Warum die Messe ein Signal für die Zukunft der Gebäudetechnik sendet:

Light + Building 2026 – Branche im Arbeitsmodus

von Julia Petz
von Thomas Buchbauer – Recherche, Konzept und Kuration Foto: © Messe Frankfurt Exhibition GmbH / Jochen Günther

Krisen bremsen Märkte – oder sie setzen Innovationskräfte frei. Auf der Light + Building 2026 in Frankfurt war deutlich zu spüren, dass in der Elektro-, Licht- und Gebäudetechnik derzeit eher Letzteres passiert. Vier Tage lang war das i-Magazin auf der Messe unterwegs, hat Eindrücke gesammelt, Gespräche geführt und Interviews mit Verantwortlichen aus Industrie und Verbänden aufgezeichnet, die wir in Kürze veröffentlichen werden. Was sich dabei zeigte: Die Branche ringt mit wirtschaftlichen Unsicherheiten, aber sie liefert. Und zwar mit einer Wucht an neuen Produkten, Systemen und Denkansätzen, die man in dieser Dichte erst einmal auf die Baustelle bringen muss.

Vier Tage Messe, vier Tage Verdichtung

Man konnte es in Frankfurt förmlich spüren: Diese Messe wollte mehr sein als ein Schaulaufen. Sie wollte beweisen, dass eine Branche auch in angespannten Zeiten noch nach vorne denken kann. Nicht geschniegelt, sondern mit klarem Arbeitsmodus. Mit Lösungen. Mit Produkten. Mit Systemen. Mit dem Versuch, die großen Fragen unserer Zeit nicht länger als Podiumssätze zu behandeln, sondern als technische Aufgaben.

Das i-Magazin war vier Tage lang auf der Light + Building 2026 unterwegs. Wir haben Hallen durchquert, Entwicklungen eingeordnet, mit Industrievertretern und Verbänden gesprochen und genau hingesehen, wo tatsächlich Substanz dahintersteckt. Diese Interviews werden wir in Kürze veröffentlichen. Schon jetzt lässt sich sagen: Die Messe zeigte keine Branche im Rückzug. Sie zeigte eine Branche, die sich sortiert, neu aufstellt und auf breiter Front versucht, Antworten zu liefern.

Die gute Nachricht zuerst: Die Industrie entwickelt wieder mit Nachdruck

Wer nach Frankfurt gekommen ist, um bloß gepflegte Modellpflege zu sehen, wurde vielerorts eines Besseren belehrt. Die erstaunlichste Nachricht dieser Messe war nicht ein einzelnes Produkt. Es war die Dichte an Neuheiten selbst.

Gira sprach davon, dass rund 80 Prozent der ausgestellten Produkte neu seien. Das ist keine Nebenbemerkung, sondern eine Ansage. Denn wenn ein Hersteller in dieser Breite neu aufstellt, dann ist das kein kosmetisches Update, sondern ein Hinweis darauf, wie massiv der Innovationsdruck inzwischen geworden ist.

Auch MDT zeigte, wie ernst es der Branche mit dieser Bewegung ist: rund 300 neue Produkte im Sortiment, 150 davon auf der Messe. Schon diese Relation sagt viel. Hier wird nicht nur verwaltet. Hier wird entwickelt, erweitert, nachgeschärft.

Und dann sind da diese Produkte, die auf den ersten Blick klein wirken, aber genau deshalb hängen bleiben. Bei Jung war das etwa der Magnetic Charger. Er passt in LS- und A-Rahmen, lädt Smartphones magnetisch und zeigt, wie selbstverständlich sich neue Alltagsfunktionen inzwischen in klassische Gebäudetechnik einschreiben. Das Handy wird sauber fixiert, geladen, geordnet. Kein Kabelsalat, kein Zusatzteil, kein technisches Gewürge. So sehen jene Innovationen aus, die nicht lange erklärt werden müssen, weil sie sich selbst erklären.

Gleichzeitig zeigte Jung noch etwas anderes, das fast noch interessanter ist: ein klares Bekenntnis zu Made in Germany. Selbst elektronische Komponenten der Jung Home Puck Aktoren werden in Deutschland gefertigt. Nicht irgendwo in Fernost, nicht als austauschbare Zukaufware, sondern in jener Nähe zum Markt, die in Zeiten fragiler Lieferketten wieder strategische Bedeutung bekommt. Was sich hier andeutet, ist mehr als ein Herkunftssiegel. Es ist eine mögliche Gegenbewegung zur jahrelangen Externalisierung von Wertschöpfung.

EPBD: Das eigentliche Kraftzentrum hinter vielen Entwicklungen

Und dann war da jenes Thema, das fast überall mitschwang – mal offen angesprochen, mal in Produktbotschaften verpackt, mal zwischen den Zeilen: die europäische Gebäuderichtlinie EPBD.

Sie war auf dieser Messe nicht bloß irgendein regulatorischer Hintergrund. Sie war eines der eigentlichen Kraftzentren. Ein politischer Treiber, der sich tief in Produktentwicklung, Systemarchitektur und Marktkommunikation hineingeschoben hat. Sie gilt als wesentlicher Treiber für Vernetzung, Ladeinfrastruktur und Energieeffizienz in Gebäuden.

In Österreich wird die Brisanz dieser Richtlinie in den kommenden Monaten noch deutlicher werden. Denn die EPBD muss in nationales Recht und damit letztlich in Landesgesetze, Bauordnungen und technische Vorgaben der Bundesländer übersetzt werden. Spätestens dort endet jede abstrakte Debatte. Dann wird aus europäischer Regulierung reale Planung, reale Ausschreibung, reale Ausführung.

Konkret bedeutet das unter anderem:

  • stärkere Integration von Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge,
  • Vernetzung technischer Systeme im Gebäude,
  • bessere Energieüberwachung und Steuerung,
  • sowie höhere Anforderungen an Energieeffizienz und Gebäudetechnik.

Genau hier beginnt die eigentliche Zumutung – und gleichzeitig die Chance – für die Branche. Denn die EPBD fordert nicht nur Hersteller. Sie fordert vor allem jene, die Gebäude planen, dimensionieren und umsetzen: Elektroinstallateure, Planer und Architektinnen und Architekten.

Sie werden Maßnahmen setzen müssen. Sie werden Technologien nicht bloß kennen, sondern auch einsetzen müssen. Und sie werden sich daran messen lassen müssen, ob ein Gebäude die neuen Anforderungen tatsächlich erfüllt. Die Industrie kann liefern. Aber sie kann die Systeme nicht selbst in jedes Gebäude hineindenken, hineinplanen und hineinschrauben. Genau das ist der Punkt: Die Richtlinie wird erst dann wirksam, wenn die technischen Möglichkeiten der Industrie in reale Projekte übersetzt werden.

Zwischen Regulierung und Realität: Die Debatte um Leistbarkeit ist längst eröffnet

Freilich hat diese Entwicklung eine Kehrseite. Dort, wo die Industrie von Effizienz, Vernetzung und Zukunftssicherheit spricht, sprechen Bauträger auch über Kosten. Und zwar nicht theoretisch, sondern ziemlich konkret.

Die Sorge ist klar formuliert: Wenn regulatorische Anforderungen an Technik, Infrastruktur und Energieperformance weiter steigen, könnten Immobilienpreise und Mieten weiter nach oben gehen. Manche Projekte, so die Befürchtung, könnten in dieser Gemengelage wirtschaftlich überhaupt nicht mehr darstellbar sein.

Die Industrie hält dagegen. Und sie tut das mit einem Argument, das man nicht einfach vom Tisch wischen kann: Diese Investitionen müssten langfristig betrachtet werden. Wer heute intelligenter plant, spart morgen im Betrieb. Wer heute in Energieeffizienz, Vernetzung und Infrastruktur investiert, erhöht nicht nur den Wert der Immobilie, sondern verbessert auch die Nutzungsperspektive für den Mieter. Die Rechnung sei nicht am Tag der Errichtung zu Ende, sondern beginne dort erst.

Sensorik ist nicht mehr Zusatz, sondern Grundausstattung

Was auf der Messe ebenfalls unübersehbar wurde: Sensorik ist endgültig in der Breite angekommen. Bewegung, Präsenz, Helligkeit, Temperatur, Luftqualität, Verbrauchsdaten – das alles wird immer selbstverständlicher Teil technischer Systeme. Das Gebäude beginnt zu messen, zu reagieren, sich anzupassen.

Spannend ist dabei, dass einzelne Hersteller den nächsten Schritt schon gegangen sind. Trilux etwa fertigt Sensoren für seine Leuchten inzwischen selbst. Das ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Erstens, weil sich die Sensorik dadurch besser in die Gestaltung der Leuchten integrieren lässt. Zweitens, weil die Fertigung in Deutschland erfolgt und damit das Thema Lieferkette an Schärfe verliert. Und drittens, weil damit sichtbar wird, wie sehr Sensorik inzwischen zum Kernprodukt geworden ist.

Die Leuchte ist eben nicht mehr nur Leuchte. Sie wird zum Informationspunkt, zum Erfassungsknoten, zum Bestandteil intelligenter Gebäudelogik.

Wenn Licht plötzlich mehr kann als nur Licht

Besonders interessant war in diesem Zusammenhang auch Regiolux. Das Unternehmen hatte bereits vor zwei Jahren eine Studie vorgestellt. Nun zeigt sich, dass daraus tatsächlich Produkte geworden sind: Leuchten, die zur Steigerung von Vitamin D im Körper beitragen sollen.

Das ist deshalb bemerkenswert, weil hier eine klassische Produktkategorie eine ganz neue Flughöhe erreicht. Licht wird nicht mehr nur als Helligkeit, Gestaltung oder Effizienzthema gedacht, sondern zunehmend auch als Faktor für Wohlbefinden und Gesundheit.

Nachhaltigkeit ist kein Beipackzettel mehr

Auch beim Thema Nachhaltigkeit war zu spüren, dass die Branche eine Stufe weiter ist. Nicht nur Zumtobel, Pracht und Signify zeigten, dass sie intern nachhaltiger wirtschaften wollen. Sie präsentierten auch Produkte, die schärfsten Nachhaltigkeitskriterien genügen.

Und das Entscheidende daran: Manche dieser Produkte sind nicht teurer, sondern sogar günstiger als ihre Vorgänger oder zumindest gleichpreisig. Das ist ein bemerkenswerter Punkt. Denn solange Nachhaltigkeit als teurer moralischer Aufpreis wahrgenommen wird, bleibt sie in vielen Projekten verwundbar. Wenn sie aber wirtschaftlich konkurrenzfähig oder sogar günstiger wird, ändert sich das Spiel.

Sprechanlagen werden zu Plattformen

Ähnlich spannend war die Entwicklung im Bereich der Gebäudekommunikation. Viele Hersteller von Sprechanlagen – darunter auch Legrand – setzen zunehmend auf IP-Varianten für größere Objekte.

Das ist mehr als ein Technologiewechsel. Es ist der Einstieg in neue Nutzungs- und Geschäftsmodelle. Denn solche Systeme lassen sich nicht nur technisch flexibler betreiben, sondern auch serviceseitig anders aufladen. Bauträger können bestimmte Funktionen den Mietern über Abomodelle zur Verfügung stellen. Das ist für die Branche insofern interessant, als Gebäudetechnik damit stärker in Richtung laufender digitaler Services wandert.

Gleichstrom wird konkret

Und auch DC-Systeme in der Beleuchtung haben die Ebene der bloßen Diskussion längst verlassen. Auf der Messe waren bereits erste konkrete Einsatzfälle sichtbar – unter anderem bei Zumtobel und Regiolux. Das ist deshalb relevant, weil hier ein Thema sichtbar in die Praxis kippt, das auf der letzten Light + Building noch stärker als Zukunftsbild präsentiert wurde.

Der Hintergrund liegt auf der Hand: Viele Produktionsstandorte in Europa verfügen bereits über Photovoltaikanlagen, der erzeugte Strom liegt zunächst als Gleichstrom vor, und es wird zunehmend interessant, diesen Strom nicht erst mehrfach umzuwandeln, bevor er im Gebäude wieder gebraucht wird. Gerade in Verbindung mit Beleuchtung, Ladeinfrastruktur und industriellen Anwendungen entsteht daraus ein Feld, das deutlich ernster genommen wird als noch vor wenigen Jahren.

Nicht alles glänzte

So deutlich die Innovationskraft auf dieser Messe zu sehen war, so sichtbar waren auch die Brüche. Der Lichtbereich war nicht vollständig vertreten, einige namhafte Designanbieter fehlten. Fachbesucher aus dem arabischen und israelischen Raum blieben weitgehend aus. Jene aus dem asiatischen wurden weniger. Manche Hallen wurden gar nicht oder nicht durchgehend bespielt. Kleinere Stände in Randlagen wirkten bisweilen unterfrequentiert.

Das gehört zur Wahrheit dazu. Ebenso wie der Hinweis, dass das i-Magazin vier Tage lang auf der Messe war und die hier beschriebenen Eindrücke in dieser Zeit gesammelt hat. Der Verlauf bis zum allerletzten Messetag ist damit nicht vollständig abgebildet. Wohl aber das, was sich in diesen vier Tagen bereits sehr klar gezeigt hat.

Fazit: Die Industrie ist weiter, jetzt muss der Markt folgen

Die Light + Building 2026 war keine Messe der großen Beruhigungsformeln. Sie war eine Messe der konkreten Antworten. Nicht überall gleich stark, nicht in jedem Segment gleich dicht, aber insgesamt mit einer bemerkenswerten Klarheit: Die Industrie entwickelt. Sie liefert. Sie stellt sich auf Regulierung, Energieeffizienz, Vernetzung und neue Nutzungslogiken ein.

Das eigentlich Interessante daran ist aber etwas anderes: Die Industrie ist in manchen Bereichen bereits weiter, als der Markt es heute noch ist. Die Produkte sind da. Die Systeme sind da. Die Sensorik ist da. Die Ladeinfrastruktur ist da. Die Vernetzungslogik ist da. Die Frage ist nicht mehr nur, ob die Technik verfügbar ist. Die Frage ist, ob Planung, Ausführung und Markt bereit sind, daraus Realität zu machen.

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