V2G Alliance Austria:

Jahresrückblick und Ausblick 2026

von Laura Peichl
Foto: © Pixabay

Vehicle-to-Grid: wirtschaftlicher Vorteil für E-Autobesitzer und Schlüssel zur künftigen Netzstabilität

Die Elektromobilität in Österreich wächst dynamisch: Bereits mehr als eine Viertelmillion E-PKW sind im Land unterwegs. Mit jedem zusätzlichen Elektrofahrzeug steigt nicht nur die Zahl emissionsfreier Kilometer, sondern vor allem das Speicherpotenzial, das für das Energiesystem nutzbar wird. Vehicle-to-Grid (V2G) macht es möglich, dass E-Autos Energie nicht nur aufnehmen, sondern bei Bedarf ins Netz zurückspeisen. Was vor wenigen Jahren noch utopisch schien, entwickelt sich gerade zu einem zentralen Baustein der Energiewende – mit direktem wirtschaftlichem Nutzen für Fahrzeughalter:innen und großer Bedeutung für die Stabilität des Stromnetzes.

Durch bidirektionales Laden werden Elektrofahrzeuge zu mobilen Stomspeichern, die erneuerbare Energie zwischenspeichern und zeitversetzt zur Verfügung stellen können. Angesichts zunehmender Photovoltaik-Einspeisung – speziell der täglichen Mittagsspitzen – kann V2G erneuerbare Erzeugung entlasten: Sonnenstrom wird zwischengespeichert statt abgeregelt und später, nach Bedarf flexibel eingespeist. So kann das Stromnetz massiv entlastet werden. Und im Gegensatz zur PV Spitzenkappung geht dabei erneuerbare Energie, die die aktuelle Nachfrage übersteigt, nicht verloren. Die Teilnahme an solchen Flexibilitätsmärkten und Netzdienstleistungen eröffnet E-Autobesitzer:innen perspektivisch auch zusätzliche Einnahmemöglichkeiten.

Bereits heute – bei einem Anteil elektrischer Fahrzeuge von erst 5 % am gesamten PKW Bestand in Österreich – übersteigt das damit verbundene (Flexibilitäts-)Potenzial jenes von stationären Batteriespeichern deutlich und nähert sich der Größenordnung der österreichischen Pumpspeicherkraftwerke zunehmend an – ein deutlicher Hinweis auf die strategische Bedeutung von V2G für die Energiewende.

2025 war in Österreich ein Jahr des Aufbruchs: Aus dem Forschungsprojekt „V2G Network“ heraus entstand die V2G Alliance Austria, die inzwischen über 60 Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Energieversorger und Technologieanbieter vereint. Die Allianz entwickelt sich zur nationalen Drehscheibe für Wissenstransfer, Pilotprojekte und technische Standardisierung rund um bidirektionales Laden. Ihr Ziel ist es, Österreich als Vorreiter für V2G zu positionieren und die Integration von Elektrofahrzeugen in das Energiesystem aktiv voranzutreiben.

Auch international gewinnt V2G stark an Dynamik. Analysen zeigen, dass bereits in rund 27 Ländern Projekte umgesetzt werden. China nutzt V2G im urbanen Raum zur Integration erneuerbarer Energien und Netzstützung. In den USA entstehen zahlreiche Anwendungen im Flottenbereich, insbesondere bei Schulbussen und Lieferflotten. Die Niederlande gehören zu den aktivsten Ländern Europas und betreiben erste V2G-fähige Stadtquartiere. Deutschland baut seine Pilotprogramme weiter aus, während in Frankreich – angeführt von Renault und Mobilize – im Jahr 2026 weitere V2G-fähige Serienfahrzeuge auf den Markt kommen werden.

Ein zentraler Treiber der internationalen Entwicklung ist die technische Standardisierung.
Mit der ISO 15118-20 wurde erstmals ein interoperables Protokoll definiert, das V2G massentauglich macht. Renault bietet bereits heute in Frankreich V2G-fähige Modelle an. BMW bietet mit dem BMW iX3 ab 2026 ebenfalls ein konkretes Angebot und macht bidirektionales Laden damit auch in Deutschland verfügbar. Auch Hyundai und Kia bereiten entsprechende Lösungen vor. Der VW-Konzern wird über die MEB-Plattform große Bewegung in die österreichische V2G-Landschaft bringen – auch wenn anfängliche Implementierungen noch auf ISO 15118-2 basieren. Und auch Mercedes-Benz arbeitet an entsprechenden Angeboten.

Parallel entwickelt sich der Markt für bidirektionale Ladeinfrastruktur in großen Schritten. Während bidirektionale Ladestationen nur sehr begrenzt verfügbar und in der Regel ausgesprochen teuer waren, kündigt sich für 2026 eine Trendwende an: Angeführt von BMW, die mit der DC Wallbox BMW Professional die aktuell günstigste bidi-Wallbox auf den Markt anbieten, steigt das Angebot, während die Preise zunehmend sinken. Damit wird bidirektionales Laden leistbar und für die breite Masse zunehmend attraktiver. Für Österreich ergibt sich aus dieser Entwicklung eine einzigartige Chance: Die Kombination aus wachsender Elektromobilität, stark zunehmender PV-Erzeugung und wachsendem Flexibilitätsbedarf macht V2G zu einer Schlüsseltechnologie (oder Gamechanger) der Energiewende. Eine landesweit verteilte, flexibel nutzbare Speicherlandschaft aus Fahrzeugbatterien kann Engpässe reduzieren, Netzstabilität erhöhen und den Netzausbaubedarf mittel- bis langfristig reduzieren.

2026 wird ein herausforderndes Jahr. Die V2G Alliance Austria plant den Ausbau des Netzwerks, die Intensivierung der Zusammenarbeit mit allen relevanten Stakeholdern, die Begleitung erster kommerzieller Anwendungen und die Einreichung neuer Forschungsprojekte.

Österreich hat die Möglichkeit, zu einem europäischen Leitmarkt der V2G-Technologie zu werden – und damit die Mobilitäts- und Energiewende voranzubringen.

Die V2G Alliance Austria unterstützt dieses Ansinnen und wird die Transformation zwischen Mobilität und Energiesystem aktiv begleiten und gestalten.

Weitere Informationen: www.v2g-alliance.at

Quelle: V2G Alliance Austria

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