Light + Building 2026 liefert Bausteine:

E‑Handwerk vor dem Umbau

von Laura Peichl
von Thomas Buchbauer – Recherche, Konzept und Kuration Foto: © www.i-magazin.com

Es beginnt mit einer unbequemen Diagnose: Smart‑Building‑Umsätze stagnieren, Entscheidungen fallen später, Budgets wandern zögerlich in Projekte. Und doch, mitten in dieser Unsicherheit, fällt auf dem Podium ein Satz, der die Richtung dreht: „Das nächste große Thema ist Energiemanagement – die Vernetzung der Systeme untereinander.“ Wer 2026 nach Frankfurt fährt, holt sich keine Gimmicks ab, sondern Antworten auf Rendite, Personal, Prozesse – plus eine neue Gelassenheit im Umgang mit Komplexität.

Die Light + Building 2026 ist das betriebswirtschaftliche Lagerfeuer der Branche: sechs Tage Fakten, Use‑Cases und Kontakte. Erst die ökonomische Lage klären – dann die Messe als Werkzeugkasten begreifen. Der rote Faden: Elektrifizieren, vernetzen, vereinfachen. Was nicht rechnet, fliegt. Was rechnet, skaliert. So einfach – und so anspruchsvoll.

Dipl.-Ing. (FH) Stefan Ehinger, Präsident des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), Steffen Larbig, Leiter Brand Management Light + Building bei der Messe Frankfurt GmbH, Dominique Ewert, Leiterin Marketingkommunikation Technology der Messe Frankfurt GmbH, sowie Jonathan Robinson von Frost & Sullivan Ltd. saßen vor dem i-Magazin-Mikro. Sie legten Zahlen, Einschätzungen und Prioritäten offen – von Marktdruck und Fachkräftesituation bis zu den inhaltlichen Leitplanken der Light + Building 2026.

Wir ordnen ein, wo wirtschaftliche Effekte entstehen, wo Technologien reif sind und wie die Messe diese Themen in erlebbare Use-Cases übersetzt. Kurz: Was am Podium pointiert formuliert wurde, wird hier entlang der Praxis des Elektrohandwerks aufbereitet – nachvollziehbar, belastbar und unmittelbar nutzbar für Betriebe, Planer und Entscheider.

Markt, Marge, Momentum: Was jetzt wirklich zählt

Wer die Wirtschaftslage in Deutschland und Österreich (derzeit sind es 20 an der Zahl) nüchtern liest, versteht, weshalb viele Hersteller später entscheiden, ob und wie sie ausstellen. Die Märkte sind „super herausfordernd“, Zusagen kommen spät, Budgets werden enger gefasst; genau deshalb wird die Entscheidung, nach Frankfurt zur Light + Building zu gehen, bewusster – und damit betriebswirtschaftlich schärfer. Wer kommt, verfolgt einen Plan: Reichweite dort, wo Entscheider unterwegs sind; Relevanz durch erlebte Use‑Cases statt Folien; und persönlicher Kontakt, der Vertrauen nicht behauptet, sondern herstellt. Steffen Larbig fasst das neue Normal so: „Die Märkte sind herausfordernd, Entscheidungen kommen später; wer ausstellt, tut das bewusst – internationale Reichweite und persönlicher Kontakt sind entscheidend.“

Gleichzeitig benennt das Handwerk den Elefanten im Raum. Politische Volatilität schafft Verunsicherung – mal Überregulierung, mal Infragestellung, selten stabile Leitplanken. Fachlich jedoch ist die Richtung alternativlos: Elektrifizierung als Wachstumstreiber, getrieben von Photovoltaik, Speichern, Wärmepumpen und Elektromobilität. Dennoch braucht es eine ehrliche Kurskorrektur, denn die klassischen Komfort‑Narrative von Smart Home-Systemen tragen nicht mehr. ZVEH‑Präsident Stefan Ehinger sagt es unmissverständlich: „Erhebungen in den Betrieben zeigen aktuell eher Stagnation im Smart‑Building‑Bereich… Der nächste große Hebel ist Energiemanagement – die Vernetzung der Systeme untereinander. Mindestens aber Smart Home‑ready denken, Standards stärken, Know‑how ausbauen.“ Und er setzt die Latte bei der Kundenerwartung: „Für Kunden muss es einfacher werden; für Installateure wird es nicht zwingend einfacher, das alles in Einklang zu bringen.“

Aus dieser Lage erwächst ein handfestes Pflichtenheft für Anbieter und Integratoren. Wer künftig überzeugen will, verschiebt den Fokus von Spezifikations‑Leistung auf betriebswirtschaftliche Leistung: Wie viele Kilowattstunden werden sichtbar vermieden? Wie verändern sich Betriebsstunden kritischer Komponenten? Welche Wartungsfahrten entfallen? Und wie stabilisiert ein sauberes Lastmanagement die Netznutzung? Diese Fragen sind nicht nur PR‑fähige Schlaglichter, sondern die Kalkulationskerne, mit denen die Branche ihre Glaubwürdigkeit erneuert. Ehinger bringt die Rollenklärung auf den Punkt: „Eine Luxussituation fürs Handwerk: Uns nimmt niemand etwas weg – im Gegenteil, wir bekommen Themen dazu. Aber aufpassen, dass wir die Märkte nicht verlieren; externen Akteuren Grenzen aufzeigen, weil wir es besser können als so manches Tech‑Start‑up.“

Finanzierung, LED‑Erbe und das neue Service‑Geschäft

Der LED‑Schub hat lineare Ersatzzyklen komprimiert und klassische Umsatzkurven verändert. Die Branche hat darin durchaus Lehrgeld bezahlt, gleichzeitig aber gelernt, dass Wertschöpfung heute dort entsteht, wo Licht, Steuerung und Energie ineinandergreifen. Wer Beleuchtung als Teil des Energiemanagements denkt – also Präsenz, Tageslicht, CO₂‑Signale und Belegungsprofile in Regeln übersetzt – erzeugt messbare Effekte auf Verbrauch, Komfort und Verfügbarkeit. In vielen Häusern lautet die größte Hürde nicht Technik, sondern Finanzierung: Capex‑Scheu trifft auf hohe Zinslandschaften. Genau hier gewinnen Bündel aus Hardware, Software und Service – inklusive Operating‑Modellen, die Opex statt Capex betonen und den ROI planbarer machen.

Damit wird die alte ROI‑Frage neu sortiert und in drei Arbeitsschritte gegossen: Erstens die Baseline – verlässliche Messung, saubere Datenqualität, nachvollziehbare Ausgangswerte. Zweitens die Intelligenz – Regeln und, wo sinnvoll, KI‑Unterstützung, die Lasten glättet, Nutzerkomfort priorisiert und Wartung antizipiert. Drittens der Betrieb – Security by Design, transparente Dokumentation, klare SLAs. Jonathan Robinson liefert die Perspektive, warum gerade diese Kette trägt: „Der Trend geht von reaktiver zu vorausschauender, digitalisierter Instandhaltung; Remote‑Monitoring ist groß, aber FDD, Digital Twin und Energy Optimization wachsen schneller.“

Personal, Produktivität, Prozesse: Engpässe arbeitsfähig machen

Der Engpass ist nicht neu, aber er verschärft sich: Die demografische Schere geht auf, während die Aufgabenliste wächst. PV und Speicher, Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur, Netzausbau – und mittendrin Handwerksbetriebe, die zugleich mit Stadtwerken, Energieversorgern und Industrie um die gleichen Talente konkurrieren. Die wirksamste Antwort beginnt im Inneren des Unternehmens: Prozessdisziplin, klare Zuständigkeiten, digitale Routinen. Was auf dem Papier trocken klingt, setzt auf der Baustelle Kräfte frei. Ein prägnantes Beispiel sind die unzähligen Papier‑ und Formularschleifen für Netzanschlüsse und Inbetriebnahmen – in Deutschland und in Österreich – die Meisterinnen und Meister binden, die eigentlich auf der Anlage gebraucht würden. Genau dort zahlt digitale Assistenz ein. „KI nimmt Arbeit ab – gerade dort, wo Elektro‑Betriebe nicht glänzen, etwa in der Administration“, sagt Ehinger und umreißt damit das Feld, in dem die Branche schnell Wirkung erzielen kann.

Das zweite Standbein ist die industrielle Vorfertigung: vorkonfektionierte, installationsfreundliche Lösungen, die Standardtätigkeiten von der Baustelle in die Fertigung verlagern. „Vorkonfektionierte, installationsfreundliche Lösungen sind heute notwendig, um das Volumen zu schaffen“, betont Ehinger in der Fragerunde. Das ist kein Angriff auf handwerkliche Identität, sondern die geordnete Aufgabenteilung, die anspruchsvolle Systemintegration überhaupt erst möglich macht. Am Ende steht die betriebswirtschaftliche Gleichung: gleiche Köpfe, mehr Wertschöpfung – weil Zeit auf die wirklich wirksamen Schritte fällt, von der Parametrierung über Funktionsprüfungen bis zur sauberen Dokumentation.

Und schließlich Nachwuchs und Diversität. Sinn und Purpose sind da; sie müssen sichtbar und erlebbar werden. Werkstattformate auf der Messe, in denen Kabelwege verlegt, Schaltungen programmiert, Fehlerbilder gejagt werden; Creator‑Formate als Brücke in die digitale Welt; weibliche Vorbilder, die zeigen, wie breit das Feld geworden ist. Wer hier investiert, investiert in Kapazität – nicht in PR.

KI doppelt denken: innen effizient, außen überzeugend

Künstliche Intelligenz ist in dieser Branche kein Selbstzweck, sondern Beschleuniger. Innen beschleunigt sie Angebote, Dokumentation, Prüfberichte und Wissensmanagement; außen orchestriert sie den Betrieb: Predictive Maintenance, FDD, Lastoptimierung, Healthy‑Building‑Parameter in Echtzeit. Robinson liefert die harte Kennziffer dazu: „KI/ML‑fähige Servicekomponenten trugen 2023 50 % zum Umsatz digitaler Gebäudelösungen bei; CAGR bis 2028 = 26,1 %.“ Wer Sensorik strategisch setzt, Datenpfade definiert und Sicherheit von Beginn an mitdenkt, macht aus Daten Entscheidungen – und aus Entscheidungen Verfügbarkeit. Verfügbarkeit wiederum ist die Währung, die Kunden spontan verstehen, weil sie im Betrieb spürbar wird: weniger Störung, höhere Qualität, planbare Einsätze.

Jetzt zur Messe: Wofür, warum, wie – in sechs Tagen Systemdenken

Frankfurt wird dann zur Pflicht, wenn man die Woche nicht als Schaufenster, sondern als Lernfabrik plant. Wofür hinfahren? Für einen perfekten Marktüberblick, der Licht und Building gleichermaßen ernst nimmt, für internationale Vergleichsmaßstäbe und den Reality‑Check an einem Ort. „Wir rechnen mit rund 2.000 Ausstellern; Besucher erhalten einen perfekten Marktüberblick – Internationalität ~70 %“, sagt Steffen Larbig und baut damit das Fundament, auf dem man einen Tag, drei Tage oder die ganze Woche sinnvoll strukturiert. Warum ausstellen? Weil späte Budgets die Spreu vom Weizen trennen und jene belohnen, die ihre Wirkung präzise planen – mit Use‑Cases statt Slides, mit dokumentierter Offenheit statt Marketing‑Versprechen. Larbig bringt es auf einen Nenner: „Die Märkte sind herausfordernd, Entscheidungen kommen später; wer ausstellt, tut das bewusst – internationale Reichweite und persönlicher Kontakt sind entscheidend.“

Welche Schwerpunkte? Drei Türen, ein Haus: Sustainable Transformation, Smart Connectivity, Living Light. Dominique Ewert setzt den Rahmen: „Die Light + Building ist die Plattform, auf der Menschen international zusammenkommen und sich orientieren – gerade in Zeiten, die Orientierung brauchen. Keynote und Panel sollen die Themen übergeordnet einordnen und zugleich auflockern – damit alle Besucher mehr mitnehmen“. Wer das ernst nimmt, plant Pfade, nicht Zufallswege – und verbindet Produktinseln zu Systembildern.

Drei Top‑Themen, ein Geschäftsmodell

Sustainable Transformation erzählt den Weg zum klimaneutralen Gebäude über Effizienz, intelligentes Energiemanagement, erneuerbare Energien und Sektorkopplung. Smart Connectivity beschreibt Gebäude und Quartiere als vernetzte Systeme mit IoT‑Anbindung, Digital‑Workflows, Cybersecurity, FDD und Predictive Maintenance. Living Light führt die Wirkung von Licht auf Mensch und Nutzung zusammen – von HCL und adaptiven Szenen bis zu urbanen Lichtkonzepten und Sicherheit. Neu ist 2026 die Inszenierung, die das alles spürbar macht: Larbig kündigt eine „Weltneuheit“ an – eine Sonderschau als Ökosystem, das Licht und Building in Use‑Cases verzahnt: „Die Wechselwirkung wird erlebbar.“ Erstmals in Frankfurt finden zudem die International Lighting Design Awards (IALD) statt; dazu sind die Exhibitor Stages in Building und Licht ausgebaut. Das ist die Dramaturgie, die erklärungsbedürftige Technik verständlich macht, weil sie Wirkung zeigt – nicht nur Absicht.

Die Jugend rückt die Messe über eine Community‑Kampagne in den Mittelpunkt des Handwerks: 108 Gesichter im Key Visual, ein Power‑Festival und die Werkstattstraße, in der man Kabel abmantelt, Schienen setzt, Schaltungen parametriert. „108 Gesichter aus dem E‑Handwerk im Key Visual; Power‑Festival und Werkstattstraße holen die Jugend dort ab, wo sie ist“, sagt Larbig. Wer dort neugierig macht, gewinnt. Und wer dort erklärt, wie man aus Komponenten ein System baut, gewinnt doppelt – Nachwuchs und Kunden.

Regionenblick: DACH, CEE und darüber hinaus

Europa ist kein monolithischer Markt, sondern ein Mosaik, in dem Anreize, Reifegrade und Finanzierungswege unterschiedlich zusammenspielen. Jonathan Robinson ordnet die Lage so: „Global steuert der Gebäudesektor auf ein starkes Jahr zu: konservativ 4,3 %, aspirativ 8,6 % Wachstum.“ Drei strategische Prioritäten: Smart Building, Lighting, HVAC – quer dazu Nachhaltigkeit und Digitalisierung. In Europa zeigen Programme wie KfW (Deutschland), RE2020 (Frankreich), ISDE (Niederlande) oder Superbonus‑Modelle (Italien) die Bandbreite; in CEE treiben manche Märkte der Neubau, andere sind retrofit‑lastig. Entscheidend ist weniger Ideologie als Nutzen: „Im Gebäudeumfeld weit weniger ideologische Reibung als im Energiesektor – offen, solange Nutzen stimmt und Anbieter liefern.“ Genau hier liegt die Chance für das E‑Handwerk in Österreich, Deutschland und der Schweiz: Lösungen entlang des Marktreifegrads zuschneiden und Standards so nutzen, dass Integration kalkulierbar wird.

Die Frage vom i-Magazin – und eine Antwort, die stehen bleibt

Wie lässt sich die wachsende Aufgabenlast – PV, Speicher, Elektromobilität, Netzausbau – trotz Fachkräftemangel stemmen, während Versorger parallel anwerben? Stefan Ehinger antwortet ohne Pathos und greift in die Werkzeugkiste: „Effizienz zuerst: Prozesse verschlanken, Digitalisierung/KI nutzen, Fachkräfte dort einsetzen, wo sie Wert schöpfen. Politik und Gesellschaft müssen klare Prioritäten und Anreize setzen. Parallel werden vorkonfektionierte, installationsfreundliche Produkte helfen, einfache/zeitraubende Schritte abzufedern.“ Diese Antwort taugt, weil sie im Unternehmen beginnt und beim Projekt endet – sie überfordert niemanden, fordert aber jede und jeden im System. Genau so muss es sein.

Sechs Tage, drei Pfade – ein persönlicher Fahrplan
  • Pfad 1 – Energiemanagement & Effizienz: Monitoring, Regeln, Speicher, Ladeinfrastruktur, Netzdienlichkeit. Ziel: Betriebskosten runter, Flexibilität rauf.
  • Pfad 2 – Smart Connectivity: IoT‑Plattformen, Security, FDD, Predictive Maintenance, Doku‑Standards. Ziel: weniger Ausfälle, mehr Transparenz.
  • Pfad 3 – Living Light: HCL, Design, Sicherheit, urbane Szenen, Steuerung. Ziel: Lichtqualität mess‑ und erlebbar machen.

Wer nur einen Tag hat, bringt Struktur mit – und investiert mindestens eine Stunde in das neue Ökosystem, in dem Energie und Licht füreinander arbeiten. Dort entsteht das Bild, das man später beim Kunden verkauft: ein Gebäude, das energetisch atmet und mit Daten wirtschaftet – nicht um der Daten willen, sondern um der Verfügbarkeit, der Gesundheit und der Kostenstabilität willen.

Was bleibt – in einer Formel

Elektrifizieren, vernetzen, vereinfachen – und den Nutzen beweisen. Die Light + Building 2026 ist weniger Schaufenster als Lernfabrik. Sie bringt jene zusammen, die Technik bauen, sie planen, installieren, betreiben und darüber entscheiden, ob sie ausgerollt wird. Am Ende steht selten Jubel, aber fast immer Klarheit: wie ein Quartier energetisch atmet; wie Daten nicht Selbstzweck, sondern Betriebsstoff werden; wie Licht nicht nur dekoriert, sondern Qualität schafft; wie Nachwuchsarbeit nicht nur rekrutiert, sondern Kompetenz aufbaut. Der Satz vom Anfang fällt am Ende wieder – diesmal ausdrücklich als Pointe: „Für Kunden muss es sehr einfach sein – für Installateure nicht zwingend. Genau deshalb ist das unsere Chance.“

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