Studie „Erneuerbare Energien“ von Uni Graz, Deloitte und Wien Energie als Marktkompass:

Was die Elektrobranche daraus lesen kann

von Laura Peichl
von Thomas Buchbauer – Recherche, Konzept und Kuration Foto: © www.i-magazin.com / KI-generiert auf Midjourney

Die Studie von Universität Graz, Deloitte Österreich und Wien Energie zeigt ein klares Bild: Die Zustimmung zu Erneuerbare Energien bleibt in Österreich trotz allgemeiner Teuerung hoch – aber sie hängt an Kosten, Infrastruktur und Umsetzbarkeit. Wer die dem i-Magazin vorliegenden Ergebnisse richtig liest, erhält für die Elektrobranche einen praktischen Kompass: wo Nachfrage entsteht, welche Projekte Rückhalt haben und an welchen Punkten Investitionen in Gebäuden, Netzen und Mobilität ins Stocken geraten.

Die Studie „Erneuerbare Energien in Österreich 2026“ ist kein technischer Netzentwicklungsplan und keine Ausbauprognose. Sie ist ein repräsentatives Stimmungsbarometer der österreichischen Bevölkerung – und genau das macht sie für Elektrotechnik, Planung, Industrie und Großhandel so wertvoll. Sie zeigt, wie Menschen über Energieprojekte, PV-Anlagen, Stromspeicher, Wärmeversorgung und Elektromobilität denken, wo sie investieren würden und wo sie trotz grundsätzlicher Zustimmung wegen Kosten oder fehlender Infrastruktur bremsen.

Die Erhebung wurde im November/Dezember 2025 durchgeführt und umfasst 1.182 Befragte im Alter von 18 bis 70 Jahren. Laut den offiziellen Studienangaben ist sie repräsentativ in Bezug auf Alter, Geschlecht, Bundesland, Ausbildungsgrad, Haushaltseinkommen und Wohnstatistik; die maximale statistische Schwankungsbreite wird mit +/- 2,91 % angegeben. Für die Fachbranche ist das Ergebnis kein Ersatz für technische Planung – aber ein belastbarer Hinweis darauf, welche Lösungen gesellschaftlich anschlussfähig sind und wo Akzeptanz, Preis und Infrastruktur zusammenpassen müssen.

Wichtig ist dabei die richtige Einordnung: Hohe Zustimmung bedeutet noch keinen Netzanschlusspunkt, keine genehmigte Anlage und keine finanzierte Sanierung. Aber sie reduziert ein Risiko in der frühen Projektphase. Wenn Menschen erneuerbare Energieprojekte grundsätzlich bejahen, können Planer, Installateure, Hersteller und Betreiber stärker an der Umsetzung arbeiten – also an den Punkten, die in der Praxis tatsächlich entscheiden: Netzkapazität, Gebäudetechnik, Finanzierung, Genehmigungen, Betriebslogik und verständliche Kommunikation. Diese Trennung zwischen Stimmung und Umsetzung zieht sich als roter Faden durch die dem i-Magazin vorliegenden Informationen.

Zustimmung bleibt hoch, aber sie ist kein Freibrief

Die Studie zeigt beim Stimmungsbarometer für erneuerbare Energieprojekte ein Muster, das man in der Technik- und Infrastrukturpraxis ernst nehmen sollte: Die Zustimmung sinkt leicht, bleibt aber auf hohem Niveau. Für 2025 wird in der Studienzusammenfassung festgehalten, dass die Akzeptanz je nach Technologie bei rund 60 bis 80 % liegt. Gleichzeitig wird betont, dass das Niveau trotz Rückgangs weiterhin hoch ist.

Das klingt unspektakulär, ist aber für die Elektrobranche ein starkes Signal. Denn Projekte scheitern oft nicht an der Technik allein, sondern an einer Mischung aus Akzeptanzfragen, langen Verfahren und fehlender Klarheit über Nutzen und Auswirkungen. Wenn die Grundhaltung positiv bleibt, verschiebt sich der Schwerpunkt von der reinen Überzeugungsarbeit hin zur sauberen Umsetzung. Dann zählen belastbare Konzepte, nachvollziehbare Planung und ein realistischer Umgang mit lokalen Konflikten.

Die Langzeitgrafik 2015 bis 2025 zeigt außerdem: Die Zustimmung verläuft nicht als lineare Erfolgskurve, sondern in Wellen. Genau das ist für Fachleute wichtig. Energie- und Infrastrukturprojekte bewegen sich immer in einem Umfeld aus Kosten, politischen Debatten, Bauverfahren und Alltagserfahrungen. Akzeptanz ist deshalb kein fixer Wert, sondern ein betrieblicher Parameter – ähnlich wie Lieferzeiten, Investitionskosten oder Netzrestriktionen.

Nahes Porträt von Nina Hampl, Universität Graz, Studienautorin Erneuerbare Energien Österreich 2026 vor hellem Hintergrund.

„Die Zustimmung zu erneuerbaren Energieprojekten hält sich laut unserer Umfrage weiterhin auf hohem Niveau – trotz Teuerung und Kostendruck. Gerade in Zeiten, in denen andere globale Themen zunehmend in den Vordergrund rücken, ist das ein wichtiges Signal für die langfristige Verankerung der Energiewende in der österreichischen Bevölkerung“, erklärt Nina Hampl, Studienautorin und Professorin an der Universität Graz. (© Photo Riccio / Walter Elsner)

Ein zusätzlicher Blick auf den Ausbau von Freiflächen-Photovoltaikanlagen verdeutlicht diese Differenzierung. Laut Studie wird der Ausbau von Freiflächen-PV 2025 von rund zwei Dritteln der Befragten gutgeheißen und liegt damit etwa auf Vorjahresniveau. Das zeigt: Es gibt keine pauschale Ablehnung, aber auch keinen unbegrenzten Vertrauensvorschuss. Freiflächen-PV ist gesellschaftlich anschlussfähig, bleibt jedoch ein Thema, bei dem Flächenfragen, Sichtbarkeit, Nutzungskonflikte und lokale Einbindung in der Praxis besonders sorgfältig gelöst werden müssen.

Für den DACH-Kontext ist das deshalb relevant, weil ähnliche Spannungen auch außerhalb Österreichs auftreten: Technisch sinnvolle Projekte brauchen heute nicht nur gute Ertragsdaten, sondern auch einen robusten Umsetzungsprozess. Die Studie misst nicht den Projekterfolg selbst, aber sie zeigt, wie breit das gesellschaftliche Startfenster für solche Projekte derzeit noch offen ist.

Was die Zahlen für die Elektrobranche praktisch bedeuten

Für Elektrotechniker, Planer, Architekten, Industrie und Großhandel liegt der praktische Nutzen dieser Studie nicht in einer einzelnen Prozentzahl, sondern in den Mustern zwischen den Themenblöcken. Die dem i-Magazin vorliegenden Ergebnisse zeigen sehr klar, dass die Bevölkerung zwischen „grundsätzlich sinnvoll“ und „für mich jetzt umsetzbar“ unterscheidet. Genau dort entsteht für die Branche Wertschöpfung – oder Reibung.

Ein einfaches Beispiel: Wenn viele Menschen erneuerbare Energieprojekte befürworten, aber gleichzeitig Investitionen wegen Teuerung verschieben, dann ist nicht das Thema Energie- und Mobilitätswende das Problem, sondern das Umsetzungsmodell. Dann braucht es für die Praxis andere Antworten: bessere Systemplanung, phasenweise Nachrüstung, klare Wirtschaftlichkeitsdarstellung, kompatible Komponenten, saubere Schnittstellen und Beratung, die nicht bei der Produktbeschreibung endet. Diese Lesart wird durch mehrere Themenbereiche der Studie gestützt – von Energiesparen über PV bis Wärme und E-Mobilität.

Für den Großhandel ist das ebenso relevant wie für das Handwerk. Wenn sich Märkte von der Erstanschaffung in Richtung Optimierung bewegen, verschiebt sich der Bedarf typischerweise zu Systemkomponenten, Nachrüstlösungen, Speichertechnik, Ladeinfrastruktur, Steuerung, Schutz- und Messkonzepten sowie Dienstleistungen rund um Integration und Betrieb. Die Studie liefert dafür keine Absatzprognose – aber sie zeigt die Richtung, in die sich der private und halbprivate Markt bewegt.

Energiesparen: weniger reine Verhaltensänderung, mehr Technik im Bestand

Ein zentraler Befund der Studie ist die Verschiebung von kurzfristigen Verhaltensmaßnahmen hin zu strukturellen Investitionen. In der Zusammenfassung des Themenblocks Energieverbrauch wird festgehalten, dass Österreicher:innen seltener auf Verhaltensänderungen setzen, um den Energieverbrauch zu senken, während im Jahresvergleich der Anteil jener steigt, die in Photovoltaikanlagen, Heizungstausch und Gebäudesanierung investieren.

Das ist für die Elektrobranche ein sehr wichtiges Signal, weil es auf eine Reifung des Marktes hinweist. Wenn Menschen nicht nur das Licht öfter abschalten oder die Raumtemperatur senken, sondern in Anlagen und Gebäude investieren, dann steigt die Bedeutung technischer Planung und langfristiger Lösungen. Anders gesagt: Der Markt verschiebt sich von „Verhalten“ zu „System“. Genau dort arbeiten Elektrotechnik, Gebäudeautomation und Haustechnik zusammen.

Die Gründe für Energiesparmaßnahmen bleiben laut den dem i-Magazin vorliegenden Zahlen dabei klar kostengetrieben. Der Anstieg der Energiekosten und die allgemeine Teuerung werden weiterhin als wichtigste Auslöser genannt, deutlich vor abstrakteren Motiven. Das ist keine schlechte Nachricht für die Energiewende, sondern eine realistische. Menschen investieren eher dann, wenn sie einen direkten Nutzen sehen – etwa geringere laufende Kosten, weniger Preisdruck oder mehr Kontrolle über den eigenen Verbrauch.

Für die Praxis bedeutet das: Technische Lösungen müssen verständlich zeigen, was sie im Alltag bringen. Ein Installationsbetrieb oder Planer, der nur über Technologie spricht, aber nicht über Betriebskosten, Lastprofil und konkrete Entlastung, wird es schwerer haben. Umgekehrt steigt die Chance auf Umsetzung, wenn das System einfach erklärt wird: Wo wird Strom erzeugt? Wann wird er verbraucht? Was kann gespeichert werden? Was spart wirklich Kosten – und was erst langfristig? Genau diese Übersetzungsarbeit wird für die Branche immer wichtiger.

Photovoltaik bleibt Leit-Technologie, aber der Markt wird erwachsener

Die Photovoltaik bleibt laut Studie die beliebteste erneuerbare Technologie. Gleichzeitig zeigt der Datenstand 2025, dass der Anteil der Befragten mit PV-Anlage am Haus bzw. Wohngebäude gegenüber dem Vorjahr nicht weiter gestiegen ist, sondern bei 27 % konstant blieb. Die Studie selbst spricht hier von hoher Beliebtheit bei gleichzeitig ausbleibendem Zuwachs im Jahresvergleich.

Für Fachleute ist das kein Zeichen eines Markteinbruchs, sondern eher ein Hinweis auf Marktübergang. In den letzten Jahren gab es in vielen Segmenten eine starke Erstwelle – getrieben durch Energiepreise, Förderungen, Unsicherheit und hohe Aufmerksamkeit. Wenn sich diese Dynamik normalisiert, verschiebt sich die Wertschöpfung häufig weg von der reinen Neuinstallation hin zu Ergänzung, Optimierung und Systemintegration. Die parallel steigende Speicherquote passt genau zu diesem Bild.

Die Motivstruktur für die Anschaffung einer PV-Anlage bestätigt diese Einordnung. Laut den Studienangaben bleiben Kosteneinsparungen mit 69 % der Hauptgrund. Dahinter folgen Schutz der Umwelt bzw. des Klimas (34 %) und öffentliche Förderung (34 %). Auch Versorgungssicherheit, Einspeisevergütung und andere Faktoren spielen eine Rolle, aber klar nachgeordnet. Einfach gesagt: Die Menschen mögen PV nicht nur „weil grün“, sondern vor allem, weil sie im Haushalt wirtschaftlich Sinn ergibt.

Für Hersteller, Handel und Handwerk ist das entscheidend. Wer PV-Systeme verkauft oder plant, muss Wirtschaftlichkeit, Betrieb und Erweiterbarkeit ins Zentrum stellen. Dazu gehören etwa die Frage nach der späteren Speicherintegration, Schnittstellen zur Wallbox, Platz im Verteiler, Messkonzept, Schutztechnik und mögliche Nachrüstpfade. Denn wenn der Markt erwachsener wird, kaufen Menschen seltener nur ein Produkt – sie kaufen eher eine technische Option für weitere Schritte.

Stromspeicher: vom „Extra“ zum Systembaustein

Der stärkste Einzelimpuls im privaten Bereich kommt 2025 aus dem Speichersegment. Laut Studie verfügen 49 % der befragten Haushalte mit Photovoltaikanlage bereits über einen Stromspeicher. Die Studie und die dem i-Magazin vorliegenden Begleitinformationen ordnen das ausdrücklich als Rekordhoch bei den Installationen im privaten Bereich ein.

Warum ist das für die Elektrobranche so wichtig? Weil ein Speicher aus einer PV-Anlage mehr macht als nur eine Erzeugungsanlage. Ohne Speicher fällt viel Erzeugung in Zeitfenstern an, in denen im Haushalt gerade wenig Strom gebraucht wird. Mit Speicher lässt sich ein Teil dieser Verschiebung abfangen: Überschüsse werden zwischengespeichert und später genutzt. Das verbessert typischerweise den Eigenverbrauch und verändert die Betriebsweise des gesamten Systems. Genau auf diese zeitliche Entkopplung von Produktion und Verbrauch weist auch die in den dem i-Magazin vorliegenden Informationen dokumentierte Einordnung hin.

Für die Praxis heißt das aber nicht, dass jeder Speicher automatisch netzdienlich arbeitet. Ein Speicher kann Einspeisespitzen abfedern – muss es aber nicht. Entscheidend ist, wie das System betrieben wird: nach fixen Standardprofilen, nach Tarifen, nach Lasten im Haushalt oder künftig auch nach externen Signalen. Diese Frage beantwortet die Studie nicht, und das ist wichtig zu sagen. Sie zeigt die starke Verbreitung der Hardware, nicht die Qualität der Regelstrategie. Für die Fachbranche ist genau das der nächste Schritt.

Auch die installierten Jahre in den Speichergrafiken zeigen, dass sich das Thema beschleunigt hat. Damit wächst in der Fläche ein Bestand, der künftig stärker in Energiemanagement, Ladeinfrastruktur und Wärmesysteme eingebunden werden kann. Für Elektrotechniker und Integratoren entsteht hier ein wachsender Markt für Nachrüstung, Parametrierung, Kommunikation und Systemabstimmung – weit über die reine Montage hinaus.

Erneuerbare Wärme: Interesse ist da, aber Teuerung bremst im Bestand

Bei der Wärmeversorgung ist das Bild differenziert. Die Studie zeigt mehrere parallel genutzte Systeme in der primären Wärmeversorgung und macht damit sichtbar, was die Praxis seit Jahren kennt: Die Wärmewende läuft nicht in einem einheitlichen Technikpfad, sondern in sehr unterschiedlichen Gebäudebeständen, Eigentumsmodellen und regionalen Infrastrukturen. Das bedeutet auch: Es gibt keine universelle Standardlösung, die überall gleich gut passt.

Besonders aufschlussreich ist der Befund zur Investitionshemmung durch Teuerung. Laut Studienzusammenfassung spielen Kosten bei Investitionen in erneuerbare Wärmeversorgung eine zentrale Rolle; im Jahresvergleich geben deutlich mehr Wohnungseigentümer:innen an, dass sich die Eigentümergemeinschaft aufgrund der Teuerung gegen eine Investition entschieden hat oder derzeit noch zögert. In den dargestellten Auswertungen wird ausdrücklich sichtbar, dass sich dieser Effekt bei Wohnungseigentümergemeinschaften verstärkt hat.

Für Menschen ohne technische Ausbildung lässt sich das einfach erklären: Im Einfamilienhaus entscheidet oft eine Familie. Im Mehrparteienhaus müssen viele Eigentümer gemeinsam entscheiden. Selbst wenn die Technik sinnvoll wäre, kann das Vorhaben scheitern, weil Kosten, Zuständigkeiten oder Beschlüsse nicht zusammenpassen. Genau deshalb ist die Wärmewende im Bestand oft weniger ein reines Technikthema als eine Kombination aus Technik, Finanzierung und Organisation.

Für Planer und Installationsbetriebe folgt daraus eine klare Aufgabe. Gute Technik allein reicht nicht. Es braucht Umsetzungsmodelle, die für Eigentümergemeinschaften verständlich und beschlussfähig sind: Etappenplanung, klare Kostenteilung, nachvollziehbare Betriebskonzepte und eine Darstellung, was kurzfristig nötig und was später nachrüstbar ist. Die Studie zeigt keine Lösung dafür – aber sie zeigt sehr deutlich, wo der Engpass liegt.

Bürgerbeteiligung und Energiegemeinschaften: gesellschaftlich angekommen, technisch erst am Anfang

Ein weiterer wichtiger Befund betrifft gemeinschaftliche Modelle. Das Interesse an finanzieller Beteiligung an Bürgerprojekten zur Nutzung erneuerbarer Energien bleibt laut Studie hoch; mehr als ein Drittel der Befragten zeigt weiterhin entsprechendes Interesse. Damit bleibt dieses Segment stabil sichtbar und ist keine kurzfristige Modeerscheinung.

Noch spannender ist die Entwicklung bei Energiegemeinschaften. Laut den dem i-Magazin vorliegenden Informationen steigt der Anteil jener Personen, die an einer Energiegemeinschaft beteiligt sind oder selbst eine gegründet haben, auf 15 %. Das ist für ein repräsentatives Stimmungsbild ein relevanter Wert. Energiegemeinschaften sind damit kein Nischenthema für wenige Pioniere mehr, sondern ein Modell, das in der Bevölkerung sichtbar und zunehmend praktisch erfahrbar wird.

Für die Elektrobranche ist das ein Strukturthema. Denn mit Energiegemeinschaften verschiebt sich der Fokus von einzelnen Anlagen hin zum Zusammenspiel mehrerer Anlagen und Verbraucher. Dann werden Messung, Datenqualität, Lastprofile, Steuerbarkeit und Abrechnung wichtiger. Ein Beispiel in einfacher Sprache: Es reicht nicht mehr, nur zu wissen, wie viel eine Anlage produziert. Wichtig wird auch, wann produziert wird, wer den Strom gerade braucht und wie das technisch und organisatorisch korrekt zugeordnet wird.

Gerade hier entsteht ein neues Arbeitsfeld für Planung, Integration und Betrieb. Wer Energiegemeinschaften begleiten will, braucht nicht nur Gerätekunde, sondern Systemverständnis – also Wissen über Schnittstellen, Zählerplätze, Kommunikationswege, Lastmanagement und rechtlich saubere Umsetzung im Bestand. Die Studie misst die wachsende Beteiligung und das Interesse; die konkrete technische Qualität dieser Systeme entscheidet sich danach in der Praxis.

Elektromobilität: Trendumkehr ja, aber nicht wegen Förderromantik

Im Mobilitätsbereich zeigt die Studie für 2025 eine Trendumkehr. Nach dem Rückgang im Vorjahr steigt das Kaufinteresse für Elektroautos wieder an. Die dem i-Magazin vorliegenden Quellen ordnen das als Rückkehr auf ein Niveau ein, das grob an frühere Jahre anschließt. Das ist ein wichtiger Befund, weil er zeigt: Der Markt reagiert stark auf Preis, Angebot und Rahmenbedingungen.

Bei den Kaufmotiven dominiert ein wirtschaftlicher Zugang. Geringe Betriebskosten werden als wichtigster Grund genannt, Umwelt- und Klimaschutzaspekte spielen ebenfalls eine große Rolle, ebenso Emissionsfreiheit und Unabhängigkeit von fossilen Kraftstoffen. Öffentliche Förderungen bleiben relevant, stehen aber nicht allein im Zentrum. Einfach gesagt: Viele Menschen finden E-Autos interessant, aber sie wollen, dass das Gesamtpaket im Alltag und im Budget funktioniert.

Porträt von Karl Gruber, GF von Wien Energie vor einer Wiener Stadtansicht.

„Neben großen Batteriespeichern der Energiewirtschaft setzen auch immer mehr Österreicherinnen und Österreicher auf Speicher bei ihrem eigenen Zuhause – das Jahr 2025 brachte ein Rekordhoch bei installierten Stromspeichern im privaten Bereich“, so Karl Gruber, Geschäftsführer von Wien Energie. (© Wien Energie / Stefan Joham)

Auf der Gegenseite zeigen die Barrieren sehr klar, wo der Markt noch klemmt: höhere Anschaffungskosten, Reichweitenfragen sowie Sorgen rund um Ladeinfrastruktur und Lademöglichkeiten am Wohnort. Das ist für die Fachbranche besonders wichtig, weil es die Diskussion zurechtrückt. Der Engpass liegt nicht nur bei der Technologie selbst, sondern stark bei Kostenstruktur und Infrastrukturverfügbarkeit.

Die dem i-Magazin vorliegenden Informationen betonen in diesem Zusammenhang auch, dass leistbare Fahrzeuge und ein attraktives Angebot in unteren und mittleren Preissegmenten für eine dauerhafte Trendumkehr entscheidend sind. Für Industrie, Handel und Flottenakteure ist das ein klarer Hinweis: Elektromobilität skaliert nicht über Symbolpolitik allein, sondern über Produktverfügbarkeit, Preise und eine Infrastruktur, die im Alltag funktioniert.

Laden als Infrastrukturfrage, nicht nur als Komfortfrage

Gerade beim Laden zeigt die Studie ein Muster, das für die Elektrobranche direkt verwertbar ist: Elektroautobesitzer:innen ziehen es vor, vor allem zuhause und am Arbeitsplatz zu laden, und auch künftige Käufer:innen erwarten genau dort ihre wichtigsten Lademöglichkeiten. In einfacher Sprache heißt das: Nicht die Fernreise bestimmt den Alltag der E-Mobilität, sondern das Laden dort, wo das Auto viele Stunden steht.

Deshalb ist Laden keine reine Komfortfrage, sondern eine Infrastrukturfrage. Wenn der Hauptteil des Ladens im Gebäudeumfeld stattfindet, wird Elektromobilität zur Aufgabe von Hausanschlüssen, Verteilungen, Lastmanagement, Messkonzepten und Abrechnungssystemen. Für Planer und Installationsbetriebe bedeutet das: Die Wallbox ist nur das sichtbare Ende eines Systems. Dahinter stehen Leistungsreserven, Schutzkonzepte, Kommunikationsschnittstellen und die Frage, wie mehrere Ladepunkte in einem Gebäude sauber koordiniert werden.

Genau hier ist die Verbindung zur EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) entscheidend. Die Richtung ist klar: Ladeinfrastruktur und Ladevorbereitung werden in Neu- und Bestandsgebäuden stärker verankert. Für die Praxis heißt das nicht einfach „mehr Wallboxen“, sondern mehr planerische Pflicht zur frühzeitigen Einbindung von Ladepunkten in die technische Gebäudeausrüstung. Wer zu spät plant, riskiert höhere Kosten, Engpässe im Verteiler, Nacharbeiten und Konflikte im Betrieb.

Im Mehrparteienhaus wird dieser Zusammenhang besonders sichtbar. Dort scheitert der Ausbau oft nicht am Willen einzelner Nutzer:innen, sondern an der gemeinsamen Umsetzung: Wer darf was installieren, wie wird Leistung verteilt, wer trägt welche Kosten, wie wird abgerechnet, und wie bleibt das System für spätere Erweiterungen offen? Die Studienergebnisse zeigen zugleich, dass fehlende Lademöglichkeiten am Wohnort und Bedenken zur Infrastruktur starke Kaufhemmnisse bleiben. Damit wird Gebäudeinfrastruktur zu einem direkten Hebel für den E-Auto-Markt.

Wer diese Schnittstelle aus Regulierung, Gebäudetechnik und Umsetzung vertiefen möchte, findet dazu eine praxisnahe Einordnung im i-Magazin Expertentalk auf YouTube. Das Format ist gerade deshalb relevant, weil es jene Themen behandelt, die die Studie auf der Nachfrageseite sichtbar macht: Ladeinfrastruktur im Gebäude, regulatorische Anforderungen und praktische Umsetzung im Bestand.

Klima- und Energiepolitik: hohe Zielzustimmung, aber mit Kostenfilter

Im Themenblock Klima- und Energiepolitik zeigt die Studie weiterhin eine hohe Zustimmung zu mehreren zentralen Zielen. Gleichzeitig machen die Daten sichtbar, dass Menschen sehr wohl unterscheiden, ob es um allgemeine Zielbilder oder um Maßnahmen mit direkter Kostenwirkung und Eingriffscharakter geht. Für die Fachwelt ist diese Unterscheidung entscheidend, weil sie erklärt, warum dieselbe Person Ausbau grundsätzlich befürworten und bei konkreten Mehrkosten zugleich skeptisch reagieren kann.

Porträt von Gerhard Marterbauer, Deloitte-Partner.

„Förderungen allein setzen den Markt nicht nachhaltig in Bewegung – es braucht vor allem leistbare E-Fahrzeuge. Das Gute: Viele Hersteller haben für 2026 und 2027 neue Modelle in diesen Segmenten angekündigt und teilweise sehen wir diese Fahrzeuge auch schon auf den Straßen“, betont Gerhard Marterbauer, Partner bei Deloitte Österreich (© Deloitte / feelimage)

Die Studienzusammenfassung hält fest, dass weiterhin eine hohe Zustimmung zu zentralen klimapolitischen Zielen besteht. In den dem i-Magazin vorliegenden Informationen wird außerdem betont, dass ein relevanter Teil der Befragten eine Beschleunigung bei gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Klimaschutz fordert. Das zeigt: Der politische Rückhalt ist nicht verschwunden. Er ist aber an Glaubwürdigkeit und Umsetzbarkeit gekoppelt.

Besonders aufschlussreich ist die Parallelität scheinbar widersprüchlicher Haltungen: Menschen können zugleich sagen, dass man beim Klimaschutz nicht sparen sollte, und gleichzeitig einen stärkeren Fokus auf Teuerungsabfederung oder Wirtschaftsankurbelung fordern. Das ist aus Sicht der Technikpraxis kein Widerspruch, sondern ein Hinweis auf reale Budgetgrenzen. Für die Branche heißt das: Lösungen müssen gleichzeitig technisch sinnvoll und wirtschaftlich vermittelbar sein. Sonst kippt Zustimmung bei der Umsetzung.

Ein weiterer relevanter Punkt ist die Frage zusätzlicher Belastungen für private PV-Besitzer:innen. Die dem i-Magazin vorliegenden Informationen zeigen, dass zusätzliche Kosten – wie die ursprünglich geplanten Netzeinspeisetarife für private PV-Besitzer:innen – mehrheitlich kritisch gesehen werden. Für Tarif- und Regulierungsdiskussionen ist das ein wichtiger Akzeptanzwert. Denn auch technisch sinnvolle Systemanpassungen können politisch oder gesellschaftlich schwieriger werden, wenn sie als nachträgliche Bestrafung von frühen Investitionen wahrgenommen werden.

Warum die Studie nicht mit Projektentscheidungen verwechselt werden darf

Gerade für ein Fachpublikum ist ein Punkt wichtig: Diese Studie misst Einstellungen, nicht Genehmigungsfähigkeit einzelner Projekte. Das macht sie sehr nützlich – aber nur, wenn man sie nicht überinterpretiert. Die Zustimmung zu erneuerbaren Energien im Allgemeinen sagt noch nicht, wie eine konkrete Gemeinde auf ein konkretes Vorhaben reagiert, wenn Standort, Trasse, Sichtbarkeit, Naturschutz, Verkehr oder Eigentumsfragen konkret werden.

Der ergänzende Blick in das clavis-Volksbefragungsbarometer 2025 ist in diesem Zusammenhang hilfreich, weil er einen anderen Ausschnitt zeigt: direktdemokratische Entscheidungen zu konkreten Bau- und Investitionsprojekten. Dort wird beschrieben, dass viele Verfahren negativ ausgehen und selbst positive Entscheidungen oft knapp sind; zugleich bleibt Windkraft laut dieser Auswertung eine vergleichsweise zustimmungsfähige Kategorie, aber ebenfalls kein Selbstläufer. Das ist keine Widerlegung der Studie „Erneuerbare Energien in Österreich 2026“, sondern ein wichtiger Hinweis auf den Unterschied zwischen allgemeiner Zustimmung und lokaler Projektentscheidung.

Für die Praxis bedeutet das: Wer mit den Ergebnissen arbeitet, sollte beides zusammendenken. Die breite Studie zeigt das gesellschaftliche Grundklima. Konkrete Projektverfahren zeigen, wie fragil Zustimmung werden kann, wenn Kosten, Standortkonflikte oder politische Polarisierung hinzukommen. Genau deshalb braucht die Branche neben Technikkompetenz auch Prozesskompetenz – von der Planung über die Kommunikation bis zur schrittweisen Umsetzung.

Was aus Zustimmung tatsächlichen Ausbau macht

Wenn man die Themenblöcke zusammennimmt, ergibt sich ein klares Bild für den nächsten Ausbauschritt bei Erneuerbare Energien in Österreich. Die Bevölkerung ist nicht „gegen die Wende“. Sie bewertet sie zunehmend nach Alltagstauglichkeit. Dort, wo Kosten sparen, Versorgung verbessern oder praktische Probleme lösen sichtbar wird, bleibt die Zustimmung hoch. Dort, wo Investitionen schwer finanzierbar sind oder Infrastruktur fehlt, entstehen Verzögerungen – selbst bei grundsätzlich positiver Haltung.

Für die Elektrobranche ist das eine gute Nachricht mit Arbeitsauftrag. Gute Nachricht, weil gesellschaftlicher Rückenwind weiterhin vorhanden ist: bei Energieprojekten, bei PV, bei gemeinschaftlichen Modellen, bei der Wärmewende und in Teilen auch bei der Elektromobilität. Arbeitsauftrag, weil der eigentliche Engpass immer stärker in der Umsetzung liegt: Netze, Gebäude, Ladeinfrastruktur, Speicherintegration, Finanzierung und einfache Systemerklärungen für Kund:innen.

Genau deshalb ist der praktische Nutzen dieser Studie für Elektrotechniker, Planer, Architekt:innen, Industrie und Großhandel so hoch – wenn man sie richtig interpretiert. Sie sagt nicht, welches Produkt morgen verkauft wird. Aber sie zeigt, wo die Branche technisch und organisatorisch ansetzen muss, damit aus Zustimmung reale Projekte werden: weniger isolierte Produktlogik, mehr Systemdenken. Weniger reine Ankündigung, mehr umsetzbare Architektur im Bestand und im Neubau.

Technische Bedeutung für die nächsten Jahre

Für ein DACH-Fachpublikum liegt die technische Bedeutung der Studie vor allem in ihrer Kombination aus Stabilität und Verschiebung. Stabil ist der breite Rückhalt für Erneuerbare Energien. Verschoben hat sich der Schwerpunkt hin zu Fragen, die im Alltag entschieden werden: Speicher statt nur PV, Umsetzungshemmnisse in Eigentümerstrukturen, Ladeinfrastruktur im Gebäude statt nur an Fernstraßen und kaufrelevante Preise statt Symboldebatten im E-Auto-Markt.

Wer heute plant, installiert, auslegt oder im Großhandel Sortimente und Services entwickelt, sollte die Studie daher nicht als Stimmungsnotiz lesen, sondern als Markt- und Umsetzungsindikator. Sie liefert keine Netzberechnung und keine Norminterpretation – aber sie zeigt, wo technische Lösungen auf gesellschaftliche Anschlussfähigkeit treffen und wo zusätzliche Übersetzungsarbeit nötig ist. Genau dort entscheidet sich in den nächsten Jahren, ob die Energie- und Mobilitätswende im Gebäudebestand und im Alltag weiter an Tempo gewinnt.

Quellenliste

  • Erneuerbare Energien in Österreich 2026 (Herausgeber: Universität Graz, Deloitte Österreich, Wien Energie; herausgegeben Februar 2026).
  • Dem i-Magazin vorliegende Studiengrafiken und Zusammenfassungen aus der Ausgabe 2026 (Stimmungsbarometer, Energieverbrauch, Photovoltaik, Stromspeicher, Wärmeversorgung, Bürgerbeteiligung/Energiegemeinschaften, Elektromobilität, Klima- und Energiepolitik).
  • Dem i-Magazin vorliegende begleitende Informationen zur Studienpräsentation (Einordnungen und Prozentangaben zu Zustimmung, PV, Stromspeichern, Energiesparen, Energiegemeinschaften und Elektromobilität).
  • Dem i-Magazin vorliegende Gesprächsunterlagen zur Studienvorstellung (methodische Einordnung und inhaltliche Vertiefungen zur Interpretation der Ergebnisse).
  • clavis-Volksbefragungsbarometer 2025 (ergänzende Kontextquelle zur Unterscheidung zwischen allgemeiner Zustimmung und konkreten Projektentscheidungen).

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