Ab 2027 gelten neue EU-Vorgaben für vernetzte Gebäudetechnik: Der „Cyber Resilience Act“ (CRA) verlangt verpflichtende Sicherheitsmaßnahmen für smarte Geräte – auch im KNX-Umfeld. Was das für Hersteller, Elektriker und Planer bedeutet, erklärt Sahin Sevimli, Produktmanager KNX bei Schneider Electric, im Gespräch mit i-Magazin-Herausgeber Thomas Graf-Backhausen. Neben technischen Anforderungen geht es auch um Schulungen, Produkterneuerungen – und das Zukunftspotenzial intelligenter Energiesteuerung.
Cyber Resilience Act: Der Countdown läuft
Mit dem „Cyber Resilience Act“ bringt die EU ab 2027 neue Regeln für alle Geräte in der Gebäudeautomation. Ziel: einheitliche Sicherheitsstandards durch verpflichtende Verschlüsselung. Betroffen sind nicht nur IP-basierte Systeme, sondern auch klassische KNX-Installationen. Schneider Electric reagiert frühzeitig und rüstet seine Produktpalette vollständig auf „KNX Secure“ um. „Geräte, die hardwareseitig geeignet sind, bekommen ein Update“, erklärt Sevimli. „Andere werden durch neue, sichere Modelle ersetzt.“
Für Elektriker und Systemintegratoren bedeutet das: Ab 2027 dürfen nur noch konforme Geräte verkauft werden. Der Einbau älterer Komponenten ist damit de facto ausgeschlossen. Um den Übergang zu erleichtern, bietet Schneider Electric bereits jetzt Schulungen an – online, vor Ort oder direkt beim Kunden.
KNX Secure – was ändert sich?
KNX Secure unterscheidet zwischen zwei Sicherheitsbereichen: KNX IP Secure schützt die Kommunikation über IP-Netzwerke, während KNX Data Secure die klassische Buskommunikation absichert. Die Konfiguration erfolgt über Barcodes und Schlüsselcodes – für viele Planer und Installateure Neuland. „Es ist keine Raketenwissenschaft“, beruhigt Sevimli. „Aber man muss wissen, wie’s geht – und es auch umsetzen.“
Schulungsangebote von Schneider Electric – teils auch herstellerübergreifend – helfen dabei, sich frühzeitig mit den neuen Anforderungen vertraut zu machen. Denn der Markt wandelt sich: Sicherheit wird zum Standard, nicht zum Extra.
Energiemonitoring im KNX-Universum
Neben der Sicherheit rückt auch die effiziente Energienutzung in den Fokus. Schneider Electric hat im KNX-Bereich neue Stromwandler und Energiesensoren entwickelt, die per Modbus direkt mit dem Visualisierungsserver des Systems kommunizieren. So lassen sich Stromverbräuche bis 250 Ampere erfassen – etwa von Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur oder Klimasystemen. Die Werte fließen in die Visualisierung ein und ermöglichen gezieltes Energiemanagement.
Doch Energiemonitoring ist nur der erste Schritt. Die eigentliche Intelligenz entsteht durch Logikfunktionen: Mit dem „Wiser for KNX“-System lassen sich individuelle Steuerstrategien definieren, Abhängigkeiten einrichten und Priorisierungen vornehmen – etwa zwischen PV-Ertrag, Speicherladung und Ladevorgängen im E-Auto.
Energie nutzen statt einspeisen
Angesichts sinkender Einspeisevergütungen und möglicher Zusatzkosten für eingespeisten Strom wächst der Druck, möglichst viel Energie selbst zu verbrauchen. Schneider Electric sieht sich hier gut aufgestellt – mit Lösungen vom Einfamilienhaus bis zum Gewerbebetrieb. „Schon heute ist es intelligenter, das eigene Auto mit PV-Überschuss zu laden, statt ins Netz einzuspeisen“, betont Sevimli.
Intelligente Ladesysteme erkennen Eigenstrom-Überschüsse automatisch und starten den Ladevorgang zeitgesteuert oder witterungsabhängig. Auch das Priorisieren von Verbrauchern – etwa Wärmepumpe vor Spülmaschine – lässt sich mit dem KNX-System individuell programmieren.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt
Der Markt für smarte Gebäudetechnik verändert sich rasant. Sicherheit und Energieeffizienz werden zu zentralen Anforderungen – regulatorisch wie wirtschaftlich. Schneider Electric verfolgt dabei eine klare Linie: Produkte umstellen, Anwender schulen, Lösungen weiterentwickeln. „Wir stehen mitten in der Umstiegsphase“, sagt Sevimli. „Aber genau jetzt ist der richtige Moment, sich fit zu machen für die Zukunft.“
Weitere Informationen auf: www.se.com/at/de