Zeit ist zur knappsten Ressource der Elektrotechnik geworden. Die Rexel Expo 2026 in Wels setzte genau dort an: nicht mit Produktneuheiten, sondern mit Services, die Planungssicherheit, Datenverfügbarkeit und Prozessentlastung versprachen. Im Fokus standen Verteilerbau, CO₂-Reporting und Logistik – drei Felder, in denen der Alltag vieler Betriebe dauerhaft unter Druck steht.
Wer Elektrotechnikprojekte verantwortet, spürt den Druck an mehreren Stellen gleichzeitig. Technische Komplexität nimmt zu, regulatorische Anforderungen werden dichter, Zeitfenster kürzer. Gleichzeitig fehlen in vielen Betrieben die personellen Ressourcen, um neue Themen strukturiert und dauerhaft abzuarbeiten.
Genau in diese Gemengelage schob sich die Rexel Expo 2026. Die Messe verstand sich nicht als Produktschau, sondern als Versuch, Antworten auf wiederkehrende Engpässe zu formulieren. Auffällig war dabei die Rollenverschiebung: Der Großhandel trat nicht als reiner Lieferant auf, sondern als Akteur, der Prozesse ordnen und den Projektalltag integrieren will.

Hoher Besucherandrang in der Messehalle: Die Rexel Expo 2026 als zentraler Treffpunkt der Elektrotechnikbranche. Foto: ©www.i-magazin.com
Vom Produkt zum Prozess: Ein veränderter Anspruch
Vor dem i-Magazin-Mikrofon beschrieb Thomas Stadlhofer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Rexel Austria, einen Markt, in dem Sortiment allein nicht mehr ausreicht. Rexel verstehe sich als Lösungsanbieter, der dort ansetze, wo betriebliche Engpässe entstehen, bevor sie zu Projektrisiken werden.
Die Zielgruppe bleibt dabei bewusst klar umrissen: Elektriker:innen, Planer:innen und Industriekunden. Nicht breiter werden, sondern tiefer – mit Services, die im Tagesgeschäft tatsächlich entlasten und Risiken reduzieren.
Verteilerbau als struktureller Engpass
Der Verteilerbau ist in vielen Betrieben ein dauerhafter Engpass. Strengere Normen, steigende Dokumentationspflichten, enge Zeitpläne und die Abstimmung unterschiedlicher Herstellerkomponenten erhöhen den Aufwand erheblich – insbesondere für kleinere Unternehmen. Was früher als handwerkliche Kernkompetenz galt, entwickelt sich zunehmend zu einem organisatorischen Risiko.
Rexel reagiert darauf mit einem Verteilerbau-Service, der Planung, normgerechte Auslegung, Dokumentation und Lieferung in einen klar definierten Prozess fasst. Die Abläufe sind standardisiert: von der Anfrage über die gemeinsame Bedarfsermittlung und Beauftragung bis hin zur Fertigung und Lieferung auf die Baustelle.
Zeit, Normen und Verantwortung
Besonders relevant ist dabei der Faktor Zeit. Nach Planfreigabe soll die Lieferung innerhalb von rund 15 Werktagen erfolgen – ein Wert, der im Markt häufig deutlich überschritten wird. Laut dokumentierten Rückmeldungen aus der bisherigen Umsetzung wird der Service von Kundenseite gut angenommen.
Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist die Herstellerneutralität. Vorgesehen ist eine breite Auswahl an Komponentenherstellern, die projektspezifisch kombiniert werden können. Für die Praxis bedeutet das geringere Abhängigkeiten, bessere Austauschbarkeit und eine Dokumentation, die auch Jahre nach der Inbetriebnahme noch tragfähig bleibt.
Carbon Tracker: CO₂-Daten als Arbeitsrealität
CO₂-Transparenz ist längst keine Kür mehr, sondern Teil des operativen Alltags – vor allem bei Industriekunden und im öffentlichen Bereich. Gleichzeitig fehlen in vielen Unternehmen systematisch verfügbare, valide und vergleichbare Daten auf Produktebene.
Der Carbon Tracker setzt genau an dieser Stelle an. Er macht den CO₂-Fußabdruck von Produkten über den gesamten Lebenszyklus sichtbar – von der Rohstoffgewinnung über Produktion und Transport bis zur Nutzung und Entsorgung. Die Ergebnisse werden konsolidiert und in strukturierter Form aufbereitet, sodass sie für Berichte, Audits oder Ausschreibungen genutzt werden können.
Transparenz mit klar benannten Grenzen
Auffällig war, dass auch die Grenzen dieses Ansatzes offen benannt wurden: Nicht alle Produkte sind vollständig abgedeckt, weil entsprechende Daten von Herstellern fehlen oder nur mit erheblichem Aufwand verfügbar sind. Gleichzeitig wurde ein realistischer Orientierungswert genannt: Rund 70 Prozent eines typischen Warenkorbs lassen sich bereits abbilden.
Zusätzlich werden Kennzahlen wie „CO₂ pro umgesetztem Euro“ herangezogen, um Vergleichbarkeit zu schaffen, auch wenn Detaildaten fehlen. Der Carbon Tracker erscheint damit weniger als abgeschlossenes Produkt, sondern als pragmatisches Werkzeug auf dem Weg zu belastbarer Scope-3-Transparenz.
Masterclasses als Verdichtungsformat
Für die Rexel Expo 2026 waren insgesamt elf Masterclasses vorgesehen, getragen von Expert:innen aus Fachbereichen, Management sowie externen Institutionen. Thematisch reichten sie von Photovoltaik-Planung über KI-gestützte Prozesse bis hin zu Green Logistics.
Entscheidend war dabei weniger die Anzahl der Formate als deren Anspruch: nicht abstrakte Theorie, sondern verdichtete Praxis, bei der konkrete Abläufe durchgespielt und in den betrieblichen Kontext eingeordnet wurden.
Logistik als integraler Teil der Lösung
Ein weiterer Baustein war die Logistik. Besucher:innen erhielten Einblicke in das Logistikzentrum in Weißkirchen, inklusive der dort eingesetzten automatisierten Lagerlösung Autostore. Damit wurde sichtbar, dass Entlastung nicht bei Planung oder Service endet, sondern erst dort wirksam wird, wo Material verlässlich, planbar und termingerecht verfügbar ist.
Wo sich der Markt hinbewegt
Die Rexel Expo 2026 machte sichtbar, wie sich der Elektrogroßhandel neu positionieren will: weniger als reiner Lieferant, stärker als Prozesspartner. Verteilerbau-Service, Carbon Tracker und Masterclasses standen nicht nebeneinander, sondern griffen ineinander als Antwort auf Zeitdruck, Datenpflichten und Komplexität im Projektalltag.
Für Markt und Praxis ist das ein Hinweis darauf, dass Wertschöpfung zunehmend über Struktur, Dokumentation und Entscheidungsfähigkeit definiert wird – nicht allein über Preise und Verfügbarkeit. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses war die Messe noch im Laufen, finale Besucherzahlen lagen daher noch nicht vor.