Mein Haushalt hat eine IT-Abteilung – das bin ich:

Automatisierung im Alltag – Smart, solange ich danebenstehe

von Laura Peichl
von Thomas Buchbauer – Recherche, Konzept und Kuration Foto: © © www.i-magazin.com / mit KI erstellt

Automatisierung soll uns Zeit schenken. In unserem Haushalt hat sie dieses Versprechen auf eine eigenwillige Weise eingelöst: Ich verbringe tatsächlich weniger Zeit mit Rasenmähen, Staubsaugen, Schwimmteichreinigen und dem Aufdrehen von Wasserhähnen. Dafür beschäftige ich mich nun mit Begrenzungsdrähten, Raumkarten, WLAN-Gateways, Softwareständen, App-Abonnements und der philosophischen Frage, ob ein Roboter, der mitten in der Wiese liegen bleibt, eigentlich pausiert oder bereits innerlich gekündigt hat.

Ich bin kein Technikverweigerer. Im Gegenteil: Wenn eine Maschine verspricht, mir Arbeit abzunehmen, gebe ich ihr diese Chance. Wahrscheinlich sogar zu oft. Mein privater Maschinenpark ist inzwischen zu einer Art mittelständischem Unternehmen herangewachsen: Grünraumpflege, Innenreinigung, Wassermanagement, Schwimmteichpflege und elektrische Mobilität. Alle arbeiten digital, alle sind vernetzt und alle haben denselben Geschäftsführer: mich. Einen Geschäftsführer allerdings, der keine Dividende bekommt, sondern Push-Nachrichten.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich die neue Arbeitsteilung, wenn ich auf Urlaub fahre. Mein Roboter-Rasenmäher, ein mechanisch robustes Produkt deutscher Qualitätsarbeit, besitzt offenbar einen Zugang zu meinem Kalender, der zuverlässiger funktioniert als seine Verbindung zur Ladestation. Solange ich zu Hause bin, zieht er demonstrativ seine Bahnen. Kaum bin ich außer Landes, legt er sich hin.

Dann meldet sich der Nachbar: „Du, dein Rasenmäher steht mitten in der Wiese.“ Ich kann in der App nachsehen, dass er nicht arbeitet. Das wusste der Nachbar bereits. Ich kann einen Startbefehl senden, den der Roboter entgegennimmt, um trotzdem stehen zu bleiben. Was ich nicht kann: aus mehreren hundert Kilometern Entfernung hingehen, ihn aus einer Mulde befreien oder jene zwei Zentimeter korrigieren, die zwischen ihm und einer erfolgreichen Ladung in der Ladestation liegen.

Der Roboter ist autonom genug, über den sauber verlegten Begrenzungsdraht hinauszufahren, aber nicht autonom genug, wieder zurückzufinden. Während ich Urlaub mache, macht auch er Urlaub. Bei meiner Rückkehr wartet eine kleine Naturlandschaft auf mich – Biodiversitätsförderung ohne Förderantrag.

Diese zwei Zentimeter zwischen Gerät und Ladekontakt haben in meinem automatisierten Leben eine erstaunliche Bedeutung. Beim Elektroauto entscheidet ein ähnlich kleiner Bereich auf dem Display darüber, ob eine Berührung registriert wird. Beim Bewässerungssystem fehlt nicht die Distanz, sondern der Druck. Und beim Saugroboter fehlt gelegentlich das ganze Haus – zumindest in der App.

Die Beziehung zwischen dem Saugroboter und seiner Anwendung erinnert phasenweise an ein Paar, das jahrelang im selben Gebäude gelebt hat und eines Morgens behauptet, einander noch nie begegnet zu sein. Beide kennen dieselben Räume und haben unzählige Fahrten miteinander absolviert. Trotzdem ist plötzlich die Karte weg.

Wohnzimmer? Unbekannt. Küche? Nie gehört. Schlafzimmer? Dazu liegen keine Daten vor. Die App wirkt wie ein Immobilienmakler, der das Objekt erstmals betritt, obwohl er seit Jahren dafür zuständig ist. Der Roboter ist physisch anwesend, auch die Möbel stehen noch dort, wo sie gestern waren – nur digital hat sich das Haus aufgelöst.

Also wird neu verbunden, kartiert und optimiert. Der Roboter fährt durch sämtliche Räume, als wäre er frisch eingezogen. Ich begleite ihn mit dem Smartphone und einer Geduld, die früher genügt hätte, um selbst zu saugen. Heute verwalte ich eine digitale Gebäudestruktur, benenne Räume und prüfe, ob das Wohnzimmer noch immer Wohnzimmer heißt. Ich bin nicht mehr bloß Bewohner meines Hauses, sondern sein Geodatenbeauftragter.

Eine ähnliche Eigenständigkeit entwickelte der Roboter für den Schwimmteich. Auch er stammt übrigens aus deutscher Produktion und erfüllte seine Aufgabe zunächst durchaus ordentlich. Bis er eines Tages einen deutlichen Rechtsdrall entwickelte – technisch gemeint.

Statt den Teichboden systematisch abzufahren, bewegte er sich fortan in großzügigen Kreisen. Eine kleine Fläche wurde dadurch mit bewundernswerter Gründlichkeit gereinigt. Der übrige Teich blieb von seinem Arbeitseifer weitgehend unberührt.

Der Roboter wirkte wie ein Mitarbeiter, der seine Zuständigkeit sehr eng auslegt: „Dieser Quadratmeter gehört mir. Für den Rest bin ich nicht eingeteilt.“

Nach mehreren Versuchen, Richtungsänderungen und Neustarts blieb nur eine Lösung: wieder manuell saugen. Ich hatte also einen Roboter angeschafft, um den Teich nicht mehr selbst reinigen zu müssen, und reinigte ihn nun selbst, während ich zusätzlich einen Roboter aus dem Wasser holte, überprüfte und wieder einsetzte.

Früher hatte ich nur Arbeit. Heute habe ich Arbeit und ein Gerät, das mir dabei zusieht.

So verwandelt Automatisierung körperliche Arbeit in administrative Arbeit. Man schwitzt weniger, flucht dafür differenzierter.

Volle digitale Kontrolle über zu wenig Wasser

Ähnlich verlief der Schritt in die Zukunft bei meiner Gartenbewässerung. Ausgangspunkt war ein einfacher mechanischer Defekt: Das Ventil des alten Bewässerungscomputers war gebrochen und nicht mehr sinnvoll einzeln zu ersetzen. Also musste ein neues Gerät her. Und wenn man schon tauscht, dachte ich, dann bitte nicht zurück in die Vergangenheit, sondern vorwärts: neuer Computer im Garten, WLAN-Gateway im Haus und eine App auf dem Smartphone. Warum einen Wasserhahn aufdrehen, wenn man auch ein Benutzerkonto anlegen kann?

Die Installation funktionierte. Das Gateway kommunizierte, die App zeigte Geräte an, Zeitpläne ließen sich erstellen. Aus Sicht der Software war der Garten hervorragend versorgt. Nur die Pflanzen hatten offenbar keinen Zugang zur Benutzeroberfläche.

Vor allem die Sprinkler fuhren nicht mehr vollständig aus. Wasser und Leitung waren vorhanden, der Befehl wurde digital erteilt, aber am Ende der Nahrungskette erhoben sie sich nur halbherzig aus dem Boden. Auch der mechanische Verteiler für mehrere Bewässerungskreise war mit der neuen Konstellation nicht mehr glücklich.

Ich befand mich damit in einer bemerkenswerten Situation: Das System war moderner, vernetzter und aus der Ferne erreichbar, konnte seine Kernaufgabe aber schlechter erfüllen. Ich hatte volle digitale Kontrolle über zu wenig Wasserdruck.

Man könnte sagen: Die Bewässerung hat stattgefunden – allerdings ausschließlich in der App.

Der Herstellerservice erklärte sinngemäß, das Ventil des neuen Computers könne den Druck reduzieren. Die praktische Empfehlung lief schließlich darauf hinaus, wieder zur alten technischen Lösung zurückzukehren.

Man muss diesen Ablauf würdigen: Ein mechanischer Defekt zwingt zum Austausch. Der Austausch führt zur neuesten Technik. Die neueste Technik verursacht ein neues Problem. Und die Lösung besteht darin, jene alte Technik wieder einzusetzen, die man gerade ersetzen musste. Das ist kein Produktlebenszyklus mehr, das ist ein Kreisverkehr. Danke, lieber Hersteller.

Das Muster wiederholt sich quer durch Haus, Garten und Garage: Ein Gerät kann digital erreichbar und praktisch dennoch unerreichbar sein. Der Mäher meldet Stillstand, die Saugroboter-App verliert die Karte, die Bewässerung meldet Aktivität ohne genügend Wasser und die Fahrzeug-App verlangt Geld, damit ich den Ladezustand meines Autos sehen darf.

Der Nutzer weiß immer genauer, dass etwas nicht funktioniert – nur hilft ihm das nicht zwingend.

Mechanik mit Meisterbrief, Software in Ausbildung

Das Erstaunliche an meinen Erfahrungen ist, dass die mechanischen Teile häufig tadellos funktionieren. Der Motor dreht, die Räder laufen, das Messer schneidet, die Saugeinheit saugt und das Auto fährt. Gehäuse, Pumpen, Ventile, Fahrwerk und Antrieb vermitteln jene Solidität, für die deutsche und europäische Hersteller zu Recht einen guten Ruf besitzen.

Schwierig wird es oft dort, wo das Produkt mit seiner digitalen Umwelt sprechen muss. Sobald WLAN, Cloud, Benutzerkonto, Kartenmaterial, Touchscreen oder App ins Spiel kommen, scheint ein Teil der technischen Souveränität an der Werkstür abgegeben zu werden. Deutsche Ingenieurskunst kann einen Elektromotor bauen, der jahrelang durchhält. Ob sich die dazugehörige App nach dem nächsten Update noch an ihn erinnert, ist eine andere Disziplin. Der Vorsprung durch Technik endet mitunter dort, wo das WLAN-Passwort eingegeben werden muss.

Das ist keine pauschale Abrechnung mit deutschen Produkten. Mein Rasenmäher mäht, wenn er sich innerhalb seiner persönlichen Komfortzone befindet. Der Saugroboter saugt, solange er sich an die Adresse erinnert. Das Bewässerungssystem steuert tatsächlich Ventile. Und mein Elektroauto fährt seit rund vier Jahren zuverlässig, leise und angenehm.

Gerade weil die physische Qualität stimmt, fällt der digitale Abstand so unangenehm auf.

Das Fahrzeug stammt aus Spanien, gehört familiär allerdings zu einem deutschen Konzern. Man könnte sagen: südländisches Design mit deutschem Konzernpass. Der elektrische Antrieb überzeugt, die Mechanik macht ihren Job. Die Software wirkt dagegen gegenüber aktuellen Lösungen sichtbar gealtert.

Ich tippe auf das zentrale Display. Nichts geschieht. Ich warte. Dann tippe ich ein zweites Mal, worauf das System entweder weiterhin schweigt oder plötzlich beide Eingaben nacheinander ausführt. Man entwickelt dafür eigene Techniken: antippen, Hand zurückziehen, ruhig atmen. Dem Display Raum geben. Vielleicht arbeitet es gerade. Vielleicht möchte es nur nicht unter Druck gesetzt werden.

Besonders deutlich wird der Rückstand bei der Ladeplanung. Navigation, Reichweitenberechnung und sinnvolle Ladestopps gehören bei einem Elektroauto zur Alltagstauglichkeit. Führt das Fahrzeug diese Informationen nicht überzeugend zusammen, übernimmt das Smartphone. Dann sitze ich in einem hoch technisierten Auto und suche auf einem separaten Gerät jene Ladestation, die mir das Fahrzeug selbst zeigen sollte.

Das Auto liefert die Mobilität, mehrere Apps die Logistik – und ich bin die Schnittstelle.

Neue Modelle greifen inzwischen auf modernere Softwaretechnologien zurück. Das ist erfreulich, wirft aber die Frage auf, was mit jenen Kunden geschieht, deren mechanisch einwandfreie Fahrzeuge noch viele Jahre im Einsatz sein werden. Ein vier Jahre altes Auto darf nicht digital den Eindruck vermitteln, seine besten Zeiten in einer Epoche erlebt zu haben, in der Faxgeräte als vernetzt galten.

Umfassendere Over-the-Air-Updates könnten zumindest Teile dieses Problems entschärfen. Niemand kann erwarten, dass ein älteres Auto durch ein Update zum neuesten Modell wird. Bedienung, Ladeplanung, Karten und Fehlerbehebungen sollten sich über die Lebensdauer jedoch weiterentwickeln. Ein langlebiges Produkt darf nicht mit dem Softwarestand seines Auslieferungstages eingefroren werden, während rundherum die digitale Welt weiterzieht.

Andere Nationen haben bei Software, Bedienung und Vernetzung längst gleichgezogen oder sind in manchen Bereichen vorbeigezogen. Digitales Versagen besitzt freilich keinen Reisepass. Auch internationale Apps verlieren Verbindungen und Roboter verirren sich. Aber klassische Ingenieurskunst ist eben kein Schutzschild gegen schlechte Bedienbarkeit.

Die europäische und insbesondere die deutsche Autoindustrie hat das inzwischen erkannt und investiert massiv in neue Plattformen und Softwarearchitekturen. Der Druck aus China hat deutlich gemacht, dass ein Fahrzeug heute nicht nur durch Antrieb, Fahrwerk und Verarbeitungsqualität definiert wird. Software, Vernetzung, Geschwindigkeit der Weiterentwicklung und die gesamte Nutzererfahrung sind Teil des Produkts geworden.

Ein perfektes Fahrwerk kann ein träges Display nicht vollständig ausgleichen. Ein guter Antrieb ersetzt keine intelligente Ladeplanung. Und ein bekannter Markenname beantwortet nicht die Frage, weshalb ein Kunde nach wenigen Jahren erneut bezahlen soll, um den Ladezustand seines eigenen Autos auf dem Smartphone zu sehen.

Gekauft – aber nur drei Jahre lang vollständig erreichbar

Besonders kreativ wird das digitale Geschäftsmodell nach drei Jahren. So lange waren bestimmte Online- und App-Funktionen meines Elektroautos offenbar im Kauf enthalten. Danach lief die Nutzung aus. Das Auto stand weiterhin vor dem Haus. Die Batterie befand sich noch an derselben Stelle. Auch die Kommunikationshardware war nicht über Nacht ausgebaut worden. Nur die digitale Beziehung zwischen Fahrzeug und Eigentümer verlangte plötzlich nach einer Vertragsverlängerung.

Wer weiterhin aus der Ferne sehen möchte, ob das Auto lädt, wie hoch der Ladestand ist oder ob der gewünschte Wert erreicht wurde, muss bezahlen.

Natürlich verursachen Server, Datenübertragung, Sicherheit und App-Entwicklung laufende Kosten. Das ist ein legitimes Argument. Niemand kann verlangen, dass jede neu entwickelte Zusatzleistung bis ans Ende aller Tage kostenlos bleibt.

Nur reden wir hier nicht über ein Unterhaltungsprogramm oder digitale Sitzbezüge in Weihnachtsoptik. Es geht um die Frage, ob mein Auto gerade lädt. Um den Ladezustand. Um die Information, ob es für die nächste Fahrt bereit ist.

Das sind bei einem Elektroauto keine exotischen Bonusfunktionen. Genau dafür wurde die Fernverbindung geschaffen. Wird sie nach drei Jahren kostenpflichtig, fühlt es sich an, als müsste man nach dem Hauskauf eine Gebühr zahlen, um weiterhin durch das Fenster sehen zu dürfen, ob im Keller das Licht brennt.

Beim Rasenmäher ist die Situation fast umgekehrt: Die App teilt mir kostenlos mit, dass das Gerät mitten in der Wiese steht. Nur nützt mir diese Information im Urlaub wenig. Beim Auto könnte mir die Information sehr wohl nützen, wird aber kostenpflichtig. Der eine Dienst liefert kostenlose Hilflosigkeit, der andere kostenpflichtige Gewissheit.

Man kann das Connected Service, digitales Ökosystem oder laufende Wertschöpfung nennen. Das klingt in einer Vorstandspräsentation zweifellos besser. Aus meiner Sicht fühlt es sich dennoch wie eine Art digitale Abzocke an: Das Auto ist bezahlt, die Technik ist eingebaut, aber der Blick auf zentrale Fahrzeugdaten wird nach wenigen Jahren zum Zusatzprodukt.

Die schlichte Frage lautet: Habe ich das Auto gekauft – oder für drei Jahre auch das Recht erworben, vollständig mit ihm zu kommunizieren?

Ähnliche Fragen stellen sich bei den anderen Geräten. Wem gehört die Raumkarte, wenn sie aus der App verschwindet? Wie unabhängig ist die Bewässerung ohne Gateway oder Cloud? Wie lange bleibt ein Mäher smart, wenn seine Anwendung nicht mehr unterstützt wird? Der Gegenstand gehört dem Kunden. Seine Intelligenz wohnt jedoch oft zur Miete auf fremden Servern.

Hersteller sollten deshalb klar erklären, wie lange Apps, Fernfunktionen, Updates und Cloud-Dienste enthalten sind, was danach kostet und was ohne Zahlung wegfällt. Nicht irgendwo im Kleingedruckten, sondern dort, wo die Kaufentscheidung fällt. Die digitale Lebensdauer ist heute ebenso wichtig wie Garantie, Reichweite oder Wartungsintervall.

Denn Nachhaltigkeit endet nicht beim Material. Ein Gerät ist nicht nachhaltig, nur weil sein Motor zehn Jahre halten könnte. Es muss auch nach zehn Jahren sinnvoll bedienbar sein. Reparierbarkeit betrifft nicht mehr nur Ventile, Messer und Displays, sondern auch Softwarezugänge, Schnittstellen und die Frage, ob ein Produkt ohne die Cloud seines Herstellers noch mehr kann, als dekorativ herumzustehen.

Wer arbeitet hier eigentlich für wen?

Es wäre trotzdem billig, sich pauschal über alles „Smarte“ lustig zu machen. Vernetzte Bewässerung bietet Vorteile, ein funktionierender Saugroboter spart Arbeit, ein zuverlässiger Mäher hält die Grünfläche in Schuss und ein Elektroauto ist in vielerlei Hinsicht ein überzeugendes Fahrzeug. Automatisierung ist faszinierend, gerade weil sie häufig funktioniert.

Das Problem beginnt dort, wo der Ausnahmefall zum fixen Bestandteil des Bedienkonzepts wird.

Ein wirklich smartes System müsste nicht nur im Prospekt und während der ersten Wochen intelligent wirken. Es müsste auch nach Jahren noch verständlich, erreichbar und wartbar sein. Es müsste Fehler so erklären, dass ein normaler Nutzer daraus eine Handlung ableiten kann. Und es müsste autonom genug sein, dass sein Besitzer nicht ständig danebenstehen muss, um seine Selbstständigkeit zu ermöglichen.

Ich wünsche mir deshalb keine Rückkehr zum rein Mechanischen. Ich möchte meinen Rasen nicht wieder selbst mähen, nur um dem Roboter eine Lektion zu erteilen. Ich habe auch nicht vor, den Saugroboter durch einen Besen zu demütigen oder die Bewässerung künftig mit der Gießkanne zu organisieren. Und ich möchte mein Elektroauto nicht gegen einen Verbrenner tauschen, nur weil dessen Tankanzeige ohne Jahresabo funktioniert.

Ich möchte lediglich, dass Automatisierung ihr Versprechen einlöst: Arbeit nicht bloß verschiebt, sondern tatsächlich abnimmt. Dass Apps ihre Geräte nicht ständig neu kennenlernen müssen. Dass Updates Produkte verbessern, statt sie digital zurückzulassen. Und dass ein Eigentümer nicht Eintritt zahlen muss, um in den Maschinenraum seines bereits bezahlten Autos zu blicken.

Denn derzeit sieht mein Alltag gelegentlich so aus: Der Rasenmäher wartet mitten in der Wiese auf Bergung. Der Saugroboter sucht nach der Erinnerung an mein Wohnzimmer. Die Sprinkler warten auf genügend Druck. Der Teichroboter zieht unterdessen mit verlässlichem Rechtsdrall seine Kreise und reinigt mit bewundernswerter Ausdauer immer dieselbe Stelle. Das Auto ist möglicherweise vollständig geladen, aber die verbindliche Auskunft dazu befindet sich hinter einer Bezahlschranke. Alle Geräte sind intelligent. Nur keines fühlt sich zuständig.

So bin ich zum Hausmeister meiner Automatisierung geworden. Ich trage keinen grauen Arbeitsmantel und keinen riesigen Schlüsselbund, sondern ein Smartphone mit zu vielen Apps. Wenn früher im Haus etwas nicht funktionierte, brauchte man Werkzeug. Heute braucht man zunächst die E-Mail-Adresse, mit der das Benutzerkonto angelegt wurde.

Vielleicht ist das die eigentliche Pointe unserer smarten Welt: Wir wollten Geräte, die uns Arbeit abnehmen. Bekommen haben wir welche, die erst unsere Hilfe brauchen, bevor sie ihre Arbeit dann tatsächlich erledigen; oder auch nicht.

Und sollte eines Tages tatsächlich die künstliche Intelligenz die Herrschaft übernehmen, sehe ich der Sache gelassen entgegen. Sie muss vorher nur noch ihre Ladestation finden, sich mit dem WLAN verbinden, die verschwundene Karte neu laden, für ausreichend Wasserdruck sorgen und ihr App-Abonnement verlängern.

Bis dahin bleibe wohl ich der intelligenteste Teil des Systems – nicht, weil ich alles besser kann, sondern weil ich als Einziger weiß, wo die Reset-Taste ist.

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