20 Jahre Primo – 100 % Praxisnähe:

„Wir denken Produkte vom Handwerker her“

von Sandra Eisner
Foto: © Primo GmbH

Vor 20 Jahren begann alles mit einer Betonbaustelle – heute zählt die Primo GmbH zu den innovativsten Unternehmen im Bereich Elektroinstallationsmaterial. Geschäftsführer und Firmengründer Thomas Wintersteiger blickt im Interview zurück auf bescheidene Anfänge, große Auszeichnungen und die Zukunft eines Unternehmens, das konsequent aus der Praxis heraus entwickelt. Was macht ein Produkt zum Standard? Und wie bleibt man dabei bodenständig?

Interview: Thomas Buchbauer

Primo ist ein Paradebeispiel dafür, wie aus einem Garagenbetrieb ein Impulsgeber für die gesamte Branche wird. Im Gespräch mit dem i-Magazin spricht Geschäftsführer Thomas Wintersteiger über die Entstehung des Unternehmens, seine Produktphilosophie und die zentrale Rolle des Elektrohandwerks bei der Entwicklung neuer Lösungen. Besonders in Österreich hat Primo früh Fuß gefasst – nicht zuletzt wegen der ehrlichen Feedbackkultur und der vergleichbaren Normenpraxis. Ein Gespräch über Tüftlergeist, Teamspirit und warum die Q-Serie gerade zur richtigen Zeit kommt.

 

Thomas, kannst du dich noch daran erinnern, als du gemeinsam mit deinem Vater vor rund 20 Jahren bei uns im Verlag gestanden bist? Was hat dich damals angetrieben, einfach bei uns anzuklopfen? Als Erklärung für unsere Leser: Wir fanden das damals sehr engagiert und authentisch.

Thomas Wintersteiger: Ich kann mich daran noch sehr gut erinnern. Das i-Magazin war und ist die Fachzeitschrift in Österreich und damit für uns die beste Möglichkeit, einen ersten Kontakt zu den Elektroinstallateuren in Österreich zu bekommen. Wir hatten sogar extra für Thomas Graf-Backhausen einen elektrischen Hubschrauber als Geschenk dabei – den hatte er jedoch schon. Dennoch waren wir schnell auf einer Wellenlänge und hatten in einem Restaurant einen super Austausch.

 

Vater und Ideengeber Herbert Wintersteiger (l.) sowie Geschäftsführender Gesellschafter Thomas Wintersteiger mit den Auszeichnungen für innovative Produkte. (Bild: Primo GmbH)

Wie würdest du diesen Moment heute, 20 Jahre später, mit Blick auf das, was daraus entstanden ist, beschreiben?

Wintersteiger: Zum einen war es der Anfang einer soliden, langfristigen und erfolgreichen Partnerschaft für beide Seiten. Außerdem der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen drei Thomassen.

 

Primo ist ein klassisches Garagenunternehmen. Wie viel „Garagen-DNA“ steckt heute noch in euch?

Wintersteiger: Nach wie vor ist es unser Ziel, dem Elektriker das Arbeitsleben zu erleichtern. Dafür wollen wir Produkte mit Mehrfachanwendung entwickeln. Dabei ist für uns ausschließlich entscheidend, dass wir eine gute Lösung finden – egal in welchem Bereich des Unternehmens. Wer im Team die Idee hatte, ist dementsprechend irrelevant. Wir agieren als Team mit flachen Hierarchien und wollen so gemeinsam erfolgreich sein und dabei Spaß haben.

 

Die Wurzeln von Primo liegen im elterlichen Betrieb „Elektro Wintersteiger“. Wie sehr hat dich diese handwerkliche Herkunft geprägt?

Wintersteiger: Dadurch habe ich gemerkt, welche Probleme tatsächlich auf der Baustelle bestehen und dass es neue Lösungen geben muss. Außerdem lernt man auf dem Bau auch, dass es nur gemeinsam geht und jeder mit anpacken muss. Wenn wir das umsetzen, können wir erfolgreich sein.

 

Herbert und Thomas Wintersteiger im Jahr 2007 (Bild: Primo GmbH)

Was war der erste Moment, in dem dein Vater und du gespürt haben: „Wir machen das jetzt wirklich – wir gründen eine eigene Firma“?

Wintersteiger: Zuerst haben wir die Produkte lediglich auf den eigenen Baustellen, also für den Eigenbedarf, genutzt. Nach und nach kam jedoch immer mehr Zuspruch von anderen Elektrikern und das Interesse war zu merken. 2007 wurden wir dann auf der Handwerksmesse für die Flügelbetondose mit dem „Bundespreis für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk“ und für die Multidose mit dem „Bayerischen Staatspreis“ ausgezeichnet. Das gab uns zusätzliche Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind, und war der finale Ansporn.

 

Die Flügelbetondose hat 2007 die Betoninstallation verändert. Was war der Impuls dafür – eine Baustellenbeobachtung, eine Frustration, eine Idee beim Frühstück?

Wintersteiger: Wir waren 2002 mit unserem Installationsbetrieb auf einer großen Baustelle in München, der Pinakothek der Moderne. Hier wurde viel mit Sichtbeton gearbeitet und es wurde deutlich, wie unpraktisch die gängigen Produkte waren. Wir konnten die kleinen runden Dosen nicht in den großen viereckigen Öffnungen des Stahlgeflechts befestigen. Also haben wir vor Ort Metallstücke gesucht und versucht, die Dosen damit zu fixieren. Zuhause haben wir dann weiter daran getüftelt und fünf Jahre später war die Flügelbetondose das Resultat. Heute ist diese Technik von Betonbaustellen nicht mehr wegzudenken.

 

Die 2007 erfundene Flügelbetondose wurde bereits mehrfach weiterentwickelt. Dank Membrantechnik können Rohre werkzeuglos eingeführt werden und die Dosen sind absolut betondicht. (Bild: Primo GmbH)

Bereits 2007 habt ihr hochkarätige Auszeichnungen bekommen – Bundespreis und Bayerischer Staatspreis. Wie hat sich das angefühlt für ein junges Unternehmen? War das eher Bestätigung oder eher Ansporn für noch mehr?

Wintersteiger: Das war für uns natürlich etwas ganz Besonderes. Dazu kam, dass erstmals seit 16 Jahren diese beiden Auszeichnungen wieder an ein Unternehmen gingen. Dementsprechend stolz waren wir und es bestätigte uns, dass unsere Produkte einen Sinn machen und einen Mehrwert liefern. Gleichzeitig wirkte dies als große Motivation, den Weg weiterzugehen und weitere Produkte zu entwickeln. Schließlich wussten wir, dass es noch viele umständliche Methoden gab, die man optimieren konnte.

 

Ihr entwickelt Produkte immer gemeinsam mit Anwendern. Wie sieht das konkret aus? Besucht ihr Baustellen? Kommt Feedback aus dem Außendienst?

Wintersteiger: Unsere Teamplayer im Außendienst sind täglich auf Baustellen in ganz Deutschland und Österreich unterwegs und sprechen mit den Anwendern vor Ort. Dieses Feedback wird weitergegeben und ist für unseren Entwicklungsprozess essenziell. Dadurch wissen wir aus erster Hand um die Probleme und Herausforderungen Bescheid und können Lösungen entwickeln, die einen tatsächlichen Mehrwert bieten.

 

Gibt es ein Produkt, bei dem du heute noch stolz sagst: „Das war ein Gamechanger!“?

Wintersteiger: Hier würde ich gerne drei nennen. Zum einen die Flügelbetondose, mit der wir den Betonbau revolutionieren konnten. Diese Technik erhielt noch im gleichen Jahr den „Bundespreis für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk“ und ist heutzutage nicht mehr wegzudenken. Mit der Erfindung der Thermodose folgte ein ganz neuer Ansatz für die Unterputzinstallation, der mittlerweile zum Standard wurde. Und Anfang dieses Jahres brachten wir die neuen Hohlwanddosen der Q-Serie auf den Markt. Der größere Durchmesser und die dadurch entstandene Möglichkeit der festen Kombination ist ein echter Gamechanger im Trockenbau.

 

Flügelbetondose, Thermodose, Q-Serie – ihr setzt regelmäßig Standards. Was ist euer Geheimnis? Technischer Vorsprung? Bauchgefühl? Mut?

Wintersteiger: Mut ist definitiv ein Faktor, denn wir trauen uns, alteingesessene Methoden und Arbeitsweisen aufzubrechen und diese zu ersetzen. Dazu kommt die starke Verbindung zur Branche und den Experten auf der Baustelle. Zum einen können wir auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. Neben mir haben noch viele weitere Primo-Teamplayer eine Ausbildung zum Elektriker absolviert. Zum anderen sind wir mit unserem Außendienst täglich auf Baustellen unterwegs und sprechen mit den Anwendern vor Ort. Dieses Feedback ist für unseren Entwicklungsprozess essenziell. Dadurch wissen wir aus erster Hand um die Probleme und Herausforderungen Bescheid und können Lösungen entwickeln, die einen tatsächlichen Mehrwert bieten.

 

Viele Firmen sprechen von Innovation. Ihr lebt sie. Wie schafft man es, immer wieder diesen „ersten Schritt“ zu gehen?

Wintersteiger: Wir geben uns mit dem aktuellen Stand nicht zufrieden, sondern wollen immer weiter optimieren. Wir hinterfragen die gebotenen Lösungen und suchen nach Wegen, wie es besser laufen könnte. Der stetige Austausch mit den Experten auf der Baustelle ist hier natürlich die treibende Kraft, denn sie stehen täglich vor neuen Herausforderungen.

 

Du wirkst trotz deines Erfolges unglaublich bodenständig. Was erdet dich?

Wintersteiger: Vor allem meine Familie. Mit ihr kann ich abschalten und auch an andere Dinge denken. Dazu kommt der große Spaß an dem, was ich tu. Mit Freude geht alles viel leichter.

 

Was würdest du deinem jüngeren Ich heute sagen – Thomas mit 25, am Beginn von Primo?

Wintersteiger: Er darf ruhig noch etwas mutiger sein und die Entwicklung des Unternehmens schneller vorantreiben. Dafür darf er auch teilweise ein höheres Risiko eingehen. Vor allem aber soll er weiterhin mit viel Leidenschaft und vollem Einsatz an die Sache rangehen.

 

Gab es auch Rückschläge oder Momente, in denen du gezweifelt hast?

Wintersteiger: Rückschläge gehören zu jeder Unternehmensentwicklung dazu. Nach den anfänglichen positiven Rückmeldungen hatten wir natürlich auch mit viel Skepsis zu kämpfen. Außerdem mussten wir unseren Platz im Markt erst einmal finden. Aktuell ist natürlich die Situation in der Baubranche zu nennen, die alles andere als einfach ist. Das wichtige bei diesen Rückschlagen ist jedoch, dass man nicht nur das Schlechte sieht. Wir haben bisher immer die Chance in solchen Situationen erkannt und damit das Beste daraus gemacht.

 

Soweit wir wissen, produziert ihr ausschließlich in Deutschland. Warum war euch das immer wichtig?

Wintersteiger: Zum einen wollen wir Qualitätsprodukte anbieten und da passen die Ansprüche der deutschen Wirtschaft perfekt dazu. Außerdem fördern wir damit die deutsche Wirtschaft und haben die nachhaltige Produktion im Blick.

 

Hat sich dieser Weg jemals wirtschaftlich „angefühlt wie ein Fehler“ – oder war es immer die einzig richtige Entscheidung?

Wintersteiger: Es war immer die einzig richtige Entscheidung. Durch die Produktion in Deutschland schaffen wir auch außerhalb der Primo Arbeitsplätze und können den qualitativ hohen Anspruch an unsere Produkte sicherstellen.

 

Von einer Zwei-Mann-Idee zur etablierten Marke: Wie hat sich dein Blick auf Mitarbeiterführung verändert?

Wintersteiger: Eine größere Mannschaft erfordert auch die Implementierung neuer Strukturen. Was vorher zwischen zwei Personen besprochen wurde, wird jetzt im Team erörtert. Das heißt natürlich auch, dass man es schaffen muss, verschiedene Charaktere zu vereinen. Um das Unternehmen weiterzuentwickeln, muss sich auch jedes Team und jeder Teamplayer immer wieder weiterentwickeln. Wichtig ist jedoch, dass wir dabei weder unsere Philosophie und Unternehmenskultur und schon gar nicht unsere Werte verlieren.

 

Was macht für dich ein gutes Team aus – in der Entwicklung, aber auch draußen am Bau?

Wintersteiger: Teamwork gelingt nur, wenn man dabei Spaß hat. Ein starkes Team, das mit Freude und Leidenschaft ans Werk geht, ist immer erfolgreich.

 

Was ist dir persönlich wichtig, wenn du neue Leute einstellst?

Wintersteiger: Die Leute müssen mit Leidenschaft, Begeisterung und Herzblut dabei sein. Nur so können wir vorankommen.

 

Schluss mit dem Gefummel! Die Hohlwanddosen der Q-Serie beeindrucken mit einem Durchmesser von 74 mm und innovativen Funktionen, die die Arbeit des Elektrikers schneller, sauberer und effizienter machen. (Bild: Primo GmbH)

Mit der Q-Serie habt ihr wieder einen neuen Standard gesetzt. Warum ist diese Entwicklung gerade jetzt wichtig?

Wintersteiger: Unsere neuen Hohlwanddosen bieten einmal mehr einen ganz neuen Ansatz und verfolgen klar unsere Philosophie. Durch den größeren Durchmesser können die Dosen fest verbunden und damit viel schneller installiert werden. Das erleichtert die Arbeit deutlich und steigert die Effizienz. In Zeiten von Fachkräftemangel sind Produkte, die die Arbeitszeit verkürzen und die Arbeit erleichtern, entscheidend.

 

Wie feiert man bei Primo 20 Jahre Unternehmensgeschichte?

Wintersteiger: Zum einen feiern wir das natürlich mit Innovation. Pünktlich zu unserem Jubiläumsjahr haben wir mit der Q-Serie ein ganz neues Sortiment auf den Markt gebracht, mit dem wir einen neuen Standard in der Hohlwandinstallation setzen. Damit werden wir die Arbeit des Elektrikers wieder erleichtern. Und zum anderen feiern wir in Aschau mit dem gesamten Team ein großes Fest. Nur durch den engagierten Einsatz jedes einzelnen Teamplayers konnten wir das erreichen, wo die Primo heute steht. Darauf müssen wir natürlich anstoßen.

 

Die Thermodose lässt sich mit dem eigens entwickelten Thermoschaum innerhalb von Sekunden im Unterputz installieren. Sie hält in jedem Wandmaterial und ist damit auch für Sanierungen bestens geeignet. (Bild: Primo GmbH)

Gibt es ein Produkt oder Projekt, auf das ihr zum Jubiläum besonders stolz seid?

Wintersteiger: Hier würde ich gerne drei nennen. Zum einen die Flügelbetondose, mit der wir den Betonbau revolutionieren konnten. Diese Technik erhielt noch im gleichen Jahr den „Bundespreis für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk“ und ist heutzutage nicht mehr wegzudenken. Mit der Erfindung der Thermodose folgte ein ganz neuer Ansatz für die Unterputzinstallation, der mittlerweile zum Standard wurde. Und Anfang dieses Jahres brachten wir die neuen Hohlwanddosen der Q-Serie auf den Markt. Der größere Durchmesser und die dadurch entstandene Möglichkeit der festen Kombination ist ein echter Gamechanger im Trockenbau.

 

Wenn du nach vorne blickst: Was sind die großen Themen, die Primo in den nächsten 5 bis 10 Jahren prägen werden?

Wintersteiger: Wir müssen weiter sicherstellen, dass wir auch zukünftig für das Elektrohandwerk qualitativ hochwertige Lösungen Made in Germany entwickeln. Ich bin mir außerdem sicher, dass systemisches Bauen in den kommenden Jahren immer wichtiger wird und auch hier können wir Lösungen bieten.

 

Denkst du manchmal daran, wie weit der Weg noch gehen könnte – vielleicht bis zum nächsten Familienmitglied in der dritten Generation?

Wintersteiger: Ich habe drei wunderbare Kinder und natürlich ist es immer schön, wenn der Betrieb von der Familie fortgeführt wird. Hier mache ich meinen Kindern aber gar keinen Druck. Sie sollen für sich ebenso einen Job finden, der ihnen richtig Spaß macht und den sie mit Leidenschaft ausfüllen können.

 

Was möchtest du jungen Gründer:innen oder Handwerker:innen mitgeben, die heute am Anfang stehen – so wie du vor 20 Jahren?

Wintersteiger: Um erfolgreich zu sein, muss man mutig sein und an die Idee glauben. Außerdem ist der Fleiß ganz entscheidend. Man muss immer mehr machen, als andere von dir erwarten.

 

Und was wünschst du dir persönlich für die nächsten 20 Jahre?

Wintersteiger: Vor allem wünsche ich mir Gesundheit für mich, meine Familie und unser gesamtes Team. Ich hoffe, dass wir auch in den nächsten 20 Jahren diese coole Mannschaft haben, mit der wir noch viel erreichen können.

 

Thomas, du und dein Vater seid damals persönlich nach Österreich gefahren – ohne Vertrieb, ohne Außendienst. Was hat euch damals konkret nach Österreich geführt?

Wintersteiger: Wir kommen aus Oberbayern, von daher macht es die geografische Nähe leicht, nach Österreich zu kommen. Die Mentalität der Bayern und der Österreicher ist auch ähnlich, weswegen man sich sehr gut versteht. Außerdem sind die Anforderungen an die Elektroinstallation ähnlich wie in Deutschland.

 

Erinnerst du dich noch an euer erstes Kundengespräch in Österreich? Wie wurdet ihr aufgenommen?

Wintersteiger: Wie bei fast jedem Gespräch mit anfänglicher Skepsis. Aber Stück für Stück konnten wir die Elektriker begeistern und als langjährigen Partner gewinnen. Wir mussten uns jedoch auch anhören, dass wir nur „Pfusch“ betreiben, weil bei unseren Mustern die Kabel direkt installiert wurden, wie in Deutschland üblich. In Österreich wird generell alles mit Rohren bzw. Schläuchen verlegt. Das führte zu witzigen Unterhaltungen.

 

Was hat damals den Ausschlag gegeben, dass ihr gesagt habt: „Österreich – da wollen wir bleiben“?

Wintersteiger: Vor allem die positiven Rückmeldungen und das Feedback der Elektriker haben dafür gesorgt, dass wir unser Engagement in Österreich intensivieren wollten. Außerdem haben die Österreicher und die Bayern eine ähnliche Mentalität, wodurch es einfacher ist, Bindungen aufzubauen.

 

Wie würdest du den österreichischen Markt im Vergleich zu Deutschland beschreiben? Gibt es kulturelle oder handwerkliche Unterschiede?

Wintersteiger: Jede Kultur hat bekanntlich ihre Eigenheiten, aber die Bayern und die Österreicher sind sich in vielem sehr ähnlich. Mir gefällt besonders die direkte und ehrliche Art. Generell sind Österreicher jedoch etwas offener für neue Methoden und Innovationen.

 

Österreich ist bekannt für seine „sehr vielfältige“ Bauordnung und Normentreue. Was hat das für euch als Produktentwickler bedeutet?

Wintersteiger: Regeln und Normen sind für uns in Deutschland ja nichts Unbekanntes, von daher wissen wir einigermaßen, womit wir es zu tun haben. Dem müssen wir natürlich Sorge tragen und unsere Entwicklungen dementsprechend anpassen. Anders würden wir keinen wirklichen Mehrwert bieten.

 

Welche Herausforderungen musstet ihr speziell in Österreich meistern, um am Markt Fuß zu fassen?

Wintersteiger: Die größte Herausforderung war, dass die Installation ausschließlich mit Rohr durchgeführt wird. In Deutschland arbeiten wir im Unterputzbereich häufig nur mit Kabeln, hier ist Rohr nicht zwingend vorgeschrieben.

 

Heute ist euer Außendienst regelmäßig auf österreichischen Baustellen unterwegs. Wie wichtig ist euch die Präsenz vor Ort?

Wintersteiger: Diese Präsenz ist für uns absolut entscheidend. Nur so sind wir direkt am Puls der Branche und erfahren, welche Probleme die Elektriker zu bewältigen haben. Darüber hinaus wollen wir unseren Kunden nicht nur ein Produkt verkaufen. Wir stehen ihnen dauerhaft als Partner zur Seite – das geht nicht nur über Telefon oder Mail.

 

Gibt es Produkte, die in Österreich besonders gut angekommen sind oder sogar speziell für diesen Markt adaptiert wurden?

Wintersteiger: Unser Ziel ist es immer, Produkte zu entwickeln die sowohl für den österreichischen als auch den deutschen Markt geeignet sind.

 

Wie sehr fließen die Anforderungen des österreichischen Marktes in eure Produktentwicklung ein?

Wintersteiger: Rückmeldungen und Feedback aus dem Markt sind entscheidend und fließen in die Entwicklung mit ein. Nur so können wir spezielle Anforderungen auch direkt beachten und gemeinsam besser werden.

 

Siehst du Österreich eher als „frühen Markt“ für Innovationen – oder eher als konservativ und sicherheitsorientiert?

Wintersteiger: In Österreich ist der Elektriker schon offener für Innovationen. Trotz anfänglicher Skepsis wird hier meistens direkt ausprobiert. Im Anschluss bekommen wir in Österreich immer ehrliches und direktes Feedback. Von daher ist der Markt für uns tatsächlich sehr gut zum Testen neuer Innovationen.

 

Gibt es Besonderheiten, auf die ihr in Zukunft in Österreich besonders eingehen wollt – etwa im Hinblick auf ökologische Baustoffe, Fachkräftemangel oder Digitalisierung?

Wintersteiger: Das Thema nachhaltiges Bauen wird immer wichtiger werden und dafür müssen wir weitere Lösungen entwickeln. Außerdem wird die Problematik des Fachkräftemangels sicherlich nicht leichter werden. Die Lösungen müssen also einfach und leicht übertragbar werden. Auch das systemische Bauen und Fertigteillösungen werden immer weiter zunehmen.

 

Du warst oft in Österreich, kennst Land und Leute. Was verbindest du persönlich mit dem Land?

Wintersteiger: Österreich ist zum einen natürlich landschaftlich wunderschön und zum anderen gefällt mir die offene und ehrliche Art der Menschen sehr gut. Sie zeichnet eine Kultur von leben und leben lassen aus, damit kann ich mich sehr gut identifizieren. Ich bin immer wieder sehr gerne in Österreich.

 

Gibt es für Primo künftig Pläne, den österreichischen Markt weiter auszubauen – etwa durch regionale Partnerschaften, Events oder sogar Standortüberlegungen?

Wintersteiger: Wir wollen in Österreich weiterwachsen und die Marke Primo weiter stärken. Unser Außendienst wird wie bisher in ganz Österreich unterwegs sein und bei Messen werden wir aktiv teilnehmen. Österreich ist für uns nicht nur ein schönes Land, sondern ein wichtiger Markt.

 

Lieber Thomas, vielen Dank für das Gespräch!

 

Weitere Informationen auf: www.primo-gmbh.com

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