Die Lichttechnik hat 2025 ein breiteres Aufgabenfeld als je zuvor. Sie ist technisch, normativ und zunehmend gesellschaftlich relevant. Die LTG spannt all diese Bereiche zusammen und zeigt, wie vielfältig die Themen geworden sind, die heute unter „gutes Licht“ fallen. Die Generalversammlung verdeutlicht, wie stark sich die Arbeit ausdifferenziert hat – und wohin sich die Branche entwickeln will.
Ein Verband, der sich breiter aufstellt
Als Gudrun Schach die Sitzung eröffnet, ist schnell klar, worum es an diesem Nachmittag gehen wird: um eine nüchterne, aber wichtige Bestandsaufnahme. Nicht die Formalitäten stehen im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie sich die LTG weiterentwickelt – fachlich, organisatorisch und inhaltlich. Schach spricht offen an, dass die Zahl der Mitglieder zuletzt leicht zurückgegangen ist, bewertet das aber mit einer Spur von Gelassenheit. Die LTG bleibe eine stabile Plattform, sagt sie, und vor allem eine, die sich bewusst für Kooperationen öffnet. Genau dieser Gedanke zieht sich wie ein leiser Unterton durch die gesamte Sitzung.
Auch die Arbeitsweise des Verbandes hat sich verändert. Die Mischung aus Präsenztreffen und digitalen Formaten hat sich bewährt, weil sie unterschiedliche Personengruppen gut zusammenbringt. Man spürt, dass die LTG keine starre Struktur ist, sondern ein lebendiges Netzwerk, das sich an den Bedürfnissen der Mitglieder orientiert. Und nicht selten, erzählt Schach, seien gerade die Online-Sitzungen intensiver gewesen als erwartet.
Was aus Plänen wird – und was nicht
Ein besonderer Moment entsteht, als Schach eine Folie zeigt, die sie bereits vor zwei Jahren präsentiert hat. Ein Rückblick, der nüchtern bleibt, aber viel aussagt: Einige Vorhaben wurden erfolgreich umgesetzt, andere haben sich in eine andere Richtung entwickelt, wieder andere wurden verworfen. Und doch ist es gerade diese Beweglichkeit, die der LTG zugutekommt.
So wuchs beispielsweise der Bereich Nachhaltigkeit stärker als ursprünglich gedacht. Ein Seminar, das nie zustande kam, wurde durch einen aktiven Arbeitskreis ersetzt, der heute eine der sichtbarsten Gruppen des Verbands ist. Auch im Bereich Retrofit entstand ein wichtiges Whitepaper, das in der Branche weit über Österreich hinaus diskutiert wird. Und das Thema Tageslicht, das lange eher im Hintergrund stand, hat inzwischen eine feste Position im Verband.
Die Botschaft dahinter ist klar: Die LTG versteht sich nicht als Liste unverrückbarer Projekte, sondern als Arbeitsplattform, die sich selbst weiterentwickelt.
Ausbildung mit klarem Anspruch
Von dieser Dynamik profitiert auch die Ausbildung. Karl Brandstätter, seit zwei Jahren Leiter des Zertifikatslehrgangs für Lichttechnikerinnen und Lichttechniker, fasst die Entwicklung ruhig und präzise zusammen. Der Lehrgang sei stabil nachgefragt, berichtet er, aber die Zahl derer, die dann auch tatsächlich zur Prüfung antritt variiere stark. Einige Teilnehmende hätten sich inhaltlich etwas anderes erwartet – insbesondere in der Arbeit mit Planungstools wie Dialux, die Teil der Abschlussprüfung sind.

Karl Brandstätter, Leiter des Zertifikatslehrgangs für Lichttechniker und Lichttechnikerinnen. Er treibt die Weiterentwicklung der Ausbildung nach ÖNORM EN 17024 voran. (Bild: ©www.i-magazin.com)
Brandstätter reagiert darauf pragmatisch: Für 2026 ist ein Einsteigermodul in Vorbereitung, das die grundlegenden Schritte im Umgang mit Berechnungssoftware vermittelt. Die Zertifizierung selbst bleibt anspruchsvoll, da sie nach ÖNORM EN 17024 erfolgt. Dass die LTG die Lehrinhalte an die aktualisierte ELE-Taxonomie angepasst hat, ist mehr als eine Formalität. Es zeigt, wie wichtig die internationale Vergleichbarkeit geworden ist.
Man merkt Brandstätter an, dass er die Ausbildung als Kernaufgabe der LTG sieht – und dass die Professionalisierung der Lichttechnik ohne fundierte Qualifizierung kaum denkbar ist.
Tageslicht rückt stärker ins Zentrum
Ein weiterer Schwerpunkt, der in der Sitzung klar erkennbar wird, ist das Tageslicht. Renate Hammer, Architektin und Leiterin des Arbeitskreises Tageslicht, lässt sich diesmal von Gudrun Schach vertreten. Sie beschreibt die laufenden Arbeiten an einem Leitfaden, der einen Kontext zwischen den Methoden der OIB-Richtlinie 3 und jenen der EN 17037 herstellen soll. Ziel ist ein Werkzeug, das die Tageslichtversorgung in Räumen leicht und nachvollziehbar bewertet – nicht nur für Fachleute, sondern auch für all jene, die Gebäude nutzen.

Gudrun Schach, die Vorsitzende der LTG. Sie prägt die strategische Ausrichtung des Verbands und setzt auf Kooperationen, Tageslichtforschung und pragmatische Normenanwendung. (Bild: ©www.i-magazin.com)
Schach erklärt, warum dieser Ansatz notwendig ist: Die aktuelle Methode der Vorgabe eines Verhältnisses von Lichteintritts- zu belichteter Raumfläche kann zu sehr unterschiedlichen Tageslichtqualitäten führen. Angeboten werden soll ein einfach nachvollziehbares, praxisnahes Tabellenwerk, das Grundlagen für Entscheidungen in der frühen Planung oder bei Besichtigungen bietet. Daran arbeitet der Arbeitskreis, gemeinsam mit Fachleuten aus Architektur, Wissenschaft und Planung.
Man spürt, dass das Thema Tageslicht nicht mehr beiläufig behandelt wird. Es gehört mittlerweile zum Fundament der LTG-Arbeit – und wird in Zukunft noch wichtiger werden.
Nachhaltigkeit als kontinuierlicher Prozess
Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich beim Arbeitskreis Nachhaltigkeit, dessen Leiterin Johanna Stückler einen weitreichenden Überblick gibt. Der Arbeitskreis ist in kurzer Zeit gewachsen und hat sich inhaltlich stark verbreitert. Stückler betont, dass es in der Nachhaltigkeit selten schnelle Lösungen gebe, sondern vielmehr eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit vielen kleinen Bausteinen.

Johanna Stückler – sie leitet den Arbeitskreises Nachhaltigkeit und ist für den Podcast „Licht hören“ verantwortlich. (Bild: ©www.i-magazin.com)
Besonders sichtbar wurde das durch den Podcast „Licht hören“, eine DACH-weite Kooperation mit der deutschen LiTG und der Schweizer SLG. Stückler berichtet über die Kennzahlen, ohne sie zu überhöhen: starke Bindung der Hörer, hoher Anteil an Abonnenten, ein natürlicher Rückgang nach der ersten Folge, wie er in der Podcastwelt üblich ist. Für 2026 ist eine zweite Staffel in Vorbereitung, mit stärkerer Interaktion, diverseren Gästen und mehr Cross-Promotion.
Der Arbeitskreis versteht Nachhaltigkeit nicht als modisches Schlagwort, sondern als Teil der fachlichen Verantwortung. Diese Haltung ist bemerkenswert – und sie trägt dazu bei, dass das Thema in der LTG zunehmend verankert ist.
Wie Betreiber denken – und warum diese Perspektive für die LTG wichtiger wird
Einen spürbaren Perspektivwechsel bringt der Bericht über die Betreiberplattform. Er zeigt, dass Lichttechnik nicht nur aus Normen, Laborwerten und Planung besteht, sondern ebenso aus sehr konkreten Fragen des Betriebsalltags. Gudrun Schach übernimmt den Bericht stellvertretend für Wolfgang Kerber und fasst zusammen, wie sich dieser Kreis in den vergangenen Jahren entwickelt hat.
Was sofort auffällt: Die Betreiberplattform ist einer der Orte innerhalb der LTG, an denen die Praxis besonders unmittelbar zur Sprache kommt. Hier geht es nicht um abstrakte Modelle, sondern um das, was im Alltag passiert, wenn Beleuchtungssysteme jahrzehntelang laufen, gewartet, umgebaut oder ersetzt werden müssen. Schach beschreibt, wie unterschiedlich die Themen ausfallen können und wie wichtig gerade dieser Austausch über Erfahrungen ist.
Ein Beispiel bleibt besonders hängen: Die Frage, welche Ersatzmaßnahmen bestehen für einen Transformator, der durch galvanische Trennung einen Stromkreis elektrisch vom speisenden Netz entkoppelt (Trenntrafo)? Solche Punkte wirken technisch, sind aber im Kern typische Betreiberfragen – und sie zeigen, wie sehr Lichttechnik auch von elektrotechnischen Rahmenbedingungen abhängig ist.
Auch der Blick auf landesrechtliche Vorgaben, etwa das oberösterreichische Umweltschutzgesetz, wird diskutiert. Betreiber müssen beurteilen können, welche Auswirkungen solche Regelungen auf Beleuchtungsanlagen haben. Man merkt: Die Betreiberplattform trägt dazu bei, dass die LTG nicht nur von der Theorie her denkt, sondern vom Betrieb aus. Und genau das macht sie für viele Mitglieder zu einer verlässlichen Anlaufstelle.
Öffentliche Beleuchtung: Austausch statt Einzelkämpfer

Andreas Schnegg-Primus, er sorgt mit seinen Kollegen vom Arbeitskreis Öffentliche Beleuchtung dafür, dass die Anforderungen moderner Stadt- und Gemeindebeleuchtung fachlich fundiert weiterentwickelt werden. (Bild: ©www.i-magazin.com)
Ein weiterer Themenblock betrifft die öffentliche Beleuchtung. Seit Kurzem liegt die Leitung bei Andreas Schnegg-Primus, der den Arbeitskreis gemeinsam mit Thomas Egger von der Stadt Salzburg führt. Schnegg-Primus berichtet von einer wachsenden und stabilen Gruppe, die sich inzwischen fest eingespielt hat. Salzburg, Innsbruck und Wels waren die Treffpunkte des vergangenen Jahres – Orte, die nicht zufällig gewählt wurden, sondern wichtige Knotenpunkte in der österreichischen Infrastruktur darstellen.
Die Treffen zeichnen ein Bild davon, wie intensiv kommunale Aufgaben heute geworden sind. Die Spannbreite der Themen reicht von der Frage, wann Abschaltungen sinnvoll sind, bis hin zu Finanzierungsmodellen für Sanierungen. In vielen Gemeinden wird Lichttechnik mit neuen Budgetrealitäten konfrontiert, was einen stärker abgestimmten Umgang erfordert.
Schnegg-Primus formuliert es nüchtern: Die Gruppe sei groß, gut besucht und arbeite praxisnah. Vieles davon betrifft keine spektakulären Projekte, sondern jene Details, die letztlich darüber entscheiden, ob Beleuchtung im öffentlichen Raum zuverlässig, effizient und wartbar bleibt. Für die LTG ist das ein zentraler Baustein – gerade weil die öffentliche Beleuchtung zu jenen Bereichen gehört, in denen Fachwissen unmittelbar sichtbar wird.
Normenarbeit: Zwischen Anspruch, Realität und Interpretation
Dass die LTG in der Normenarbeit eine bedeutende Rolle einnimmt, zeigt sich im Bericht von Schach selbst, die einen Einblick gibt, wie breit das Netzwerk inzwischen geworden ist. Die Zusammenarbeit mit dem OVE, mit Landesregierungen, mit Kommunalkredit oder mit dem Institut für Schul- und Sportstättenbau zeigt, dass Lichttechnik längst nicht mehr nur technisch betrachtet wird. Sie ist Teil architektonischer, rechtlicher und gesellschaftlicher Überlegungen.
Interessant ist der Fokus auf jenen Aspekten, die in der Normenwelt häufig zu Missverständnissen führen – etwa die Interpretationen von 12464-1 oder die Diskussionen rund um erhöhte Beleuchtungsstärken. Schach macht deutlich, dass Normen nicht dazu da sind, blind befolgt zu werden, sondern verstanden werden müssen. Und dass es Situationen gibt, in denen der Verband bewusst Modifikationen empfiehlt, um praxistaugliche Lösungen zu ermöglichen.
Der Hinweis auf die neue Richtlinie für Bildungsbauten zeigt das exemplarisch. Dort wurde bewusst nicht jeder neue Normwert übernommen, weil in vielen Fällen Anwendung und Realität auseinanderklaffen. Genau hier sieht die LTG ihre Rolle: fachlich korrekt, aber ohne dogmatische Starrheit.
Wenn Praxis vor Ort verstanden wird
Dass die LTG sich zunehmend bemüht, Licht nicht nur auf Folien und in Räumen zu erklären, sondern in realen Situationen, zeigt der Rückblick auf verschiedene Exkursionen und Schulungsveranstaltungen. Besonders sichtbar wurde das im Rahmen von Workshops mit der AUVA, bei denen Lichtmessungen direkt vor Ort durchgeführt wurden. Die Beraterinnen nahmen selbst Messgeräte in die Hand – eine Herangehensweise, die zeigt, dass Wissen erst dann greift, wenn es in der Praxis angewendet wird.
Auch Veranstaltungen wie die E-nnovation, bei der die LTG mit Fachvorträgen vertreten war, stärken diesen Eindruck. Bei derartigen Veranstaltungen fließen Themen wie Blendbegrenzung, Retrofit, Sportstättenbeleuchtung oder Lichtverschmutzung nicht nur in Fachkreise, sondern auch in ein breiteres Publikum. Es ist eine Form der Sichtbarkeit, die der LTG zunehmend wichtig wird.
Der Kongress als Dreh- und Angelpunkt
Ein wesentlicher Bestandteil der LTG-Arbeit bleibt der Jahreskongress. Schach beschreibt die Entwicklung sehr klar: Der Kongress sei nicht nur ein fachlicher Treffpunkt, sondern auch ein Ort, an dem sich die Branche als Gemeinschaft erlebt. Die Jubiläumsreihe zu „100 Jahre LTG“ wurde ein Jahr lang begleitet, mit einem Schwerpunkt auf verträglichem und qualitativem Licht.
Die Podiumsdiskussionen entwickelten sich dabei zu einem besonderen Format. Während frühere Jahre eher vorsichtig agierten, wurde 2025 verstärkt kontrovers diskutiert – ein Zeichen dafür, dass Lichttechnik kein starres Fach ist, sondern ein Feld mit unterschiedlichen Ansichten. Für 2026 kündigt Schach an, mehrere Podien zu planen und das Publikum noch stärker einzubeziehen.
Man merkt, dass sich die LTG bemüht, den Kongress zum zentralen fachlichen Treffpunkt Österreichs weiterzuentwickeln – nicht als Bühnenstück, sondern als Arbeitsform.
Finanzen knapp und sachlich – aber mit Perspektive
Der finanzielle Bericht, den Manfred Mörth abgibt, bleibt in der Sitzung bewusst knapp und soll es hier ebenso sein. Wichtig ist der Kern: Die LTG bewegt sich solide und vorausschauend. Veranstaltungen wie der Kongress hängen stark davon ab, wie viele Aussteller sich beteiligen. In Jahren mit großen Investitionen – etwa in den Podcast oder in die Website – ist der Spielraum kleiner. Genau deshalb arbeitet der Verband mit klaren Prioritäten.
Entscheidend ist dabei nicht die Größe der Rücklagen, sondern die Stabilität der Entwicklung. Mörth betont, dass die LTG in den vergangenen Jahren immer wieder Investitionen stemmen konnte, ohne die Struktur zu gefährden. Für 2026 bleibt der finanzielle Rahmen vorsichtig, aber ausreichend, um die geplanten Projekte umzusetzen.
Ein kurzer Blick auf die Formalia
Die Wahl des Vorstands, die Entlastung, die Kassaprüfung – all diese Punkte werden in der Sitzung zwar ordnungsgemäß behandelt, spielen für die fachliche Ausrichtung jedoch nur eine unterstützende Rolle. Wichtig ist vor allem, dass der neue Vorstand geschlossen gewählt wurde und alle bisherigen Mitglieder ihre Funktionen fortsetzen. Die Struktur bleibt stabil, und genau das bildet das Fundament, auf dem die inhaltliche Arbeit der nächsten Jahre aufbauen kann.
Wie die LTG Wissen weitergibt – und warum das Format vielfältiger wird
In mehreren Beiträgen der Sitzung wird deutlich, dass die LTG längst nicht mehr nur klassische Seminare anbietet. Vieles hat sich in Richtung modularer, flexibler und kooperativer Formate entwickelt. Der Verband setzt zunehmend darauf, Wissen auf unterschiedliche Arten verfügbar zu machen – ob durch Webinare, individuelle Schulungen, Workshops oder digitale Inhalte. Besonders das HCL-Webinar, das jederzeit abrufbar ist, zeigt, wie stark sich die Vermittlung verändert hat.
Schach betont, dass dies kein Nebenaspekt, sondern eine bewusste Weiterentwicklung sei. Früher habe man Expertinnen und Experten einmal im Jahr für Präsenzveranstaltungen gebunden, heute könne Wissen auch dann abgerufen werden, wenn es benötigt wird. Das senkt nicht nur organisatorische Hürden, sondern trägt dazu bei, dass Lichtthemen kontinuierlich im Blick bleiben.
Gleichzeitig gibt es weiterhin Angebote, die bewusst praxisnah gehalten sind. Schulungen zur 12464-1, zu Lichtmessungen oder zu visuellen Informationsträgern werden immer wieder nachgefragt und zeigen, dass viele Themen erst in der Anwendung wirklich verstanden werden. Für die LTG ergibt sich daraus eine klare Aufgabe: Der Verband möchte dort ansetzen, wo Theorie und Praxis zusammenkommen.
Der Blick auf die Schulen – wie Nachwuchs entsteht
Dass die nächste Generation ein wichtiges Thema wird, zeigt der Bericht von Wolfgang Steskal von der HTL Mödling. Auch er beschreibt seine Arbeit ohne jede Überhöhung, aber mit einem Unterton, der erkennen lässt, wie viel Engagement dahintersteckt. Die Schule bietet ihren Schülerinnen und Schülern inzwischen ein breites Angebot im Bereich Lichtgestaltung – von Exkursionen zur Light + Building bis hin zu Diplomarbeiten über Museen, Bahnsteige, Klassenzimmer oder Lichtlabore.
Die Verbindung zur LTG ist dabei nicht zufällig. In der Vergangenheit gab es bereits Kooperationen, bei denen Mitglieder der LTG als fachliche Begleiter eingebunden waren. Diese Form der Zusammenarbeit soll wieder verstärkt werden. Die Idee dahinter ist nachvollziehbar: Junge Menschen, die Lichttechnik früh erleben, entwickeln ein anderes Verständnis für das Thema. Und langfristig trägt das dazu bei, dass Licht nicht nur funktional gesehen wird, sondern als gestaltbares Medium.
Schach kommentiert diesen Teil mit einem Hinweis, der fast beiläufig fällt, aber viel Gewicht hat: Es brauche eine „Einstiegsdroge für junge Menschen“, sagt sie – positiv gemeint natürlich, als erster Kontakt zu einem Fachgebiet, das mehr bietet als viele vermuten. Die LTG möchte diese Rolle künftig noch stärker wahrnehmen.
Tageslicht und Dunkelheit – zwei Seiten eines Themas
Während der Tageslichtleitfaden bereits weit gediehen ist, denkt der Nachhaltigkeits-Arbeitskreis schon weiter. In der neuen Staffel des Podcasts soll es um Dunkelheit gehen – nicht als Gegensatz, sondern als ergänzenden Aspekt des Lichts. Dieser Schritt wirkt konsequent, denn Dunkelheit und Kontrast gehören genauso zur Lichtplanung wie Beleuchtungsstärken und Farbwiedergabe.
Stückler beschreibt, dass hierfür bereits erste Gespräche laufen. Verschiedene Fachrichtungen sollen zu Wort kommen – nicht nur aus der Lichttechnik, sondern auch aus Chronobiologie, Stadtplanung oder Umweltforschung. Ziel ist ein differenzierter Blick darauf, wie Dunkelheit gestaltet werden kann, ohne Sicherheit, Orientierung oder Aufenthaltsqualität zu beeinträchtigen.
Diese Ankündigung wirkt wie ein weiterer Beleg dafür, dass die LTG zunehmend integrativer denkt. Licht wird nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenspiel mit gesundheitlichen, sozialen und ökologischen Faktoren.
Ein Verband, der Synergien sucht – und findet
Im Laufe der Sitzung wird immer wieder sichtbar, dass die LTG heute stark über Kooperationen funktioniert. Ob mit OVE, FEEI, Austrian Standards, Universitäten, Forschungseinrichtungen, Kommunen oder anderen Netzwerken: Die Grenzen zwischen Lichttechnik und anderen Disziplinen lösen sich zunehmend auf.
Schach beschreibt diese Entwicklung nüchtern, aber mit spürbarer Überzeugung. Die LTG sei kein Verband, der alles selbst machen müsse, sagt sie, sondern einer, der Wissen dort nutzt, wo es entsteht. Der Leitfaden für gutes Licht in Wien, den die LTG gemeinsam mit der Wiener Umweltanwaltschaft erarbeitet, zeigt dies besonders anschaulich. Darin fließen Erkenntnisse aus Tageslichtplanung, Nachhaltigkeit, Verkehrsplanung und Stadtentwicklung zusammen.
Dass der Verband auch bei Ausschreibungen, Förderfragen oder Sportstättenbeleuchtung beratend tätig ist, unterstreicht die Breite der fachlichen Themen. Und es zeigt, wie sehr Licht in immer mehr Bereiche des öffentlichen Lebens hineinwirkt.
Der Kongress 2026: Digitalisierung als Schwerpunkt
Als Ausblick auf das kommende Jahr stellt Schach den kommenden Kongress vor. Er wird vom 19. bis 20. Mai im Haus der Digitalisierung in Tulln stattfinden – ein Ort, der nicht zufällig gewählt wurde. Digitalisierung prägt inzwischen alle Bereiche des Lichts: von Steuerungsstrategien über Messmethoden bis hin zu Qualitätsbeurteilungen und Energieeffizienz.
Schach betont, dass der Kongress 2026 bewusst nicht nur klassische Fachvorträge bieten soll. Der Verband möchte stärker in den Dialog gehen, Diskussionen ermöglichen und Formate entwickeln, die unterschiedliche Zugänge zusammenführen. Der Kongress soll nicht bloß ein Programmpunkt sein, sondern ein Ort, an dem Lichttechnik erlebbar wird.
In diesem Zusammenhang gewinnt auch die Call-for-Papers-Phase an Bedeutung. Schach lädt ausdrücklich dazu ein, nicht nur etablierte Positionen einzureichen, sondern auch Beiträge, die kontroverse Sichtweisen vertreten. Der Verband möchte unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen.
Gutes Licht – und warum die Debatte wichtiger wird
Ein roter Faden der gesamten Sitzung ist der Begriff „gutes Licht“. Er fällt nicht als Schlagwort, sondern als fachliche Orientierung. Gutes Licht sei herstellerneutral, betont Schach, und es müsse die Bedürfnisse der Menschen berücksichtigen. Gleichzeitig gebe es innerhalb der Fachwelt unterschiedliche Auffassungen darüber, wie „gut“ konkret zu definieren sei.
Dieser Punkt wirkt unscheinbar, doch er hat Gewicht. Denn in einer Branche, die von Meinungen, Technologien, Messwerten und Rahmenbedingungen geprägt ist, entsteht Qualität oft erst im Austausch. Genau deshalb möchte die LTG den Diskurs offen halten.
Die Aussage eines Teilnehmers – „Selbst zwei Lichtfachleute können ewig diskutieren, ob 3.000 oder 4.000 Kelvin besser sind“ – trifft den Kern der Sache. Die LTG möchte diesen Raum der Diskussion nicht schließen, sondern gestalten.
Wer gehört zur LTG – und wer soll dazukommen?
Der Blick auf die Mitgliederentwicklung ist sachlich, aber nicht besorgniserregend. Die Zahlen sind leicht rückläufig, doch gleichzeitig ist die LTG inhaltlich breiter aufgestellt als je zuvor. Man merkt, dass der Verband nicht primär auf Wachstum setzt, sondern auf Qualität, Mitarbeit und Vernetzung.

Manfred Mörth, Kassier und Schriftführer – er ist verantwortlich für die finanzielle Stabilität des Verbands und die Prüfung der Jahresabschlüsse. (Bild: ©www.i-magazin.com)
Dennoch kündigt Manfred Mörth an, im kommenden Jahr verstärkt den Kontakt zu bestehenden Mitgliedern zu suchen. Persönliche Gespräche sollen klären, was gebraucht wird und welche Erwartungen an den Verband bestehen. Die LTG möchte nicht nur neue Mitglieder gewinnen, sondern bestehende stärker einbinden.
Diese Haltung durchzieht die gesamte Generalversammlung: Der Verband versteht sich als Plattform, die gemeinsam mit Expertinnen und Experten wächst – nicht als Institution, die nur verwaltet.
Wie die LTG ihre Rolle versteht – und warum Engagement entscheidend bleibt
Gegen Ende der Sitzung richtet Gudrun Schach den Blick noch einmal auf die Grundidee des Verbands. Sie beschreibt die LTG als „offene, herstellerunabhängige Fachplattform“, deren Aufgabe es sei, Entwicklungen nicht nur zu begleiten, sondern aktiv einzuordnen. Dieser Satz wirkt wie ein leiser Leitgedanke des gesamten Nachmittags. Es geht nicht darum, die lauteste Stimme im Markt zu sein, sondern die verlässlichste.
Dass Lichttechnik eine Vielfalt an Meinungen zulässt, sei normal, sagt Schach. Sie beschreibt es fast beiläufig, aber eigentlich steckt darin ein zentraler Punkt: Licht ist immer auch Interpretation. Zwischen dem, was technisch möglich, normativ vorgegeben und praktisch sinnvoll ist, bewegen sich zahlreiche Zwischentöne. Genau hier bietet die LTG Orientierung – nicht bevormundend, sondern erklärend.
Während Schach spricht, wird klar, dass die LTG in ihrer jetzigen Ausrichtung nicht nur als Interessenvertretung, sondern als Wissensdrehscheibe fungiert. In Arbeitskreisen, Lehrgängen, Leitfäden oder Praxisschulungen entsteht eine Fachkultur, die auf Qualität setzt. Und gerade deshalb zeigt die Generalversammlung, wie viel Engagement notwendig ist, um diese Struktur lebendig zu halten.
Ein Verband, der zeigen möchte, was Licht kann
Über den gesamten Verlauf der Sitzung hinweg wird spürbar, dass die LTG nicht nur intern wirkt, sondern zunehmend nach außen. Sichtbarkeit ist kein Selbstzweck, sondern notwendig, um das Thema Licht in seiner technischen Tiefe und gesellschaftlichen Relevanz zu zeigen. Ob im Podcast, bei Exkursionen, in Kooperationen oder auf Veranstaltungen: Licht soll dort verstanden werden, wo es wirkt – in öffentlichen Räumen, in Gebäuden, in Schulen, in Betrieben, in der Stadtplanung.
Die erwähnten Exkursionen in Sportstätten oder Besucherzentren zeigen diesen Ansatz sehr deutlich. Lichtqualität wird dort erlebbar, wo Menschen sie unmittelbar spüren. Genau deshalb plant die LTG auch für 2026 wieder Besichtigungen und Demonstrationen, bei denen Theorie und Praxis ineinandergreifen. Wer sieht, wie Blendbegrenzung funktioniert oder wie Tageslicht Räume verändert, entwickelt ein anderes Gefühl für das Thema. Und dieses Verständnis ist oft der Schlüssel für nachhaltige Entscheidungen.
Ein leiser, aber klarer Ausblick
Zum Abschluss formuliert Schach einen Satz, der die gesamte Generalversammlung zusammenfasst: „Lasst uns gemeinsam etwas für das gute Licht tun.“ Es ist kein Appell, der große Gesten verlangt. Vielmehr beschreibt er eine Haltung, die in der LTG längst verankert ist.
Gutes Licht entsteht nicht durch einzelne Initiativen, sondern durch Zusammenarbeit. Durch das Verständnis von Tageslicht und Dunkelheit, durch den Austausch zwischen Planung und Betrieb, durch qualifizierte Ausbildung, durch praxisorientierte Normung, durch Nachhaltigkeitsbewusstsein und durch technische Klarheit.
Genau dieses Zusammenspiel prägt die Arbeit der LTG – und die Generalversammlung 2025 macht deutlich, dass der Verband auf einem Weg ist, der diese Vielfalt nicht nur abbildet, sondern konstruktiv nutzt.
Am Ende bleibt der Eindruck eines Verbandes, der sich breit aufgestellt hat, ohne sich zu verzetteln. Einer Organisation, die Trends erkennt, ohne ihnen nachzulaufen. Und eines Fachnetzwerks, das Verantwortung übernimmt, ohne laut zu werden.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Stärke der LTG: Sie setzt auf Beständigkeit in einer Zeit, in der vieles schneller geworden ist – und verbindet diese Beständigkeit mit der Bereitschaft, neue Wege zu gehen.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.ltg.at