Die Aussagen von Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer im gestrigen Zeit im Bild 2-Interview haben in der Erneuerbaren-Branche für breite Verwunderung gesorgt. Zahlreiche Behauptungen des Ministers entsprechen weder der Realität am Energiemarkt noch den technischen und regulatorischen Grundlagen des Stromsystems. Die Branche nimmt daher einen umfassenden Faktencheck vor – und stellt klar: Populistische Kurzschlussargumente ersetzen keine sachliche Energiepolitik.
Tausende Privatpersonen und hunderte Unternehmen laufen seit Jahren für eine sichere und heimische Stromerzeugung. Die Erneuerbaren mahnen zu Respekt und Ernsthaftigkeit abseits von PR- Lärm. Es werden hier altmodische, fossile Erzählungen aus der Vergangenheit – auch durch Interessenvertretungen – bedient, die längst überholt sind und der Versorgungssicherheit schaden.
Strompreise lassen sich nicht politisch herbeireden
Marktpreise folgen wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten – nicht politischen Parolen. Echte Entlastung entsteht nur durch geringere Abgaben, stabile Rahmenbedingungen sowie den Ausbau heimischer erneuerbarer Produktion und nicht durch kontinuierliche, neue erratische Belastungen und politisches Risiko für die Investitionen. Dauerhaft niedrigere Preise gibt es durch mehr Angebot, effiziente Netze und weniger Importabhängigkeit – nicht durch PR-Ansagen oder nationale Aufschläge.
Netzkosten steigen, weil jahrelang zu wenig investiert wurde – nicht wegen Erneuerbarer
Von „explodierenden Netzkosten“ zu sprechen ist sachlich falsch. Der notwendige Ausbau ist das Ergebnis jahrzehntelanger Investitionspausen. Die Netzinfrastruktur von heute basiert auf wichtigen Investitionen unserer Eltern und Großeltern im Wissen um den Wert für die Zukunft. Dieses Erbe zu bremsen wäre ein energiepolitischer Fehler: Weder Netz- noch Erneuerbaren-Ausbau dürfen „abgedreht“ werden. Netzkosten sind streng reguliert, müssen genehmigt werden und sind in manchen Netzgebieten sogar gesunken. Alarmismus hilft niemandem – effiziente Netzplanung und moderne Finanzierung sehr wohl.
Erzeuger zahlen bereits jetzt substanzielle Netzkosten
Die Behauptung, Erzeuger würden das Netz gratis nutzen, ist grober Unfug. Anschlusskosten, Infrastrukturbeiträge, Verlustenergie und laufende Entgelte – all das leisten Anlagenbetreiber heute bereits in hohem Umfang. Zudem senkt mehr erneuerbare Erzeugung die Großhandelspreise, wovon Haushalte und Unternehmen profitieren.
Abregelungen sind ein Netzproblem – kein Erzeugerproblem
Wenn Wasserkraftwerke temporär abgeregelt werden, zeigt das nur eines: Der Netzausbau hinkt hinterher. Überproduktion ist ein normales Marktsignal und fördert Investitionen in Speicher und Flexibilitäten. Ursache und Wirkung zu verwechseln, lenkt von den wirklichen Versäumnissen ab. Flexibilisierung und Speicher brauchen mehr Tempo und keine Ideologie.
Physik wird nicht ignoriert – Verfahren sind streng und technisch präzise
Jede erneuerbare Anlage durchläuft detaillierte technische Prüfungen. Niemand baut gegen physikalische Gesetzmäßigkeiten. Das Problem ist nicht eine missachtete Physik, sondern ein zu langsames und zu mühsames Genehmigungssystem – sowie eine Netzinfrastruktur, die der Energiewende hinterherläuft. Österreichs Genehmigungsaufwand und -kosten sind europaweit einzigartig – und ein zentraler Kostentreiber. Dennoch liegen dafür bis heute keine wirksamen Entlastungsmaßnahmen auf dem Tisch.
Blackoutprävention ist europäisch geregelt – nicht politisch erfunden
Netzsicherheit basiert auf europäischen Standards, täglicher internationaler Koordination und modernster Regeltechnik. Kein nationales Gesetz verhindert Blackouts – aber moderne Netze, Speicher und professionelle Netzführung. Die österreichische Netzstabilität ist auf Rekordniveau. Dafür gibt es in Österreich professionelle Akteure, die sich eng mit Erzeugern abstimmen. Hier dürfen keine Ängste geschürt werden.
Fazit: Weniger Schlagzeilen, mehr Substanz
Wer die Energiewende ernst meint, setzt auf Stabilität statt Symbolpolitik. Die Branche fordert daher:
- verlässliche Regeln und Planbarkeit für Investitionen
- schnelleren Netzausbau
- forcierte Speicher- und Flexibilitätslösungen
- Stärkung heimischer, erneuerbarer Erzeugung
- Entlastung bei Steuern und Abgaben
- Mehr Sachlichkeit und Austausch, statt ideologischer Grabenkämpfe
Nur so wird Energie in Österreich langfristig günstiger, sicherer und unabhängiger – durch faktenbasierte Politik, nicht durch populistische Mythen.
Quelle: APA-Comm
1 Kommentar
Es ist eine Mogelpackung! Netz Entgelt wird von PV Anbieter über Gebühr verlangt. Diese Betreiber werden in der Nacht als Konsument eingestuft und bezahlen für ca. 3 kWh Jahresverbrauch ca € 150,-. Das wird noch teurer, wenn diese PV Betreiber nun für den gelieferten Strom zusätzlich Netz Gebühr bezahlen müssen. Die Netzbetreiber kassieren so für den Strom doppelt! Nun bezahlen Strom Bezieher und Strom Erzeuger die Netz Gebühr! Die Netzbetreiber kassieren also die doppelten Netz Gebühr, ohne nur einen Finger zu rühren. Die Anschaffung der Strom Tarife bezogen auf den Gas Strompreise wird ebenso nicht abgeschafft. Es wird nur noch teurer und der Bürger wir über den Tisch gezogen. Der Konsument hat keine Lobby und wird von schönen Worten geblendet. Auch E-control Schütz die Konsumenten zu wenig. Sitzen in ihren Gremien keine Konsumenten sondern vorwiegend EVU und Netz Vertreter. Das Österreich Strom System wird immer mehr ein Abzocker System, bei dem nur die E Wirtschaft gewinnt. Nachdem die meisten EVU dem Staat bzw. den Länder gehört, wird der Staat die meisten Gewinne einfahren, ohne tatsächlich die Konsumenten zu entlasten. Ein perfides System zum Schaden der Bürger. Echte Entlastung schaut anders aus.