Green Deal und unser Leben und unsere CHANCEN mit IT (Teil 2):

Kampf dem Gender Pay Gap

von David Lodahl
Foto: © (Bild: Pixabay)

Den Tag, an dem ich diese ICT-Kolumne schreibe, es ist der 25. Oktober 2021, kennt man auch als Gender Pay Gap-Tag. Gender Pay Gap bedeutet, ab heute arbeiten alle berufstätigen Frauen in Österreich bis zum Ende des Jahres gratis! Warum?

Frauen verdienen noch immer deutlich weniger als Männer – aktuell noch immer –18,5%. Umgerechnet auf das gesamte Tätigkeitsjahr 2021 ergibt dies für Frauen somit den 25.10.2021. Als ich zu arbeiten begann, lag der Gender Pay Gap bei über 25 % minus. Leider schließt sich trotz Bewusstseinsänderung und Bestrebungen von Gleichsetzung zwischen männlicher und weiblicher Erwerbsarbeit die Einkommensschere noch immer viel zu langsam. Im EU-Vergleich sind wir sogar unter den 5 Ländern mit den größten Gehaltsunterschieden. Bei Beibehaltung des Tempos der letzten 10 Jahre erreichen wir in Österreich erst 2054 Geschlechtergerechtigkeit beim Einkommen!

Es ist höchste Zeit, dass Frauen für ihre Erwerbsarbeit gleich entlohnt werden und ihre unbezahlte Arbeit wirtschaftlich und gesellschaftlich endlich angemessen anerkannt wird. Eine der größten Chancen für Mädchen und Frauen, den Gender Pay Gap rascher und radikal zu eliminieren, bietet ausgerechnet die IT und der GREEN DEAL, der das  SEIP-Budget[1] der EU-Kommission bis 2030  für dementsprechende Investments[2] und daraus resultierende neue Jobs (siehe ICT-Kolumne Teil 1, i-Magazin 10/2021) beisteuert.

Hochqualifizierte Arbeitsplätze müssen auch mit entsprechend aus- und weitergebildeten Techniker*innen besetzt werden (können). Hierzu ist bereits die spielerische Heranführung unserer Töchter und Enkelinnen an elektronische Vorgänge und Tools ein erster Schritt. Schön, wenn Ken Barbie die Koffer trägt. Barbie kann aber auch das Ken-Motorrad, den Ken-Campingbus, den Ken-Beach-Cruiser fahren und vor allem reparieren! Auch Mädchen wollen und können mit technischem Werkzeug hantieren, wenn sie dazu animiert und entsprechend gefördert werden. Nie werde ich meine frühen Kindheitsnachmittage in der Zimmermannswerkstätte meines Opas vergessen. Der Geruch nach frisch bearbeitetem Holz und Leim. Er ließ mich bereits mit fünf mit Hammer, 100er-Nägeln, Schraubstock, Hobel & Co hantieren. Dass sich meine Technikaffinität in meinen Beruf umlegen ließ, hätte ihn unglaublich stolz gemacht, sehe ich, ihn erinnernd, an seinem Schmunzeln, während er an seiner alten Pfeife zieht.

Über den noch schneller voranzutreibenden Prozess der Vermittlung digitaler Kompetenz in unserem Bildungswesen habe ich schon oftmals hingewiesen. Die vor wenigen Tagen bekanntgewordene politische Sabotage aus dem Jahr 2017 von 1,2 Mrd. € (!) für den Rechtsanspruch auf österreichweiter Nachmittagsbetreuung unserer Kinder und der darin enthaltenen digitalen Ausstattung von Schulen bringt mich nahezu in Rage! Welch‘ vertane Chance für eine ganze Schüler*innen-Generation (4 Jahrgänge!).

Beruflicher Scheideweg mit 14 ist noch immer ein sehr früher. Eine hier falsch getroffene Ausbildungs- oder Berufswahl ist keine Katastrophe. Wechsel in andere Ausbildungs- und Berufszweige muss unproblematisch möglich sein. Daher ist es auch wichtig, eine Ausbildungsgarantie bis 25 sicherzustellen.

Die IT/ICT bietet neben den traditionellen Rollen wie Systemadministration, Netzwerktechniker*in, 1st, 2nd, 3rd Level-Support und vielfältigsten Programmier-Aufgaben mittlerweile jede Menge an neuen digitalen Schnittstellen, welche Fachwissen der IT-Grundlagen und Netzwerk-Topologien voraussetzen, dann jedoch grenzenlos einsetzbar sind. Überall dort, wo IP-basierte Dienste zur Anwendung kommen. In der Gebäudeleittechnik (TGA-IT), hier werden Raumtemperatur- Klima- und Lichtkonzepte, Warm-/Kaltwasserverbräuche, Energiemanagement, Zutrittskontrollen und -berechtigungen u. dgl. digital gesteuert und müssen entsprechend den Nutzerwünschen programmiert, getestet, in Betrieb genommen und fortlaufend serviciert und gewartet werden, optimal via Remote-Zugriff. Bei der Parkraumbewirtschaftung kommen zur Ein-/Ausfahrts-Kommunikation und -Kontrolle auch diverse Billingsysteme zum Einsatz, welche digital vernetzt verarbeitet werden müssen. Sicherheitskonzepte und Außenhautschutz von Gebäuden benötigen Alarmanlagen, Alarmserver, Video over IP in-/outdoor, Schließanlagen on/offline. Alert Systeme wie Brandmeldeanlagen oder im Health and Social Care-Bereich benötigte Schwestern-Rufanlagen, Medizintechnik (MedIT), Laboreinrichtungen, bildgebende Diagnostik – alle diese und noch viel mehr Systeme der Industrie (IoT) und Energie-Gewinnung und -Vermarktung benötigen IP-Anbindung.

Die vielfältigen Aufgaben umfassen Schreibtischarbeit (beraten, planen, kalkulieren, entwerfen, dokumentieren, programmieren, Remote-Zugriffe etc.) genauso wie  Arbeiten vor Ort bei den Anlagen selbst (anschließen, programmieren, IBS [in Betrieb setzen], Testabläufe, Abnahmeprocedere mit Behörden und/oder Bauherren usw.). Hierbei ist aber bereits jede Bautätigkeit so weit vorangeschritten, dass zumindest witterungsgeschützt und weitestgehend staubfrei in den technischen Steuerungszentralen gearbeitet werden kann.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass es für Mädchen und Frauen in technischen Berufen oftmals sogar weniger abfällige Bemerkungen oder Kommentare gibt, als in althergebrachten und von außen als seriös geltenden Branchen und Berufsfeldern. Denn wenn eine junge Frau sich für einen Technikberuf entscheidet, sich der schweren Ausbildung stellt und ihren Job gerne und gut macht, dann zeigen die männlichen Kollegen (bis auf wirklich einzelne Ausnahmen) Respekt und Anerkennung auch in sehr kollegialem Verhalten und nicht zuletzt die Chef*innen auf einem m/w gleichwertigen Gehaltszettel!

Special Bid für Ihre Töchter (Enkelinnen, Nichten und sonstige junge weibliche Verwandte)

Für Fragen zu und über »Ausbildungsmöglichkeiten, Jobchancen für Mädchen und Frauen in der IT« halte ich sehr gerne einen 90-minütigen GRATIS-Online-Workshop für bis zu 10 Teilnehmerinnen für Leser*innen des i-Magazins (Hardcopy, online und Blog) ab. Schreiben Sie mir, Kennwort: »Workshop ICT-Kolumne im i-Magazin« zwecks Terminvereinbarung. Ich freue mich drauf, xund bleiben, bitte!

Herzlich, Ihre

  • Rudolfine Zachbauer-Zick
  • techART e.U.
  • Hetzendorfer Straße 103/2/19, 1120  Wien
  • +43664 413 4771
  • rzz@techart.co.at
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