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                                    5/2025 15 uns als Dienstleister Wir sind unabh%u00e4ngig, machen aber nicht die Regeln, wir setzen sie um %u2013 transparent und innerhalb der gesetzlich vorgegebenen Mechanik.Ein Begriff, der viele stolpern l%u00e4sst, ist das %u201eAusgleichsenergierisiko%u201c. Was bedeutet das im Alltag der OeMAG %u2013 und f%u00fcr Betreiber?Horst Brandlmaier, Vorstand: Kurz gesagt: Es geht um die Differenz zwischen Prognose und tats%u00e4chlicher Einspeisung. Niemand speist exakt wie prognostiziert ein. Wir erstellen deshalb Day-Ahead-Prognosen und bessern mit Intraday-Prognosen nach. Unsere Prognosen sind wetterbasiert und werden %u2013 wo verf%u00fcgbar %u2013 mit Online-Messwerten unterst%u00fctzt, wie beispielsweise bei Windkraft. Die mengenm%u00e4%u00dfigen Abweichungen zwischen Prognose und tats%u00e4chlicher Einspeisung k%u00f6nnen wir durch hochwertige Prognosen beeinflussen. Wof%u00fcr wir aber nicht verantwortlich sind, ist der Preis f%u00fcr Ausgleichsenergie %u2013 der kommt aus dem Marktdesign (Clearingpreisformel), wo gem%u00e4%u00df europ%u00e4ischen Vorgaben auf teure Regelenergiepreise zur%u00fcckgegriffen wird. Durch die Einf%u00fchrung des Merit-Order-Prinzips (Marginal Pricing) bei der Beschaffung von Regelenergie kommt nun auch auf diesem sehr engen Markt stets der h%u00f6chste Preis f%u00fcr das zuletzt abgerufene Kraftwerk zum Tragen. Fr%u00fcher wurde vom billigsten zum teuersten Anbieter abgerufen; heute gilt ein Marktr%u00e4umungsmechanismus, bei dem alle Anbieter stets den h%u00f6chsten Preis erhalten. Das hat die Preise f%u00fcr Regelenergie und zugleich auch f%u00fcr Ausgleichsenergie erh%u00f6ht. Die Konsequenz: Wenn die Preise hochgehen, steigen unsere Kosten %u2013 auch wenn wir die Mengen so gut wie m%u00f6glich optimieren. Dieses Preisrisiko m%u00fcssen wir zwar tragen, k%u00f6nnen es aber nicht unmittelbar beeinflussen, das ist systemisch durch die Clearingpreisformel vorgegeben.Welche Auswirkungen sp%u00fcren Betreiber von Photovoltaikanlagen unterschiedlicher Gr%u00f6%u00dfenklassen durch die Ver%u00e4nderungen am Strommarkt?Brandlmaier: Das Konzept der %u00dcberschusseinspeisung bei Photovoltaik ist wirtschaftlich relativ robust, weil die Eigenversorgung mit Sonnenstrom immer g%u00fcnstig ist. Ganz anders sieht es bei gro%u00dfen PV-Anlagen aus mit Volleinspeisung ohne Flexibilit%u00e4t. Dort werden die negativen Preise in der Mittagsspitze immer voll mitgenommen. Wer zur Mittagszeit volle Produktion ohne Abregeloder Speicherm%u00f6glichkeit hat, muss je nach Stromliefervertrag in solchen Stunden mit negativen Preisen rechnen. Das sehen auch Stromh%u00e4ndler so: Sie bepreisen Risiko, und irgendwann ist das individuelle Risiko eines H%u00e4ndlers f%u00fcr bestimmte Technologien ersch%u00f6pft. Das ist der Punkt, an dem Anlagenbetreiber Vertr%u00e4ge verlieren oder nur noch sehr ung%u00fcnstige Konditionen bekommen. Genau deshalb existiert die Marktpreisbilanzgruppe als %u201esicherer Hafen%u201c %u2013 dazu gleich mehr.Bevor wir dorthin kommen: Wie l%u00e4uft die Vermarktung organisatorisch %u2013 Stichwort Handelszeitpunkte?Brandlmaier: Die Handelszeitpunkte sind standardisiert. Prognosen m%u00fcssen fr%u00fch am Vormittag stehen. Lokale Auktionen finden am Vormittag statt, das Market Coupling gegen Mittag. Praktisch bedeutet das, dass die Prognosen und die daraus resultierenden Fahrpl%u00e4ne fertig sein m%u00fcssen und die Orders rechtzeitig in die Handels-Systeme eingegeben werden. Mit unserer IntradayVermarktung wird lediglich der Fahrplan so gut wie m%u00f6glich korrigiert, um die Ausgleichsenergiemengen so gut wie m%u00f6glich zu reduzieren. Kommen wir zur Marktpreisbilanzgruppe (MPBG). Was ist sie %u2013 und was nicht?R%u00f6thlin: Die MPBG ist keine F%u00f6rderung, sondern eine geregelte Abnahme. Sie wurde 2021 bewusst als %u201esave habor%u201c eingef%u00fchrt, um kleinen und mittleren Anlagen einen verl%u00e4sslichen Abnehmer zu geben %u2013 begrenzt auf weniger als 500 kW. Gr%u00f6%u00dfere Anlagen m%u00fcssen sich am Markt einen Stromh%u00e4ndler suchen. Der Preis in der MPBG ist gesetzlich determiniert und bewegt sich in einer Bandbreite: Untergrenze 60 % und Obergrenze 100 % des von der E-Control ver%u00f6ffentlichten Marktpreises. Seit 2024 wird er monatlich im Nachhinein festgelegt. In den Sommermonaten hat h%u00e4ufiger der 60-Prozent-Untergrenze (Floor) gegriffen. Das zeigt, wof%u00fcr die Dr. Horst Brandlmaier, MBA (Vorstand, OeMAG) erkl%u00e4rt im Interview die Problematik der aktuellen Marktpreis- und Ausgleichsenergiemechanismen, ordnet das europ%u00e4ische Marktdesign ein und pl%u00e4diert f%u00fcr Stabilit%u00e4t durch Transparenz, Flexibilit%u00e4t und smarte Lastverschiebung.Fotos: www.i-magazin.comHier geht%u2019s zum vollst%u00e4ndigen Berichthttps://i-magazin.com/was-die-oemag-leistet/Scannen Sie den QR-Code jetzt!www.oem-ag.atwww.i-magazin.comWEITERE INFORMATIONEN AUF:
                                
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