Netzinfrastruktur Niederösterreich:

Netz NÖ 2025: PV wächst, Speicher boomt, massenhaft E-Ladestationen

von Thomas Buchbauer
von David Lodahl – Recherche, Konzept und Kuration

Der Umbau des Energiesystems wird in Niederösterreich zunehmend an den Netzen sichtbar: Photovoltaik wächst weiter, Batteriespeicher werden zum neuen Normalfall – und gleichzeitig steigen die Anschlussbegehren für Ladeinfrastruktur und energieintensive Großverbraucher. Netz Niederösterreich zieht für 2025 eine Zwischenbilanz und verortet die Herausforderung klar bei Planung, Ausbau und Digitalisierung.

Der Wandel ist längst nicht mehr nur eine Debatte über Erzeugung. Er ist eine Frage der Infrastruktur. Netz Niederösterreich beschreibt das Jahr 2025 als Phase, in der Kundinnen und Kunden aktiver Teil der Transformation sind – und der Netzbetreiber die Bedingungen schaffen muss, damit Erneuerbare, Speicher und neue Lasten im System handhabbar bleiben.

„Der Wandel der Energiewirtschaft ist gerade voll im Gange. Kundinnen und Kunden stellen darin einen aktiven Teil dar, ebenso wie wir als Netzbetreiber. Wir arbeiten daran, die Energiezukunft durch den Ausbau der Infrastruktur und verstärkt durch den Einsatz intelligenter Systeme und Digitalisierung zu ermöglichen“, sagt Werner Hengst, Geschäftsführer von Netz Niederösterreich, rückblickend auf 2025. Gleichzeitig bleibe der Kern der Aufgabe unverändert: Die Transformation „weg von fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren Energieträgern“ erhöhe die Anforderungen an die Netze.

Photovoltaik bleibt Wachstumstreiber – insgesamt über 130.000 Anlagen im Netz
Photovoltaikanlage auf einem Einfamilienhausdach in Niederösterreich als Teil des PV-Ausbaus 2025

Photovoltaikanlagen auf Hausdächern prägen zunehmend das Bild der Energieversorgung in Niederösterreich.

Nach dem Rekordjahr 2023 hat sich die Zuwachsrate bei Photovoltaik laut Netz Niederösterreich 2025 zwar „etwas abgeflacht“, dennoch entschieden sich im vergangenen Jahr knapp 12.000 niederösterreichische Haushalte neu für PV – das entspreche einem Zuwachs von rund 10 Prozent. Insgesamt speisen damit mehr als 130.000 PV-Anlagen in das Netz der Netz NÖ ein.

Auffällig ist dabei die Verschiebung vom reinen PV-Zubau hin zur Eigenoptimierung: Die Kombination aus PV-Anlage und Speicher wird laut Netzbetreiber für private Haushalte „immer beliebter“.

Speicheranfragen als Systemthema: 6.000 MW in der Pipeline

Die markanteste Kennzahl der Jahresbilanz kommt aus dem Speichersektor. Netz Niederösterreich nennt für 2025 rund 25.000 Anfragen für kleinere und Großbatteriespeicher. Gleichzeitig liege die Summe der aktuell vorliegenden Speicheranfragen bei knapp 6.000 MW.

Die Relation verdeutlicht die Dimension, in der sich das Thema bewegt: Als Vergleich nennt Netz NÖ einen maximalen Strombedarf von Niederösterreich von 1.600 MW. Entscheidend ist dabei: Es handelt sich um Anfragen, nicht um bereits realisierte oder verbindlich angeschlossene Anlagen – für Netzplanung, technische Bewertung und Abwicklung entsteht dennoch ein erheblicher Aufwand, weil Kapazitäten im System gedacht, geprüft und in Ausbaupfade übersetzt werden müssen.

Verbraucherseite zieht nach: Ladeinfrastruktur und Rechenzentren

Parallel zur Einspeisung steigen die Anforderungen auch auf der Lastseite. Netz Niederösterreich berichtet, dass sich die Zahl der Anfragen für E-Ladestationen 2025 auf 2.500 verdreifacht habe. Zusätzlich liegen dem Netzbetreiber Anfragen für energieintensive Rechenzentren über rund 1.800 MW zur Bearbeitung vor.

Damit trifft ein dezentraler Erzeugungs- und Speichertrend auf neue, teils konzentrierte Großlasten – eine Kombination, die Netzdimensionierung und Projektpriorisierung komplexer macht. Denn die Engpasslogik im Verteilnetz entsteht nicht nur an einem Ort, sondern entlang vieler Netzebenen: vom Hausanschluss über Ortsnetze bis zur Umspannwerksebene.

Ausbau und Modernisierung: Trafostationen, Kabel und Umspannwerke

Netz Niederösterreich verknüpft die Bilanzzahlen mit einem Ausbaunarrativ, das vor allem auf Trafos, Leitungen und Umspannwerke zielt. Für 2025 werden genannt:

  • 700 neue Trafostationen
  • Verlegung von rund 1.000 km Mittel- und Niederspannungskabel
  • Abschluss der Arbeiten an sechs Umspannwerken
  • Eröffnung von fünf neuen Umspannwerks-Baustellen

Beim Blick nach vorne wird ein klarer Zielkorridor definiert: „Bis 2034 planen wir als Netz NÖ 55 Umspannwerke neu zu bauen beziehungsweise zu modernisieren“, sagt Harald Dammerer, Geschäftsführer von Netz Niederösterreich.

Hochspannung als Rückgrat: Leitung Ernsthofen–Haag fertig, weitere Projekte laufen

Auch auf der Hochspannungsebene nennt Netz NÖ konkrete Meilensteine. Eine neue Hochspannungsleitung von Ernsthofen nach Haag sei fertiggestellt, eine Leitung von Wasenbruck nach Wiener Neustadt habe begonnen. Darüber hinaus seien sieben weitere Hochspannungsleitungen aktuell in Planung.

Bauen unter realen Bedingungen: Sprengarbeiten im Kamptal

Dass Netzausbau nicht nur eine Frage von Plänen und Genehmigungen ist, zeigt ein Detail aus dem Kamptal: In der Nähe des alten Kraftwerks am Fuße der Burg Krumau musste für ein neues Umspannwerk zunächst eine ausreichend ebene Fläche geschaffen werden – laut Netz NÖ inklusive Sprengarbeiten „durch den Waldviertler Granit“.

Zahlen im Überblick (Netz Niederösterreich, Jahr 2025)
  • PV-Neuinstallationen: knapp 12.000 (rund +10 %)
  • PV-Anlagen im Netz gesamt: mehr als 130.000
  • Speicheranfragen (klein & groß): rund 25.000
  • Speicheranfragen gesamt (Leistung): knapp 6.000 MW
  • Max. Strombedarf Niederösterreich (Vergleichswert): 1.600 MW
  • Anfragen E-Ladestationen: 2.500 (verdreifacht)
  • Anfragen Rechenzentren (Leistung): rund 1.800 MW
  • Neue Trafostationen: 700
  • Neue Kabel (MS/NS): rund 1.000 km
  • Umspannwerke: 6 abgeschlossen, 5 neue Baustellen
  • Ziel bis 2034: 55 Umspannwerke neu/modernisiert
  • Hochspannung: Ernsthofen–Haag fertig, Wasenbruck–Wr. Neustadt begonnen, 7 in Planung

Quelle: Netz Niederösterreich

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