schnitt 88,70 €/MWh und lag damit fast exakt auf dem späteren Day-Ahead-Durchschnitt. Zwei Jahre zuvor, 2023, wurden für dasselbe Lieferjahr noch 122,03 €/MWh bezahlt – ein deutlicher Hinweis darauf, wie sehr sich die Markterwartungen normalisiert haben.
Grenzüberschreitender Stromhandel: Weniger Nettoimport
Deutschland blieb auch 2025 Nettoimporteur von Strom – allerdings mit rückläufiger Tendenz. 76,2 TWh wurden importiert, 54,3 TWh exportiert. Während die Importe leicht sanken (–1,3 Prozent), legten die Exporte um 11,1 Prozent zu. Der Nettoimport verringerte sich damit um 22,6 Prozent auf 21,9 TWh.
Der Hintergrund ist wenig spektakulär, aber zentral für das Verständnis des europäischen Stromsystems: Strom wird dort erzeugt, wo er gerade am günstigsten ist. Deutschland importiert, wenn heimische Erzeugung teurer wäre – und exportiert, wenn umgekehrt günstige Erzeugungsbedingungen vorliegen. Der Strommarkt funktioniert zunehmend als gesamteuropäisches Optimierungssystem.
Die Richtung stimmt – die Komplexität steigt
Die Strommarktdaten 2025 zeichnen kein Bild der Extreme, sondern eines der Verschiebung und Feinjustierung. Die Erneuerbaren behaupten und festigen ihre Mehrheit, Photovoltaik gewinnt sichtbar an Bedeutung, während konventionelle Energieträger differenzierter eingesetzt werden.
Gleichzeitig zeigt der Preismarkt, dass mit dem wachsenden Anteil wetterabhängiger Erzeugung auch die Volatilität zunimmt – mit allen Chancen und Herausforderungen für Speicher, Flexibilität und Lastmanagement.
Kurz gesagt: Deutschlands Stromsystem wird nicht instabiler, sondern anspruchsvoller. Wer es steuern will, braucht weniger Schlagworte – und mehr Daten. Genau dort liefern die Zahlen für 2025 eine solide Grundlage.
Netzausbau 2025: Genehmigt, was lange blockiert war
Während sich die öffentliche Debatte zur Energiewende oft auf Erzeugung und Preise konzentriert, fällt eine andere, ebenso entscheidende Entwicklung meist leiser aus: Vier Stromautobahnen erhalten grünes Licht und damit der Netzausbau. Die aktuellen Zahlen der deutschen Bundesnetzagentur zeigen jedoch, dass 2025 genau hier ein Jahr mit Signalwirkung war – juristisch, planerisch und infrastrukturell.
2.000 Kilometer in einem Jahr – ein deutlicher Sprung
Im Jahr 2025 hat die Bundesnetzagentur rund 2.000 Kilometer Stromleitungen genehmigt. Das entspricht einem Plus von etwa 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr, in dem 1.280 Kilometer abgeschlossen wurden. In Summe sind damit für rund 4.700 Leitungskilometer in der Zuständigkeit der Bundesnetzagentur die Verfahren vollständig abgeschlossen.
Diese Zahl markiert einen Wendepunkt: Erstmals bewegt sich der Netzausbau nicht nur konzeptionell, sondern flächig in Richtung Umsetzung.
Premiere für die „Stromautobahnen“
Besonders bedeutsam ist, dass 2025 erstmals die Genehmigungsverfahren für große Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ) abgeschlossen wurden. Die vier zentralen Nord-Süd-Verbindungen
- A-Nord
- Ultranet
- SuedLink
- SuedOstLink
haben von der Bundesnetzagentur die Baugenehmigungen erhalten. Damit sind jene Projekte genehmigt, die seit Jahren als Rückgrat der zukünftigen Stromversorgung gelten – und zugleich als politisch und gesellschaftlich besonders sensibel.
Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, ordnet den Schritt entsprechend ein:
„Wir haben den Ankündigungen des letzten Jahres Taten folgen lassen. Auf ein Rekordjahr der Stromnetz-Genehmigungen folgt ein weiteres. Der Ausbau des Stromnetzes ist unerlässlich für den Erfolg der Energiewende. 2025 haben wir die Verfahren für vier große Stromautobahnen abgeschlossen. Ein sichtbarer Beleg dafür, dass die Beschleunigung der letzten Jahre konkrete Ergebnisse erzielt.“
Warum diese Genehmigungen so zentral sind
Der gesetzlich festgelegte Netzausbaubedarf liegt aktuell bei rund 16.800 Kilometern. Er bildet die Grundlage dafür, auch in einem von erneuerbaren Energien dominierten System eine sichere und zuverlässige Stromversorgung aufrechtzuerhalten.
Für rund 9.600 Kilometer ist die Bundesnetzagentur selbst für Prüfung und Genehmigung zuständig, der restliche Teil liegt bei den Bundesländern. Damit trägt die Bundesnetzagentur die Verantwortung für den Großteil jener Leitungen, die das Stromsystem künftig stabilisieren sollen – insbesondere im Zusammenspiel von Windstrom aus dem Norden und Verbrauchszentren im Süden und Westen.
Vom Korridor zur Trasse: Wie Genehmigung konkret funktioniert
Das Verfahren folgt einem klar strukturierten Ablauf:
- Korridorfestlegung
Zunächst wird ein etwa 1.000 Meter breiter Korridor definiert, innerhalb dessen die Leitung grundsätzlich verlaufen kann.
- Planfeststellung
In einem zweiten Schritt wird der exakte Trassenverlauf festgelegt. Ziel ist ein Verlauf mit möglichst geringen Eingriffen in Landschaft und Umwelt sowie mit minimaler Belastung für Anrainerinnen und Anrainer.
Dieser Schritt ist bewusst dialogorientiert angelegt: Zuständige Behörden, Vorhabenträger und Betroffene vor Ort bringen ihre Argumente ein, die geprüft und gegeneinander abgewogen werden. Am Ende steht eine formale Entscheidung – und damit das Baurecht für die konkrete Leitung.
Status Ende 2025: Vom Papier zur Baustelle
Zum Jahresende 2025 ergibt sich ein klar gegliedertes Bild:
- rund 4.100 Kilometer befinden sich noch in oder vor dem Genehmigungsverfahren
- für rund 4.700 Kilometer ist das Verfahren abgeschlossen oder aufgrund gesetzlicher Änderungen nicht mehr erforderlich
Für diese genehmigten Abschnitte gilt: Der Baubeginn steht unmittelbar bevor oder ist bereits im Gang.
Einordnung: Netzausbau wird greifbar
Die Genehmigung der vier großen Stromautobahnen ist mehr als ein administrativer Erfolg. Sie ist ein struktureller Meilenstein für das Energiesystem insgesamt. Ohne leistungsfähige Netze bleiben hohe Anteile erneuerbarer Erzeugung ein theoretisches Potenzial – mit ihnen werden sie systemfähig.
2025 zeigt damit, dass Beschleunigung nicht nur angekündigt, sondern umgesetzt werden kann. Der Netzausbau ist noch lange nicht abgeschlossen. Aber erstmals ist sichtbar: Die zentralen Engpässe werden nicht mehr nur beschrieben – sie werden aufgelöst.
Nord-Süd-Achsen als Rückgrat des mitteleuropäischen Stromsystems
Gerade diese Nord-Süd-Leitungen sind damit von zentraler Bedeutung – nicht nur für Süddeutschland, sondern auch für Österreich: Sie schaffen die physische Voraussetzung, dass günstiger Windstrom aus dem Norden Deutschlands zuverlässig bis in die Verbrauchszentren im Süden und über die Grenzen hinweg in den Alpenraum gelangt – und damit dort ankommt, wo er für Industrie, Haushalte und die weitere Elektrifizierung am dringendsten gebraucht wird.