Wirtschaftliche Vorteile durch Bestandserhalt:

Beleuchtung modernisieren

von Julia Petz
Foto: © www.i-magazin.com/KI generiert

Signify hat im Vorfeld der 31. UN-Klimakonferenz (COP31) in Antalya eine Analyse eigener Beleuchtungsprojekte vorgestellt. Die am 2. November 2026 in Hamburg bekannt gegebene Untersuchung liefert Anhaltspunkte dafür, wie sich Beleuchtung modernisieren lässt, ohne funktionierende Infrastruktur vollständig zu ersetzen. Durchgeführt wurde die von Signify unterstützte Analyse vom „Circular Economy and Sustainability Lab“ der Universität Oxford und dem Verein „Academics for Circular Economy e.V.“.

37 von 50 Projekten mit wirtschaftlichen Vorteilen

Die Forschenden untersuchten 50 Beleuchtungsprojekte mit zirkulären Ansätzen aus zehn Sektoren. Dazu gehörten Krankenhäuser, Schulen, Flughäfen, Büros, Häfen, Tunnel und kommunale Infrastruktur. Bei 37 Projekten zeigten sich geringere Investitions- oder Instandhaltungskosten. Das entspricht 74 Prozent der untersuchten Fälle. Die Zahl bezieht sich damit auf diese Signify-Projekte und nicht auf Beleuchtungsmodernisierungen insgesamt.

Weitere Ergebnisse betreffen die Nutzungsdauer und den Erhalt vorhandener Technik: Bei 31 Projekten verlängerte sich die Lebensdauer der Anlagen, bei 26 konnten Materialien und Komponenten weiterverwendet werden. In 23 Fällen ließen sich Ausfallzeiten oder Betriebsstörungen vermeiden; bei 20 Projekten war kein vollständiger Austausch der Anlage notwendig.

Energieeinsparungen wiesen insgesamt 36 Projekte auf. Innerhalb dieser Gruppe betrug die Einsparung im Durchschnitt 59,5 Prozent. Neben dem Energieverbrauch erfasste die Untersuchung somit auch Auswirkungen auf Materialnutzung, Instandhaltung und laufenden Betrieb.

Wann lässt sich Beleuchtung ohne Komplettaustausch modernisieren?

Eine Modernisierung ohne Komplettaustausch kommt infrage, wenn vorhandene Komponenten weiterhin ihren Zweck erfüllen und sich die erforderlichen Verbesserungen gezielt umsetzen lassen. Die Analyse empfiehlt dafür eine Bestandsprüfung: Welche Teile sind vorhanden, welche müssen verbessert werden und welche können weitergenutzt werden? Maßgeblich sind Leistung, Kosten und der Wert über den gesamten Lebenszyklus.

Zirkuläre Beleuchtung bedeutet in diesem Verständnis nicht, jede Anlage möglichst lange unverändert zu betreiben. Der Ansatz umfasst Reparatur, Nachrüstung, Wiederaufbereitung und bedarfsgerechten Austausch. Wer Beleuchtung nachrüsten will, muss daher nicht grundsätzlich auf neue Komponenten verzichten. Entscheidend ist, welche Maßnahme für die jeweilige Anlage die effektivste Lösung darstellt.

Priya Saikumar, Doktorandin an der Universität Oxford, formuliert die Abgrenzung so: „Das ist kein Argument gegen den Austausch“. Sie wendet sich gegen die Annahme, der Austausch sei die einzige Lösung.

Zur Beleuchtungsanlage gehört mehr als die Lichtquelle

Bei einer Sanierung beschränkt sich der technische Umfang häufig nicht auf Leuchten oder Lichtquellen. Zur Installation können Gehäuse, Treiber, Optik, Verkabelung, Steuerungen und Befestigungssysteme gehören. Hinzu kommen gegebenenfalls Masten, Schränke und weitere Infrastrukturelemente. Ein vollständiger Austausch kann deshalb auch Bauteile betreffen, die technisch noch verwendbar sind.

Mit der Entsorgung funktionierender Komponenten gehen nicht nur Materialverluste einher. Zusätzliche Kosten können durch Montage, Installation und Entsorgung entstehen. Für die wirtschaftliche Betrachtung einer Modernisierung ist damit der Umfang der Arbeiten an der gesamten Anlage relevant, nicht allein der Preis einer neuen Lichtquelle.

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Mario Giordano, Global Head of Public & Government Affairs bei Signify, sagt: „Innovation muss nicht automatisch mit einem vollständigen Austausch einhergehen“. Als Beispiele für weiter nutzbare Infrastruktur nennt er Masten, Kabel und Gehäuse.

Dublin Port Tunnel: Modernisierung von rund 1.800 Lichtpunkten

Ein konkretes Beispiel liefert der Dublin Port Tunnel. Dort wurden rund 1.800 Lichtpunkte innerhalb der bestehenden Infrastruktur modernisiert. Signify schätzt die Einsparung gegenüber einem vollständigen Austausch auf etwa drei Millionen Euro. Der Betrag ist eine Schätzung des Herstellers und beschreibt den Vergleich für dieses Projekt.

Gerade in Tunneln können Arbeiten an einzelnen Komponenten mit kostspieligen Umbaumaßnahmen verbunden sein, die über den eigentlichen Leuchteneinbau hinausgehen. Ähnliche Anforderungen an die Aufrechterhaltung des Betriebs bestehen in anderen untersuchten Einsatzbereichen: Krankenhäuser können für eine Beleuchtungssanierung nicht einfach eine Station schließen, und Flughäfen müssen auch während der Arbeiten betriebsfähig bleiben.

Ersatzteile und Reparaturinformationen als Hindernisse

Die Grenzen zirkulärer Ansätze liegen der Analyse zufolge häufig eher in den Rahmenbedingungen als in der Technik. Das Produktdesign kann eine Weiterverwendung erschweren. Ebenso können ein eingeschränkter Zugang zu Ersatzteilen und fehlende Reparaturinformationen verhindern, dass sich grundsätzlich tragfähige Lösungen in größerem Umfang umsetzen lassen.

Weitere Hindernisse sieht der Bericht bei Finanzierung, Eigentumsverhältnissen, verfügbaren Daten und Fachwissen. Auch begrenzte Möglichkeiten zur Wiederverwendung und Rücknahme können die Umsetzung beeinträchtigen. Für die Kreislaufwirtschaft in der Beleuchtung reicht es deshalb nach den Untersuchungsergebnissen nicht aus, nur die technischen Möglichkeiten einer Nachrüstung zu betrachten.

Beschaffung soll den gesamten Lebenszyklus berücksichtigen

Eine vorwiegend auf Anschaffungskosten ausgerichtete Modernisierungsstrategie nennt die Analyse als weiteres Hemmnis. Der Bericht fordert stattdessen Beschaffungskonzepte, die den Wert über den gesamten Lebenszyklus berücksichtigen. Dazu zählen ausdrücklich die Aufrüstbarkeit der Produkte und der Erhalt vorhandener Infrastruktur.

Um solche Ansätze zu ermöglichen, empfehlen die Verfasser eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Industrie und Politik. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie sich neben Energie auch Ressourcen effizienter nutzen lassen: durch längere Anlagenlebensdauer, einen geringeren Rohstoffbedarf und den Erhalt des Werts bestehender Installationen. Ressourceneffizienz ergänzt damit die Energieeffizienz als Kriterium für Modernisierungsentscheidungen.

Signify Circle ist ein eigenes Herstellerprogramm

Von der Untersuchung zu unterscheiden ist Signify Circle. Mit diesem Programm will Signify die im Bericht beschriebenen Prinzipien praktisch umsetzen. Nach Herstellerangaben bündelt es kreislauforientiertes Design, Ersatzteile, Erweiterungs-Kits, Lebenszyklusoptimierung und Light-as-a-Service. Ziel ist, die Nutzungsdauer von Beleuchtungsprodukten und Komponenten zu verlängern und ihren Wert zu erhalten.

Das Programm soll Endanwendern und Planern einen Rahmen für die Auswahl von Lösungen bieten. Neben Produkteigenschaften sollen dabei Gestaltung, Wartung, Aufrüstbarkeit und Nutzung über den Lebenszyklus berücksichtigt werden. Die genannten Untersuchungsergebnisse beziehen sich auf die 50 analysierten Beleuchtungsprojekte; sie sind nicht als gesonderte Bewertung des Programms Signify Circle ausgewiesen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.signify.com.

Quelle: Signify

Häufig gestellte Fragen

Wann lässt sich Beleuchtung ohne Komplettaustausch modernisieren?

Eine Modernisierung ohne Komplettaustausch kommt infrage, wenn vorhandene Komponenten weiterhin ihren Zweck erfüllen und Verbesserungen gezielt umgesetzt werden können. Die Analyse empfiehlt eine Bestandsprüfung, die klärt, welche Teile vorhanden sind, verbessert werden müssen oder weitergenutzt werden können. Maßgeblich sind Leistung, Kosten und der Wert über den gesamten Lebenszyklus.

Welche wirtschaftlichen Vorteile zeigte die Analyse der Signify-Projekte?

Bei 37 der 50 untersuchten Projekte zeigten sich geringere Investitions- oder Instandhaltungskosten. Das entspricht 74 Prozent der analysierten Fälle. Diese Zahl bezieht sich ausschließlich auf die untersuchten Signify-Projekte und nicht auf Beleuchtungsmodernisierungen insgesamt.

Welche Hindernisse können zirkuläre Beleuchtungslösungen erschweren?

Die Analyse nennt unter anderem Produktdesign, eingeschränkten Zugang zu Ersatzteilen und fehlende Reparaturinformationen. Weitere Hindernisse betreffen Finanzierung, Eigentumsverhältnisse, verfügbare Daten, Fachwissen sowie begrenzte Möglichkeiten zur Wiederverwendung und Rücknahme. Auch eine vorwiegend auf Anschaffungskosten ausgerichtete Beschaffung kann die Umsetzung erschweren.

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