Nach rund fünf Jahren an der Spitze von Signify Österreich bereitet Helmut Maier seinen Rückzug aus dem operativen Geschäft vor. Im Gespräch mit dem i-Magazin spricht er über den geplanten Übergang in die Pension, die Nachfolge im Unternehmen, sein persönliches Resümee nach prägenden Stationen bei Schneider Electric, Sick und Signify – und darüber, warum die Lichtbranche künftig nicht mehr über einfache Produkte, sondern über vernetzte, technologisch hochwertige Systeme erfolgreich sein wird.
Es gibt Gespräche, die auf den ersten Blick nach Abschied klingen – und bei näherem Hinhören vor allem nach Übergang. Bei Helmut Maier ist das so. Der Geschäftsführer von Signify Österreich steht nicht abrupt vor dem Ende seiner beruflichen Laufbahn, sondern bereitet einen geordneten Wechsel vor: mit Übergabe, mit Kundenterminen, mit Partnergesprächen und mit jener persönlichen Runde durch Österreich, die jemandem entspricht, der die Branche nicht aus der Distanz verwaltet, sondern über Jahre hinweg unmittelbar begleitet hat.
Für das i-Magazin ist es deshalb nicht nur ein Gespräch über Pension, Urlaub und Nachfolge. Es ist auch ein Gespräch über die strategische Entwicklung der Lichtbranche. Denn Maier verlässt die operative Bühne zu einem Zeitpunkt, an dem Beleuchtung längst nicht mehr nur über Effizienz, Design oder Preis definiert wird. Die Branche steht mitten in einem Strukturwandel: weg vom einzelnen Produkt, hin zu vernetzten Systemen, automatisierten Gebäudelösungen und technologisch anspruchsvollen Gesamtkonzepten.
Geordneter Rückzug statt abruptem Abschied
Lieber Helmut, du bist jetzt ziemlich genau fünf Jahre bei Signify Österreich an der Spitze gestanden. Wie sieht der Übergang in Richtung Pension konkret aus?
Helmut Maier: Ziemlich genau fünf Jahre, ja. Der Übergang wird so ablaufen, dass ich dem Unternehmen jetzt noch eine gewisse Zeit zur Verfügung stehe. Ab November gehe ich dann in eine Art Freistellung, und ab April des kommenden Jahres gehe ich schließlich in Pension.
Wer dich kennt, weiß, dass du nie jemand warst, der Dienst nach Vorschrift gemacht hat. Wie lange bleibst du tatsächlich noch aktiv – und was passiert mit dem Urlaub, der sich über die Jahre vermutlich angesammelt hat?
Helmut Maier: Ich bin im Moment noch voll im Dienst. Es stimmt auch, dass ich noch Urlaub offen habe. Vollständig geplant ist er noch nicht. Ich werde mir jetzt ein paar Tage nehmen und nach Italien fahren, der restliche Urlaub steht noch in den Sternen. Aber ich werde ihn bis Oktober noch nehmen.
Das heißt: Der Rückzug ist vorbereitet, aber du bist für Kunden, Partner und Wegbegleiter noch erreichbar – inklusive einer persönlichen Abschiedsrunde?
Helmut Maier: Die mache ich ganz sicher. Ich mache eine Runde durch Österreich. Je nachdem, wer erreichbar ist – das lasse ich mir nicht nehmen. Es ist auch so gewollt, dass ich eine ordentliche Übergabe starte. Diese Übergabe mache ich gemeinsam mit meinem Nachfolger. Danach wird es dann Schritt für Schritt ruhiger.
Nachfolge: Die Entscheidung ist gefallen
Ein Wechsel an der Spitze ist in einem Markt, der stark von Vertrauen, langfristigen Partnerschaften und persönlichen Beziehungen geprägt ist, weit mehr als eine interne Personalie. Gerade im professionellen Lichtgeschäft entscheidet nicht nur die Marke, sondern auch die Kontinuität in der Betreuung darüber, wie gut ein Übergang von Kunden, Partnern und Marktteilnehmern angenommen wird. Maier macht deutlich: Die Weichen sind gestellt – auch wenn zum Zeitpunkt des Gesprächs noch nicht alle Details offiziell kommuniziert waren.
Mit der geplanten Übergabe stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Nachfolge. Ist diese Entscheidung bereits gefallen?
Helmut Maier: Der Nachfolger steht schon fest. Es ist zwar noch nicht offiziell und es weiß noch niemand, aber es wird in den nächsten Tagen bekanntgegeben.
Wird Signify Österreich diese Position intern nachbesetzen, oder kommt die neue Führung von außen?
Helmut Maier: Zu 90 Prozent jemand von intern und zu 10 Prozent extern.
Ein Berufsleben mit internationaler Perspektive
Wer Maier nach seinem Resümee fragt, bekommt keine wehmütige Abrechnung und auch keine demonstrative Selbstinszenierung. Vielmehr ordnet er seine berufliche Laufbahn nüchtern ein – aber mit spürbarer Zufriedenheit. Schneider Electric, Sick und Signify stehen dabei nicht nur für Unternehmensnamen, sondern für unterschiedliche Stationen in einem Berufsleben, das vom Management über internationale Verantwortung bis zur Geschäftsführung in der Lichtbranche reichte.
Wenn man am Ende eines beruflichen Abschnitts steht – oder vielleicht besser: am Übergang in einen neuen Lebensabschnitt –, zieht man zwangsläufig Bilanz. Welche Eindrücke bleiben bei dir nach diesen Jahren und nach deinen beruflichen Stationen?
Helmut Maier: Ich kann nur ein positives Resümee ziehen. Ich habe in der letzten Zeit drei Unternehmen geleitet beziehungsweise in verantwortlichen Funktionen mitgestaltet – von Schneider Electric im Management über die Geschäftsführung bei Sick in verschiedensten Ländern, insgesamt in 15 Ländern, bis hin zur DACH-Organisation von Signify.
Ich kann auf diese Zeit nur sehr positiv zurückblicken. Ich habe da überhaupt keine negativen Erinnerungen. Es war wirklich alles sehr anspruchsvoll, sehr positiv und auch sehr, sehr erfolgreich.
Warum die Lichtbranche mehr liefern muss als Ware
Damit führt das Gespräch fast zwangsläufig zur Zukunft des Marktes. Denn wer eine Branche über Jahre hinweg aus einer Führungsposition heraus begleitet hat, blickt anders auf ihre Entwicklung als jemand, der nur Quartalszahlen, Produktkataloge oder einzelne Projekte betrachtet. Maier sieht die Herausforderung klar: Das einfache Handelsprodukt wird es immer schwerer haben. Der Wettbewerb über reine Standardware führt in eine Richtung, in der europäische Anbieter kaum gewinnen können. Die Zukunft liegt für ihn dort, wo Licht nicht mehr als einzelne Leuchte verstanden wird, sondern als Teil eines technologischen Gesamtsystems.
Die Lichtbranche steht unter erheblichem Veränderungsdruck: Preiswettbewerb, internationale Anbieter, regulatorische Vorgaben, Effizienzanforderungen und der zunehmende Wunsch nach vernetzten Gebäudelösungen greifen ineinander. Was muss ein Unternehmen aus deiner Sicht tun, um in diesem Umfeld auch künftig erfolgreich zu bleiben?
Helmut Maier: Das ist aus meiner Sicht ziemlich einfach. Alles, was in Richtung 08/15 geht, können asiatische Anbieter genauso bewältigen. Die billigsten Produktlinien werden es immer schwieriger haben. Da spreche ich auch Handelsgüter an, die sehr leicht über den Tisch laufen.
Ich glaube, die Herausforderung der Zukunft wird sein, wirklich technologisch hochwertige Systeme im Bereich Licht zu bauen – und nicht in irgendeiner Art und Weise nur eine Leuchte zu verkaufen. Das ist der Anspruch, den wir auch haben. Und das ist das, wo Signify momentan sehr, sehr gut agiert – und das auch weltweit.
Die Vernetzung aufgrund der Gebäuderichtlinie und der Vorschreibungen, die in Zukunft kommen und heute zum Teil schon bestehen, geht genau in diese Richtung: Energie einsparen und möglichst viel in Richtung Systeme bringen, also automatisieren. Das wird auch die Zukunft in der Lichtbranche sein.
Vom Konsumentenprodukt zum professionellen Komplettsystem
Signify ist ein Unternehmen mit mehreren Gesichtern. Auf der einen Seite stehen bekannte Lösungen für den privaten Bereich, etwa Philips Hue, die über den Handel, Baumärkte, Plattformen und Elektronikmärkte ihren Weg zu Endkunden finden. Auf der anderen Seite steht das professionelle Geschäft: Lichtlösungen für Gebäude, Infrastruktur, Gewerbe, Industrie und öffentliche Auftraggeber. Genau an dieser Schnittstelle stellt sich die strategische Frage, wo künftig die Prioritäten liegen werden.
Maier will keine Spekulationen als Gewissheit verkaufen. Gleichzeitig lässt er erkennen, wo er aus heutiger Sicht Potenzial sieht: im professionellen Bereich, im Ausbau von Systemkompetenz und in der Fähigkeit, bestehende Lücken zu schließen, um vollständige Lösungen anbieten zu können.
Signify verfügt im Markt über zwei deutlich sichtbare Geschäftsbereiche: Einerseits das Endkundengeschäft mit Lösungen wie Hue, die über Elektronikmärkte, Baumärkte und den Handel vertrieben werden, andererseits den professionellen Bereich mit Lösungen für Projekte, Gebäude und Infrastruktur. Erwartest du, dass sich der strategische Schwerpunkt künftig stärker in eine dieser Richtungen verschiebt?
Helmut Maier: Das ist schwer zu sagen. Gefühlsmäßig könnte es schon sein, dass der professionelle Bereich ausgebaut wird, weil noch einige Lücken bestehen, die man unbedingt füllen muss, um ganz einfach Komplettsysteme bauen zu können.
Ob sich das auf die Systeme für den Privatbereich auswirken wird oder nicht, kann ich heute nicht beurteilen. Ich kann nur eines sagen: Ich glaube, dass der Fokus unseres neuen internationalen Geschäftsführers, also des CEO, genau in diese Richtung gehen wird. Aber Einzelheiten oder Details habe ich dazu leider nicht.
Marktkonsolidierung: strategisch denkbar, operativ nicht bestätigt
Mit dem stärkeren Fokus auf Systemlösungen stellt sich zwangsläufig auch die Frage, ob organisches Wachstum allein ausreichen wird, um alle technologischen und marktseitigen Anforderungen der kommenden Jahre abzudecken. Gerade im professionellen Lichtmarkt, in dem Systemkompetenz, Vernetzung, Gebäudetechnik, Software-Anbindung und Projektfähigkeit immer enger zusammenrücken, gewinnt auch das Thema Marktkonsolidierung an Bedeutung. Für einen globalen Anbieter wie Signify wäre es grundsätzlich naheliegend, mögliche Ergänzungen des eigenen Portfolios zumindest strategisch zu prüfen.
Wenn der professionelle Lichtmarkt zunehmend in Richtung kompletter, vernetzter Systemlösungen geht, stellt sich auch die Frage nach möglichen strategischen Ergänzungen. Wären aus deiner Sicht Zusammenschlüsse, Beteiligungen oder Übernahmen ein denkbarer Weg, um technologische Lücken schneller zu schließen und die Marktposition weiter auszubauen?
Helmut Maier: Konkrete Pläne oder Überlegungen in diese Richtung sind mir nicht bekannt, und ich bin in solche strategischen Entscheidungen auch nicht eingebunden. Aus einer grundsätzlichen Marktperspektive wäre ein solcher Weg aber durchaus interessant.
Signify verfügt weltweit über eine Größe, eine Marktpräsenz und eine technologische Basis, die das Unternehmen grundsätzlich in die Lage versetzen würden, solche Schritte zu setzen. Ob und in welcher Form Signify diesen Weg tatsächlich gehen will, ist allerdings eine strategische Entscheidung auf internationaler Ebene. Aus heutiger Sicht kann ich dazu keine Details nennen. Klar ist aber: Wenn sich ein Markt stärker in Richtung vernetzter Komplettsysteme entwickelt, dann wird die Frage, wie man Kompetenzfelder ergänzt und Lücken schließt, künftig sicher an Bedeutung gewinnen.
Ein Abschied, der noch keiner ist
Am Ende bleibt der Eindruck eines geordneten Übergangs. Helmut Maier ist noch im Amt, noch ansprechbar, noch unterwegs. Der offizielle Abschied ist vorbereitet, aber noch nicht vollzogen. Vielleicht passt genau das zu einem Manager, der die Branche nicht mit großem Pathos verlässt, sondern mit Übergabe, persönlicher Runde und einer klaren Einschätzung dessen, was auf den Lichtmarkt zukommt.
Lieber Helmut, ich danke dir für dieses Gespräch. Es ist wohl unser vorletztes offizielles Gespräch – das letzte werden wir dann im Zuge deiner Abschiedsreise führen.
Helmut Maier: Vielen Dank dafür.