Warum die Zukunft der Beleuchtung nicht bei der Leuchte endet:

Die LTG zeigte, wie komplex gutes Licht geworden ist

von Thomas Buchbauer
von Thomas Buchbauer – Recherche, Konzept und Kuration Foto: © www.i-magazin.com

Der Lichtkongress der Lichttechnischen Gesellschaft Österreichs, kurz LTG, zeigte am 19. und 20. Mai 2026 im Haus der Digitalisierung in Tulln, wie stark sich Lichttechnik verändert hat. Zwischen Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Normung, Sensorik, Gesundheit, Architektur, Forschung und praktischer Umsetzung wurde klar: Wer heute über gutes Licht spricht, spricht längst über weit mehr als über Beleuchtung.

Ein Kongress beginnt mit einer Zumutung: Licht ist nicht einfach

Es gibt Sätze, die klingen zunächst harmlos – und öffnen dann ein ganzes Fachgebiet. „Licht ist ein sensibles Thema“, sagte LTG-Vorsitzende Gudrun Schach bei der Eröffnung des Lichttechnischen Kongresses 2026 im Haus der Digitalisierung in Tulln. Und sie setzte gleich nach: Es sei immer eine Gratwanderung. Man wolle gutes Licht, müsse aber auch wissen, wie man es richtig einsetzt. Damit war der Ton für zwei Tage gesetzt. Nicht Jubel über Technik. Nicht Selbstbespiegelung einer Branche. Sondern die nüchterne Einsicht, dass Licht längst zu einem der komplexesten Werkzeuge moderner Planung geworden ist.

Der Ort passte dazu fast zu gut. Das Haus der Digitalisierung lieferte nicht nur den räumlichen Rahmen, sondern auch die erste Metapher des Kongresses. Schach sprach von der Macht digitaler Bilder, von der Geschwindigkeit, mit der digitale Welten wirken, und davon, dass Architektur in diesem Moment fast in den Hintergrund trete. Genau dort begann der Kongress: Bei der Frage, was passiert, wenn Licht, Raum, Daten, Steuerung und Wahrnehmung nicht mehr voneinander zu trennen sind. Das Kongressmotto „Licht im Wandel“ wurde damit nicht bloß angekündigt, sondern praktisch vorgeführt.

Der Veranstaltungsort erwies sich dabei nicht nur als passende Kulisse für ein Kongressmotto, das Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Innovation miteinander verband. Bereits während der beiden Kongresstage wurde von Teilnehmerinnen und Teilnehmern mehrfach zurückgemeldet, dass das Haus der Digitalisierung in Tulln für dieses Format hervorragend gewählt war. Diese Wahrnehmung betraf allerdings nicht nur den Raum selbst, sondern auch die organisatorische Umsetzung. Sowohl während des Kongresses als auch im Nachgang wurde Sonja Mörth ausdrücklich für die sorgfältige Vorbereitung, die reibungslose Abwicklung und die professionelle Organisation gedankt – ein Detail, das bei einer derart dicht getakteten Fachveranstaltung mehr ist als eine freundliche Randnotiz. Denn je komplexer das Programm, desto wichtiger wird jene unsichtbare Struktur, die dafür sorgt, dass Inhalte, Räume, Vortragende und Publikum tatsächlich zusammenfinden.

Johanna Stückler, Vorstandsmitglied der LTG, Leiterin des LTG-Arbeitskreises Nachhaltigkeit und Moderatorin des Branchenpodcasts „Licht Hören“, machte in der Eröffnung deutlich, wie breit das Programm angelegt war. Digitalisierung war ein zentrales Motiv, aber keineswegs das einzige. Die Themenvielfalt war so groß, dass der Kongress in zwei parallelen Strängen geführt wurde – unter anderem im Showroom und in der Innovation Lounge. Schach und Stückler übernahmen dabei nicht die Rolle bloßer Ansagerinnen. Sie gaben dem dichten Programm Struktur, führten Themen zusammen und machten jene Verbindung sichtbar, die bei parallelen Fachsessions leicht verlorengehen kann: Dass Lichttechnik heute ein zusammenhängendes System aus Planung, Verantwortung, Technologie und Anwendung ist.

Lichttechnik ist zur Systemfrage geworden

Der Lichtkongress 2026 war kein Kongress über Leuchten. Jedenfalls nicht im engen Sinn. Natürlich ging es auch um Leuchten, LED-Module, Optiken, Sensoren, Steuerungen, Retrofit-Lösungen, Notbeleuchtung, Straßenbeleuchtung und Normen. Aber in Summe zeigte sich ein anderes Bild: Lichttechnik ist zu einer Systemfrage geworden. Sie betrifft das Gebäude ebenso wie den öffentlichen Raum, die Energieeffizienz ebenso wie die Wahrnehmung, die Gesundheit ebenso wie die Datenqualität, die Ressourcenschonung ebenso wie die Verantwortung des ausführenden Elektrotechnikers.

Das Programm reichte von künstlicher Intelligenz in der Lichtbranche über vernetzte Beleuchtung, BIM-basierte Steuerungsplanung, EPBD-konforme Lichtmanagementsysteme und Smart-City-Modelle bis zu Arbeitssicherheit, Lichtmessung, Metriken zur Bewertung und Begrenzung der Blendung , biologisch wirksamem Licht, Lichtverschmutzung, Retrofit im Bestand und der Frage, welche Normen bei Planung, Errichtung und Betrieb überhaupt zu berücksichtigen sind. Diese Breite ist in einem einzigen Bericht nicht vollständig abzubilden. Aber genau das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse dieses Kongresses: Die Branche ist fachlich an einem Punkt angekommen, an dem Überblick selbst zur Leistung wird.

Johanna Stückler setzte diesen Bogen gleich zu Beginn mit ihrem Vortrag über künstliche Intelligenz in der Lichtbranche fort. Unter dem Titel „Mehr Zeit fürs Wesentliche“ ging es nicht um KI als Modewort, sondern um konkrete Arbeitsprozesse: Leuchtenverzeichnisse, Visualisierungen und Projektdokumentationen. Die Botschaft war klar: Was früher Stunden dauerte, kann mit den richtigen Werkzeugen auf Minuten reduziert werden – vorausgesetzt, man versteht KI nicht als Ersatz für Fachlichkeit, sondern als Werkzeug, das Fachlichkeit entlastet.

Damit lag eine wichtige Linie des Kongresses offen: Digitalisierung ist in der Lichttechnik kein Selbstzweck. Sie wird erst dann relevant, wenn sie Planung verbessert, Betrieb vereinfacht, Fehler reduziert, Energie spart oder Menschen unterstützt. Das zeigte sich in vielen Vorträgen – und es zeigte sich auch daran, wie oft die Referentinnen und Referenten vor falscher Vereinfachung warnten.

Denis Smajlagic ergänzte diese Systemperspektive um ein Thema, das in der Lichttechnik oft erst dann Aufmerksamkeit bekommt, wenn bereits etwas passiert ist: Arbeitssicherheit. Sein Vortrag stellte die Frage, ob Arbeitssicherheit in der Lichttechnik bloß Pflicht oder echter Mehrwert ist. Gerade weil Lichttechnik in der Praxis auf Baustellen, in Bestandsgebäuden, auf Masten, in Betriebsanlagen, bei Wartung, Brandschutz und Facility Management stattfindet, zeigte dieser Beitrag: Sicherheit ist kein Zusatzkapitel, sondern Teil der Qualität einer Beleuchtungsanlage. Wer Licht plant, montiert, umrüstet oder betreibt, muss auch Arbeitsbedingungen, Unterweisungen, Wartbarkeit und Risikovermeidung mitdenken.

Vernetzte Beleuchtung: Smart ist nur dann smart, wenn sie nützt

Michael Stark von Zumtobel näherte sich dem Thema vernetzte Beleuchtung mit einer ungewöhnlichen Referenz: „Alles ist viel besser mit Bluetooth“ – jenem Satz aus „The Big Bang Theory“, der in seinem Vortrag als Ausgangspunkt für das „Sheldon-Paradoxon“ diente. In der Lichttechnik stehe Bluetooth stellvertretend für Konnektivität: Infrastruktur, Übertragungsweg, Vernetzung, Intelligenz, Datenfluss und Mehrwert. Smart Lighting entsteht also nicht durch Funk allein, sondern durch das Zusammenspiel von „Wie“ und „Was“.

Genau an diesem Punkt wurde der Kongress wohltuend konkret. Denn während „smart“ in der Gebäudetechnik gerne als Versprechen verwendet wird, fragte Karl Trilsam in seinem Vortrag: „Für wen ist smart wirklich ein Vorteil?“ Seine Antwort war deutlich differenzierter als viele Marketingfolien, die auf anderen Veranstaltungen gezeigt werden. Smart wird erst dann zum Vorteil, wenn reale Nutzeranforderungen berücksichtigt werden, wenn Datennutzung transparent ist, wenn alle Nutzergruppen einbezogen werden und wenn der technische Mehraufwand tatsächlich einen Mehrwert bringt. Für Betreiber können zentrale Steuerung, Störungserkennung und Effizienzsteigerung entscheidend sein; Bürgerinnen und Bürger erleben den Nutzen eher indirekt über Sicherheit, Komfort und Lebensqualität; Verwaltungen gewinnen Analyse- und Optimierungsmöglichkeiten. Zugleich bleiben Datenschutz, Kontrolle, technologische Abhängigkeit und Komplexität kritische Punkte.

Auch Christoph Zimmermann stellte die Frage nach dem tatsächlichen Nutzen smarter Stadtlösungen. Sein Vortrag fragte zugespitzt: Was haben Netflix und die Smart City gemeinsam? Die Antwort: Nicht der Besitz steht im Mittelpunkt, sondern der nutzbare Service. Viele Smart-City-Projekte bleiben im Pilotstadium stecken, weil sie klein starten, durch Förderungen ermöglicht werden, aber nicht in den Regelbetrieb oder in die Fläche kommen. Städte zögern wegen hoher Einstiegskosten, unklarer Gesamtaufwände, komplexer Integration, offener Betriebsfragen, Datenschutz- und Akzeptanzthemen sowie der Angst, sich zu früh festzulegen. Der eigentliche Nutzen entstehe aber nicht am Sensor selbst, sondern in Backend, Integration, Datenaufbereitung, Betrieb, Wartung und Zuständigkeiten.

Das war einer der roten Fäden des Kongresses: Lichtinfrastruktur wird zur Plattform. Aber Plattformen funktionieren nur, wenn sie betreibbar bleiben.

Andreas Weiss zeigte mit seinem Vortrag den praktischen Einsatz von LEDs als Sensoren. Die LED wird dabei nicht nur als Lichtquelle betrieben, sondern auch als photosensitives Element. Trifft nunmehr Licht während des Betriebs der LED als Sensor auf die LED, entsteht ein Photostrom, der proportional zum einfallenden Licht ist. Durch geeignete Beschaltung kann die LED zwischen „normalem“ Betrieb als Lichtquelle und dem Betrieb als Sensor umgeschalten werden über der Wahrnehmungsschwelle des menschlichen Auges. Damit wird Beleuchtung selbst zur Sensorik – etwa für Indoor-Positioning, Objekt-Erkennung oder Verkehrsüberwachung, ohne zusätzliche dezidierte Sensoren sichtbar in die Infrastruktur einzubauen.

Besonders spannend ist daran der Retrofit-Gedanke: Bestehende Gehäuse und Zuleitungen können weiterverwendet werden, die Beleuchtung bleibt erhalten, und die Interaktion findet oberhalb der menschlichen Wahrnehmungsschwelle statt. Damit rückte ein Motiv in den Vordergrund, das sich durch viele Beiträge zog: Die vorhandene Lichtinfrastruktur ist nicht nur Bestand, sie kann auch Träger neuer Funktionen werden – sofern Technik, Datenverarbeitung und Anwendung sauber zusammengedacht werden.

Planung hört nicht bei der Berechnung auf

Dass gute Lichtlösungen aus weit mehr bestehen als normgerechten Berechnungen, machten Iris und Michael Podgorschek von podpod design einmal mehr eindrucksvoll sichtbar. Ihr Vortrag zur Schnittstelle zwischen Lichtplanung und Lichtsteuerung führte anhand von 5-Sterne-Hotels, Kirchen und Fassaden vor, wie anspruchsvoll Lichtplanung in der Realität ist. Lichtkonzept, Entwurfsplanung, Ausführungsplanung, Lichtberechnungen, Bemusterungen, Definition von Lichtszenen, Datenblätter, Kostenschätzungen, Leistungsverzeichnisse, Visualisierungen, Abstimmungen, Umsetzungsbegleitung und Feinjustierung von Leuchten und Lichtszenen gehören zusammen. Wer nur einen Teil davon betrachtet, versteht das Ergebnis nicht.

Dieser Gedanke zog sich bis in die Forschung. Jacob Schreck präsentierte mit TwinLight ein FFG-Projekt zur BIM-basierten Umsetzung von Tages- und Kunstlichtsteuerungen. Die Problemstellung ist bekannt, wird aber selten so offen formuliert: Fehlende Transparenz erschwert die Zuordnung von Verantwortlichkeiten und die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen – mit Einschränkungen bei Energieeffizienz und Nutzerkomfort. Hinzu kommen proprietäre Protokolle, die Interoperabilität erschweren, Inhalte pro Projekt neu programmierbar machen und integrale Systeme behindern.

Das Projektziel von TwinLight ist entsprechend ambitioniert: Steuerungslogik soll in das digitale Gebäudemodell übertragen werden, Verantwortlichkeiten sollen genauer zuordenbar werden, gewerkspezifische Systeme sollen über offene Systemarchitektur zusammengeführt und Inbetriebnahmeprozesse automatisiert werden. Damit wird sichtbar, wohin sich Lichtplanung bewegt: weg von isolierten Berechnungsergebnissen, hin zu durchgängigen Daten- und Steuerungsmodellen über Planung, Errichtung und Betrieb hinweg.

Sascha Hammes und Johannes Weninger machten an einem anderen Punkt deutlich, warum Planung noch näher an die Realität heranrücken muss. Ihr Vortrag zur systematischen Identifikation und Quantifizierung der Einflussgrößen auf den Kunstlichtenergiebedarf zeigte, dass klassische Planungsannahmen oft mit historischen Klimadatensätzen, generischen Raumgestaltungen und allgemeingültigen Nutzungsprofilen arbeiten. Genau diese Profile können aber zu grob sein, wenn reale Anwesenheit, Arbeitsplatzverhalten und Organisationsstrukturen den Energiebedarf maßgeblich beeinflussen.

Die Ergebnisse sind für Planer hoch relevant: Die Anwesenheitsdauer am Arbeitsplatz zählt zu den wesentlichsten Einflussgrößen, auch räumliche Verteilung, Standort und Belegungsmuster wirken stark. Insgesamt überwiegen laut den vorliegenden Resultaten saisonale und nutzerbezogene Einflüsse gegenüber Steuerungsstrategien. Das ist unbequem, aber wichtig: Eine Lichtsteuerung kann noch so intelligent sein – wenn die Annahmen über Nutzung und Raumverhalten nicht stimmen, bleibt auch die beste Simulation eine Näherung.

Die EPBD macht Lichtmanagement zur Sanierungsfrage

Dass diese Entwicklung nicht im luftleeren Raum passiert, zeigte Rene Albert Drahoss mit seinem Vortrag über cloudbasierte Lichtmanagementsysteme für Renovierungen gemäß EPBD. Die europäische Gebäuderichtlinie rückt den Gebäudebestand als großen Hebel zur Reduktion des Energieverbrauchs in den Mittelpunkt. In seiner Präsentation wurde deutlich: Gebäude verursachen rund 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs der EU und 36 Prozent der energiebedingten Treibhausgasemissionen; zugleich sind 35 Prozent der Gebäude älter als 50 Jahre und 75 Prozent des Gebäudebestands nicht energieeffizient.

Damit wird Beleuchtung zu einem Sanierungsthema mit regulatorischer, technischer und wirtschaftlicher Dimension. Die EPBD kommt nicht allein, sondern trifft auf Anforderungen aus Cybersicherheit, Data Act, Gebäudeautomation, Interoperabilität und intelligenter Gebäudetechnik. Der Kongress zeigte damit auch: Wer Lichttechnik heute als Nebenposition im Bauprojekt behandelt, unterschätzt ihre Rolle in der Dekarbonisierung und Digitalisierung des Gebäudebestands.

Wiebke Hartje brachte es in ihrem Vortrag auf eine kurze Formel: „Licht + Software = Veränderung“. Aktuelle Lichtsteuerung bedeutet Licht und Lichtmenge nach Bedarf, flexible Einstellung, Datenanalyse, vorausschauende Wartung, Energieoptimierung, Kosteneinsparungen und Integration intelligenter Komponenten. Zugleich zeigte ihr Beitrag, dass Software nicht nur technische Funktionen erweitert, sondern auch Akzeptanz, Neugierde und kundenspezifische Lösungen hervorbringen kann.

Gerade im Spannungsfeld aus Software, Steuerung und Anwendung setzte der Beitrag von Daniel Falkner und Clemens Brandstätter einen wichtigen Gegenakzent. Unter dem Titel „Analoge Beleuchtung?“ stellten sie die Frage, ob immer mehr Technik automatisch zu besserem Licht führt. Ihr Hintergrund aus Entwicklung, Lichtlabor, Lichtberatung, Hospitality- und Objektprojekten machte deutlich: Gute Lichtlösungen entstehen nicht durch digitale Komplexität allein, sondern durch die saubere Abstimmung zwischen Architektur, Lichtplanung, technischer Umsetzbarkeit, Fertigung und realen Projektbedingungen.

Die Pointe dieses Beitrags lag nicht in Technikfeindlichkeit, sondern in planerischer Erdung. Emotionale Lichtstimmung, Konsistenz, Nutzbarkeit und handwerklich saubere Umsetzung bleiben zentrale Qualitätsgrößen – auch dann, wenn Steuerung, Software und digitale Werkzeuge immer mächtiger werden. Gerade dadurch fügte sich der Vortrag gut in das Kongressmotto ein: Wandel bedeutet nicht, alles Analoge abzuschaffen, sondern Technik dort einzusetzen, wo sie Licht besser, verständlicher und verlässlicher macht.

Lichtqualität: messbar, spürbar – und oft unterschätzt

Ein Kongress zur Lichttechnik muss irgendwann bei der Frage landen, was Qualität eigentlich ist. Horst Pribitzer stellte diese Frage mit Blick auf die EN 12464-1 und die Messbarkeit von Lichtqualität. Dass 80 Prozent unserer Wahrnehmungen über das Auge erfolgen, ist rasch gesagt. Was daraus für Planung, Messung, Normen und Praxis folgt, ist deutlich schwieriger. Denn in der Praxis wird Lichtqualität oft auf Beleuchtungsstärke, Gleichmäßigkeit und Farbwiedergabe reduziert. Pribitzer zeigte aber, dass die Norm weit mehr umfasst: UGR, zylindrische Beleuchtungsstärke, Beleuchtungsstärken auf Wand und Decke, Gleichmäßigkeiten und die konkrete Raumgestaltung.

Andreas Weiss führten diese Diskussion mit zukunftsfähigen Blendmetriken weiter. Die visuelle Komfortwahrnehmung ist ein zentraler Faktor im Human Centric Lighting. Etablierte Verfahren wie UGR oder DGI stoßen jedoch an Grenzen, wenn moderne LED-Strukturen, punktuelle Lichtquellen oder interne Leuchtdichteverteilungen betrachtet werden. Zwei Leuchten können denselben UGR-Wert aufweisen und dennoch subjektiv unterschiedlich störend wirken, wenn etwa sichtbare LED-Punkte wahrgenommen werden.

Christoph Henke ergänzte diese Qualitätsdebatte aus Sicht der LED-Leuchtenqualität. Lichtqualität umfasst demnach nicht nur Lichtmenge, Lichtverteilung, Blendung und Spektrum, sondern auch Lebensdauer, Farbortdrift, Degradation, Flickerfreiheit, Materialeigenschaften, Steuerbarkeit, Lichtdynamik, Wirtschaftlichkeit, Stabilität und Ökologie. Gerade bei LED-Systemen entscheidet also nicht eine Kennzahl, sondern die Kalibrierung des Gesamtsystems – vom LED-Modul über Treiber, Sensoren, Controls, Leuchten, Lichtmanagement und Service.

Dominik Alder brachte mit dem „Lighting Score“ einen weiteren Bewertungszugang ein. Sein Ansatz zielte auf die Beurteilung von Lichtqualität an Arbeitsplätzen ab und verband Anforderungen aus der EN 12464-1 mit HCL (Human Centric Lighting)- und HCD (Human Centered Design) -Anforderungen. Damit wurde ein zentrales Problem sichtbar: Lichtqualität ist zwar messbar, aber nicht eindimensional. Wer Qualität bewerten will, muss normative Mindestanforderungen, Sehkomfort, Sehqualität und menschenzentrierte Planungsaspekte gemeinsam betrachten.

André Peries und Michael Sandriester öffneten die Qualitätsfrage in Richtung Optikentwicklung. Unter dem Titel „Die Balance der Optikentwicklung“ rückten sie die Wechselwirkung zwischen Optik, Design, Wärme, CAD, Produktmanagement, Konstruktion, Lichttechnik und Planung in den Mittelpunkt. Gerade bei Leuchten zeigt sich Qualität nicht nur im Lichtbild, sondern auch darin, wie gut thermische, gestalterische, konstruktive und lichttechnische Anforderungen austariert werden.

Diese Perspektive ist deshalb wichtig, weil Optiken oft erst im Ergebnis wahrgenommen werden: als Blendbegrenzung, als Lichtverteilung, als Akzentuierung, als Homogenität oder als störender Fehler. In der Entwicklung ist Optik jedoch ein permanenter Kompromiss zwischen Lichtwirkung, Material, Wärme, Effizienz, Bauform, Kosten und Planungserwartung. Der Kongress zeigte damit auch: Gute Lichtqualität beginnt lange vor der Montage – sie beginnt in der Entwicklung.

Dominik Allgaier führte diese technische Tiefenschärfe mit seinem Vortrag „Von Photonen zu Phononen“ weiter. Am Beispiel einer Stadionleuchte zeigte er, dass Lichtabsorption nicht nur eine optische, sondern auch eine thermische Frage ist. Als Berechnungsingenieur für CFD (Strömungssimulation) und FEM (Struktursimulation), Thermomanagement, Aerodynamik, Mechanik, Multiphysik und Simulation machte er deutlich, dass moderne Leuchtenentwicklung ohne thermische Betrachtung nicht seriös zu Ende gedacht werden kann.

Das klingt zunächst nach Spezialthema, ist aber im Alltag der Lichttechnik entscheidend: Temperatur beeinflusst Lebensdauer, Lichtstrom, Materialverhalten, Betriebssicherheit und letztlich die Verlässlichkeit einer Lichtlösung. Der Vortrag war damit ein notwendiges Gegengewicht zu rein visuellen Qualitätsdiskussionen. Eine Leuchte muss nicht nur gutes Licht liefern. Sie muss dieses Licht unter realen Bedingungen dauerhaft, sicher und kalkulierbar bereitstellen.

Der Mensch bleibt der Maßstab

Brigitte-Cornelia Eder fragte in ihrem Vortrag über Licht und Beleuchtung für Menschen am Arbeitsplatz: „Was hat das mit dem Säbelzahntiger zu tun?“ Hinter dem humorvollen Zugang stand eine ernste Botschaft: Licht wirkt nicht abstrakt, sondern auf den Menschen. Es geht um Wahrnehmung, Ergonomie, Arbeitspsychologie, Sehen, Orientierung, Konzentration, Belastung und Wohlbefinden.

Peter Haumer ging mit „Bio-Logic Light“ noch einen Schritt weiter und stellte die menschenzentrierte Lichtplanung in den Zusammenhang von Sonne, innerer Uhr und melanopisch wirksamer Beleuchtung. Besonders einprägsam war die Gegenüberstellung: Der durchschnittliche Europäer verbringt nur 1 bis 1,5 Stunden bei Sonnenlicht, während der Großteil der Lebenszeit in Innenräumen stattfindet. Wenn natürliches Tageslicht nicht ausreichend verfügbar ist, wird künstliche Beleuchtung zur biologisch relevanten Planungsgröße.

Dabei ging es nicht um Wohlfühlromantik, sondern um technische Präzision: wechselnde Farbtemperatur und Intensität des Tageslichts, Richtung und Flächigkeit der Lichtquelle, zirkadiane Rhythmen, melanopische Wirkung und Technologien wie PI-LED, die über klassische Tunable-White-Lösungen hinausgehen sollen.

Johannes Weninger lieferte dazu eine weitere Perspektive: Wie viel Beleuchtungswissen ist in Österreich überhaupt vorhanden? Die repräsentative Online-Befragung mit 1.004 Teilnehmenden untersuchte Wissen in den Bereichen Gesundheit, visuelle Qualität, Energieeffizienz und Umweltauswirkungen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Es gibt erhebliche Wissenslücken in allen Bereichen, besonders bei ökologischen Fragestellungen; zugleich überschätzen viele Befragte ihr tatsächliches Wissen deutlich.

Für die Branche ist das mehr als eine akademische Erkenntnis. Wenn Lichtplanung fachlich immer anspruchsvoller wird, die Öffentlichkeit aber zentrale Zusammenhänge unterschätzt oder falsch einordnet, wird Kommunikation selbst zu einem Teil guter Planung.

Georg Molzer rückte den Menschen schließlich wieder an den Anfang jeder Lichtdebatte zurück: zur Sonne. Mit Shadowmap stellte er eine digitale Schnittstelle zur Sonne vor und verband Simulation, Sonnenstand, Verschattung, Tageslicht und Vollspektrum-Licht. Damit wurde ein scheinbar selbstverständlicher Zusammenhang wieder sichtbar: Kunstlicht kann viel, aber es steht immer im Verhältnis zum natürlichen Licht – seiner Dynamik, Richtung, spektralen Zusammensetzung und Bedeutung für Räume und Menschen.

Gerade im Kontext von Tageslicht, Innenraumqualität, Städtebau und Gebäudesimulation war dieser Beitrag mehr als eine Software-Präsentation. Er machte deutlich, dass es nicht nur um Software geht, sondern darum, Tageslicht und seine Wirkung im Raum präziser zu verstehen und abzubilden. Das passt zur gesamten Kongresslinie: Gute Digitalisierung ersetzt kein Verständnis – sie macht es erst möglich.

Roman Liebe wiederum führte das Publikum mit seinem Vortrag über die Lichtgeschwindigkeit in die Geschichte und Grundlagen des Lichts zurück. Dass das Symbol c von „celeritas“, also Schnelligkeit, abgeleitet wird, dass die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum exakt 299.792.458 Meter pro Sekunde beträgt und dass hinter solchen Konstanten eine lange Wissenschaftsgeschichte steht, war auf diesem Kongress kein Fremdkörper. Im Gegenteil: Zwischen KI, Sensorik und Normung erinnerte dieser Beitrag daran, dass jede moderne Lichttechnik auf physikalischen Grundlagen ruht, die man nicht aus dem Blick verlieren sollte.

Außenbeleuchtung: Energie, Daten, Sicherheit – und der Nachthimmel

Ein besonders breites Feld eröffnete der Kongress bei der Außen- und Straßenbeleuchtung. Rudolf Gruber zeigte am Beispiel EVN Lichtservice, wie ein digitaler Betriebszyklus der Straßenbeleuchtung aussehen kann: elektronisches Anlagenbuch, Störungsmanagement, Smart-Meter-Daten, Monitoring, Reporting und Optimierung. EVN Lichtservice betreut laut Gruber in rund 150 Städten und Gemeinden Niederösterreichs etwa 100.000 Lichtpunkte. Aus rund 2.500 Messgeräten werden Daten gezogen; bei Opt-in können daraus 87,6 Millionen Viertelstundenwerte pro Jahr entstehen – Grundlage für Analysen, Störungsvorhersage, vorausschauende Wartung und Instandhaltung.

Andreas Schnegg-Primus zeigte, warum Sensorik an der Straßenbeleuchtung besonders naheliegt: Die Infrastruktur ist vorhanden, flächendeckend über Kommunen verteilt, mit Strom versorgt, über Schnittstellen wie Zhaga standardisierbar und in Lichtmanagementsysteme integrierbar. Damit kann Straßenbeleuchtung über Dimmung hinaus auch zur Verkehrsanalyse beitragen – etwa über bewegungsabhängige oder volumenbasierte Lichtsteuerung.

Günther Wuchterl brachte die andere Seite der Außenbeleuchtung ins Spiel: den Nachthimmel. Sein Vortrag „Licht am Himmel“ machte anhand des Wiener Kunstlichthalos sichtbar, dass Lichtemission, Energie und CO₂ nicht nur abstrakte Größen sind. Der Wiener Kunstlichthalo ist laut Unterlage sogar aus 111 Kilometern Entfernung vom Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal aus sichtbar.

Der Kongress hat vor allem eines gezeigt: Was funktional richtig ist, ist nicht automatisch ökologisch verträglich. Gunther Ferencsin-Junick zeigte mit seinem Vortrag über die interaktive Ausstellung „Eiszeitkinder und ihre Welt“ im Naturhistorischen Museum Wien, wie konkret Lichtplanung wird, wenn sie nicht nur Objekte beleuchten, sondern Erlebnisse ermöglichen soll. In musealen Räumen geht es um bewegliche und bewegte Objekte, unterschiedliche Blickachsen, verschiedenste Objektgrößen und eine Inszenierung, die Orientierung, Atmosphäre und Schutz der Exponate gleichzeitig leisten muss.

Damit bekam das Kongressthema Gestaltung eine sehr anschauliche Dimension. Museumslicht ist weder reine Technik noch reine Dramaturgie. Es muss Geschichten lesbar machen, Aufmerksamkeit führen, historische Inhalte respektieren und zugleich mit konservatorischen, räumlichen und gestalterischen Grenzen umgehen. Der Vortrag zeigte, dass Lichtplanung dort besonders anspruchsvoll wird, wo Licht nicht nur sehen lässt, sondern Bedeutung erzeugt.

Retrofit: Zwischen Ressourcenschonung und Verantwortung

Kaum ein Thema ist derzeit für Elektrotechniker so angesagt wie die Umrüstung bestehender Beleuchtungsanlagen. Gabriel Kellner sprach über LED-Umrüstung als Chance, bestehende Leuchten effizient und ressourcenschonend weiterzudenken. Die Ausgangslage ist ein enormer Altbestand: 2020 waren im Nicht‑Wohnbereich der EU rund 1,1 Milliarden Leuchtstofflampen installiert. Selbst 2026 werden es trotz Umrüstung noch etwa 750 Millionen sein.

Der Vortrag machte klar, dass es keinen Einheitsweg gibt. Retrofit-Lampentausch, Umverdrahtung, Upgrade mit Umrüst-Kits oder Neuinstallation sind unterschiedliche Wege, die jeweils von Ausgangslage, Kompatibilität, Normen, CE-Kennzeichnung, Dokumentation und Risikobewertung abhängen. Besonders wichtig: Bei der Umverdrahtung und baulichen Veränderung reicht es nicht, „irgendwie“ auf LED zu kommen. Die ausführende Fachkraft muss sicherstellen, dass die gültigen technischen Rahmenbedingungen eingehalten werden.

Christof Hernler brachte dieselbe Frage aus Sicht eines Anlagenbetreibers ein. Bei Projektbeginn 2023 ging es in seinem Vortrag um rund 155.000 Leuchten im Außenbereich. Erste Maßnahmen reichten vom Einkauf von Restbeständen über Vorstandsberichte zum Programm „LED Tausch“ bis zur Bewertung relevanter Leuchten mit konventionellen Leuchtmitteln. Bei der Beurteilung der Leuchte sind mechanischer Zustand, elektrischer Zustand und Veränderungen durch Umgebungsbedingungen wie Wärme, Kälte oder Verschmutzung zu prüfen. Ein verändernder Eingriff in das Betriebsmittel Leuchte kann Prüfzeichen, Zertifikate und Kennzeichnungen beeinflussen.

Michael Paukowits ergänzte diese Debatte mit den Lessons Learned aus dem AKH Wien. Dort ging es um die normenkonforme und ressourcenschonende Modernisierung linearer Beleuchtung im Bestand. Die Ausgangssituation: Leuchtstoffröhren, höchste Beleuchtungsanforderungen in Bereichen wie Untersuchung und OP, Qualitätsanforderungen in Licht-, Elektro- und Sicherheitstechnik, unterschiedliche Raumhöhen, Lichtfarben und Beleuchtungsqualitäten sowie das Ziel, Energieeinsatz, CO₂-Einsparung und Kosteneffizienz über den Lebenszyklus zu optimieren.

Armin Scheer nahm das Retrofit-Thema aus der Innenbeleuchtung nochmals anders auf – mit dem bewusst zugespitzten Titel „Die große Erleuchtung – oder wie man sich das Leben unnötig schwer macht?“ Auch hier wurde klar: Ob Retrofit sinnvoll ist, hängt von Anforderungen, baulichen Gegebenheiten, Zustand der Leuchte, UGR-Werten, Prüf- und Warnpflichten sowie vom Gesamtzusammenhang ab. Gerade im Bestand reicht der Blick auf das Leuchtmittel nicht aus. Entscheidend ist, ob das Ergebnis technisch, normativ und rechtlich vertretbar bleibt.

Retrofit ist damit kein Bastelthema. Es ist ein Feld, in dem Technik, Recht, Normung, Nachhaltigkeit und Betreiberverantwortung unmittelbar aufeinandertreffen.

Normen sind nicht der Feind der Innovation

Ein weiterer Schwerpunkt des Kongresses war Normung – und zwar nicht als lästiger Anhang, sondern als Grundlage sicherer und nachvollziehbarer Planung. Karl Brandstätter zeigte, dass bei Planung, Produktauswahl, Errichtung und Betriebsführung einer Beleuchtungsanlage eine große Zahl an Normen, Richtlinien und Regelwerken zu berücksichtigen ist. Diese kommen aus unterschiedlichen Welten: CIE, OIB, OVE, FSV, ÖISS, Österreichs Energie und weiteren Institutionen.

Fritz Manschein und Gerald Wötzl vertieften diese Perspektive mit der OVE-Richtlinie R 29 für Straßenbeleuchtungsanlagen. Die Gründe für die Richtlinie zeigen, wie stark sich Straßenbeleuchtung verändert hat: Sie ist Infrastruktur für Smart City, Montage- und Stromversorgungspunkt für Sensoren, Grundlage für Zusatznutzungen, E-Mobilität, Lichtmessungen, statische Mastprüfungen, Überspannungsschutz, Erdung, Blitzschutz und elektrische Anlagenprüfung.

Tobias Sauer zeigte anhand der praktischen Anwendung der ÖNORM EN 1838 zur Not- und Sicherheitsbeleuchtung, wie konkret Normänderungen in die Planung eingreifen. Es ging um erweiterte Bereiche mit Sicherheitsbeleuchtung, hervorzuhebende Stellen und zeitsparendere Messverfahren, die als OVE-Fachinformation im Herbst 2026 kommen sollen. Beispiele reichten von Rettungswegbereichen unter oder über acht Quadratmetern über Toiletten, Umkleideräume und barrierefreie Toiletten bis zu Alarmrufen aus Aufzugskabinen und alternativen Messmethoden.

Der Kongress zeigte damit sehr deutlich: Normen sind nicht der Gegensatz zu Innovation. Sie sind der Rahmen, in dem Innovation zuverlässig, prüfbar und verantwortbar wird.

Genau deshalb war auch der Blick auf konkrete Regelwerke so wichtig. Brandstätter listete nicht nur abstrakte Normenfamilien, sondern verwies unter anderem auf ÖNORM EN 12464-1 für Arbeitsstätten in Innenräumen, ÖNORM EN 1838 für Notbeleuchtung, ÖNORM O 1052 für Lichtimmissionen, ÖNORM O 1055 zur Straßenbeleuchtung, ÖVE/ÖNORM EN 60529 zum IP-Code sowie Qualifikationsrichtlinien für Innen- und Außenbeleuchtungstechniker. Damit wurde klar: Lichttechnik ist heute ein Normengeflecht – und wer darin arbeitet, braucht Überblick, nicht nur Produktwissen.

Warum dieser Kongress wichtig war

Was bleibt also von zwei Tagen LTG-Lichtkongress in Tulln? Sicher nicht die Illusion, man könne die Lichttechnik in ein paar Sätzen zusammenfassen. Im Gegenteil: Die Veranstaltung zeigte die enorme Tiefe eines Fachgebiets, das oft unterschätzt wird. Licht ist Energiefrage, Wahrnehmungsfrage, Gesundheitsfrage, Sicherheitsfrage, Normenfrage, Gestaltungsfrage, Datenfrage, Betriebsfrage und Nachhaltigkeitsfrage zugleich.

Gerade deshalb war der Kongress mehr als ein Fachtermin. Er war ein Verdichtungsraum. Er brachte Planer, Elektrotechniker, Lichtdesigner, Betreiber, Industrie, Forschung und Normung in einen Zusammenhang. Er zeigte, dass Digitalisierung ohne Betriebskonzept wenig nützt, dass Nachhaltigkeit ohne Bestandssicht zu kurz greift, dass Lichtqualität mehr ist als Beleuchtungsstärke und dass menschengerechtes Licht nicht bei warmweißem Marketing endet.

Gudrun Schach und Johanna Stückler gaben diesem dichten Programm einen ruhigen, verbindenden Rahmen. Sie führten nicht über das Programm hinweg, sondern durch ein Thema hindurch, das größer geworden ist als jede einzelne Disziplin. Genau darin lag die Stärke des Kongresses: Er nahm die Komplexität ernst, ohne sie unzugänglich zu machen.

Mit den zusätzlich berücksichtigten Vorträgen wurde dieses Bild noch vollständiger: Arbeitssicherheit zeigte die Verantwortung auf der Baustelle und im Betrieb; Kunstlichtenergiebedarf machte die Grenzen generischer Planungsannahmen sichtbar; LED-as-Sensor öffnete den Blick auf die Leuchte als Datenträger; Optikentwicklung und Thermomanagement führten tief in die Produktentwicklung; Shadowmap und Lichtgeschwindigkeit stellten den Bezug zur Sonne und zur Physik her; analoge Beleuchtung erinnerte an die Grenzen digitaler Komplexität; Museumslicht zeigte die erzählerische Kraft der Planung; der Lighting Score machte Lichtqualität bewertbar; und Retrofit-Beiträge aus Innenbeleuchtung, Großanlagen und Krankenhauspraxis holten all das wieder auf den Boden der Umsetzung zurück.

Dieser Bericht kann daher nur ein Überblick sein. Einzelne Vorträge – etwa zu KI in der Lichtbranche, Smart City als Service, BIM-basierter Steuerungsplanung, Bio-Logic Light, Retrofit im Bestand, Notbeleuchtung, Lichtverschmutzung, LED-Sensorik, Optikentwicklung, Kunstlichtenergiebedarf oder Arbeitssicherheit – verdienen eigene Fachbeiträge. Der LTG-Lichtkongress 2026 hat dafür nicht nur genügend Stoff geliefert. Er hat auch gezeigt, warum diese Vertiefung notwendig ist.

 

 

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