Energiekrise, Photovoltaik und Systemumbau:

PV-Ausbau braucht Tempo und Systemwandel

von Julia Petz
von Thomas Buchbauer – Recherche, Konzept und Kuration Foto: © Michael Hedl objektiv.gesehen

Photovoltaik ist längst mehr als ein Ausbauthema. Bei der Pressekonferenz des Bundesverbands Photovoltaik Austria, kurz PV Austria, ging es um nichts Geringeres als die nächste Stufe des Energiesystems: um Stromspeicher, Elektrifizierung, Netze, Flexibilität und die politische Verlässlichkeit, ohne die selbst die beste Technologie nicht jene Wirkung entfalten kann, die sie längst entfalten könnte.

Wenn aus einer Krise ein Muster wird

Vera Immitzer, Geschäftsführerin des Bundesverbands Photovoltaik Austria, ließ von Beginn an keinen Zweifel daran, dass sie die aktuelle Entwicklung in ihrer Funktion nicht als kurzfristige Störung liest. Steigende Öl- und Gaspreise, politische Ad-hoc-Maßnahmen, nervöse Märkte, sinkende Wachstumsprognosen und neue Inflationssorgen – all das fügt sich für sie nicht zu einer bloßen Aneinanderreihung unglücklicher Umstände, sondern zu einem Muster. „Das, was wir aktuell haben, ist kein Einzelfall mehr“, sagte sie. Es sei „vielmehr schon eine systematische Bewegung“, in der die Verwundbarkeit von Energieversorgung bewusst genutzt werde.

Genau dort setzen auch die dem i-Magazin vorliegenden Unterlagen von PV Austria an. Der Verband beschreibt die Öl- und Gaskrise nicht als einmalige Zuspitzung, sondern als systemisches Risiko – und zieht daraus eine glasklare Schlussfolgerung: Österreich braucht endlich verlässliche Rahmenbedingungen für Photovoltaik und Speicher, weil nur so aus technischer Möglichkeit reale Krisenvorsorge wird. Dass die Branche dazu bereit ist, formulierte Immitzer auch vor dem i-Magazin-Mikrofon unmissverständlich: „PV Austria und seine über 450 Mitglieder stehen bereit, um die nächste Phase hin zu Österreichs Energieunabhängigkeit mitzugestalten.“

Besonders markant war dabei, wie deutlich sie dem oft gehörten Reflex widersprach, Österreich könne als kleines Land ohnehin wenig ausrichten. „Dass Österreich zu klein ist, ist eine Ausrede. Das möchte ich so nicht gelten lassen“, sagte sie. Man könne Weltpolitik nicht steuern und mutwillig blockierte Transportwege nicht auflösen. Aber Österreich hätte sehr wohl mehr tun können, um Strom lokal und erneuerbar zu erzeugen – und damit Bevölkerung wie Wirtschaft robuster aufzustellen. Genau darin lag die eigentliche Stoßrichtung: Nicht Ohnmacht sei das Problem, sondern zu viel Zögern dort, wo längst Handlungsspielraum vorhanden wäre.

Photovoltaik bleibt zentral – aber nicht mehr allein

Interessant ist, dass PV Austria Photovoltaik nicht mehr als alleinige Spitze nach vorne stellt – um es in der Sprache des Sports zu beschreiben. Immitzer betonte mehrfach, dass die Technologie für sich genommen zwar unverzichtbar sei, ihre eigentliche Kraft aber erst im Zusammenspiel mit Stromspeichern entfalten könne. „Die Photovoltaik alleine ist ein wichtiger Teil, aber ein zweiter wichtiger Teil ist die Batterie, ist der Stromspeicher dazu. Nur gemeinsam gelingt es uns, das Gas, das im Energiemix nach wie vor einen Stellenwert hat, zu verdrängen“, sagte sie.

Damit war die Tonlage gesetzt. Es geht nicht mehr bloß um zusätzliche Module auf Dächern oder Freiflächen, sondern um eine neue Systemlogik. Der wahre Wert erneuerbarer Stromerzeugung bemisst sich unter volatilen Bedingungen eben nicht mehr nur an erzeugten Kilowattstunden, sondern daran, ob Energie dann zur Verfügung steht, wenn das System sie braucht. Genau an diesem Punkt wird aus einer Erzeugungstechnologie eine Systemlösung – und aus einem Markt für Anlagen ein Markt für Flexibilität.

ElWG, EABG und Speicher: Drei Baustellen, die nicht mehr offenbleiben dürfen

Immitzer formulierte dann sehr präzise, wo PV Austria politischen Handlungsbedarf sieht. Erstens müsse das ElWG nun „mit Leben erfüllt werden“. Das Gesetz sei ein wichtiger Startschuss gewesen, aber eben noch nicht jener Punkt, an dem die Branche tatsächlich mit neuen Möglichkeiten arbeiten könne. Rund zehn Verordnungen seien allein im PV- und Speicherbereich notwendig, zwei davon bereits beschlossen, drei in Bearbeitung. Die E-Control habe rasch zu arbeiten begonnen, aber die praktische Wirkung des Gesetzes hänge eben davon ab, dass dieser Unterbau nun zügig fertig werde.

Zweitens brauche es den Beschluss des Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetzes. Die Begutachtung liegt seit September 2025 zurück, seither wartet die Branche. Immitzer stellte klar, dass es hier nicht um eine juristische Randnotiz geht, sondern um ein Gesetz, das unter anderem Dachanlagen wie Freiflächenprojekten jene Beschleunigung geben soll, die Österreich für den Ausbaupfad braucht. Besonders störte sie, dass Genehmigungen noch immer je nach Bundesland unterschiedlich ausfallen. Dass eine Anlage in Salzburg anders behandelt werde als in Tirol, sei in einem kleinen Land wie Österreich schwer erklärbar. Hinzu komme, dass die Ausbauziele der Bundesländer zu niedrig angesetzt seien und Sanktionen fehlen, wenn sie nicht erreicht werden.

Und drittens verlangte PV Austria eine echte Speicheroffensive – nicht als Schlagwort, sondern als politisch abgesicherten Ausbaupfad. Wann wie viel Speicherkapazität gebraucht wird, welche Anreize gelten sollen und welche Hürden im Genehmigungsrecht noch wegmüssen, das müsse nun festgezurrt werden. Ihre Formulierung am Ende der ihres Vortrags war entsprechend zugespitzt: „Da darf es jetzt auch zu keinen parteipolitischen Spielchen kommen.“ Das Thema sei zu wichtig, um in taktischen Diskussionen hängen zu bleiben.

2025 war kein Absturz, aber ein Warnsignal

Die Zahlen, die Immitzer präsentierte, wirkten auf den ersten Blick ordentlich – und zugleich wie ein Hinweis darauf, wie schnell Dynamik verloren gehen kann. Laut Netzanschlussbericht der E-Control wurden 2025 österreichweit neue PV-Anlagen mit einer zusätzlichen Leistung von 1,6 Gigawatt ans Netz angeschlossen. Insgesamt liegt Österreich damit bei 9,8 Gigawatt installierter Leistung und deckt rund 15 Prozent seines Stromverbrauchs mit Photovoltaik. Gegenüber 2024 bedeutete das jedoch einen Rückgang um rund 22 Prozent.

Für Immitzer war das kein Anlass zur Dramatisierung, aber sehr wohl ein Warnsignal. Der Zubau sei „sportlich“, aber nicht ausreichend, wenn Österreich jene Ausbaupfade ernst meint, die im österreichischen Netzinfrastrukturplan angelegt sind. Demnach müsste sich die Leistung bis 2030 auf 21 Gigawatt und bis 2040 auf 41 Gigawatt erhöhen. Das Potenzial sei vorhanden, betonte sie. Und auch die Branche habe gezeigt, dass sie liefern kann. Aber ohne politische Verlässlichkeit bleibe aus technischem Potenzial zu oft nur ein theoretischer Möglichkeitsraum.

Besonders aufschlussreich war ihr kurzfristiger Blick auf die Woche des Frühlingsbeginns. 871 Gigawattstunden seien in dieser Woche aus PV-Anlagen erzeugt worden. Das entspreche 13 Prozent der österreichischen Stromerzeugung im Netz. Rechne man jenen Strom hinzu, der auf Dächern direkt und anschließend in den Gebäuden selbst verbraucht wird, liege der Anteil bei rund 16 Prozent. Diese Zahl war kein Nebenaspekt, sondern ein stiller Hinweis darauf, dass Photovoltaik längst substanzieller Teil des Systems ist – auch wenn sie im politischen Betrieb noch immer oft wie eine Ergänzung behandelt wird.

Christoph Dolna-Gruber: Die Kontrolle zurückholen

Energieexperte Christoph Dolna-Gruber von der Österreichischen Energie Agentur übernahm den größeren Bogen – und setzte gleich zu Beginn eine Formulierung, die hängen blieb. „Er begann mit einem Satz, der in seiner Nüchternheit hängen blieb und unweigerlich an jene mahnenden Formulierungen erinnerte, wie man sie zuletzt auch aus höchsten staatlichen Ebenen kannte: ‚Wir haben schon wieder eine Krise.‘“ Genau daraus entwickelte er seine Argumentation: Österreich habe sich über Jahrzehnte daran gewöhnt, Energieversorgung an andere Länder auszulagern – an Russland, Saudi-Arabien, Libyen, die USA oder Kasachstan. Damit habe man Kontrolle abgegeben. Und genau diese Abhängigkeit werde jetzt wieder teuer spürbar: bei Treibstoffpreisen, Gaspreisen und über die Kopplung von Gas und Strom über kurz oder lang auch bei den Strompreisen.

Hinzu komme die geopolitische Verwundbarkeit. Man mache sich damit erpressbar, sagte Dolna-Gruber, und erinnerte an die Erfahrungen mit Russland. Auch neue Entwicklungen rund um LNG-Lieferungen zeigten, wie schnell Energie zum Machtinstrument werden kann. Seine Antwort darauf war kein pathetischer Ruf nach Autarkie, sondern ein nüchterner Pfad zurück zu mehr Kontrolle: effizientere Technologien, mehr heimische Erzeugung, schnellere Elektrifizierung und der konsequente Ausbau jener Systeme, die sich nicht erst über geopolitische Brennstoffrouten definieren.

Besonders klar wurde seine Argumentation dort, wo er die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte nachzeichnete. 1988 seien in Österreich zwei von zehn verbrauchten Kilowattstunden aus erneuerbaren Quellen gekommen, heute seien es vier von zehn. Die übrigen sechs bleiben weiterhin fossil – Kohle, Öl und Gas, die Österreich nahezu vollständig importiert. Bei den Erneuerbaren sei das anders: Wasserkraft, Biomasse, Windkraft und Photovoltaik würden in Österreich selbst erzeugt. Genau daraus leitete Dolna-Gruber seine Hauptthese ab: Wer Abhängigkeiten reduzieren will, muss Stromerzeugung und Elektrifizierung zusammendenken. Die Zukunftsfähigkeit von Industrie und Energiesystem entscheide sich daran, „wie schnell wir es schaffen, Wärme, Mobilität und die Industrie elektrifizieren zu können“.

Die Straße von Hormus und die Stärke der Photovoltaik

Besonders stark war jene Passage, in der Dolna-Gruber die aktuelle geopolitische Lage mit der Logik von Energiesystemen verknüpfte. „So wäre die Straße von Hormus in einem Oktober oder November geschlossen worden, würde die Situation im Stromsystem deutlich anders ausschauen, als das heute der Fall ist“, sagte er sinngemäß. Und an einer anderen Stelle brachte er die Abhängigkeit fossiler Energien auf einen einfachen Punkt: Brennstoffe müssten eben laufend verfügbar sein und ein großer Teil „über die Straße von Hormus geführt werden“, während Photovoltaik nach der Installation über Jahrzehnte Strom liefert. Genau in dieser Gegenüberstellung lag die Stärke seines Arguments: Das eine System lebt von dauernder Nachlieferung und geopolitischer Durchlässigkeit, das andere von einmal errichteter Infrastruktur.

Dazu passt auch sein Hinweis auf eine Anlage im Ausseerland, die 1988 errichtet wurde und 38 Jahre später noch immer Strom produziert. Photovoltaik sei in diesem Sinn eine beständige Technologie. Module kämen zwar vielfach aus China, „aber wenn sie installiert sind, läuft das“. Für Dolna-Gruber erklärt gerade diese Kombination aus lokaler Erzeugbarkeit, dramatisch gefallenen Kosten und technischer Langlebigkeit, warum die PV in den vergangenen Jahren unter allen erneuerbaren Technologien am schnellsten gewachsen ist.

Eine „tolle Leistung“ der Elektriker und Installateure

An dieser Stelle setzte Dolna-Gruber noch einen Punkt, der den i-Magazin-Lesern besonders hängen bleiben muss: den praktischen Kraftakt der Branche. Der Rekordzubau nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs sei nicht nur technisch bemerkenswert, sondern auch Ausdruck einer enormen Leistung der Menschen, die diese Anlagen tatsächlich geplant und errichtet haben. „Das zeigt auch eine tolle Leistung der Installateursbranche“, sagte er mit Blick auf 2 Gigawatt und mehr pro Jahr. Damit hätte „vor der Krise auch niemand gerechnet“. Genau dieser Satz war mehr als eine freundliche Nebenbemerkung. Er war eine Anerkennung dafür, dass Energiewende nicht in Papieren stattfindet, sondern auf Dächern, in Verteilern, auf Baustellen und in Betrieben.

PV dämpft Preise – und braucht den nächsten Schritt

Dolna-Gruber blieb aber nicht bei der Rolle der PV als Krisenpuffer stehen. Er beschrieb auch sehr plastisch, wie Photovoltaik die Strompreise am Großhandelsmarkt dämpft. In Stunden hoher PV-Erzeugung könne Strom zwischen 10 und 14.30 Uhr zu sehr niedrigen Preisen gehandelt werden, was zeigt, wie stark erneuerbare Erzeugung das System inzwischen beeinflusst. Wer einen dynamischen Tarif habe und flexibel reagiere, könne von solchen Stunden bereits heute profitieren – fast so, als hätte er eine eigene Anlage.

Gleichzeitig machte er deutlich, dass der nächste Schritt nicht nur mehr PV, sondern mehr Integration bedeutet. Es brauche Speicher, Energiemanagement, Digitalisierung und neue Anwendungsformen wie Fassaden-PV, Agri-PV, Anlagen über der Nebelgrenze und Freiflächenlösungen. Für Unternehmen verwies er auf konkrete Beispiele, bei denen große PV-Anlagen gemeinsam mit Speichern und dem Laden von E-Fahrzeugen eingesetzt werden. Das Bild war klar: Die Photovoltaik allein hat ihren Reifegrad bewiesen. Jetzt geht es darum, sie systemisch zu verschränken.

Liniendiagramm zur PV-Einspeisung und zum Strompreis an der Börse in Österreich in Kalenderwoche 11 des Jahres 2026.

Die Grafik zeigt für die Kalenderwoche 11, wie hohe PV-Einspeisung in Österreich tagsüber mit deutlich niedrigeren Börsenstrompreisen zusammenfällt. (Bild: Österreichische Energieagentur auf Basis ENTSO-E)

Christoph Mair: Die Praxis spürt jede Unsicherheit zuerst

Das neue Vorstandsmitglied von PV Austria und Bereichsleiter MEA Solar bei eww Anlagentechnik GmbH, Christoph Mair, brachte dann die Perspektive jener Betriebe ein, die diese Transformation am Ende tatsächlich umsetzen müssen. Seine Diagnose war deutlich: 2025 sei für die Branche ein herausforderndes Jahr gewesen. Viel Unsicherheit, viel politische Verzögerung, viel Unklarheit bei Förderbedingungen – und das erste Mal auch in Zahlen sichtbar ein Rückgang beim Ausbau. Besonders betroffen gewesen seien ausgerechnet jene Anlagen, die systemisch besonders wichtig sind: kleine Anlagen auf Einfamilienhäusern und bei Betrieben, also dort, wo dezentral erzeugt und direkt verbraucht wird.

Mair machte dafür nicht einen einzigen Grund verantwortlich, sondern ein ganzes Bündel: negative öffentliche Stimmung, politische Unsicherheit, verzögerte Entscheidungen und schlecht getaktete Fördercalls. Wenn Ende Oktober der letzte Investitionscall laufe und der nächste erst wieder Ende April komme, bedeute das de facto ein halbes Jahr Stillstand – für Installationsbetriebe ebenso wie für investitionsbereite Haushalte und Unternehmen. „Sie brauchen einfach Planbarkeit, wir brauchen Kontinuität“, sagte er. Alles andere führe zwangsläufig zu Verwerfungen.

Balkendiagramm von PV Austria zu den größten Herausforderungen für den aktuellen PV-Ausbau in Österreich 2026.

Die Mitglieder-Jahresbefragung 2026 von PV Austria zeigt Investitionszurückhaltung, sinkenden politischen Rückhalt, angespannte Preise, kurzfristige Änderungen im Förderwesen und fehlende Netzkapazitäten als größte Bremsfaktoren für den PV-Ausbau. (Bild: PV Austria)

Netzengpässe, Speicher und das neue Denken in Systemen

Hinzu kommt aus seiner Sicht ein zweites, immer drängenderes Problem: die Netzkapazitäten. „In Oberösterreich ist mittlerweile jedes Umspannwerk voll“, sagte Mair und machte damit klar, wie stark sich der Druck in einzelnen Regionen bereits aufgebaut hat. Volleinspeiseanlagen ließen sich vielerorts nicht mehr ohne Weiteres errichten. Gerade deshalb müsse das System anders gedacht werden: mehr Erzeugung dort, wo sie verbraucht wird, mehr direkte Nutzung, mehr Elektrifizierung von Wärme und Mobilität – und vor allem mehr Speicher.

An diesem Punkt schloss sich seine Argumentation wieder eng an jene von Immitzer und Dolna-Gruber an. Die Photovoltaik sei die Basis. Sie erzeugt den Strom. Aber damit daraus Versorgungssicherheit werde, brauche es Speicher als flexible Komponente. Nur mit ihnen könne man die volatile Erzeugung der Photovoltaik auffangen, Lasten verschieben, Eigenverbrauch steigern und das Netz entlasten. Dass das längst nicht mehr Theorie ist, zeigte Mair mit einer Zahl, die besonders eindrücklich wirkte: Schon heute würden neun von zehn neuen Anlagen im Einfamilienhausbereich mit einem Speicher errichtet – Tendenz steigend.

Der Speicher muss laufen – sonst hilft er dem System zu wenig

Mair beließ es nicht bei der Forderung nach mehr Speichern. Ihm ging es ausdrücklich auch um deren Nutzung. Österreich habe bereits tausende kleine und mittelgroße Speicher installiert – zu Hause und in Betrieben. Diese müssten aber so betrieben werden, dass sie auch netzdienlich wirken. „Nur ein Speicher, der ständig läuft, der über das Jahr gesehen viele Zyklen verzeichnet, ist wirklich ein Speicher fürs System“, sagte er. Genau dafür brauche es flexible Netztarife, flexible Stromtarife und finanzielle Anreize, damit Batterien nicht nur vollgeladen herumstehen, sondern aktiv dazu beitragen, Lastspitzen abzufedern und Kapazitäten freizumachen.

Im Einfamilienhausbereich seien damit heute bereits 60 bis 80 Prozent Eigenverbrauchs- und Autarkiequoten erreichbar – in Kombination mit Speicher, Wärmepumpe und Elektromobilität. Für Betriebe wachse das Interesse ebenfalls stark, nicht zuletzt wegen sinkender Speicherpreise und wegen jener Netzengpässe, die viele Unternehmen nun zwingen, Energie vor Ort intelligenter zu nutzen. Genau aus dieser Gemengelage entsteht jene Speicheroffensive, die PV Austria nun politisch absichern will.

Energiegemeinschaften: Viel PV, aber oft zu wenig Verbrauch

Ein besonders interessanter Punkt kam gegen Ende von Mairs Ausführungen auf, als es um Energiegemeinschaften ging. Die stark wachsenden Mengen an Photovoltaik würden auch dort zunehmend relevant, sagte er, vor allem für jene, die selbst keine geeignete Dachfläche oder keine eigene Anlage haben. Wohnungsbesitzer könnten heute bereits über Energiegemeinschaften von günstigem PV-Strom und Überschüssen profitieren. Gleichzeitig sprach Mair eine Schwäche an, die im Alltag vieler Modelle zu beobachten ist: „Meistens fehlen diesen Energiegemeinschaften auch die Verbraucher, die Wohnungsbesitzer.“ Genau dort sieht er also noch Potenzial – nicht auf der Erzeugerseite, sondern bei der Einbindung jener, die Strom abnehmen und damit den Nutzen dieser Modelle erst voll entfalten.

Dächer oder Fläche? Das i-Magazin fragte nach – und bekam eine klare Antwort

Auf die Frage des i-Magazins, ob Österreich beim weiteren Ausbau stärker auf Dächer oder stärker auf Fläche setzen müsse, fiel die Antwort von Christoph Mair bemerkenswert klar aus: „Wir brauchen einfach beides.“ Die dezentralen Anlagen auf Einfamilienhäusern und Betrieben seien besonders wertvoll, weil sie den Strom dort erzeugen, wo er verbraucht wird – und damit Netzausbau sparen. Aber zugleich sei es ein „Märchen“, zu glauben, Österreich könne die notwendigen 40 Gigawatt bis 2040 allein auf Dächern und in Betrieben unterbringen. „Wir werden eine Mischung brauchen“, sagte Mair. Genau darin lag der pragmatische Kern seiner Antwort: Systemisch sinnvoll ist nicht das Entweder-oder, sondern das saubere Zusammenspiel aus dezentralen Lösungen und großen Projekten.

EU-Gebäuderichtlinie: Auch hier erwartet die Branche Rückenwind

Auch die Frage des i-Magazins nach der Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie beantwortete PV Austria mit vorsichtigem Optimismus. Entscheidend sei aus Verbandssicht die Solarverpflichtung, die Photovoltaik und Solarthermie gemeinsam betrifft. Die Bundesländer arbeiteten bereits an ihren Bauordnungen, sagte Immitzer, und man hoffe, dass mit Ende Mai oder Anfang Juni erste Schritte greifen. Diese Verpflichtung werde sukzessive ausgerollt und dürfte bis 2030 bei neuen Gebäuden und in bestimmten Bestandssegmenten einen zusätzlichen Schub bringen. Für die Branche ist das kein Nebenschauplatz, sondern ein weiterer Hebel, um den Ausbau planbarer und breiter zu machen.

Am Ende bleibt ein klarer Befund

Was von diesem Vormittag bleibt, ist kein bloßes Plädoyer für mehr Photovoltaik. Es ist die deutlich größere Erzählung: Österreich hat längst jene Technologien, mit denen sich ein Teil der energiepolitischen Verwundbarkeit zurückdrängen lässt. Die Branche kann bauen. Die Elektriker, Installateure, Planer und Errichter haben in den letzten Jahren gezeigt, wie viel Tempo möglich ist, wenn Rahmenbedingungen nicht dagegenarbeiten. Die Photovoltaik hat sich vom Förderthema zur Systemkomponente entwickelt. Der Speicher wird vom Zubehör zur Schlüsselfrage. Und die Energiewende verschiebt sich damit ein Stück weit aus der Symbolpolitik hinein in die Architektur eines funktionierenden Energiesystems.

Gerade deshalb wirkte der aktuelle Auftritt von PV Austria am Ende als eine sachlich gehaltene, aber sehr deutliche Erinnerung an die Politik: Die Branche wartet nicht auf Ideen. Sie wartet auf Verlässlichkeit. Und sie wartet darauf, dass man eine Technologie, die längst Wirkung zeigt, nicht länger behandelt, als müsse sie sich ihre Relevanz erst noch verdienen.

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