Das Interview mit dem CEO der Eglo-Gruppe:

»Von Tirol aus in die Welt«

von Sandra Eisner
Foto: © Eglo Leuchten

Es ist eine Erfolgsgeschichte auf österreichisch: Mit Entschlossenheit und Beharrlichkeit hat sich Eglo Leuchten vom 1969 gegründeten Tiroler Betrieb zum heutigen Global Player konsequent und konstant weiterentwickelt. Die Wurzeln blieben dabei unverändert und unangetastet. Wird das – bei aller Internationalisierung – auch weiterhin der Fall sein?

Die Unternehmenszentrale der Eglo-Gruppe befindet sich in Pill in Tirol – seit jeher. Dort sorgen rund 300 MitarbeiterInnen für die Entwicklung hochqualitativer Leuchten für die ganze Welt. Damit diese auch davon in den Genuss kommt, spielt die Logistik bei Eglo eine wesentliche und gewichtige Rolle. 17 Lagerhäuser mit einer Gesamtlagerfläche von 200.000 m³ geben ein deutliches Signal. Wir sprachen mit Mag. René Tiefenbacher, CEO der Eglo-Gruppe, darüber, wie Eglo seinen Platz in der Welt des Lichts gefunden hat, wie der Weg dorthin über 50 Jahre lang beschaffen war und welche Marktpotenziale künftig noch ausgeschöpft werden sollen.

 

René Tiefenbacher, CEO der Eglo-Gruppe

„Trotz der wirtschaftlichen Unsicherheiten, die die Covid-19-Pandemie weltweit ausgelöst hat, war 2020 eines der erfolgreichsten Geschäftsjahre in der Firmengeschichte von Eglo“, so Mag. René Tiefenbacher, CEO der Eglo-Gruppe. (Bild: Eglo Leuchten)

Herr Tiefenbacher, Eglo ist heute ein renommiertes und global agierendes Unternehmen – wie kam es dazu? Wo liegen die Ursprünge?

René Tiefenbacher: Eglo wurde vor 52 Jahren von Ludwig Obwieser mit einem Elektrogeschäft in Wattens gegründet. Nach dem Start der eigenen Produktion in Pill im Jahr 1976 folgte 10 Jahre später die erste Vertriebsgesellschaft in Deutschland. Die Globalisierung von Eglo nahm somit in den 80er- und 90er-Jahren ihren Anfang. Heute verfügt Eglo über mehr als 50 Verkaufsgesellschaften weltweit sowie mehr als 30 Logistikgesellschaften und Beteiligungen. Mit über 600 Mio. € Umsatz zählen wir zu den größten Anbietern im Bereich Wohnraumleuchten global. Trotz der wirtschaftlichen Unsicherheiten, die die Covid-19-Pandemie weltweit ausgelöst hat, war 2020 eines der erfolgreichsten Geschäftsjahre in der Firmengeschichte von Eglo.

 

Wie kam es zu diesem Rekordumsatz trotz Corona-Krise?

Tiefenbacher: Der Hauptgrund für das organische Umsatzwachstum liegt in der Pandemie-Situation und der vielen Zeit, die Menschen zuhause – unter anderem mit Einrichten und Renovieren – verbracht haben. Ein weiterer Grund für den Rekordumsatz ist die bereits Anfang 2020 erfolgte Übernahme des schwedischen Leuchten-Großhändlers Star Trading, der sich seit 35 Jahren vor allem auf den Vertrieb von Weihnachtsbeleuchtung spezialisiert hat. Durch diese Übernahme konnten wir eine Lücke im Angebot für unsere Kunden schließen und unser fast 5.000 Artikel umfassendes Produktportfolio weiter differenzieren. Zum anderen war es auch die Unternehmensstruktur, die der Gruppe einen entscheidenden Vorteil verschafft hat. Anstatt sich auf Zulieferer und externe Dienstleister zu verlassen, erfolgen bei Eglo fast alle Abläufe gruppenintern. Von der Entwicklung und dem Design über die Fertigung an Standorten in Ungarn, Indien und China, der Lagerung und Logistik bis hin zum Vertrieb, der in manchen Ländern zusätzlich über eigene, gebrandete Shops erfolgt, ist der Konzern in den meisten Fällen nicht auf Dritte angewiesen. Das macht uns ein wenig zu einem Unikat, insbesondere in unserer Branche. Normalerweise dient diese Philosophie der Sicherung von Qualität und Sicherheit. In den vergangenen Monaten hat sie uns aber auch geholfen, am Ball zu bleiben, während andere mit geschwächten Logistikketten und Lieferverknappungen zu kämpfen hatten. Die dynamische Entwicklung von Eglo ist natürlich primär auch auf eine Produktpolitik zurückzuführen, die den Nerv und Geschmack vieler Menschen trifft und abgestimmt auf die vielen unterschiedlichen Ansprüche der Einwohner aller Kontinente angeboten wird. Eglo-Produkte sind leistbar, schön und funktional. Und das kommt an.

 

Wie gestaltet sich die Situation aktuell im Zusammenhang mit der Versorgungskrise? Wie ist es um Ihre Lieferfähigkeit bestellt?

Tiefenbacher: 2021 stellen sich zusätzliche Herausforderungen wie hohe Containerkosten, fehlende ICs, deutlich erhöhte Rohstoffpreise und deutliche Verspätungen in der Anlieferung. Die Lieferfähigkeit kann und konnte Eglo mit einem großen Fertig- und Rohmateriallager bis dato erhalten, jedoch ließ sich eine Preisanpassung abhängig von Material und Größe des Produktes nicht verhindern.

 

Auf Ihrem Weg in Richtung Innovationsführerschaft erfolgten einige Übernahmen von namhaften Unternehmen. Um welche handelt es sich?

Tiefenbacher: Im September 2020 wurde eine wichtige Akquisition erfolgreich über die Bühne gebracht. Mit der Übernahme des französischen Unternehmens Awox Lighting, mit dem Eglo bereits bei der Entwicklung von Smart Control Apps und Hardwarekomponenten zusammengearbeitet hatte, konnten innovative Vorteile im Bereich des intelligenten und vernetzten Lichtmanagements gesichert werden: Durch den Erwerb von Awox Lighting verfügen wir jetzt nämlich über eine Businessunit, die sich ausschließlich um die Weiterentwicklung der mit Smart Control gesteuerten Leuchten »Eglo Connect« kümmert. Es handelt sich um ein Geschäftsfeld, das in den nächsten Jahren aufgrund des Interesses junger Kundengruppen immer wichtiger werden wird.

 

René Tiefenbacher, CEO der Eglo-Gruppe

„Eglo unterscheidet sich vom Wettbewerb durch eigene Produktionsstätten in China, Indien und Ungarn, jedoch auch durch eine weltweit aufgestellte Logistik mit eigenen regionalen und überregionalen Lägern.“ (Bild: Eglo Leuchten)

Und Mitte des Jahres 2021 folgte schließlich der Anteilskauf am Unternehmen Bartenbach …

Tiefenbacher: Richtig, Eglo hat die Mehrheit der Anteile der Tiroler Firmengruppe Bartenbach erworben. Die Bartenbach-Gruppe ist »das« Tiroler Lichtplanungsunternehmen und wurde vor mehr als 50 Jahren von Prof. Christian Bartenbach gegründet. 2007 wurde die Leitung des Unternehmens auf seinen Sohn, Christian Bartenbach, übertragen. Bartenbach ist in der Lichtbranche ein international sehr bekanntes Unternehmen, das für Architekten, Bauherren und Kunden der Beleuchtungsindustrie maßgeschneiderte und herstellerunabhängige Tages- und Kunstlichtplanungen erstellt. Mit einem weitreichenden Leistungsspektrum, von der Beratung über die Konzeption bis hin zur Umsetzung der gesamten Planung, werden für Kunden bestmögliche Lichtlösungen garantiert. Es werden über die Lichtplanung hinaus auch Gesamtlichtlösungen angeboten. Das heißt, von der Idee bis zur Realisierung der Beleuchtungsanlage kommt alles aus einer Hand. In den letzten Jahren hat Bartenbach viele, auch große Lichtobjekte im In- und Ausland geplant und umgesetzt, medial bekannt wurde vor allem der Royal Clock Tower in Mekka mit 4 LED-beleuchteten Ziffernblättern mit über 40 Metern Durchmesser.

 

Gibt es Veränderungen bei Bartenbach durch den Anteilskauf?

Tiefenbacher: Die Bartenbach-Gruppe, die aus vier Einzelunternehmen besteht, erzielt einen Umsatz von rund EUR 10 Mio., wobei Eglo in Zukunft durch den finanziellen Background das weitere Wachstum der Bartenbach-Gruppe vorantreiben wird. Bartenbach bleibt eigenständig und als neutraler Dienstleister mit seinen rund 100 Mitarbeitern weiterhin am Standort in Aldrans. Eglo strebte in der Vergangenheit die Errichtung eines »Lichtkompetenzzentrums« an, das aufgrund der Expansion immer wieder verschoben wurde und natürlich jetzt mit dem Einstieg bei Bartenbach sofort Realität wurde. Dabei sehen wir nicht nur Synergien für das Wohnraumleuchtengeschäft, sondern auch für den Bereich »Professionell Light«.

 

Wie handhabt Eglo die herausfordernde Aufgabe der Logistik? Wird es aufgrund der Pandemie und der aktuellen Krisen Anpassungen geben?

Tiefenbacher: Eglo unterscheidet sich vom Wettbewerb durch eigene Produktionsstätten in China, Indien und Ungarn, jedoch auch durch eine weltweit aufgestellte Logistik mit eigenen regionalen und überregionalen Lägern. Nachdem im Jahr 2020 bereits über 40 Millionen Euro investiert wurden, die unter anderem in ein neues Logistikzentrum im deutschen Magdeburg flossen, das Anfang 2021 in Betrieb genommen wurde, werden 2021 weitere Investitionen in ähnlicher Höhe getätigt werden, die in den weltweiten Ausbau von Produktions-, Logistik- und Vertriebsgesellschaften fließen und ausschließlich aus dem Cashflow des Unternehmens finanziert werden.

 

Wird es zusammenhängend mit den Investitionen in Logistik auch eine örtliche Verlagerung der Eglo-Expertise geben?

Tiefenbacher: Trotz der weiteren Internationalisierung von Eglo wird unsere Firmenzentrale immer in Tirol bleiben. Hier ist das Herz unseres Unternehmens. Auch mit der Verlagerung der Logistik nach Magdeburg wird es gelingen, weiterhin über 300 Arbeitsplätze in Pill/Tirol zu erhalten. Denn auch wenn Eglo auf fünf Kontinenten aktiv ist, laufen alle Fäden in Pill zusammen. Im Firmenhauptquartier bilden sich sämtliche Aktivitäten der Gruppe ab – von der Entwicklung bis zum Vertrieb. Für die Teams vor Ort bringt das eine Vielzahl von Herausforderungen aber auch ein breites, multinationales Betätigungsfeld mit sich. Diese Mammut-Aufgabe der internationalen Koordination und Kooperation ist auch mit einer der Gründe, warum Eglo dem Standort Pill treu ist. Tirol ist nicht zuletzt als Tourismus-Land sehr weltoffen. Wir sind immer auf der Suche nach motivierten Mitarbeitern, die sich nicht davor scheuen, über den Tellerrand zu blicken und auch mit anderen Kulturen und Denkweisen gut zusammenarbeiten. Und die finden wir hier in Tirol.

 

Welche Investitionen plant Eglo in Zukunft – und in welchen Bereichen?

Tiefenbacher: Obwohl sich die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Krise erst in den nächsten Monaten manifestieren werden, kann Eglo aufgrund der äußerst guten Ergebnisse der letzten Jahre und der daraus resultierenden finanziellen Sicherheit an seinen Expansionsplänen festhalten. Die Hauptkunden sind Baumärkte, Möbelhändler, Fachhandel, Discounter und verstärkt der Bereich E-Commerce. Wir werden weiterhin in den Ausbau unserer vertrieblichen Infrastruktur investieren und zusätzlich den Absatz im FOB- und Discountbereich forcieren. Auch die Vertriebsnetzwerke seiner internationalen Absatzmärkte in Nord- und Südamerika sowie Osteuropa, wird Eglo weiter ausbauen, um dort noch nicht ausgeschöpften Marktpotenziale zu realisieren und seine Marktführerschaft auf weitere Regionen der Welt auszuweiten.

 

Herr Tiefenbacher, vielen Dank für das Gespräch!

 

Eglo in Zahlen

  • 100.000 verkaufte Leuchten pro Kalendertag
  • 80.000 selbstproduzierte Leuchten pro Tag
  • 900 neue Designs im Jahr, das entspricht fast 4 Neuentwicklungen täglich
  • 3 Produktionsstätten in Ungarn, China und Indien
  • über 200.000 Quadratmeter Lagerfläche weltweit
  • mehr als 80 Tochtergesellschaften weltweit, davon rund 50 Vertriebsgesellschaften
    Weitere Informationen auf: www.eglo.com

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