Technologie bereit, jetzt Umsetzung und Standards entscheidend:

V2G in Österreich vor Marktdurchbruch

von Julia Petz
Foto: © V2G-Alliance Austria

Die V2G Alliance Austria macht deutlich: Bidirektionales Laden hat den Sprung aus der Pilotphase geschafft. Beim Plattformtreffen in Neulengbach zeigte sich, dass die Technologie bereits praxistauglich ist. Nun liegt der Fokus darauf, Standards zu definieren, Geschäftsmodelle zu entwickeln und die regulatorischen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass ein flächendeckender Einsatz in Österreich möglich wird.

Vortragender spricht über Elektromobilität und Innovation.

Keynote-Speaker spricht über die Bedeutung von Akzeptanz und Begeisterung für neue Technologien im Bereich Elektromobilität. (Bild: V2G-Alliance Austria)

Rund 80 Teilnehmer:innen aus Energiewirtschaft, Industrie, Forschung und öffentlicher Hand kamen auf Einladung der V2G Alliance Austria zum dritten Plattformtreffen zusammen. Im Mittelpunkt stand die zentrale Frage, wie bidirektionales Laden (Vehicle-to-Grid, V2G) in Österreich vom Pilotprojekt in die breite Anwendung überführt werden kann.

Die klare Botschaft der Veranstaltung: Die technologischen Grundlagen sind vorhanden und einsatzbereit. Nun geht es darum, die notwendigen Standards, Geschäftsmodelle und Rahmenbedingungen konsequent weiterzuentwickeln und umzusetzen.

V2G zum Anfassen: Technologien im Live-Betrieb

Ein zentrales Element der Veranstaltung war der „Marktplatz der Innovationen“. Nach den Fachvorträgen wurde der Bauhof Neulengbach für die Öffentlichkeit geöffnet. Besucher:innen konnten bidirektionale Ladestationen nicht nur sehen, sondern im realen Betrieb erleben und mit den Anbietern diskutieren.

Mehrere Unternehmen präsentierten ihre Lösungen – von Ladeinfrastruktur über Energiemanagementsysteme bis hin zu integrierten Anwendungen. Der direkte Austausch zwischen Entwicklern, Anwendern und Interessierten machte deutlich: V2G ist keine Zukunftsvision mehr, sondern bereits technisch umsetzbar.

Das große Interesse – auch über die Fachcommunity hinaus – unterstreicht die wachsende Relevanz des Themas.

Gruppenfoto der Teilnehmer des V2G-Plattformtreffens.

Die Teilnehmer:innen des dritten Plattformtreffens der V2G Alliance Austria versammeln sich zum gemeinsamen Gruppenfoto. (Bild: V2G-Alliance Austria)

Wachsende Plattform für Zusammenarbeit

Die V2G Alliance Austria entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen Plattform für die Vernetzung im Bereich bidirektionales Laden. Das Netzwerk umfasst mittlerweile über 90 Mitglieder und wächst kontinuierlich weiter – darunter auch internationale Industriepartner und führende Automobilhersteller wie Renault und Hyundai.

Ziel der Alliance ist es, alle relevanten Stakeholder zusammenzubringen und unterschiedliche Perspektiven – von Technik über Markt bis Regulierung – in die Weiterentwicklung von V2G einzubeziehen. Die Mitarbeit erfolgt freiwillig und themenbezogen, wodurch eine offene und praxisnahe Zusammenarbeit ermöglicht wird.

Konkrete Use Cases und Geschäftsmodelle
Teilnehmer diskutieren bei Vorführung einer bidirektionalen Ladestation.

Im Außenbereich werden bidirektionale Ladelösungen im praktischen Einsatz demonstriert und diskutiert. (Bild: V2G-Alliance Austria)

Im Rahmen des Projekts „V2G Network“ wurden bestehende Use Cases und Geschäftsmodelle systematisch analysiert und in einem Bericht zusammengefasst, der in den kommenden Wochen veröffentlicht wird. Ziel ist es, sichtbar zu machen, welche Anwendungen bereits heute funktionieren und wo noch Herausforderungen bestehen – etwa bei Interoperabilität, Standardisierung oder regulatorischen Rahmenbedingungen.

Standardisierung als Schlüssel

Ein zentraler Schwerpunkt der aktuellen Arbeiten liegt auf der technischen Systemarchitektur. Konkret wird an:

  • einem klar definierten, testbaren Subset der Norm ISO 15118-20
  • einem minimalen, umsetzbaren Grid-Code-Profil für V2G
  • sowie der Analyse von Interoperabilitätslücken zwischen OCPP 2.1 und ISO 15118-20

gearbeitet.

Diese Maßnahmen sind entscheidend, um ein herstellerübergreifendes, interoperables System zu schaffen – eine Grundvoraussetzung für den Markthochlauf von V2G.

Handlungsempfehlungen für den Markthochlauf

Beim Plattformtreffen wurden zudem zentrale Handlungsempfehlungen vorgestellt, die im Rahmen eines Positionspapiers erarbeitet werden. Grundlage dafür sind mehrere Workshops mit Vertreter:innen aus Wirtschaft, Forschung und Praxis.

Die Empfehlungen umfassen vier zentrale Dimensionen: Technik, Wirtschaft, Recht und Gesellschaft.

Ein erster Entwurf des Positionspapiers wird in den kommenden Wochen veröffentlicht.

Impulse aus der Praxis und Gesellschaft
Demonstration von V2G-Technologie mit Elektrofahrzeug und Ladestation.

Teilnehmer:innen informieren sich direkt an einer bidirektionalen Ladestation über technische Lösungen und Anwendungen. (Bild: V2G-Alliance Austria)

Neben technischen und regulatorischen Fragestellungen wurden auch gesellschaftliche Aspekte der Transformation diskutiert. Christian Clerici, Gründer des B2B-E-Mobilitätsanbieters vibe, betonte in seiner Keynote die Bedeutung von Akzeptanz und Begeisterung für neue Technologien.

Seine zentrale Botschaft: Innovation entsteht nicht durch Widerstand, sondern durch positive Zugänge und funktionierende Anwendungen im Alltag.

Ausblick

Die V2G Alliance Austria wird ihre Aktivitäten im Jahr 2026 fortsetzen. Neben einem Plattformtreffen im Herbst 2026 sind Aus- und Weiterbildungsformate geplant, um Wissen zu verbreiten, und den Markthochlauf aktiv zu unterstützen.

Das Plattformtreffen in Neulengbach hat gezeigt: Die Grundlagen für bidirektionales Laden sind gelegt. Der nächste Schritt besteht darin, die vorhandenen Lösungen gemeinsam in die Breite zu bringen.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.v2g-alliance.at

Quelle: V2G-Alliance Austria

Ähnliche Artikel

Hinterlassen Sie einen Kommentar

* Zur Speicherung Ihres Namens und Ihrer E-Mailadresse klicken Sie bitte oben. Durch Absenden Ihres Kommentars stimmen Sie der möglichen Veröffentlichung zu.

Unseren Newsletter abonnieren - jetzt!

Neueste Nachrichten aus der Licht- und Elektrotechnik bestellen.