Beim LTG-Kongress holte die Lichttechnische Gesellschaft Österreichs mit Hermann Erlach, CEO von Microsoft Österreich, einen Redner auf die Bühne, der das Thema künstliche Intelligenz nicht als technische Spielerei, sondern als wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Zäsur beschrieb. LTG-Vorsitzende Gudrun Schach kündigte Erlach an und stand am Ende gemeinsam mit ihm auf der Bühne – ein sichtbares Zeichen dafür, dass die LTG das Thema KI nicht als Nebenschauplatz, sondern als Zukunftsfrage für Lichttechnik, Elektrotechnik, Gebäudetechnik und Energieinfrastruktur versteht. Erlachs Botschaft war klar: KI ist längst da – und wer nicht beginnt, fällt zurück.

Hermann Erlach rückte beim LTG-Kongress künstliche Intelligenz als Führungs-, Produktivitäts- und Infrastrukturthema in den Mittelpunkt – mit klarer Relevanz für Lichttechnik, Elektrotechnik und Gebäudetechnik. Foto: © www.i-magazin.com
Es war eine bemerkenswerte programmatische Entscheidung der LTG: Bei einem Kongress, der traditionell tief in der Welt des Lichts, der Planung, der Technik und der Wahrnehmung verankert ist, wurde mit Hermann Erlach ein Vortragender eingeladen, der den Blick bewusst weitete. Der CEO von Microsoft Österreich sprach nicht über Leuchten, Normen oder Beleuchtungskonzepte, sondern über künstliche Intelligenz als neues Betriebssystem der Arbeitswelt. Dass Gudrun Schach als LTG-Vorsitzende Erlach persönlich ankündigte und ihn nach der Keynote auch abschließend auf der Bühne begleitete, verlieh dem Programmpunkt zusätzlich Gewicht: Die LTG holte sich damit nicht nur einen prominenten Namen, sondern einen Redner mit viel Praxiswissen, klarer Sprache und einem Thema, das die Branche in den kommenden Jahren stärker betreffen wird, als vielen vielleicht lieb ist.
Erlach begann selbstironisch. Von Licht, sagte er sinngemäß, habe er wenig Ahnung; was man mit Licht könne, habe ihn in der Vorbereitung allerdings erstaunt. Dann stellte er die Frage, die inzwischen fast jeder Veranstaltung den Puls fühlt: Wer würde sich als KI-Experte bezeichnen? Kaum jemand. Wer nutzt KI? Wahrscheinlich fast alle – ob beim Navigieren, Suchen, Übersetzen, Bildbearbeiten, Schreiben oder Organisieren.
Genau in diesem Unterschied liegt ein Teil der Wahrheit. KI ist im Alltag längst angekommen. Nur in vielen Unternehmen, Organisationen und Verwaltungen tut man noch so, als könne man in Ruhe entscheiden, ob man sie hereinlässt. Erlachs Antwort darauf war eindeutig: Diese Entscheidung ist längst gefallen.
Wenn ein alter Skill plötzlich nichts mehr wert ist
Besonders stark wurde Erlachs Vortrag dort, wo er nicht über abstrakte Zukunftsbilder sprach, sondern über seinen eigenen Arbeitsalltag. Für ein Mitarbeitermeeting bei Microsoft Österreich habe er eine Geschichte entwickelt, der Rest sei von einem Agenten erledigt worden. Innerhalb von zehn Minuten seien professionelle Folien entstanden. Für jemanden, der 15 Jahre in der Beratung gearbeitet hat, ist das kein Nebensatz. Erlach brachte es auf den Punkt: Einer seiner wesentlichen Skills sei gewesen, schöne und gut strukturierte PowerPoints erstellen zu können. „Dieser Skill ist nichts mehr wert.“
Das ist mehr als eine Anekdote. Es ist die Kurzfassung eines Strukturbruchs. KI nimmt nicht nur Arbeit ab. Sie verändert, welche Fähigkeiten überhaupt noch als wertvoll gelten. Was gestern ein professioneller Vorteil war, kann morgen Standardfunktion sein. Erlach erzählte auch von Agenten, die Angebote vorprüfen, Kundenbesuche vorbereiten oder Vertriebsprozesse analysieren. Das sei keine ferne Zukunft, sondern bereits gelebte Praxis.
Österreich kann mehr, als es glaubt
Erlach machte etwas, das in Österreich fast schon ungewohnt wirkt: Er begann mit Optimismus. Bei der KI-Adoption liege Österreich, so Erlach, nicht irgendwo im digitalen Mittelfeld, sondern im weltweiten Spitzenfeld. In den von ihm zitierten Daten zur Nutzung künstlicher Intelligenz rangiere Österreich auf Platz 18 – und damit sogar vor den USA, die Erlach auf Platz 23 verortete. Ganz vorne nannte er Regionen und Länder wie Dubai, Singapur, Norwegen oder Frankreich. Österreich sei also beim Thema KI keineswegs abgehängt, sondern überraschend gut unterwegs. Der Grund dafür liege allerdings weniger in der konsequenten Digitalisierung der Unternehmen, sondern vor allem in der starken Smartphone-Nutzung der Österreicherinnen und Österreicher.
Als Konsumenten sind Österreicherinnen und Österreicher erstaunlich offen: Apps werden ausprobiert, Updates akzeptiert, KI-Funktionen genutzt. Sobald dieselben Menschen aber in Unternehmen oder Verwaltungen arbeiten, wird vieles zäher. Dann werden kleine Änderungen zu Schulungsthemen, neue Prozesse zu Betriebsratsfragen und digitale Werkzeuge zu Projekten mit langer Anlaufzeit.
Erlach stellte damit eine unbequeme Frage: Warum sind wir privat so innovationsfreudig und organisatorisch so träge? Gerade der öffentliche Bereich müsse hier vorangehen. Sein Bild dafür war einprägsam: Verwaltung müsse ein Stück weit wie McDonald’s funktionieren. Wer digital bestellt, bekommt schneller sein Ergebnis. Wer Unterstützung braucht, bekommt sie weiterhin am Schalter. Digitalisierung darf nicht bedeuten, dass ein digitales Formular nur auf denselben Stapel gelegt wird wie ein Papierformular.

KI ist mehr als Frage und Antwort: Sie verändert Arbeitsumfelder, setzt Prozesse neu auf, beschleunigt Innovation und stellt Unternehmen vor die Frage, ob alte digitale Abläufe überhaupt noch sinnvoll sind. Bild: © www.i-magazin.com / mit KI erstellt
KI ist keine bessere Suchmaschine
Viele Menschen verbinden KI noch immer mit Informationsbeschaffung: Man stellt eine Frage und bekommt eine Antwort. Erlach hält das für zu kurz gedacht. KI könne Arbeitsumfelder verändern, Kundenservice neu denken, Prozesse neu aufsetzen und Innovation massiv beschleunigen. Digitalisierung hieß bisher oft: Ein analoger Prozess wird digitalisiert. KI stellt eine andere Frage: Warum den alten Prozess überhaupt nachbauen?
Mit Sprache lassen sich Systeme bedienen, Anwendungen erstellen, Maschinen ansteuern und Arbeitsabläufe organisieren. Das hat Folgen für Berufsbilder, Ausbildung und Unternehmensorganisation. Besonders eindrucksvoll war Erlachs Hinweis auf Innovationsprozesse, etwa in der Material- und Batterieforschung. KI könne Suchräume schneller durchrechnen, Varianten prüfen und Entwicklungszyklen dramatisch verkürzen.
Für die Elektro-, Licht- und Gebäudetechnikbranche ist das zentral. KI betrifft nicht nur Büroarbeit. Sie betrifft Planung, Energieoptimierung, Sensorik, Wartung, Dokumentation, Rechenzentren, Gebäudeautomation und industrielle Prozesse.

KI betrifft nicht nur Büroarbeit: In Elektro-, Licht- und Gebäudetechnik kann sie Planung, Energieoptimierung, Sensorik, Wartung, Dokumentation, Rechenzentren und industrielle Prozesse beschleunigen. Bild: © www.i-magazin.com / mit KI erstellt
Produktivität wird zur Überlebensfrage
Erlach verwies auf Berechnungen, wonach KI in Österreich bis 2036 ein erhebliches zusätzliches Wertschöpfungspotenzial eröffnen könnte. Gleichzeitig steht das Land vor demografischen Problemen, Fachkräftemangel und sinkender Produktivität. Gerade im öffentlichen Bereich werde ein großer Teil der Beschäftigten in den kommenden Jahren in Pension gehen. KI sei daher nicht nur ein Effizienzthema, sondern ein Werkzeug, um Systeme überhaupt funktionsfähig zu halten.
Seine Formel war klar: Die Zukunft gehört jenen, die KI besser und intelligenter nutzen. Wer wartet, bis alles geregelt, erklärt und risikofrei ist, wird nicht sicherer, sondern langsamer. Und Langsamkeit kann in dieser technologischen Phase zum eigentlichen Risiko werden.
Wer KI nutzt, hat weniger Angst
Ein wichtiger Befund Erlachs: Mitarbeitende, die KI aktiv nutzen, haben weniger Angst vor KI. Angst entsteht dort, wo Technologie abstrakt bleibt. Wer KI konkret einsetzt, erkennt schneller, wo sie hilft, wo sie Fehler macht und wo der Mensch weiterhin führen muss.
Gleichzeitig entsteht eine neue Ungleichheit. Wenn zwei Personen dieselbe Aufgabe erfüllen, aber nur eine Zugang zu KI-Werkzeugen hat, wird die andere rasch als weniger leistungsfähig wahrgenommen. Nicht, weil sie weniger kann, sondern weil ihr die Werkzeuge fehlen. KI-Zugang wird damit zur Fairnessfrage, zur Produktivitätsfrage und zur Führungsfrage.
KI ist kein IT-Thema
Erlach wurde besonders deutlich, als er über Führung sprach. KI sei kein IT-Thema. Natürlich braucht es Technologie, Daten, Infrastruktur und Regeln. Entscheidend sei aber, ob Führungskräfte verstanden haben, dass KI ein Gamechanger ist – und ob sie eine gute Geschichte dazu erzählen können.
Wer KI als Instrument zur Reduktion von 80 Prozent der Belegschaft präsentiert, wird keine Organisation mitnehmen. Wer hingegen erklärt, welche Arbeit besser, schneller, sinnvoller oder entlastender werden soll, schafft Orientierung. Erlach kritisierte simple Veränderungsparolen wie „Hop on the bus or hop off the bus“. Menschen springen nicht gerne auf einen fremden Bus auf. Die Aufgabe von Führung besteht darin, diesen Bus zum eigenen Bus zu machen.
Jeder wird Chef seiner Agenten
In der Diskussion nach dem Vortrag wurde Erlach noch konkreter. Künftig werde jeder Mitarbeiter in gewisser Weise zur Führungskraft eigener Agenten oder „Heinzelmännchen“, wie er sie nannte. Man müsse lernen, den eigenen Arbeitsplatz neu zu denken: Was ist meine Aufgabe? Welche Tätigkeiten wiederholen sich? Was kann ein Agent vorbereiten? Was muss ich prüfen? Was gebe ich frei?
Das verändert Unternehmenskultur radikal. Weg von bloßer Ausführung, hin zur aktiven Gestaltung des eigenen Arbeitsumfelds. Erlach formulierte sinngemäß: Jeder wird zum Re-Engineer seines Arbeitsplatzes. Wer das kann, gewinnt Geschwindigkeit und Qualität. Wer es nicht kann, fällt zurück.
Bildung braucht Urteilskraft
Auch beim Bildungssystem setzte Erlach an. Programmieren sei viele Jahre als sicherer Zukunftsskill verkauft worden. Nun könne er selbst Anwendungen mit Sprache erstellen, obwohl er kein Programmierer sei. Das heißt nicht, dass technisches Verständnis unwichtig wird. Im Gegenteil. Aber der Schwerpunkt verschiebt sich: weg vom reinen Ausführen, hin zu Strukturieren, Formulieren, Prüfen und Bewerten.
KI-Antworten wirken oft beeindruckend, weil sie schnell, lang und sprachlich sauber sind. Richtig sind sie deshalb noch lange nicht immer. Deshalb werde kritisches Denken wichtiger, nicht weniger wichtig. Wer fachlich beurteilen kann, bleibt im Lead. Wer nur übernimmt, was generiert wird, wird abhängig.
Der Mensch darf nicht zum Interface der KI werden
Einer der stärksten Warnsätze des Tages lautete: „Wir dürfen nicht das Human Interface von der KI werden.“ Erlach meinte damit: KI soll Menschen unterstützen, nicht herumkommandieren. Wenn Agenten permanent Aufgaben, Erinnerungen, Eskalationen und Kontrollen auslösen, kann aus Assistenz ein virtueller Chef werden.
Das Bild ist leicht vorstellbar: Ein Agent fragt, warum ein Angebot noch nicht verschickt wurde. Ein anderer erinnert an fehlende Dokumente. Ein dritter eskaliert. Was als Hilfe beginnt, kann zum Taktgeber werden. Produktivität darf aber nicht heißen, dass Menschen nur noch algorithmische Anweisungen abarbeiten.
Zwischen Tempo und Überforderung
Erlach sprach auch über die Schattenseite der Beschleunigung. Wenn jeder per Knopfdruck PowerPoints, Berichte und Konzepte erzeugen kann, wird die Welt nicht automatisch besser. Sie kann auch voller, lauter und unübersichtlicher werden. KI erhöht Produktivität, kann aber auch Reizüberflutung und mentale Erschöpfung verstärken.
Darum werden persönliche Gespräche, Priorisierung und Führungsqualität wichtiger. Nicht jedes Dokument, das generiert werden kann, schafft Mehrwert. Nicht jede Präsentation, die möglich ist, ist notwendig. Gerade hier braucht es Menschen, die entscheiden, was wirklich zählt.

Daten-Souveränität bedeutet mehr als rechtliches Eigentum an Daten: Entscheidend ist, wo Daten verarbeitet werden, wer Zugriff hat und ob europäische Datenschutz- und Compliance-Vorgaben eingehalten werden. Bild: © www.i-magazin.com / mit KI erstellt
Souveränität heißt Kontrolle – vor allem über Daten
Beim Thema digitale Souveränität blieb Erlach nüchtern. Es gehe nicht nur um emotionale Debatten über USA, Europa oder Plattformabhängigkeit, sondern um Kontrolle: über Daten, Systeme, Agenten, Zugriffe und Risiken. Unternehmen müssen wissen, welche Tools verwendet werden, welche Daten wohin fließen und auf welchen Servern sie verarbeitet werden. Gerade hier wurde Erlach sehr deutlich. Wenn Unternehmensdaten, Forschungsunterlagen, Transkripte, Angebote, interne Dokumente oder IP-relevante Inhalte in Systeme wandern, deren Datenverarbeitung außerhalb europäischer Rechtsräume stattfindet, wird es aus seiner Sicht heikel. Oder, wie Erlach es mehrfach auf den Punkt brachte: „Schwierig.“
Daten-Souveränität bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur, dass ein Unternehmen rechtlich Eigentümer seiner Daten bleibt. Es bedeutet auch, dass klar ist, wo diese Daten liegen, wer darauf zugreifen kann, welche Modelle damit arbeiten, ob sie für Trainingszwecke genutzt werden, welche Subdienstleister eingebunden sind und ob europäische Datenschutz-, Sicherheits- und Compliance-Anforderungen tatsächlich eingehalten werden. Wenn sensible Unternehmensdaten an Organisationen oder Plattformen außerhalb der EU weitergegeben werden – und genau das passiert faktisch, wenn Daten nicht auf europäischen Servern verarbeitet oder entsprechend abgesichert werden –, dann ist das nicht bloß eine technische Detailfrage. Es ist eine strategische Risikofrage.
Besonders kritisch ist Schatten-KI: Mitarbeitende nutzen private Tools, laden Transkripte, interne Dokumente oder sensible Informationen hoch und holen Ergebnisse zurück ins Unternehmen. Das kann produktiv wirken, ist aber rechtlich und strategisch riskant. Erlach schilderte sinngemäß Fälle, in denen Fachbereiche eigenständig KI-Projekte vorantrieben, dabei aber Dokumente in externe Anwendungen luden, bei denen aus Compliance-Sicht sofort die Alarmglocken läuten müssten. Wenn Patentinformationen, Forschungsunterlagen oder interne Strategiepapiere in nicht kontrollierte KI-Systeme gelangen, dann ist das nicht innovativ, sondern „schwierig“.

Wenn Mitarbeitende private oder nicht freigegebene KI-Tools nutzen, können sensible Inhalte wie Transkripte, Angebote oder Forschungsunterlagen unkontrolliert abfließen – mit Folgen für Compliance, IP-Schutz und Datensicherheit. Bild: © www.i-magazin.com / mit KI erstellt
KI-Governance, Datenqualität, Rechteverwaltung und Cybersecurity werden damit zur Grundvoraussetzung. Unternehmen brauchen klare Regeln, welche Daten in welche Systeme dürfen, welche KI-Werkzeuge freigegeben sind, welche Serverstandorte akzeptabel sind und wie Zugriffe dokumentiert werden. Ohne diese Ordnung entsteht keine digitale Souveränität, sondern ein Flickenteppich aus privaten Accounts, gut gemeinten Workarounds und unkontrollierten Datenflüssen.
Rechenzentren sind ein Thema der Elektrobranche
Für das LTG-Publikum besonders relevant war Erlachs Blick auf Rechenzentren. KI braucht Rechenleistung, Rechenleistung braucht Energie, Kühlung, Sicherheit, Netze und Infrastruktur. Erlach verglich ein großes Rechenzentrum mit einer großen Waschmaschine, zu der viele ihre Wäsche bringen: energieintensiv, aber effizienter als viele kleine Einzellösungen.
Für Elektrotechniker, Planer, Lichttechniker und Gebäudetechniker steckt darin ein Zukunftsmarkt. Rechenzentren sind reale Bauwerke mit Stromversorgung, USV, Kühlung, Brandschutz, Beleuchtung, Monitoring, Zutrittssystemen und Netzanschlüssen. Wer über KI spricht, spricht daher auch über Elektrotechnik.
Was das Publikum wissen wollte
Dass Erlachs Vortrag nicht als Frontalbotschaft stehen blieb, sondern in eine Diskussion überging, machte den Programmpunkt zusätzlich wertvoll. Aus dem Publikum kamen Fragen, die zeigten, wie konkret das Thema KI bereits in der Praxis angekommen ist. Eine Frage zielte auf Bildung, Sprache und Prompting ab: Wenn bessere Ergebnisse davon abhängen, dass Menschen präzise formulieren, was sie von der KI wollen, müsse genau diese Fähigkeit geschult werden. Erlach griff den Punkt auf, weitete ihn aber aus: Es gehe nicht nur um gutes Prompting, sondern um kritisches Denken. KI-Antworten seien oft beeindruckend lang, schnell und sprachlich sauber – aber deshalb noch nicht automatisch richtig. Der Mensch müsse im Loop bleiben.
Besonders praxisnah war auch die Frage von Renate Hammer, die auf Arbeitszeitmodelle, kreative Erschöpfung und den Suchtfaktor von KI hinwies. Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schneller zu Ergebnissen kommen, diese Ergebnisse aber ständig prüfen müssen, entsteht ein neuer Druck. Erlach bestätigte diese Ambivalenz. KI könne Arbeit beschleunigen, aber auch Reizüberflutung verstärken. Genau deshalb brauche es Führung, Priorisierung und bewusste Entscheidungen darüber, welche Inhalte tatsächlich Mehrwert schaffen.
Die Mitte der Serviette
Am Ende griff Erlach zu einem starken Bild. Man solle sich eine Serviette vorstellen. An den vier Ecken sitzen Technologie, Betriebswirtschaft, Ethik sowie Recht und Politik. Solange jeder nur von seiner Ecke aus argumentiert, entsteht kein tragfähiger KI-Diskurs. Erst wenn alle in die Mitte rücken, lässt sich klären, was für einen konkreten Use Case, ein Unternehmen, eine Branche und eine Kultur sinnvoll ist.
Genau darin lag die Stärke dieses Vortrags beim LTG-Kongress. Er war keine Produktpräsentation, keine KI-Show und keine Untergangspredigt. Er war eine Einladung, KI als Gestaltungsaufgabe zu begreifen. Dass Gudrun Schach als LTG-Vorsitzende diesen Programmpunkt sichtbar rahmte und Erlach am Ende auf der Bühne begleitete, passte zu dieser Botschaft: Die LTG stellte nicht nur das Licht in den Mittelpunkt, sondern auch jene Technologien, die Planung, Gebäude, Infrastruktur und Arbeitswelt künftig mitprägen werden.
Die LTG hat damit ein Thema prominent gesetzt, das auch die Licht- und Elektrobranche prägen wird. Denn künstliche Intelligenz braucht nicht nur Daten und Modelle. Sie braucht Infrastruktur, Energie, Verantwortung, Führung und Menschen, die wissen, was sie tun.