Transformatoren, Schaltanlagen und Netzanschlüsse liegen auf modernen Rechenzentrums-Campus häufig dezentral außerhalb des Hauptgebäudes. Für den sicheren und unterbrechungsfreien Betrieb sind diese Anlagen jedoch entscheidend. Die Sicherheit von Umspannwerken betrifft deshalb nicht nur den Schutz vor unbefugtem Zutritt, sondern auch die Verfügbarkeit der Stromversorgung eines Rechenzentrums. Nach außen gerichtete Kameras, Zugangskontrollen und Einbruchserkennung erfassen nur einen Teil der Risiken.
Dabei sind drei Aufgaben zu unterscheiden: Der Perimeterschutz soll unbefugte Zugriffe erkennen. Die thermische Zustandsüberwachung erfasst Temperaturauffälligkeiten an Betriebsmitteln. Die Brandfrüherkennung adressiert eine weitere Gefährdung der Strominfrastruktur. Ein Alarm am Zaun liefert weder eine Zustandsbewertung des Transformators noch automatisch Aufschluss darüber, ob sich auf dem Gelände ein Techniker, ein Tier oder eine unbefugte Person bewegt.
Stromversorgung bleibt die häufigste Ursache erheblicher Ausfälle
Laut der jährlichen Ausfallanalyse 2026 des Uptime Institute verursacht die Stromversorgung mit einem Anteil von 45 Prozent weiterhin die meisten erheblichen Ausfälle. Kühlungs-, Netzwerk- und Softwareprobleme folgen dahinter. Die Zahlen unterstreichen, warum sich die Absicherung eines Rechenzentrums nicht auf das Gebäude und dessen unmittelbare Zugänge beschränken kann.
Auch die wirtschaftlichen Folgen sind beträchtlich: 57 Prozent der befragten Betreiber gaben an, dass ihr jüngster größerer Ausfall mehr als 100.000 US-Dollar gekostet habe. Bei 20 Prozent davon wurde sogar die Marke von einer Million US-Dollar überschritten. Für Anlagenverantwortliche rücken damit jene Betriebsmittel in den Fokus, deren Störung die Versorgung des gesamten Standorts beeinträchtigen kann. Ein intakter Außenzaun sagt über deren Betriebszustand nichts aus.
Heathrow zeigt die Grenzen der Einbruchserkennung
Ein Beispiel außerhalb der Rechenzentrumsbranche liefert der Brand im Umspannwerk North Hyde im Westen Londons am 20. März 2025. Der dadurch ausgelöste Stromausfall führte dazu, dass der Flughafen Heathrow für etwa 16 Stunden geschlossen wurde. Mehr als 1.000 Flüge fielen aus.
Der Abschlussbericht von NESO stellte übermäßige Feuchtigkeit in Komponenten des Umspannwerks fest. Das Problem war bereits 2018 erkannt, aber nicht behoben worden. Zudem war eine Brandbekämpfungsanlage seit mindestens 2022 nicht mehr funktionsfähig. Der Vorfall entstand somit nicht durch einen Eindringling, sondern entwickelte sich über Jahre aus dem sich verschlechternden Anlagenzustand. Die Perimetersicherheit war für die Erkennung dieses Risikos nicht ausgelegt; auch planmäßige Inspektionen hatten es nicht frühzeitig erfasst.
Was leisten Radar und Wärmebildtechnik auf dem Gelände?
Radar und Wärmebildtechnik liefern unterschiedliche Informationen für die Bewertung von Bewegungen. Nach Herstellerangaben erfassen die Bodenradare Flir R-190 und R-290 Standort, Richtung und Geschwindigkeit von Objekten. Wärmebildkameras können Ziele auch bei Dunkelheit ohne zusätzliche Beleuchtung erfassen. Das ist auf Versorgungsgeländen relevant, auf denen eine solche Beleuchtung häufig nicht verfügbar ist.
Im beschriebenen Zusammenspiel bestätigt das Radar zunächst die Anwesenheit eines Objekts. Das Wärmebild unterstützt dessen Identifizierung, wenn visuelle Hinweise nicht ausreichen; das Realbild liefert zusätzliche Details für die Entscheidung über einen Einsatz. Multispektralkameras wie die Flir Fh-Serie verbinden Wärmebild- und Realbildfunktionen in einem Gerät. Entscheidend ist nicht allein, eine Bewegung aufzuzeichnen, sondern sie einordnen zu können: Wildtiere, veränderte Vegetation und auch unangemeldete Arbeiten von Technikern gehören zum Alltag solcher Anlagen.
Welche Störungen kann die thermische Überwachung erkennen?
Die thermische Überwachung von Transformatoren und Schaltanlagen richtet sich auf Auffälligkeiten, die einem sichtbaren Ausfall vorausgehen können. Dazu zählen überhitzte Transformatoren, lose Verbindungen und verschleißende Durchführungen. Eine Wärmebildkamera kann damit neben der Überwachung des Geländes auf Personen auch Informationen über die Temperatur der Anlagen liefern.
„Regelmäßige Inspektionen und Temperaturtrendanalysen sind unerlässlich, da sie sich anbahnende Störungen frühzeitig aufdecken und so dafür sorgen, dass Umspannwerke unter Last stabil, sicher und zuverlässig funktionieren“, erklärt Darrell Taylor, Director of Business Development for Condition Monitoring (EMEA) bei Teledyne Flir.
Der Nutzen für den Betrieb liegt im zeitlichen Vorlauf: Kontinuierliche thermische Überwachung soll sich entwickelnde elektrische Störungen so früh erkennen, dass sich Maßnahmen planen lassen. Damit erweitert sich die Aufgabe der Erkennungstechnik vom Schutz des Geländes zur Zustandsüberwachung der Betriebsmittel.
Getrennte Zuständigkeiten können Überwachungslücken erzeugen
Die technische Verbindung von Sicherheits- und Betriebsinformationen trifft in der Praxis auf unterschiedliche Verantwortlichkeiten. Anlagen- und Versorgungsteams betreuen die Stromversorgungsanlagen, Sicherheitsteams den Perimeter. Das Umspannwerk liegt an der Schnittstelle. Wenn keine Gruppe dessen Schutz als eigene Gesamtaufgabe betrachtet, können Lücken entstehen – auch an Standorten mit ansonsten klar definierten Sicherheitsebenen.
Für die Projektierung ist deshalb eine frühzeitige Abstimmung beider Teams relevant. Die gemeinsame Erkennungsebene kann sowohl dem Schutz vor unbefugten Personen als auch der Erkennung thermischer Auffälligkeiten dienen. Die Budgets und betrieblichen Zuständigkeiten bleiben dabei unterschiedlich. Der drohende Ausfall von Geräten und damit möglicherweise des gesamten Standorts bildet jedoch einen gemeinsamen Bezugspunkt für die Bewertung der erforderlichen Maßnahmen.
Gemeinsame Lagebilder verbinden Sicherheits- und Anlagenteams
Für den Informationsaustausch zwischen verbundenen Systemen nennt Flir die Technologie Nexus. Nach Herstellerangaben überträgt sie Zielinformationen, damit eine Erkennung im Außenbereich in die weitere Überprüfung übergehen kann. Latitude VMS oder Cameleon sollen den beteiligten Teams dafür denselben Überblick bieten.
Der beschriebene Ansatz verbindet somit Informationen, die sonst in getrennten Arbeitsbereichen anfallen. Für die Sicherheitsverantwortlichen steht die Bewertung eines möglichen Eindringens im Vordergrund, für die Anlagenverantwortlichen der Zustand der Stromversorgung. Gemeinsame Informationen ersetzen diese unterschiedlichen Aufgaben nicht, können aber ihre Abstimmung unterstützen. Die Sicherheit von Umspannwerken wird damit zu einer Schnittstellenaufgabe zwischen physischem Schutz und technischem Anlagenbetrieb.
US-Normen: NERC CIP-014 gilt nicht pauschal für Rechenzentren
Bei regulatorischen Anforderungen ist der Geltungsbereich genau zu unterscheiden. In den USA wurde NFPA 70B im Jahr 2023 von einer empfohlenen Praxis zu einer Norm; thermografische Inspektionen erhielten dabei ausdrücklich mehr Gewicht. Als aktuelle Fassung nennt die Vorlage die Version 2026.
NERC CIP-014 betrifft Eigentümer und Betreiber von Übertragungsnetzen, nicht jedoch elektrische Lasten. Eine in Privatbesitz befindliche Umspannstation eines Rechenzentrums fällt daher in der Regel nicht in ihren Geltungsbereich. Die Anforderung richtet sich stattdessen an qualifizierte Umspannstationen von Versorgungsunternehmen an Anschlusspunkten. Sie verlangt durch Dritte überprüfte Risikobewertungen sowie dokumentierte Pläne für Abwehr, Erkennung, Verzögerung, Bewertung, Kommunikation und Reaktion. Eine unmittelbare Verpflichtung jedes Rechenzentrums lässt sich daraus nicht ableiten.
Weitere US-Vorgaben nehmen große Rechenlasten in den Blick
Eine Anordnung der FERC vom Juli 2026 im Verfahren RD26-7 weist die NERC an, bis Ende 2026 Zuverlässigkeitsstandards für große Rechenlasten zu entwickeln und Kriterien für ein Register zu entwerfen. Damit sollen Einrichtungen dieser Art erstmals direkt in den NERC-Rahmen einbezogen werden. Die Anordnung ist von der bestehenden Abgrenzung bei NERC CIP-014 zu unterscheiden.
Parallel behandeln die US-Bundesstaaten zahlreiche Gesetzesvorhaben zu Rechenzentren. Nach Angaben von MultiState wurden in den ersten sechs Wochen der Sitzungsperiode 2026 in mehr als 30 Bundesstaaten über 300 entsprechende Gesetzesentwürfe eingebracht. In 27 Bundesstaaten werden Gesetze erwogen, die speziell Kunden mit hoher Last betreffen. Diese US-Regelungen und Vorhaben sind nicht mit europäischen Rahmenbedingungen gleichzusetzen.
In Europa rückt der knappe Netzzugang in den Vordergrund
In Großbritannien reagierte Ofgem mit einer Reform der Anschlussverfahren auf die wachsende Warteliste für Netzanschlüsse. Deren Umfang stieg zwischen November 2024 und Juni 2025 von 41 GW auf 125 GW. Etwa 50 GW entfielen auf Rechenzentrumsprojekte. Ein schwer zu erlangender Anschluss besitzt damit selbst einen hohen betrieblichen Wert.
Für Deutschland bezeichnet die German Datacenter Association e.V. (GDA) den Netzzugang als entscheidenden Engpass der Branche. An zentralen Standorten wie Frankfurt betragen die Wartezeiten für Anschlüsse häufig mehr als fünf Jahre. Während sich der Druck in den USA auch in staatlicher Aufsicht und Kontrolle der Netzanbindung ausdrückt, prägt in diesen europäischen Beispielen vor allem die Verfügbarkeit von Anschlusskapazität die Diskussion.
Häufig gestellte Fragen
Warum reicht Perimeterschutz für die Sicherheit von Umspannwerken nicht aus?
Perimeterschutz dient dazu, unbefugte Zugriffe zu erkennen. Er liefert jedoch keine Zustandsbewertung von Transformatoren oder Schaltanlagen. Thermische Zustandsüberwachung und Brandfrüherkennung adressieren weitere Risiken, die die Stromversorgung eines Rechenzentrums beeinträchtigen können.
Welche Auffälligkeiten kann die thermische Überwachung von Transformatoren und Schaltanlagen erkennen?
Die thermische Überwachung erfasst Temperaturauffälligkeiten, die einem sichtbaren Ausfall vorausgehen können. Dazu zählen überhitzte Transformatoren, lose Verbindungen und verschleißende Durchführungen. Kontinuierliche Überwachung und Temperaturtrendanalysen sollen sich entwickelnde Störungen frühzeitig erkennen und die Planung von Maßnahmen ermöglichen.
Gilt NERC CIP-014 für private Umspannstationen von Rechenzentren?
NERC CIP-014 betrifft Eigentümer und Betreiber von Übertragungsnetzen, nicht jedoch elektrische Lasten. Eine private Umspannstation eines Rechenzentrums fällt daher in der Regel nicht darunter. Die Anforderungen richten sich stattdessen an qualifizierte Umspannstationen von Versorgungsunternehmen an Anschlusspunkten.
Weitere Informationen finden Sie unter www.flir.com.
Quelle: Flir & ablwerbung