Warum Österreichs Wirtschaft mit EcoChange-Consulting neu rechnen muss:

Energie als Betriebssystem

von Laura Peichl
von Thomas Buchbauer – Recherche, Konzept und Kuration Foto: © EcoChange Consulting

Steigende Energiekosten, volatile Märkte und strukturelle Engpässe im Netz zwingen Unternehmen in Österreich zu strategischen Entscheidungen. Die Analyse von EcoChange Consulting im Vorfeld der hauseigenen Roadshow zeigt, warum nicht einzelne Technologien, sondern integrierte Energie-Betriebssysteme über Wettbewerbsfähigkeit entscheiden. Konkrete Projektzahlen, Investitionsgrößen und O-Töne aus der Praxis zeichnen ein Bild, das deutlich über klassische Energieeffizienzdebatten hinausgeht.

Es ist ein stiller Widerspruch, der sich derzeit durch viele Betriebe zieht. Einerseits wird Energie immer stärker zum Kostenfaktor, andererseits geht sie an zahlreichen Standorten weiterhin verloren. Photovoltaikanlagen drosseln ihre Leistung, weil zuviel Strom im Netz zur Verfügung steht, Maschinen laufen zu Zeiten mit hohen Strompreisen, obwohl günstigere Zeitfenster vorhanden wären, und Investitionsentscheidungen werden vertagt, weil die Rahmenbedingungen als unsicher gelten. Genau an diesem Punkt will die Roadshow von EcoChange Consulting ansetzen – mit einer bewusst unbequemen Frage: Ist Sparen in der Energiekrise wirklich die klügere Strategie oder nur eine Verschiebung des Problems?

Markus König, Geschäftsführer von EcoChange Consulting, brachte diese Schieflage gleich zu Beginn seiner Präsentation auf den Punkt: „Hier wird Energie produziert und geht dann komplett verloren – das ist in Zeiten wie diesen eigentlich absurd.“  Der Satz steht sinnbildlich für eine Entwicklung, die viele Unternehmen betrifft, ohne dass sie sie im Detail erfassen. Energie wird zunehmend zum strategischen Produktionsfaktor – nicht mehr nur zur laufenden Betriebsausgabe.

Sparen, investieren – oder falsch entscheiden

In wirtschaftlich angespannten Phasen reagieren viele Unternehmen reflexartig mit Investitionsstopps. Auch im Energiebereich ist dieses Muster klar erkennbar. Projekte werden zurückgestellt, insbesondere dann, wenn sie komplex sind oder mehrere Gewerke betreffen. Kurzfristig sinkt der Kapitalbedarf, langfristig jedoch wächst das Risiko.

Markus König warnte eindringlich davor, Sparen mit Strategie zu verwechseln: „Zielloses Sparen kann die Wettbewerbsfähigkeit gefährden. Die Konkurrenz schläft nicht.“  Während ein Teil der Wirtschaft abwartet, investieren andere antizyklisch in Systeme, die künftige Kostenvorteile sichern. Die Folge ist kein gleichmäßiger Anpassungsprozess, sondern eine zunehmende Spreizung zwischen jenen Unternehmen, die Energie aktiv managen, und jenen, die auf Marktpreise reagieren müssen.

Gerade im Energiebereich zeigt sich dieser Effekt besonders deutlich. Wer heute nicht investiert, bleibt morgen abhängig von Netzentgelten, Tarifmodellen und regulatorischen Eingriffen, die sich dem Einfluss des einzelnen Betriebs entziehen.

Photovoltaik als notwendige, aber unvollständige Antwort

Rund 25.000 Unternehmen in Österreich haben bereits in Photovoltaik investiert – und kämpfen dennoch mit hohen Energierechnungen. Diese scheinbare Paradoxie lässt sich nur verstehen, wenn man den Fokus von der Erzeugung auf die Systemintegration verschiebt.

Photovoltaik senkt zwar den Strombezug, löst aber zentrale Probleme nicht automatisch. Einspeisung wird zunehmend schlechter vergütet, Lastspitzen bleiben kostenintensiv, und ohne Steuerung fällt ein Großteil der Eigenproduktion in Zeitfenster, in denen sie wirtschaftlich wenig bringt. Markus König formulierte es klar: „In Zukunft wird Einspeisen eher bestraft als belohnt.“

Damit verändert sich die Rolle der Photovoltaik grundlegend. Sie ist nicht mehr das Ziel, sondern ein Baustein. Ihre Wirtschaftlichkeit hängt zunehmend davon ab, wie intelligent sie in betriebliche Prozesse eingebettet ist.

Großspeicher: sinnvoll, aber nicht die Meisterklasse

Viele Unternehmen denken aktuell über Großspeicher nach. Die Nachfrage ist hoch, die Preise sind in den vergangenen Jahren um mehr als 50 Prozent gesunken. Speicher ermöglichen es, Energie vom Tag in die Nacht zu verschieben und Lastspitzen zu kappen – ein klarer Vorteil in einem System mit hohen Netzentgelten.

Gleichzeitig zeigte die Diskussion, dass Speicher allein neue Herausforderungen erzeugen. Tausende angefragte Speicherprojekte belasten die Netze zusätzlich. Zudem bleibt der Invest erheblich, während der Effekt auf die Gesamtkosten begrenzt ist, wenn keine übergeordnete Steuerung vorhanden ist.

„Der Speicher ist wichtig, aber er ist nicht die Meisterklasse“, brachte Markus König die Einordnung auf den Punkt.  Die eigentliche Hebelwirkung entsteht erst dort, wo Speicher Teil eines Gesamtsystems werden.

Analyse als Grundlage jeder Entscheidung

Bevor Technologie ihre Wirkung entfalten kann, braucht es eine belastbare Entscheidungsbasis. Genau hier setzt EcoChange Consulting mit dem Analyse-Tool EcoRay360 an. Unternehmen werden energietechnisch ganzheitlich durchleuchtet – nicht isoliert nach Strom, Wärme oder Mobilität, sondern entlang realer Betriebs-, Produktions- und Lastdaten.

Die Analyse verbindet Energiedaten mit Produktionsprofilen, berechnet die optimale Dimensionierung von Photovoltaikanlagen und Speichern und identifiziert steuerbare Energieflüsse. Ein zentraler Hebel ist die Sektorenkopplung: Strom, Wärme und Mobilität werden gemeinsam betrachtet, weil genau an ihren Schnittstellen die größten wirtschaftlichen Effekte entstehen. Die daraus abgeleiteten Maßnahmenpläne zeigen Investitionsstufen, technische Prioritäten und realistische Amortisationszeiten. In der Praxis liegen diese häufig unter fünf Jahren, in einzelnen Projekten sogar bei rund drei Jahren.

Diese analytische Vorarbeit übersetzt Komplexität in Entscheidbarkeit – und schafft die Grundlage, auf der ein Energie-Betriebssystem überhaupt sinnvoll eingesetzt werden kann.

Vom Energiemanagement zum Energie-Betriebssystem
Stefan Reisenbauer von Reisenbauer Solutions präsentiert das Energie-Betriebssystem energyOS auf einem Bildschirm.

Stefan Reisenbauer, Geschäftsführer von Reisenbauer Solutions, zeigt energyOS – ein herstellerübergreifendes Energie-Betriebssystem mit mehr als 100 integrierten Funktionen. Foto: ©EcoChange Consulting

Erst auf dieser Basis verschiebt sich der Blick von Einzelmaßnahmen hin zu einem übergeordneten Systemansatz. Ein Energie-Betriebssystem misst Energie nicht nur, sondern steuert sie aktiv – vergleichbar mit einem Betriebssystem in der IT, das unterschiedliche Anwendungen koordiniert und priorisiert.

Stefan Reisenbauer, CTO von Reisenbauer Solutions, beschreibt diesen Perspektivenwechsel so: „Wir sprechen nicht mehr von klassischem Energiemanagement, sondern von einem Betriebssystem für Energie, das sämtliche Themen eines Unternehmens abdeckt.“  Das System ist modular aufgebaut und umfasst über 100 Funktionen – von Monitoring und Reporting über aktive Steuerung bis hin zu Abrechnung, standortübergreifender Optimierung und Energiegemeinschaften.

Entscheidend ist die Herstellerneutralität. Photovoltaikanlagen, Speicher, Ladeinfrastruktur, Wärmeerzeuger und Gebäudetechnik werden unabhängig vom Anbieter integriert. Dadurch entsteht erstmals ein konsistentes Gesamtbild der betrieblichen Energieflüsse.

Logistikbetrieb mit flexibler Lade- und Speicherstrategie

Ein zentrales Praxisbeispiel betrifft Logistikunternehmen mit elektrifizierten Fuhrparks. Ohne Steuerung werden Fahrzeuge häufig abends angesteckt und laden zu Hochpreiszeiten. Das Energie-Betriebssystem ermöglicht es, Ladeprozesse zeitlich zu verschieben, Speicher gezielt zu nutzen und Preissignale aus dem Strommarkt einzubeziehen.

Stefan Reisenbauer erläuterte den Effekt anhand eines einfachen Beispiels: „Wenn der Strom in der Nacht deutlich günstiger ist und ich später genug PV-Ertrag habe, dann lade ich gezielt dann – und nicht am frühen Abend.“  In der Praxis lassen sich so Netzentgelte reduzieren und Energiekosten senken, ohne den Betrieb einzuschränken.

Energieautarke Seilbahn und intelligente Wärmenetze

Besonders eindrucksvoll ist das Beispiel einer Seilbahn, die nicht bilanziell, sondern in Echtzeit energieautark betrieben wird. Mehrere Speicher, eine großflächige Photovoltaikanlage und eine fein abgestimmte Steuerung sorgen dafür, dass Erzeugung, Verbrauch und Abgabe an die Gemeinde synchronisiert werden.

„Es sind eigentlich zwei Energiemanagementsysteme, die hier miteinander arbeiten“, erklärte Stefan Reisenbauer.  Ergänzend dazu zeigte er Anwendungen in Nah- und Fernwärmenetzen, bei denen Übergabestationen aktiv gesteuert werden. Rücklauftemperaturen werden überwacht, Netze nicht nur gemonitort, sondern optimiert – ein anschauliches Beispiel für gelebte Sektorenkopplung.

Nach diesen Anwendungen verdichtete sich die Diskussion auf grundlegende Fragen zur technologischen Einordnung und zur Skalierbarkeit solcher Systeme. Dabei wurde deutlich, dass sich technologische Führungsrolle nicht über Feature-Listen definiert, sondern über Systemfähigkeit. Strom, Wärme, Mobilität, Abrechnung und Steuerung werden in einem gemeinsamen logischen Rahmen zusammengeführt, Standardapplikationen dienen lediglich als Einstieg.

Diese Systemfähigkeit spiegelt sich auch in der Marktdurchdringung wider. Allein im vergangenen Jahr wurden in Österreich rund 300 Energiemanagementsysteme von Reisenbauer Solutions ausgeliefert. Die Projekte reichen von einzelnen Standorten bis zu komplexen Unternehmensstrukturen mit mehreren Niederlassungen. Parallel dazu treibt das Unternehmen die Internationalisierung voran und arbeitet mit großen Industriepartnern an der Skalierung des Ansatzes.

Auch wirtschaftliche Rahmenbedingungen flossen in die Einordnung ein. Sinkende Strompreise verändern kurzfristige Kalkulationen, heben jedoch strukturelle Kosten wie Netzentgelte nicht auf. Förderungen bleiben an nachhaltige Investitionen gebunden, politische Maßnahmen zeitlich begrenzt. Vor diesem Hintergrund behalten eigene Erzeugung und intelligente Nutzung am Standort ihre strategische Bedeutung.

Elektrotechnikbetriebe als strategische Partner

Eine tragende Rolle kommt den Elektrotechnikbetrieben zu. Sie sind regionale Experten, erste Ansprechpartner und langfristige Umsetzungspartner. Markus König bezeichnete sie als „Trusted Advisor für Mittel- und Großbetriebe“.  Für die Branche entsteht damit ein neues Geschäftsfeld, das weit über klassische Installation hinausgeht – inklusive laufender Optimierung, Erweiterung und Service.

Die Rolle von 7SUN und EcoChange
Markus König von EcoChange Consulting präsentiert den Photovoltaik-Distributor 7SUN während eines Vortrags.

Markus König, Gründer und Geschäftsführer von EcoChange Consulting, stellt 7SUN als logistischen Partner für die Umsetzung großvolumiger Photovoltaikprojekte vor. Foto: ©EcoChange Consulting

Ein oft unterschätzter Faktor bei der Umsetzung integrierter Energielösungen ist die Verfügbarkeit von Komponenten, Logistik und begleitenden Dienstleistungen. In diesem Kontext erläuterte König auch die Zusammenarbeit mit dem polnischen Photovoltaik-Großhändler 7SUN. Während Einkauf, Lagerhaltung und zentrale Logistik international organisiert sind, übernimmt EcoChange Consulting in Österreich eine klar definierte operative Rolle. Dazu zählen Vertrieb, Marketing, technische Vorabklärung, Servicekoordination sowie die Begleitung von Projekten gemeinsam mit regionalen Elektrotechnikbetrieben.

Dieses Modell verbindet Skaleneffekte im Einkauf mit lokaler Marktkenntnis. Für ausführende Betriebe bedeutet das kurze Lieferzeiten, hohe Warenverfügbarkeit und Zugriff auf ein breites Markensortiment, ohne auf regionale Ansprechpartner verzichten zu müssen. Ergänzt wird das Angebot durch projektbezogene Unterstützung, gemeinsame Kundentermine bei größeren Vorhaben sowie – je nach Projektgröße – auch organisatorische und technische Begleitung in der Umsetzungsphase. Damit wird der Großhandel nicht als isolierte Lieferstufe verstanden, sondern als funktionaler Bestandteil einer integrierten Energie-Wertschöpfungskette, die Planung, Umsetzung und Betrieb systemisch zusammendenkt.

Kleinwindkraft als systemische Ergänzung

Neben Photovoltaik rückt für das Unternehmen von Markus König Kleinwindkraft als Ergänzung in den Fokus. Für Österreich wird ein Potenzial von 2.500 bis 4.000 Anlagen gesehen, insbesondere in der Landwirtschaft und bei kommunalen Anwendungen. Der Vorteil liegt in der saisonalen Ergänzung: Wenn die PV-Erträge im Winter sinken, steigt das Windaufkommen.

Die Akzeptanz ist laut König hoch, da Anlagen nur außerhalb dicht besiedelter Gebiete genehmigt werden und aus größerer Entfernung kaum sichtbar sind. Konflikte wie bei der Großwindkraft treten in dieser Form bislang kaum auf.

Ausblick: Wenn Energie zur strategischen Infrastruktur wird

Die Roadshow wird aus der Sicht von EcoChange Consulting deutlich machen, dass sich die Energiefrage nicht mehr über Einzeltechnologien beantworten lässt. Unternehmen, die Energie als Betriebssystem denken, gewinnen Flexibilität, Planungssicherheit und Kostentransparenz. Wer hingegen auf Einzelmaßnahmen setzt oder abwartet, bleibt reaktiv.

Energie entwickelt sich damit von der Betriebsausgabe zur strategischen Infrastruktur. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr, welche Technologie man einsetzt – sondern ob man bereit ist, Energie aktiv zu steuern oder weiterhin von äußeren Rahmenbedingungen steuern zu lassen.

www.ecochange.at

www.reisenbauer.solutions

www.airgen.at

www.7sun.de

Die Roadshow findet von 26. bis 29.1.2026 in Krems, Bad Vöslau, Graz und Linz statt. Restplätze sind noch verfügbar, interessierte Elektrofachbetriebe können sich  unter https://ecochange.at/rs26 zu ihrem Wunschtermin anmelden.

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