EY Klimaschutz Barometer 2026: Umfrage zu Wahrnehmung und Prioritäten:

Klimasorge bleibt hoch, doch Alltagsthemen dominieren

von David Lodahl
Foto: © EY

Der Klimawandel wird von der Mehrheit der Bevölkerung in Österreich als reales Risiko wahrgenommen. Zugleich zeigt das EY Klimaschutz Barometer 2026 eine deutliche Lücke zwischen grundsätzlicher Sorge und politischer Prioritätensetzung: Klima- und Umweltschutz bleibt für viele wichtig, wird aber von akuten Alltagsthemen überlagert.

Für die Erhebung befragte Triple M im Auftrag von EY 1.000 Personen zwischen 16 und 79 Jahren. Die Befragung fand von 12. bis 19. August 2026 statt und fiel damit in eine ausgeprägte Hitzeperiode.

16 Prozent zweifeln am Klimawandel oder sind unentschieden

Zehn Prozent der Befragten halten den Klimawandel laut Studie für nicht existent. Weitere sechs Prozent zeigen sich unentschieden. Damit ist rund jede sechste befragte Person nicht eindeutig von der Existenz des Klimawandels überzeugt.

Unter jenen, die den Klimawandel für real halten, ist die Sorge vor den Folgen für Österreich stark ausgeprägt. 73 Prozent dieser Gruppe machen sich sehr oder eher große Sorgen. Überdurchschnittlich hoch ist die Besorgnis laut Erhebung bei Frauen, bei 16- bis 29-Jährigen, bei Befragten aus Wien sowie bei Personen mit Matura.

Auch die Erwartung künftiger Auswirkungen ist deutlich: 79 Prozent jener Befragten, die den Klimawandel für real halten, rechnen damit, dass Österreich in den kommenden zehn Jahren stark oder sehr stark betroffen sein wird. Nur ein Prozent dieser Gruppe geht davon aus, dass der Klimawandel keine starken Auswirkungen auf Österreich haben wird.

Dürre, Wasserknappheit und Hitze im Fokus

Bei den konkret erwarteten Folgen steht die Wasserfrage an erster Stelle. 75 Prozent der Befragten sehen Dürre und Wasserknappheit als große oder sehr große Gefahr für Österreich. Extreme Hitze folgt mit 63 Prozent.

Weitere häufig genannte Risiken sind steigende Lebenshaltungskosten infolge klimabedingter Entwicklungen sowie Waldbrände, die jeweils von 49 Prozent als große oder sehr große Gefahr eingestuft werden. Die Ergebnisse zeigen damit, dass Klimafolgen nicht nur als ökologisches, sondern auch als wirtschaftliches und infrastrukturelles Thema wahrgenommen werden.

Bei der Einschätzung der Ursachen gibt es Unterschiede: 55 Prozent führen den Klimawandel überwiegend auf menschliches Handeln zurück. 38 Prozent sehen eine Kombination aus natürlichen und menschlichen Einflüssen. Sechs Prozent halten ihn für überwiegend natürlich bedingt.

Klima- und Umweltschutz nur auf Platz fünf der politischen Themen

Trotz der hohen Sorge zählt Klima- und Umweltschutz nicht zu den am häufigsten genannten politischen Top-Prioritäten. 28 Prozent der Befragten ordnen das Thema unter die drei wichtigsten politischen Anliegen ein. Häufiger genannt werden die Bekämpfung von Teuerung und Inflation mit 51 Prozent, der Ausbau des Gesundheits- und Pflegesystems mit 43 Prozent, die Reduktion von Zuwanderung mit 40 Prozent sowie leistbares Wohnen mit 33 Prozent.

Willibald Kaltenbrunner, Partner bei EY Denkstatt, interpretiert diese Verschiebung als Ausdruck akuter Belastungen: „Dass Klimaschutz im Themenranking hinter Teuerung, Gesundheit und Wohnen liegt, bedeutet nicht, dass er den Menschen weniger wichtig wäre. Vielmehr zeigt sich ein klassisches Muster: Akute Kostensorgen drängen sich vor ein Thema, dessen Folgen viele erst mittelfristig im eigenen Alltag spüren. Die hohe Zustimmung zu mehr politischem Engagement zeigt, dass die Erwartungshaltung an eine konsequente Klimapolitik ungebrochen ist.“

Erwartungen an Politik und Unternehmen

Bei der Verantwortung für Klima- und Umweltschutz sehen die Befragten vor allem die Politik in der Pflicht. 44 Prozent nennen sie als wichtigsten Akteur. Unternehmen folgen mit 24 Prozent, die Bevölkerung selbst mit 21 Prozent.

73 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, Klima- und Umweltschutz künftig höher zu priorisieren. Bei den erwarteten Maßnahmen steht die Anpassung der Infrastruktur an die Folgen des Klimawandels mit 59 Prozent an erster Stelle. 49 Prozent nennen eine stärkere Förderung erneuerbarer Energien, 46 Prozent wünschen sich klare und langfristig planbare Rahmenbedingungen für Unternehmen.

Für die Energie- und Gebäudetechnikbranche sind diese Punkte relevant, weil sie zentrale Handlungsfelder betreffen: klimaresiliente Infrastruktur, erneuerbare Erzeugung, Versorgungssicherheit und verlässliche Investitionsbedingungen. Die Umfrage liefert damit auch Hinweise darauf, welche energiepolitischen Themen in der öffentlichen Wahrnehmung anschlussfähig bleiben.

Kaltenbrunner sieht darin auch eine Standortfrage: „Bemerkenswert ist, dass die Bevölkerung nicht nur mehr Engagement fordert, sondern sehr konkrete Erwartungen hat. Gefragt sind Investitionen in Infrastruktur, der Ausbau erneuerbarer Energien und verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen. Klimapolitik wird damit zunehmend auch als Standort- und Wettbewerbsfrage wahrgenommen.“

Politische Präferenz prägt die Wahrnehmung

Die Studie zeigt zudem einen Zusammenhang zwischen Klimawahrnehmung und politischer Präferenz. Unter jenen Befragten, die die Existenz des Klimawandels verneinen, würden laut Erhebung 68 Prozent bei einer Nationalratswahl die FPÖ wählen. Unter jenen, die den Klimawandel für real halten, liegt dieser Wert bei 25 Prozent.

Auch beim Ausmaß der Sorge zeigen sich deutliche Unterschiede. In der Gruppe mit sehr großen Sorgen entfallen 28 Prozent auf die Grünen und elf Prozent auf die FPÖ. In der Gruppe mit geringen oder gar keinen Sorgen nennen 50 Prozent die FPÖ und ein Prozent die Grünen.

Dennoch spricht sich auch unter Befragten mit FPÖ-Präferenz eine Mehrheit für einen höheren Stellenwert von Klima- und Umweltschutz aus. Laut Studie sind es in dieser Gruppe 52 Prozent. Bei Befragten mit Präferenz für die Grünen liegt der Wert bei 97 Prozent, bei SPÖ-Präferenz bei 88 Prozent und bei ÖVP-Präferenz bei 80 Prozent.

Weitere Informationen finden Sie unter www.ey.com.

Quelle: EY

Ähnliche Artikel

Hinterlassen Sie einen Kommentar

* Zur Speicherung Ihres Namens und Ihrer E-Mailadresse klicken Sie bitte oben. Durch Absenden Ihres Kommentars stimmen Sie der möglichen Veröffentlichung zu.

Unseren Newsletter abonnieren - jetzt!

Neueste Nachrichten aus der Licht- und Elektrotechnik bestellen.