E-Control zieht Bilanz zur Umsetzung des EEffG:

Wo Österreich bei der Energieeffizienz wirklich steht

von Sandra Eisner
Foto: © KI-generiert

Wie steht es um die Energieeffizienz in Österreich? Die E-Control veröffentlichte Anfang Dezember den aktuellen Fortschrittsbericht zum Bundes-Energieeffizienzgesetz – mit teils ernüchternden Ergebnissen. Während manche Ziele erreicht wurden, besteht bei anderen dringender Handlungsbedarf. Ein Überblick über Zahlen, Pflichten und Perspektiven.

Fortschrittsbericht zeigt Licht und Schatten bei der Zielerreichung

Mit der Veröffentlichung des dritten Fortschrittsberichts präsentierte Dr. Harald Proidl, Leiter der Energieeffizienz-Monitoringstelle der E-Control, eine detaillierte Zwischenbilanz zur Umsetzung des Bundes-Energieeffizienzgesetzes (EEffG). Der Bericht beleuchtet die Entwicklungen bei zentralen Zielgruppen wie Energiedienstleistern, Energielieferanten, großen Unternehmen und Rechenzentren – und liefert Zahlen zur Zielerreichung beim Endenergieverbrauch sowie zu realisierten Einsparmaßnahmen.

Monitoringstelle im Vollbetrieb: Aufgaben und Schwerpunkte

Seit Anfang 2025 ist die Energieeffizienz-Monitoringstelle der E-Control im Vollbetrieb. Zu den zentralen Aufgaben zählen das Prüfen gesetzlich vorgeschriebener Meldungen, die Pflege der Energiedienstleister:innenliste, die Bereitstellung von Informationen auf der Website und die Veröffentlichung des jährlichen Fortschrittsberichts. Ein technisches Highlight war die Fertigstellung der elektronischen Meldeplattform, über die sämtliche Berichte und Meldungen übermittelt werden.

Requalifizierung bremst Zahl der Energiedienstleister

Von 501 ursprünglich zugelassenen Energiedienstleister:innen reichten nur 194 eine Requalifizierung ein – 135 davon wurden erfolgreich wieder aufgenommen. Als häufigste Ablehnungsgründe wurden fehlende Ausbildungspunkte oder unzureichend dokumentierte Referenzprojekte genannt. Besonders betroffen: Vereine und ausländische Dienstleister, die an der Gewerbeberechtigung scheiterten.

Große Unternehmen: Auditpflicht mit Potenzial

Über 1.190 standardisierte Kurzberichte (SKB) wurden für insgesamt 4.571 Unternehmen eingereicht. Der analysierte Energieverbrauch dieser Firmen betrug 522 Petajoule – rund 60 % des industriellen Gesamtverbrauchs. Dabei wurden 6.243 Energieeffizienzmaßnahmen identifiziert, mit einem potenziellen Einsparvolumen von 13,4 PJ pro Jahr – rund drei Viertel davon im Bereich Prozesse.

Rechenzentren: Viel Potenzial, wenig Rückmeldung

Erstmals meldepflichtig: Rechenzentren mit einer IT-Leistung über 500 kW. 18 Zentren meldeten bis Mai 2025 ihren Verbrauch – laut E-Control gibt es jedoch rund 60 weitere, die bislang ihrer Verpflichtung nicht nachgekommen sind.

Energieberatung: Viele Angebote, aber nicht flächendeckend

Energielieferanten mit über 25 GWh Endkundenabsatz mussten Beratungsangebote einrichten. 182 Unternehmen waren verpflichtet, doch nur 105 Beratungsstellen wurden gemeldet. Dabei reicht das Spektrum von Telefon- und E-Mail-Beratung bis zu Vor-Ort-Terminen.

Gesamtstaatliche Ziele: Verbrauch rückläufig, Einsparungen nicht erfüllt

Österreichs Endenergieverbrauch lag 2023 mit 1.034 PJ (nicht bereinigt) unter dem Zielpfad von 1.088 PJ. Maßgeblich dafür verantwortlich sind strukturelle Effekte wie schwache Wirtschaftsleistung und milde Winter. Die Energieintensität der Wirtschaft sank seit 2010 um 13 %, jene der Industrie sogar um 23 %.

Bisherige Einsparungen reichen nicht aus

Anders bei den kumulierten Energieeinsparzielen: Hier hinkt Österreich deutlich hinterher. Um das Ziel von 650 PJ bis 2030 zu erreichen, müssten deutlich mehr Maßnahmen umgesetzt werden als bisher. Die bislang angerechneten Einsparungen – überwiegend durch Förderungen – bleiben klar hinter dem erforderlichen Zielpfad zurück. Besonders kritisch: Bei sozial benachteiligten Haushalten wurde das Subziel deutlich verfehlt.

Ausblick: EED III bringt neue Verpflichtungen

Mit der Umsetzung der überarbeiteten EU-Energieeffizienzrichtlinie (EED III) kommen weitere Anforderungen: Energieeffizienz soll bei politischen Entscheidungen Priorität erhalten, die öffentliche Hand bekommt strengere Vorgaben, und neue Berechnungsgrundlagen für Auditpflichten stehen bevor.

Weitere Informationen auf: www.e-control.at

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