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5/2025security bis zur europ%u00e4ischen Marktordnung spannten die Referenten einen weiten Bogen %u2013 und machten deutlich, dass Ladeinfrastruktur in %u00d6sterreich an einem Wendepunkt steht.Netz und Infrastruktur %u2013 Das Fundament unter StromDie Grundlage der Diskussion bildeten die Perspektiven der Verteilnetzbetreiber.Karl Scheida von Oesterreichs Energie ordnete die Entwicklung mit Blick auf die APGZahlen ein: %u00d6sterreich verf%u00fcge %u00fcber rund 30 Gigawatt installierte Leistung an Erzeugungskapazit%u00e4ten, wovon etwa 8,3 Gigawatt aus Photovoltaik und 4 Gigawatt aus Wind stammen. Drei Viertel der PV-Leistung bef%u00e4nden sich im Niederspannungsnetz, also genau dort, wo auch der Gro%u00dfteil der Ladevorg%u00e4nge stattfindet.Scheida beschrieb, dass mit zunehmender E-Mobilit%u00e4t neue Lasten entstehen, die langfristig ans Netz gekoppelt bleiben. Gleichzeitig werde der Netzausbau dadurch erschwert, dass ein erheblicher Teil der Ladepunkte nicht offiziell gemeldet sei. Die Sch%u00e4tzungen reichen bis zu 85 Prozent unregistrierter privater Ladeeinrichtungen %u2013 eine Dunkelziffer, die Netzplanung und Kapazit%u00e4tsmanagement vor erhebliche Herausforderungen stellt.Der Ausbau der Photovoltaik habe zwar zus%u00e4tzliche Reserven geschaffen, dennoch brauche es eine einheitliche technische Sprache zwischen Automobilindustrie und Netzbetreibern. Fehlende Standardisierung f%u00fchre in der Praxis zu Kompatibilit%u00e4tsproblemen. Scheida verwies in diesem Zusammenhang auf die OVE-Richtlinie R 37, die Verfahren zur Pr%u00fcfung von Ladeeinrichtungen beschreibt. Diese Beschreibung ist insbesondere f%u00fcr netzst%u00fctzende Funktionen relevant, deren Pr%u00fcfverfahren auf europ%u00e4ischer Ebene noch nicht definiert sind. Ziel sei, auf dieser Basis eine Liste der R 37-konformen Ladeeinrichtungen zu etablieren, um f%u00fcr Hersteller, Installateure und Netzbetreiber Planungssicherheit zu schaffen.Damit verschob sich die Diskussion vom physischen Anschluss hin zur digitalen Schnittstelle: Die Ladeeinrichtung wird Teil eines Kommunikationsnetzes, das k%u00fcnftig auch Steuerungs- und Flexibilit%u00e4tsfunktionen %u00fcbernehmen muss.Regulierung und Recht %u2013 Vom Strom zum SystemDie Regulierungsbeh%u00f6rde E-Control, vertreten durch Gerald Kalt, stellte die Systemdimension dieser Entwicklung dar. Eine vollst%u00e4ndige Elektrifizierung des Stra%u00dfenverkehrs %u2013 also wenn von heute auf morgen 100 % aller Fahrzeuge in %u00d6sterreich batterieelektrisch angetrieben w%u00e4ren %u2013 w%u00fcrde einen zus%u00e4tzlichen Strombedarf von rund 19 Terawattstunden j%u00e4hrlich verursachen %u2013 ein Zuwachs um fast ein Drittel des heutigen gesamt%u00f6sterreichischen Stromverbrauchs. Bei einer angenommenen durchschnittlichen Ladeleistung von 7,5 kW und einem Gleichzeitigkeitsfaktor von 0,2 w%u00fcrde die Elektromobilit%u00e4t in Summe rund 6 Gigawatt beanspruchen %u2013 ein Wert, der beinahe der gesamten aktuellen Netzlast %u00d6sterreichs entspricht.Kalt betonte, dass diese Gr%u00f6%u00dfenordnung verdeutliche, wie entscheidend intelligente Steuerung werde. Ungesteuertes Laden k%u00f6nne zus%u00e4tzliche Kapazit%u00e4ten von bis zu 80 Prozent der Transformatorleistungen und 20 Prozent bei Leitungen erfordern. Zugleich er%u00f6ffne die Elektromobilit%u00e4t mit ihren Batterien enorme Chancen f%u00fcr Flexibilit%u00e4t und Systemdienlichkeit.Auf rechtlicher Ebene ordnete Kalt die Vorgaben klar: An der Spitze stehen EU-Verordnungen und die Netzkodizes RfG und DCC, darauf folgen nationale technische Regeln wie die TOR Verteilernetzanschluss. Ladeeinrichtungen %u00fcber 3,68 Kilovoltampere sind meldepflichtig und m%u00fcssen stabil innerhalb definierter Frequenzund Spannungsbereiche arbeiten. Vorgaben der Wirkleistung durch den Verteilnetzbetreiber sind nur in Ausnahmef%u00e4llen Foto: Porsche Holding GmbHWer Elektromobilit%u00e4t verstehen will, muss in die Tiefgaragen schauen. Genau dorthin f%u00fchrte der 3. BVe-Mobilit%u00e4tsdialog %u201eLaden im Mehrparteienwohnhaus%u201c. E-Mobilit%u00e4tsexperte Manfred M%u00fcnzberger r%u00e4umte gleich zu Beginn mit einem Mythos auf: Bis zu 90 % der Ladevorg%u00e4nge finden zu Hause oder am Arbeitsplatz statt, die Alltagsfahrleistung liegt meist unter 50 Kilometern %u2013 der Energiebedarf daf%u00fcr ist %u201evernichtend wenig%u201c. F%u00fcr den Alltag reichen ACWallboxen mit 2,5 bis 5,5 kW v%u00f6llig aus, wenn Lastmanagement und Z%u00e4hlerlogik stimmen.Den rechtlichen Hebel liefert die WEG-Novelle mit dem %u201eRight to Plug%u201c, flankiert vom Wiener Garagengesetz, das Ladepunkte bis 22 kW bewilligungsfrei macht. Damit ist der Weg geebnet %u2013 genutzt werden muss er von Hausverwaltungen, Bautr%u00e4gern, Netzbetreibern und Elektriker:innen gemeinsam. Denn im Mehrparteienhaus geht es um mehr als Kabel: um Brandschutz, Eigent%u00fcmerstrukturen, Netzkapazit%u00e4t und am Ende um die Frage, wer die Anlage tats%u00e4chlich betreibt.Wie es gehen kann, zeigen die Podiumsg%u00e4ste: Sozialbau setzt auf ein Buchungssystem, 18 Euro Monatsmiete pro Wallbox und inzwischen 322 Ladepunkte in seinen Garagen. ARWAG r%u00fcstet im Neubau konsequent vor und arbeitet im Bestand mit sorgf%u00e4ltigen Objektaufnahmen. Payuca digitalisiert Garagen und erinnert daran, dass Netzkapazit%u00e4t heute so wertvoll ist wie ein gutes Grundst%u00fcck. kW Solutions bringt Vehicle-to-Grid mit einem Wiener Pilotprojekt in die Praxis. Und Stromquelle macht klar: Einzelanlagen sind eine %u00dcbergangsl%u00f6sung, die Zukunft geh%u00f6rt sauber geplanten Gemeinschaftsanlagen.Einig sind sich alle in einem Punkt: Es scheitert nicht an der Technik %u2013 am Ende entscheidet der %u201eK%u00fcmmerer%u201c, der Projekt, Betrieb und Kommunikation zusammenh%u00e4lt.Neugierig geworden?Scannen Sie den QRCode und lesen Sie die komplette Reportage mit allen Zitaten, Praxisbeispielen und Technikdetails auf i-magazin.com.Die Zukunft l%u00e4dt im KellerFACT-BOX:V.l.n.r.: Dominik Wegmeyer (Payuca), Manfred M%u00fcnzberger (BVe), Andrea Faast (WKO Wien), Korbinian Kasinger (kW Solutions), Michaela Reiter-Benesch (ARWAG), Florian Pausch (Sozialbau AG), HelmutKlaus Schimany (BVe & Moderation) und Robert Pichler (Stromquelle).Prosit Neujahr!Foto: www.i-magazin.comNetz & Infrastruktur: Karl Scheida (Oesterreichs Energie) %u00fcber Netzbelastung, Meldepflichten und die Richtlinie R 37.Regulierung & Recht: Gerald Kalt (E-Control) und Harald Strahberger (Kinstellar) %u00fcber Marktregeln, Flexibilit%u00e4t und Cybersecurity.Fotos: www.i-magazin.com

