Tag der Elektrotechnik:

Richtige Ausbildung ist ein Muss

von David Lodahl

Anfang Oktober fand der Wiener Tag der Elektrotechnik statt, an dem neben den Elektrotechnikern auch das i-Magazin an der Veranstaltung im Technischen Museum teilnahm. Zwölf kurze Vorträge setzten sich dabei mit verschiedensten Themenbereichen auseinander: Warum ist eine Wallbox besser geeignet, ein Elektroauto zu laden, als eine Steckdose? Warum ist Kohlenmonoxid gefährlich? Und wie verhindert man am besten Unfälle beim Arbeiten unter Spannung? Fragen wie diese wurden von den Premiumpartnern der e-Marke beantwortet.

von Moritz Hell

Die Tangente ist offensichtlich immer noch ein Problem“, meint Gottfried Rotter mit dezentem Grinsen. Er spielt auf den halb gefüllten, aber großen Saal des Technischen Museums und auf die Vorliebe der Elektrotechniker, mit dem Auto zu fahren, an. Der Pressesprecher der Bundesinnung und Geschäftsführer der e-Marke eröffnet gerade den Tag der Elektrotechnik. Schade für die daheim oder im Betrieb gebliebenen, denn die Anwesenheit bringt Punkte für die e-Marken-Betriebe – und ihnen entgehen Vorträge zu Themen wie Arbeiten unter Spannung, Smart Home, Photovoltaik und Elektromobilität. (Im Laufe des Tages sollte sich der Saal füllen.)

Mit dem letztgenannten Punkt beschäftigt sich Erich Schuller. In seinem Vortrag über Ladestationen für E-Autos stellt er das Schutzkonzept »re-loaded« von Eaton vor. Schuller empfiehlt eine Wallbox, da diese mit dem Laderegler des Autos kommuniziert. Und er rät den Anwesenden: „Wenn ihr eine Ladesäule montiert, informiert euch in der Betriebsanleitung, welcher FI dahinter gesetzt werden muss.

Anschließend ruft Rotter, der zwischen den Vorträgen kurz Errungenschaften der Innung vorstellt, dazu auf, stets am Stand der Technik zu bleiben – um geerdet zu sein. Damit leitet er zu Jürgen Marksteiner von OBO Bettermann über. Einem der Geschäftsfelder der Firma entsprechend spricht dieser über Blitzschutzerdung. Er weist auf die Bedeutung der Normen hin, die die Installation von Erdungs- und Blitzschutzanlagen regeln. Doch nicht nur die Umsetzung der Normen sei notwendig, sondern auch, bei zu errichtenden Gebäuden die Baufirma über die eigenen Maßnahmen aufzuklären. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass Schutzeinrichtungen versehentlich entfernt würden.

Um Spannung und Sicherheit geht es auch in Thomas Farthofers Vortrag. Arbeiten unter Spannung ist nach wie vor ein Risiko: Voriges Jahr gab es 151 Elektrounfälle in Österreich. Das ist zwar ein leichter Rückgang gegenüber den beiden Vorjahren, doch der größere Zeitraum deutet auf eine Zunahme solcher Unfälle. Immerhin halten sich die Elektrounfälle mit Todesfolge in Grenzen. In den letzten drei Jahren gab es jeweils zwei Tote; langfristig ist ein Rückgang zu verzeichnen. Gründe für Elektrounfälle sind etwa ungeeignetes Werkzeug, falsche Kleidung oder unzureichende Ausbildung. Daher weist Farthofer darauf hin, dass Arbeiten unter Spannung nur von Fachkräften mit Spezialausbildung durchgeführt werden dürfen. Ein anderes Risiko sei die Herangehensweise an eine Aufgabe: „Es sind nicht die Arbeiten, die man lange im Voraus plant, sondern jene, die »man schnell mal macht«“, warnt der Vertriebsleiter des Südtiroler Werkzeugherstellers Intercable vor Leichtsinn. Um diesem Vorschub zu leisten, bewirbt er die Fortbildungsmaßnahmen der Innung. „Dieser Impulsvortrag ersetzt keine Normenschulung, sondern soll Motivation sein, in eine solche zu gehen.“ Schulungen finden beispielsweise im neu errichteten Haus der Elektrotechnik statt, in dem nun das KFE und die e-Marke vereint sind.

Ebenfalls vom korrekten Arbeiten spricht Robert Gruber. Der Megger-Vertriebsleiter setzt sich mit dem Prüfen und Dokumentieren nach Stand der Technik auseinander. „Jede Anlage muss geprüft werden. Das gehört zu unseren Aufgaben. Nicht nur, weil es in der Norm steht; die Sicherheit der Kunden sollte uns ein Anliegen sein“, ruft er den Anwesenden in Erinnerung. Wer prüft, braucht eine passende Ausbildung. Gruber berichtet von einer Prüfung, die von einer Firma mit Personalmangel durchgeführt wurde. Eine nicht ausreichend ausgebildete Person bekam den Auftrag, eine Messung durchzuführen und diese zu dokumentieren. Nach 20 Messungen stand im Protokoll: „low batt“. Der Arbeiter hatte nicht begriffen, dass der Akku leer war.

Für manche Herausforderungen gibt es nicht so konkrete Lösungen wie umfangreiche Ausbildung. Der Klimawandel zum Beispiel ist eine reale Gefahr, doch ausreichend wahrgenommen wird er nach wie vor nicht. Dabei sind 80 % der Klimaziele mit bereits vorhandenen Technologien erreichbar. Dies umzusetzen, gehört zur Strategie von Etherma, wie Christian Wagner darlegt. Mit Elektroheizungen, die den Strom von einer hauseigenen Photovoltaikanlage beziehen, und Speicher ließe sich überwiegend energieautark und nachhaltig leben.

Eine andere unterschätzte Gefahr ist Kohlenmonoxid (CO). Das zeigte der heurige Juni, als es fast im Zwei-Tages-Rhythmus CO-Unfälle gab. Ohne CO-Melder ist es im Alltag nicht möglich, das Gas auszumachen, denn „Kohlenmonoxid ist farblos, geruchlos, geschmacklos, brennbar, giftig und es diffundiert durch Betonwände“, erläutert Gerald Rausch von Ei Electronics. Die Folgen einer CO-Vergiftung sind Krämpfe, Bewusstlosigkeit, bei längerer Belastung Tod. Selbst bei Genesung sind Spätfolgen nicht auszuschließen: Konzentrationsschwierigkeiten und sogar Parkinson könnten auf das Einatmen von CO zurückzuführen sein.

Zum Abschluss spricht Rotter über die OIB-Richtlinie 6. Er erinnert an die Energiesparlampe. Die Entscheidung der EU, die Glühbirne abzuschaffen, sei vielleicht gut gemeint gewesen, im Vergleich zur Heizung aber sinnlos, da die Beleuchtung im Haus nur 2 % der Energiekosten ausmache, das Heizen jedoch über 70 %. Rotters Bemühen zielt darauf ab, dass der Strom, vor allem aus erneuerbaren Energiequellen, im Energieausweis gerecht behandelt wird. Da die Richtlinie auf Bundesebene bereits beschlossen ist, versucht die Innung nun durch Aufklärung in den Bundesländern eine Übernahme der Richtlinie in dieser Form zu verhindern. Denn erst mit der Übernahme der Richtlinie in die Landesgesetze wird diese rechtlich bindend.

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