Das i-Magazin im Gespräch mit der DALI Alliance:

Arnulf Rupp über DALI, EPBD und das Potenzial im Bestand

von Laura Peichl
von Thomas Buchbauer – Recherche, Konzept und Kuration Foto: © DALI Alliance

Jetzt wird es ernst. Lange war Lichtsteuerung etwas, das man im Projekt gern wollte, aber im Kostenstrudel oft wieder verlor. Auf der Light + Building 2026 beschreibt Arnulf Rupp, Vorstandsvorsitzender der DALI Alliance, warum sich das gerade dreht: wegen Regulierung, wegen Energieeffizienz, wegen Sanierungsdruck – und weil Licht plötzlich mehr kann, als nur Licht zu machen. Gegen Ende des Gesprächs wird klar: Die eigentliche Geschichte beginnt womöglich erst jetzt.

Zuerst kam die LED, dann das Einsparversprechen, jetzt kommt der politische und wirtschaftliche Druck zur Systemintelligenz. Genau an diesem Punkt setzt DALI an: als offenes, interoperables Lichtsteuerungsprotokoll, das im Nichtwohnbau vom Komfortfeature zum strategischen Baustein reift. Arnulf Rupp spricht über Regulierung, Daten, Wireless, Interoperabilität – und über die Frage, wo DALI bis 2030 stehen wird.

i-Magazin: Herr Rupp, die europäische Gebäuderichtlinie ist derzeit in aller Munde. Ist sie aus Ihrer Sicht der große Treiber, der DALI und der Lichtsteuerung nun endgültig zusätzlichen Schub gibt?

Arnulf Rupp: Ja, das ist ganz klar ein Treiber, der uns in Europa derzeit alle beschäftigt. Natürlich gibt es dazu auch unterschiedliche Sichtweisen. Manche sehen vor allem die steigenden Kosten, andere fragen, ob bestimmte Gebäude in dieser Form künftig überhaupt noch wirtschaftlich errichtet werden können. Aber aus Sicht der DALI Alliance ist die Richtung eindeutig: Diese Regulierung setzt ein wichtiges Signal. Denn für den Endanwender ist Lichtsteuerung in Wahrheit kein Kostennachteil, sondern ein Vorteil. Die Einsparungen im Energieverbrauch und damit bei den Energiekosten amortisieren die Investition meist relativ rasch. Und wir sind ehrlich gesagt auch froh, dass über die Gesetzgebung ein gewisser Druck entsteht. Lichtsteuerung wurde in der Vergangenheit oft nicht deshalb weggelassen, weil sie keinen Nutzen hätte, sondern weil sie geplant werden muss, weil sie anfangs komplexer wirkt und weil sie eine Erstinvestition darstellt. Am Ende hat der Nutzer aber ein hochwertigeres Gebäude und profitiert wirtschaftlich davon.

i-Magazin: Das klingt logisch. Gleichzeitig argumentieren Bauträger oft kurzfristiger: Sie sehen heute die Kosten und geben das Gebäude morgen an Investor oder Mieter weiter.

Arnulf Rupp: Genau deshalb ist Regulierung so wichtig. Sie schafft, wenn man so will, ein Level Playing Field. Dann spielen alle mit denselben Karten. Bisher mussten wir immer erklären, warum etwas, das für den Endnutzer klar von Vorteil ist, trotzdem nicht automatisch umgesetzt wird. Durch Regulierung werden solche Anforderungen ein Stück weit zu einem Recht des Endkunden. Alle müssen dieselben Standards erfüllen. Dazu kommt: Die gesetzlichen Vorgaben greifen ja nicht wahllos, sondern ab gewissen Gebäudegrößen beziehungsweise Energieverbräuchen. Und genau dort ist das Einsparpotenzial auch groß genug, damit sich die Maßnahmen wirklich rechnen. Durch den Umstieg auf LED wurde schon viel erreicht. Aber bei der Lichtsteuerung steckt – gerade im Zweckbau – nach wie vor enormes Potenzial. Mit tageslichtabhängiger Regelung und Präsenzerkennung lassen sich je nach Anwendung noch einmal 30 bis 40 Prozent, in manchen Fällen sogar mehr, einsparen.

i-Magazin: Diese Einsparpotenziale beziehen sich bereits auf Gebäude mit LED-Technik?

Arnulf Rupp: Ja, genau. Wir reden hier nicht über den alten Vergleich Leuchtstofflampe gegen LED-Beleuchtung, sondern über zusätzliche Einsparungen durch moderne Lichtsteuerung. Natürlich hängt der Anteil am Gesamtenergieverbrauch immer vom Gebäudetyp ab. In einer Maschinenhalle dominieren andere Verbraucher. Aber gerade im Bürogebäude ist Licht weiterhin ein relevanter Posten. Dort gibt es noch sehr viel zu holen.

i-Magazin: Man könnte also sagen: Lichtsteuerung war bisher oft Komfort, wird jetzt aber zunehmend Pflicht. Ist das für DALI die große Chance?

Arnulf Rupp: Absolut. DALI ist vor allem im Nichtwohnbausektor etabliert, also genau dort, wo diese Gesetzgebung besonders relevant wird. Es ist das am weitesten verbreitete Lichtsteuerungsprotokoll in diesem Bereich. Unsere Mitglieder entwickeln die entsprechenden Produkte und freuen sich natürlich, wenn diese Technologien die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. In der Praxis sehen wir ja oft: Selbst wenn Lichtsteuerung ursprünglich geplant ist, wird sie später dem Kostendruck geopfert. Dann wird auf Zielkosten optimiert, also so lange reduziert, bis manches einfach wieder gestrichen wird. Licht kommt im Gebäude oft zuletzt – und leidet dann besonders. Die Regulierung hilft uns hier, weil sie einen fairen Rahmen schafft.

i-Magazin: Für alle, die DALI kennen, aber vielleicht nicht in der Tiefe: Was steckt technisch dahinter?

Arnulf Rupp: DALI ist ein Daten- und Lichtsteuerungsprotokoll, mit dem sich die verschiedenen Komponenten einer Lichtanlage intelligent steuern lassen. Das betrifft die Leuchten selbst – genauer gesagt die LED-Treiber in den Leuchten –, aber auch die Sensorik. Es gibt im Wesentlichen zwei Produktgruppen: auf der einen Seite die Leuchten beziehungsweise deren Betriebsgeräte – auf Englisch „Control Gear“, auf der anderen die sogenannten „Input Devices“. Das sind Schalter, Präsenzmelder, Lichtsensoren und andere Eingabegeräte, die Informationen aus dem Gebäude liefern. Das eigentliche „Gehirn“ des Systems ist dann der Application-Controller. Er verarbeitet die Signale der Sensoren und entscheidet anhand hinterlegter Logiken, wie das Licht ideal geregelt wird. Diese Controller sind oft sehr stark anwendungsspezifisch. Es gibt Lösungen für Büros, für Industriehallen oder für andere Nutzungen. Die DALI Alliance schreibt nicht den einen idealen Algorithmus vor. Unsere Aufgabe ist es, die Interoperabilität des Protokolls sicherzustellen. Produkte von Hersteller A müssen mit Produkten von Hersteller B zusammenarbeiten. Und genau das ist ein enormer Mehrwert für Planer, Integratoren und Gebäudebetreiber.

i-Magazin: Das Stichwort Interoperabilität ist zentral – auch als Gegenmodell zu proprietären Systemen.

Arnulf Rupp: Absolut. Proprietäre Systeme mögen im ersten Moment attraktiv erscheinen, weil ein Hersteller sehr schnell innovieren kann. Aber im Gebäude mit langen Lebenszyklen wird Abhängigkeit schnell zum Risiko. DALI steht für ein herstellerübergreifendes, langfristig verfügbares Ökosystem. Das ist für die Industrie und für Betreiber ein ganz wesentlicher Verlässlichkeitsfaktor. Es geht nicht nur darum, dass etwas heute funktioniert, sondern auch in zehn oder zwanzig Jahren noch verfügbar ist.

i-Magazin: Die DALI Alliance spricht bei der Zertifizierung heute von DALI-2, D4i und DALI+. Was unterscheidet diese Welten?

Arnulf Rupp: Die Alliance sorgt dafür, dass der Standard nicht nur auf dem Papier existiert, sondern tatsächlich geprüft und verlässlich umgesetzt wird. Dafür gibt es ein aufwendiges Zertifizierungsprogramm. Produkte werden mit unterschiedlichsten Befehlen, Szenarien und Einflüssen getestet. Erst wenn sie alle Anforderungen erfüllen, bekommen sie eines der DALI-Logos. DALI-2 ist die Zertifizierungsmarke für die klassische drahtgebundene, gebäudeweite Kommunikation über die bekannte Zwei-Draht-Struktur. D4i spielt besonders in und an der Leuchte eine große Rolle, vor allem dort, wo Plug-and-Play-Funktionalität und Daten innerhalb des Leuchtensystems gefragt sind – oft auch im Zusammenspiel mit drahtlosen Technologien wie Bluetooth oder Zigbee. Und DALI+ ist die neueste Entwicklung: Damit wird DALI IP-fähig. Das Protokoll kann also über Ethernet oder Funknetze transportiert werden. Wir gehen davon aus, dass die klassische DALI-Verdrahtung in den typischen DALI-Subnetzen mit bis zu 64 Leuchten und 64 Eingabegeräten weiter eine wichtige Rolle spielen wird, dass aber gebäudeweit IP-basierte Träger immer relevanter werden. Damit wird DALI auch softwarelastiger. Steuerungsfunktionen müssen nicht zwingend mehr als klassisches Kästchen im Schaltschrank auftreten. Sie können künftig auch als Software auf einem Rechner, im Netzwerk oder sogar als Dienstleistung laufen.

i-Magazin: In Gesprächen mit Systemintegratoren taucht immer wieder eine Frage auf: Wird es irgendwann ein herstellerübergreifendes Inbetriebnahme-Werkzeug geben?

Scott Wade, Arnulf Rupp, Paul Drosihn und Jeremy Ludyjan am Stand der DALI Alliance auf der Light + Building 2026 in Frankfurt

Am Stand der DALI Alliance auf der Light + Building 2026 diskutierten Scott Wade, Arnulf Rupp, Paul Drosihn und Jeremy Ludyjan über die nächste Ausbaustufe intelligenter Lichtsteuerung – von EPBD-Druck über Interoperabilität bis zu hybriden DALI-Systemen. (Foto: ©www.i-Magazin.com)

Arnulf Rupp: Heute ist das in der DALI-Welt nicht üblich. Die Hersteller von Steuerungen haben in der Regel ihre eigenen Tools, und diese sind oft sehr stark auf bestimmte Anwendungen optimiert. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass zumindest das Einbinden von Geräten in ein drahtloses DALI+ Netzwerk künftig über ein herstellerübergreifendes Werkzeug erfolgen könnte. Dazu laufen Gespräche. Mehr möchte ich an dieser Stelle noch nicht sagen. Gerade auf der IP-Seite könnte hier etwas kommen – auch, um IT-Sicherheitsaspekte zentral sauber abzudecken und Fehler zu vermeiden. Die anwendungsspezifische Inbetriebnahme wird aber wahrscheinlich weiterhin stark von den jeweiligen Herstellern geprägt bleiben. Das hat auch Vorteile. Im Gegensatz zu KNX, wo ein herstellerübergreifendes Engineering-Tool sehr mächtig, aber auch komplex ist, bieten viele DALI-Controller heute bereits vorgefertigte Profile für typische Anwendungen. Das Großraumbüro, der Besprechungsraum oder der Waschraum müssen dann nicht aufwendig programmiert werden. Das geht einfacher, schneller und kostengünstiger. Für die DALI-Inbetriebnahme braucht man in der Regel keinen Ingenieur, sondern einen Elektriker. DALI ist ein Elektriker-Protokoll.

i-Magazin: Werden Systemintegratoren und andere Marktteilnehmer in solche Überlegungen ausreichend eingebunden?

Arnulf Rupp: Wir wollen diese Stimmen ganz bewusst hören. Nicht nur die der Komponentenhersteller, sondern auch jene von Systemintegratoren,  Planern und weiteren Marktteilnehmern. Für Leuchtenhersteller habe wir dafür ein eigene Community-Mitgliedschaft geschaffen, weil wir dieses Feedback brauchen. Das Problem ist oft weniger der Wille als vielmehr der Kontakt. Kommunikation ist immer eine Herausforderung. Aber genau deshalb sind wir offen für Formate, die diesen Austausch verbessern. Wir laden bei Veranstaltungen und Industriemessen ja auch regelmäßig die indirekt Betroffenen ein – also Planer, Gebäudebetreiber und Facility Manager. Dort liegt viel Know-how, das für die Weiterentwicklung des Standards wichtig ist.

i-Magazin: Die DALI Lighting Awards haben heuer eine Rekordbeteiligung verzeichnet. Ist das bloß ein schönes Signal – oder mehr?

Arnulf Rupp: Es ist deutlich mehr. Genau darum gibt es dieses Award-Programm. Wir wollen über die rein technische Welt hinaus kommunizieren. Lichtsteuerung soll nicht nur als Normen- und Technikthema wahrgenommen werden, sondern auch als etwas, das Wirkung entfaltet, Räume prägt und Emotionen erzeugt. Lichtplaner sind für diese Branche enorm wichtig. Wir verstehen uns als Enabler – nicht nur für schöne Räume, sondern für Gebäude, die auf ihre Nutzer reagieren können. Dieser dynamische Aspekt ist zentral. Und wir sehen, dass das gut ankommt. Die Zahl der Einreichungen steigt jedes Jahr. Das zeigt uns, dass wir den richtigen Ansatz gewählt haben.

i-Magazin: Wenn man sich die Begriffe ansieht, die heute rund um Lichtplanung kursieren – Human Centric Design, Smart Lighting, Sustainability, Energy Efficiency –, wohin geht der Markt denn wirklich?

Arnulf Rupp: Ich sehe diese Begriffe nicht kritisch. Lichtplaner wollen mit ihrer Arbeit ja immer auch eine Botschaft vermitteln, die zum Gebäude, zur Nutzung, zur Umgebung und oft sogar zum kulturellen Kontext passt. Gute Lichtplanung erkennt, wie ein Gebäude genutzt wird und was in ihm wichtig ist. Wir als DALI Alliance wollen dafür die technologische Grundlage liefern. Natürlich könnten wir jetzt rein technisch argumentieren und über Cyber Resilience Act oder IT-Sicherheit sprechen – und das ist auch wichtig. Aber das ist nicht die Sprache, mit der Lichtplaner ihre Arbeit erklären. Unsere Rolle ist es, die Werkzeuge bereitzustellen, damit diese planerische Qualität umgesetzt werden kann.

i-Magazin: Dann landen wir zwangsläufig beim Thema Daten. Wird das Gebäude über das Lichtsystem zunehmend zur Datenquelle?

Arnulf Rupp: Ja, ganz klar. Wir sehen immer stärker eine gewerkeübergreifende Vernetzung. Ein typisches Beispiel ist das Zusammenspiel mit der Klimasteuerung. Daten aus dem Lichtsystem können für andere Systeme im Gebäude relevant sein. Das gilt auch für die Verschattung. Was auf den ersten Blick logisch klingt, ist in der Realität hochkomplex: Sonneneinstrahlung beeinflusst das Raumklima, die Klimaanlage reagiert, die Verschattung verändert sich – und die Lichtanlage muss das alles mitdenken. Genau hier entstehen große Chancen. Das Lichtsystem ist ein sehr dichtes Netzwerk mit vielen Endpunkten im Gebäude und kann deshalb ein wichtiger Datenlieferant sein. Das wird auch regulatorisch zunehmend gesehen, etwa über den Smart Readiness Index. In der Praxis werden heute oft Sensoren doppelt verbaut. Das ist weder kosten- noch energieoptimal. Wenn Sensorik in die Leuchte integriert wird und die Daten über DALI gesammelt und anderen Gebäudesystemen bereitgestellt werden, ist das nicht nur technisch sinnvoll, sondern auch architektonisch attraktiv. Das Stichwort „Clean Ceiling“ hört man in diesem Zusammenhang oft. Architekten wollen keine Decken voller zusätzlicher technischer Einbauten. Die Leuchte ist ohnehin akzeptiert – sie ist daher ein idealer Träger für Sensorik.

i-Magazin: Ist das nicht genau der Moment, in dem DALI seine größte Stärke ausspielen kann – bei Sanierung, ESG und Kostenkontrolle?

Arnulf Rupp: Ja, das ist im Moment tatsächlich ein sehr starker Zeitpunkt für DALI. Neue Technologien starten oft proprietär, weil Innovation dann schneller möglich ist. Das ist nachvollziehbar. Aber irgendwann kommt der Moment, an dem Standardisierung der nächste logische Schritt ist. Und genau da stehen wir jetzt. IP und drahtlose Kommunikation haben sich entwickelt – und jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sie in einen offenen Standard für die Beleuchtung zu überführen, der breite Akzeptanz findet. Standardisierung ist langsamer als ein Alleingang, weil sich viele einigen müssen. Aber sie ist nachhaltiger. Insofern kommt der regulatorische Druck durch Gebäudegesetzgebung und Sanierungsanforderungen gerade sehr passend.

i-Magazin: Vor allem im Bestand, der ja den Großteil des Marktes ausmacht.

Arnulf Rupp: Genau. Der überwiegende Teil der Gebäude, mit denen wir 2050 noch arbeiten werden, steht heute bereits. Deshalb ist Sanierung so entscheidend. Und hier ist Wireless ein sehr wichtiger Enabler. Natürlich ist es im Bestand oft einfacher, drahtlose Produkte nachzurüsten, als neue Leitungen zu ziehen. DALI ist zwar häufig mit vorhandenen Kabelstrukturen gut realisierbar, aber eben nicht immer. In denkmalgeschützten Gebäuden oder bei bestimmten modernen Bürostrukturen stößt man schnell an Grenzen. Deshalb setzen wir mit DALI stark auf hybride Systeme. Dort, wo bereits eine DALI-Infrastruktur vorhanden ist, kann Wireless sinnvoll ergänzt werden. So entsteht ein gemeinsames Ökosystem aus drahtgebundenen und drahtlosen Komponenten – mit derselben Sprache, denselben Tools und einem ähnlichen Wissensfundament. Genau darin liegt ein großer Vorteil. DALI bleibt in seiner Logik dieselbe Befehlssprache, nur der Träger ändert sich. Bei DALI+ arbeiten wir dafür mit der Thread Group zusammen. Thread ist ein IP-fähiges Mesh-Funkprotokoll mit sehr geringem Energieverbrauch und eignet sich ideal für IoT-Anwendungen im Gebäude.

i-Magazin: Wenn mehrere Gewerke dasselbe Funknetz nutzen – wo liegen die Grenzen? Gibt es da keine Datenstaus oder Kollisionen?

Arnulf Rupp: Man muss zwei Dinge unterscheiden. Erstens: Können sich Protokolle technisch stören? Das wird durch die Protokolldefinition sauber abgefangen. Die Pakete sind verschlüsselt und signiert, sie werden nicht einfach verwechselt. Zweitens: Wie stark wird ein Netz insgesamt ausgelastet? Das ist natürlich ein Planungsaspekt, der künftig wichtiger wird. Aber man darf nicht vergessen: Die Luft und die Frequenzbänder teilen wir uns ohnehin. Wenn jeder sein eigenes Netz im selben Frequenzbereich aufspannt, löst das das Problem nicht – eher im Gegenteil. Ein gemeinsames Netz bietet sogar die Chance, Prioritäten besser zu steuern und Überlastungen sauberer zu managen. Das Teilen von Netzwerken ist daher eher Chance als Risiko.

i-Magazin: Kommen wir noch einmal zur Interoperabilität. In der Praxis hört man oft: Standard ist gut, aber man muss trotzdem genau hinschauen. Wo liegt das größte Missverständnis?

Arnulf Rupp: Das größte Missverständnis ist wohl die Annahme, Interoperabilität bedeute vollständige Austauschbarkeit ohne jede planerische Vorarbeit. So ist es nicht. Man muss natürlich verstehen, welche DALI-Funktionseinheiten ein Gerät unterstützt, welche „DALI Parts“ umgesetzt sind und welche Eigenschaften man im Projekt braucht. Das muss gelesen, verstanden und richtig kombiniert werden. Wenn das sauber geschieht, dann stellt die Zertifizierung sicher, dass es herstellerübergreifend funktioniert. Bei D4i ist die Erwartung an Plug-and-Play tatsächlich noch stärker gerechtfertigt. Dort ist die Funktionsdefinition enger, weil der Anspruch genau dieser ist: in der Leuchte eine klar definierte, sofort zusammenarbeitende Welt zu schaffen. Deshalb unterscheiden wir die Marken auch so klar.

i-Magazin: Zum Abschluss: Wo steht DALI im Jahr 2030?

Arnulf Rupp: DALI wird 2030 noch internationaler sein, als es heute ist. Historisch kommt vieles aus Europa, und hier ist die Durchdringung bereits sehr hoch. Ich glaube, wir werden diese starke Position halten oder sogar weiter ausbauen. Gleichzeitig wird DALI global weiter an Bedeutung gewinnen. Es wird mehr IP-basierte Lösungen geben, mehr Interoperabilität mit anderen Gebäudesystemen und eine stärkere Wahrnehmung bei Planern – nicht nur als Werkzeug für visuelle Qualität, sondern als Instrument, um Interaktivität im Gebäude zu ermöglichen. Genau dorthin wollen wir.

Herr Rupp, vielen Dank für das Gespräch!

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