Die Ära Höpflinger bei der Limmert AG endet – sein Blick zurück:

Vom Fax zum Webshop

von Thomas Buchbauer
von Thomas Graf-Backhausen Foto: © Gebrüder Limmert AG

Er wollte nie im Rampenlicht stehen – und doch hinterlässt er Spuren, die bleiben. Franz Höpflinger, seit 1988 Teil der Limmert-Familie, hat die Branche durch jede technologische und strukturelle Zeitenwende begleitet. Manche Kapitel schienen abgeschlossen, andere begannen unerwartet – und eines davon, so viel sei verraten, wird erst gegen Ende dieses Interviews seinen wahren Kern offenbaren. Noch ist unklar, wer darin der „Täter“ ist. Sicher ist nur: Der Abschied dieses Mannes bedeutet weit mehr als den Wechsel einer Personalie.

Der Elektrogroßhandel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von analogen Listen, Faxgeräten und gedruckten Katalogwelten hin zu digitalisierten, hochgetakteten Lieferketten entwickelt. Wenige kennen diesen Wandel so genau wie Franz Höpflinger. Im Gespräch zieht er Bilanz – über Technik, Typen und Tätigkeiten, die es heute kaum mehr gibt. Ein Interview über ein Arbeitsleben zwischen Papierstapeln und Plattformlogik.

Franz, 37 Jahre sind eine lange Zeit. Beginnen wir am Anfang: Wie bist du eigentlich zu Limmert gekommen?

Franz Höpflinger: Angefangen hat alles 1979 – und zwar nicht im Großhandel, sondern im Einzelhandel. 1988 begann ich im Lager der damaligen Radioabteilung der Gebrüder Limmert GmbH. Mein Abteilungsleiter war kurzfristig auch in der Audioabteilung für unser Einzelhandelsgeschäft in der Salzburger Innenstadt verantwortlich und hat mich gefragt, ob ich dort aushelfen könne. Also saß ich plötzlich mitten in der Stadt, zwischen Endkunden, Stadtplan und Videorekordern. Ich komme ja vom Land – ich wusste damals nicht einmal, wo welche Gasse ist. Das war nicht meine Welt, ganz ehrlich. Nach einem Gespräch mit Herrn Karl Limmert war klar: Ich wollte zurück in den Großhandel. Das war aber damals nicht möglich – also kündigte ich.

Und dann bist du in den Einzelhandel gegangen?

Höpflinger: Genau. Mit 24 war ich plötzlich Filialleiter bei Hofer – zuerst in Braunau. Ein langer Weg von zuhause, ein zweiter Filialleiter war seit einem Jahr im Krankenstand, ich stand praktisch allein da und bekam nur den Gehalt eines Kassierers. Nach einigen Monaten wollten sie mich nach Ried im Innkreis versetzen – in die damals größte Filiale. Da habe ich gesagt: „Nein, danke.“ Ich kündigte wieder. Danach landete ich für ein halbes Jahr in einer Druckerei, als Maschineneinsteller.

Und wie kam dann die Rückkehr zu Limmert?

Höpflinger: Harald Ebner hat mich angerufen. Er brauchte jemanden für das Videotreff – damals eine der größten Videotheken Salzburgs. Das hat mir richtig gut gefallen. Dieser Bereich gehörte schon zur damaligen Gebrüder Limmert GmbH. Zweieinhalb Jahre später war das Videogeschäft praktisch tot – ich habe das gesamte Equipment inklusive Einrichtung verkauft und bin in den Großhandel gewechselt, zu Harald ins Büro. Dort habe ich alles Mögliche gemacht: Marketing, Aufzeichnungen, Katalogarbeiten. Und irgendwann hat Harald gesagt: „So, jetzt gehst du in den Einkauf.“ Da war klar: Jetzt wird’s ernst.

Franz Höpflinger und Reinhard Moser im Gespräch – Branchenpersönlichkeiten des österreichischen Elektrogroßhandels bei einer Fachveranstaltung.

Links Franz Höpflinger, rechts Reinhard Moser, ehemaliger Gesamtleiter des Geschäftsfeldes Komponenten bei ABB Österreich – ein Moment aus einer Zeit, in der persönliche Beziehungen den Elektrogroßhandel prägten. Foto: ©Limmert

Du hast 37 Jahre im Einkauf miterlebt. Welche Personen aus dem Lieferantenbereich begleiten dich bis heute?

Höpflinger: Rainer Breineßl und Oliver-Ferner Prantner gehören zu jenen, an die ich meine frühesten positiven Erinnerungen knüpfe. Damals – noch bei Neubo Unitech – betreuten sie den Großhandel. Aber auch Persönlichkeiten wie ein Heinz Haider haben bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Wie war es, in den frühen Neunzigerjahren im Einkauf zu arbeiten?

Höpflinger: Schwer vorstellbar für die heutige Generation. Ich war damals praktisch allein im Einkauf – eine Kollegin hat die Bestellungen abgeschrieben und per Fax rausgeschickt. Die Dispolisten waren meterweise Endlospapier. Eine Woche hast du gebraucht, um alles durchzugehen. Elektronische Mails gab’s nicht. Und mein erstes Telefon war ein Wählscheibentelefon – ein Wahnsinn, wenn man das heute erzählt. In der Kommissionierung wurde noch mit Blöcken gearbeitet: Der Innendienst schrieb mit, das Blatt ging ins Lager, der Kommissionierer ging damit durch, der Zettel blieb beim Paket. Alles analog. Heute wäre das undenkbar.

Was hat sich in all den Jahren am stärksten verändert?

Höpflinger: Ganz klar: die Geschwindigkeit. Früher hast du wöchentlich bestellt. Heute bestellst du zum Teil mehrmals täglich, alles digital, alles EDI, alles zeitkritisch. Die Kommunikation hat sich komplett gewandelt. Und die Margen – ja, die sind massiv gefallen. Früher haben Großhändler noch gut verdient. Auch die Kundentreue war stärker. Heute ist das Geschäft viel volatiler. Dazu kommt der Marketingbereich: Damals war das ein Mann, der Aktionsblätter in einem simplen Programm erstellt hat. Die Vertreter hatten dicke Mappen mit hunderten Zetteln. Heute reden wir von Webshop-Logik, SEO, User Experience und Realtime-Daten.

Wie haben sich eigentlich die Außendienstmitarbeiter verändert?

Höpflinger: Weniger, als man denkt. Es gab damals wie heute zwei Gruppen: Die Techniker – viele davon gelernte Elektriker, extrem kompetent, sehr nahe am Kunden. Und die Verkäufer – Persönlichkeiten, die Beziehungen aufgebaut haben. Der Schmäh ist geblieben, aber die Arbeitsweise ist anders geworden. Früher hatten sie einen Block in der Hand und sind zur Post gefahren, um Bestellungen zu faxen. Heute schreiben Außendienstler nichts mehr auf – sie betreuen, beraten, vernetzen. Das Wissen ist spezialisierter geworden: PV-Spezialisten, Geräte-Leute, Installationsmaterial-Profis, Tunnelbau-Experten. Früher war alles breiter. Heute ist es tiefer.

Porträtfoto von Franz Höpflinger, langjähriger Einkäufer der Gebrüder Limmert AG, während eines Messe- oder Branchengesprächs.

Ein Blick auf Franz Höpflinger in einer seiner typischen Rollen: aufmerksam, ruhig und ganz nah an den Menschen der Branche. Foto: ©Limmert AG

Du hast erwähnt, dass du einer der Letzten deiner Generation im Haus bist. Wie fühlt sich das an?

Höpflinger: Ja, einige Kollegen sind schon verstorben. Andere haben das Unternehmen bereits in den Ruhestand verlassen. Wenn man über 37 Jahre dabei ist, steht man irgendwann tatsächlich wie ein letztes Relikt dieser Zeit. Aber das gehört dazu. Jede Branche, jedes Unternehmen verändert sich – und ich war lange genug dabei, um das in Ruhe akzeptieren zu können.

Kommendes Jahr gehst du in Pension. Wie fix ist das?

Höpflinger: Absolut fix. Ich war dieser Tage bei der Pensionsversicherung, der Antrag ist eingebracht. Mein letzter Tag ist der 30. Jänner 2026. Bis dahin bin ich im Büro – und dann ist Schluss. Es fühlt sich zwar gut an, aber natürlich auch etwas befremdend. Ich durfte ja in den letzten Jahren Thomas Canek, den neuen Vorstand, in der Übergangsphase vom regionalen zum österreichweiten Großhändler begleiten, und dafür bin ich Ihm dankbar. Das ich zu dieser Entwicklung nun nichts mehr beitragen kann, macht mich doch etwas traurig.

Und was machst du dann?

Höpflinger: Alles, was Spaß macht. Keine Margen, keine Preislisten, keine Entwaldungsverordnung, kein EDI-Alarm um 7 Uhr früh. Einfach leben.

Stichwort Entwaldungsverordnung der EU. Was bedeutet sie für den Elektrogroßhandel?

Höpflinger: Einen riesigen bürokratischen Aufwand, der nichts bringt. Keine neuen Umsätze, keine Margen, nur Papier. Oder besser: digitale Formulare. Kaum jemand – weder Händler noch viele Lieferanten – weiß aktuell, was genau gefordert wird. Die EU überlegt ja, die Verordnung bis Mitte 2026 auszusetzen und für Länder wie Österreich zu entschärfen.

Was hat der Elektrogroßhandel konkret mit Entwaldung zu tun?

Höpflinger: Viel mehr, als man glauben möchte. Es geht um Naturkautschuk. In Südamerika werden Wälder gerodet, um Plantagen anzulegen. Viele Produkte enthalten Dichtungen, die Naturkautschuk enthalten könnten – Anbauverschraubungen, Ersatzteile, teilweise Gerätekomponenten. Ob ein Produkt Natur- oder Synthesekautschuk enthält, weiß zum jetzigen Zeitpunkt oft nicht einmal der Hersteller. Ich habe bisher keine klare Aussage von einem Lieferanten bekommen.

Franz, wohin geht’s als Erstes nach dem Pensionsantritt?

Höpflinger: Vermutlich Thailand oder sonst irgendwo in Asien, wahrscheinlich gleich im März. Ich war schon oft dort, und es ist genau das, was ich dann machen will.

Teamfoto des Einkaufs der Gebrüder Limmert AG mit Franz Höpflinger und seinem Vertriebsteam am Standort Salzburg.

Franz Höpflinger mit seinem Team – erfahrene Fachkräfte, die den Elektrogroßhandel durch Kompetenz, Zusammenhalt und Marktkenntnis prägen. Foto: ©Limmert AG

Dein Nachfolger wird Alexander Stabauer. Wie läuft die Übergabe?

Höpflinger: Sehr gut. Wir arbeiten seit einem Jahr sehr eng zusammen. Ein Jahr klingt lang, aber im Einkauf ist das ein Wimpernschlag. Er nimmt alles auf, hinterfragt viel, denkt systemisch. EDV-technisch ist er sowieso viel fitter, er ist ja im Webshop-Team aktiv. Und er übernimmt ein eingespieltes Team. Ich habe früher alles selbst gemacht, weil es keine Struktur gab. Er übernimmt Systeme, Spezialisten, eingespielte Prozesse. Er wird manches anders machen – und das ist auch gut so.

Und du betreust trotzdem noch manche Kunden?

Höpflinger: Ja, einfach weil ich mit ihnen seit Jahrzehnten arbeite und direkten Einblick bekomme: Welche Aktionen funktionieren? Welche Preise laufen? Wo entsteht ein neuer Trend? Das war immer ein wertvoller Kanal. Aber ich gehe davon aus, dass Alex diese Kontakte an die Spezialisten übergeben wird. So soll es auch sein.

Stimmt es, dass es so etwas wie einen „Franz-Höpflinger-Abschiedsbonus“ gibt?

Höpflinger: (lacht) Ich habe das einmal im Spaß erwähnt – bei einem einzigen Lieferanten! Ob da wirklich etwas kommt? Keine Ahnung. Die Jahresgespräche beginnen erst. Ich bin dabei, aber Alex führt sie.

Was möchtest du deinen Lieferanten zum Abschied sagen?

Höpflinger: Bleibt standhaft. Gerade in diesem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld ist es wichtig, dass man im 3-stufigen Vertrieb zusammenhält. Wir sitzen alle im selben Boot. Und danke. Wirklich. Für viele Jahre gute Zusammenarbeit – mit alten Hasen, aber auch mit jungen Leuten, die in den letzten Jahren dazukamen. Bleibt gesund. Und bleibt eurer Linie treu.

Franz, danke für deine Offenheit – und für ein Arbeitsleben, das Spuren hinterlässt.

Höpflinger: Bitte. Und jetzt schaltet’s das aus – live will das niemand hören. (lacht)

www.limert.com

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1 Kommentar

Andreas 19. Dezember 2025 - 11:17

Hallo Franz
wie schon persönlich gesagt, stimmt es mich traurig, das unsere Zusammenarbeit ein Ende hat, aber ich vergönnen dir deine gewonnene Zeit von ganzen Herzen.
Du hast mich von Anfang an au Augenhöhe abgeholt und mir einen Vertrauensvorschuss gegeben.
Ich hoffe, ich konnte es Dir zurückgeben
Alles Gute Dir und Deiner Gattin in der neuen Zeit und VIELEN DANK

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