PV-Recycling in Österreich:

Daka setzt auf Trennung statt Schreddern

von Laura Peichl
Foto: © Daka Entsorgungsunternehmen GmbH & Co. KG

Auf Österreichs Dächern sind hunderttausende Photovoltaikanlagen montiert; beim Verkauf war ihre Entsorgung oft kein Thema. Doch was passiert, wenn die Module vom Dach kommen, und wie lassen sich PV-Module recyceln? Ein Tiroler Entsorger will sie Schritt für Schritt in verwertbare Bestandteile zerlegen. Das i-Magazin sprach mit den Verantwortlichen.

Das Plakat an der Hallenwand zeigt, wohin die Reise gehen soll: Auf einer Fläche von 24 mal 10 Metern wird ein PV-Modul künftig in seine einzelnen Bestandteile zerlegt.Foto: © Daka

Das Plakat an der Hallenwand zeigt, wohin die Reise gehen soll: Auf einer Fläche von 24 mal 10 Metern wird ein PV-Modul künftig in seine einzelnen Bestandteile zerlegt.
(Foto: © Daka)

Wer PV-Module recyceln will, muss auch Rücknahme, Transport und Verwertung organisieren. Für Elektroinstallationsbetriebe zählt aber auch: Wer holt die Altmodule vom Dach? Darüber sprach das i-Magazin mit Matthias Zitterbart von der Daka Entsorgungsunternehmen GmbH & Co. KG in Schwaz in Tirol.

Wie alles begann

Josef Danler, Landwirt mit Leib und Seele, entdeckte in den Schwazer Feldern ein Kanalreinigungsfahrzeug aus Oberösterreich – und erkannte darin eine Geschäftschance. Er kaufte eines dieser Fahrzeuge und stellte es zunächst im Stall ab. Gemeinsam mit seinem damaligen Kompagnon Herbert Kandler gründete er schließlich 1972 den Tiroler Familienbetrieb. Nach Danlers frühem Tod führten seine Eltern den Betrieb weiter. In den 1990er Jahren baute das Unternehmen das Glasrecycling in Tirol auf und übergab den Bereich später an einen anderen Betreiber. Heute vereint das Unternehmen vier Sparten: Entsorgung, Recycling, Reinigung und Sanierung. Zum Recycling gehören Sortieranlagen für Leichtstoffverpackungen, ein Erdenwerk, das Klärschlämme zu Kompost verarbeitet, und die Annahme gefährlicher Abfälle. Zur Reinigung und Sanierung zählen Lüftungs- und Industriereinigung, Brandschadenreinigung sowie die Wiederherstellung von Häusern mit eigenen Gewerken.

Mit ausgedienten PV-Modulen kommt nun ein neuer Stoffstrom hinzu. Im Gespräch mit dem i-Magazin wurde sehr schnell klar, wohin die Reise geht.

Herr Zitterbrart, wie kam das PV-Recycling-Thema bei Ihnen im Unternehmen überhaupt auf den Tisch?

Matthias Zitterbart: Die Idee entstand vor zwei Jahren, als wir direkt neben unserem Betrieb ein 2 ha großes Grundstück kaufen konnten. Wir fragten uns, welche Stoffströme künftig auf uns zukommen. In der Entsorgungsbranche ist der Begriff „Future Waste“ bekannt; dazu zählen u.a. Textilien, Batterien und PV-Module. Bei einer Innovationsveranstaltung in Wattens lernte ich einen Anlagenbauer kennen, der damals als Start-up mit dem Thema durchstartete. Wir unterhielten uns in der Pause und schmiedeten den Plan, in die PV-Modulaufbereitung einzusteigen.

Was geschah bisher mit ausgedienten Modulen – und was wollen Sie anders machen?

Zitterbart: Bislang werden PV-Module geschreddert und mechanisch zerlegt; anschließend sortiert man hochwertige Stoffe aus dem Materialhaufen aus. Dabei entstehen viele Verunreinigungen. Wir wollen die Bestandteile nun Schritt für Schritt und Material für Material sauber lösen. Hohe Qualität wird am Markt honoriert und ermöglicht Erlöse aus den zurückgewonnenen Stoffen.

Die Anlage steht nun bereits in Schwaz – was kann sie schon heute, und welcher Schritt steht noch aus?

Zitterbart: Wir haben den ersten Anlagenteil in Betrieb genommen: die Entrahmungsanlage. Sie löst den Aluminiumrahmen vom PV-Modul. Die weiteren Bestandteile sollen danach nacheinander getrennt werden.

Wie geht es mit Glas und Laminat weiter?

Zitterbart: Als nächsten Schritt wollen wir die Glasscheibe im Verfahren thermisch-mechanisch vom Modul abtrennen. Dafür planen wir den Ausbau für Ende 2026 beziehungsweise Anfang 2027. Das saubere Glas soll danach in die Glasindustrie gehen. Übrig bleibt das Laminat, in dem hohe Silber- und Siliziumanteile stecken. Doch auch dafür gibt es bereits Entsorgungs- oder Recyclinglösungen. Nach dem kompletten Ausbau der Anlage wollen wir schließlich bis zu 95 % des PV-Moduls recyceln.

Welche PV-Module werden übernommen – und wo liegen die Grenzen?

Zitterbart: Wir übernehmen siliziumbasierte PV-Module. Dünnschichtmodule können wir derzeit nicht annehmen. In solchen Modulen sind gefahrenrelevante Stoffe enthalten; besonders Cadmium führt in unserem Prozess zu Problemen mit Emissionen. Vielleicht gibt es dafür künftig eine Lösung. Siliziumbasierte Module decken meiner Einschätzung nach 85 % der in Einsatz befindlichen Module ab. Glas-Glas-Module können wir ebenfalls übernehmen. Das gilt auch für Module mit Glasbruch, etwa nach Hagelschäden, wenn das Glas nicht mehr intakt ist.

Wie beurteilen Sie Module aus größeren Solarparks?

Zitterbart: Bei großen Solarparks kommt unser Außendienst zum Standort und beurteilt die Module vor Ort. Danach können wir dem Kunden eine passende Lösung für die weitere Abwicklung vorschlagen.

Wie läuft die Abholung alter PV-Module für Elektriker ab?

Zitterbart: Am besten ruft der Elektrobetrieb bei uns an, oder trägt die Menge in unser Online-Portal ein. Wir haben einen 24-Stunden-Notdienst und arbeiten auch am Wochenende, wobei das bei PV-Modulen normalerweise nicht nötig ist. Ein Disponent klärt Lagerort und Zustand: Liegen die Module auf Paletten oder in einer Solarbox? Dann koordinieren wir die Logistik und holen sie möglichst rasch ab. Auf Wunsch übernehmen zwei Arbeitspartien Rückbau und Transport; die Solarbox stellen wir Elektroinstallationsbetrieben zur Verfügung. Unsere Schadensanierung deckt baunahe Leistungen ab. Das Stoffstrommanagement wickelt alles im Hintergrund ab.

Wie kommen die Module aus den Bundesländern nach Schwaz?

Zitterbart: Mit derzeit mehr als 120 Lkw bedienen wir vor allem Tirol, Vorarlberg und Salzburg.

Matthias Zitterbart (Bild: Daka)

Für weiter entfernte Regionen arbeiten wir mit Frächtern und Spediteuren zusammen. In Oberösterreich haben wir einen Lagerplatz gemietet, einen weiteren gibt es in Kärnten; dort bündeln wir die Module. Sobald genug Material für eine Sattelzugladung zusammengekommen ist, transportieren wir es nach Schwaz und bereiten es dort über die Recyclinglinie auf.

Was bedeutet die Entpflichtung über ein Sammelsystem für die Rückgabe?

Zitterbart: Wir haben mit allen vier Sammel- und Verwertungssystemen in Österreich Vereinbarungen getroffen. Das liegt auch daran, dass wir schon seit Jahrzehnten Elektroaltgeräte übernehmen und gute Kontakte zu den Systemen haben. Module, für die die Entpflichtung über eines dieser Systeme erfolgt ist, können Kunden kostenlos bei uns abgeben.

Welche Rolle kann der Elektrogroßhandel bei der Rücknahme von Solarmodulen übernehmen?

Zitterbart: Aus meiner Sicht ist das Geschäftsfeld für den Großhandel noch eine Nische; es gibt niemanden, der diesen Service vollumfänglich und flächendeckend abdeckt. Über den Außendienst könnte er den Service bis zu den Elektroinstallationsbetrieben bringen. Für den Endkunden und die PV-Errichter-Firma wäre es hilfreich, wenn der Handelspartner die Rücknahme mitorganisiert. Viele Großhändler lizenzieren Module bereits über eines der vier Sammelsysteme. Manche Systeme bieten digitale Abläufe, bei denen Mengen im Portal des Elektronischen Datenmanagements (EDM) erfasst werden. Wer kein Sammelsystem nutzt, kann die Rücknahme direkt mit einem Entsorgungsunternehmen vereinbaren.

Unseren Informationen zur Folge ist auch Bayern für Sie ein interessanter Markt…

Zitterbart: Das ist korrekt – der süddeutsche Markt ist sehr interessant. In Bayern wurden PV-Module zu einem früheren Zeitpunkt auf den Dächern montiert als in Österreich; deshalb sind dort bereits erste Mengen verfügbar. Außerdem ist Bayern auch durch die Grenznähe für uns naheliegend. Wir haben in dieser Region schon Module übernommen und sind bei Abholungen im Einsatz.

Wie kommen nun Elektriker und Großhändler zu einer konkreten Lösung?

Zitterbart: Sie erreichen uns im Internet, telefonisch oder per E-Mail. Wenn es sinnvoll ist, kommen wir zum Kunden. Wir sind kundennah und legen viele Kilometer im Jahr zurück. Unser Vertriebsteam umfasst aktuell fünf Personen im Innendienst und acht im Außendienst; so können wir Anfragen aufnehmen und Lösungen vor Ort besprechen.

Herr Zitterbart – noch eine abschließende Frage: Könnte die Rücknahme künftig schon beim Verkauf als Gesamtpaket mitgedacht werden?

Zitterbart: Für die Kombination aus PV-Modul, Montage und Recycling am Ende der Laufzeit gibt es bisher noch kein fertiges Konzept. Wir sind kein Elektrounternehmen und haben nicht die dafür nötigen Gewerbeberechtigungen. Solche Modelle kenne ich jedoch aus Deutschland. Bei großen Solarparks arbeiten Rückbauunternehmen und Recycler bereits zusammen, damit das Energieversorgungsunternehmen (EVU) oder ein anderer Betreiber von Anfang an eine Lösung von A bis Z hat.

Herr Zitterbart, vielen Dank für das Gespräch!

www.daka.tirol/pv-entsorgung

Auf einen Blick

  • So läuft die Rücknahme: Unternehmensangaben auf der Daka-Website
  • Anfrage: Laut Unternehmensangaben können Menge, Zustand und Standort der Module online oder telefonisch übermittelt werden. Daka gibt an, innerhalb eines Werktags zu antworten.
  • Abholung: Als Behälter nennt die Website Palette, Solarbox oder Container. Die Abholung wird für Österreich, Bayern und Südtirol angeboten.
  • Verwertung und Nachweis: Laut Website werden Glas, Aluminium, Silizium und Metalle getrennt; Kundinnen und Kunden erhalten einen vollständigen Entsorgungsnachweis.

Die Daka-Solarbox ist laut Unternehmensangaben ein verzinktes Mehrweg-Transportgestell. Spanngurte sichern die Module beim stehenden Transport; leer lässt sich die Box zusammenklappen und platzsparend lagern.

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