Sonepar verabschiedet sich vom klassischen Partnertreff-Konzept und verlegt seine Events dorthin, wo Kund:innen und Industriepartner wirklich sind: in die Regionen. Was nach Schrumpfkur klingt, entpuppt sich als strategisch kluger Zug: weniger Show, mehr Substanz. Im exklusiven Interview erklärt Vice President Thomas Schaffer, wie das neue Konzept aussieht, warum die Industrie darauf drängt – und wie sogar KI dazugehört.
Der Sonepar Partnertreff war über Jahre hinweg Fixpunkt im Veranstaltungskalender der Branche – innovativ, groß, zentral organisiert. Doch die Welt hat sich weitergedreht. Der Fachkräftemangel, der Margendruck, die zunehmende Regionalisierung und der Wunsch nach Effizienz haben ein Umdenken notwendig gemacht. Ab 2026 will Sonepar neue Wege gehen – näher dran, schneller, schlanker. Was das für Kund:innen, Lieferant:innen und das Unternehmen selbst bedeutet, darüber haben wir mit Thomas Schaffer gesprochen.
Herr Schaffer, uns wurde zugetragen, dass Sonepar sein erfolgreiches Messekonzept stark überarbeitet hat. Was ist dran – und was kommt stattdessen?
Thomas Schaffer: Da ist einiges dran. Unser Partnertreff war viele Jahre lang ein echter Branchen-Treffpunkt – ursprünglich 2015 von Bernhard Weber aus Deutschland übernommen und in Österreich mit Leben erfüllt. Wir waren damit definitiv Trendsetter. Aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo wir sagen: Die Anforderungen unserer Kund:innen und Industriepartner haben sich verändert – und wir müssen darauf reagieren.
Wie sieht diese Reaktion konkret aus?
Schaffer: Wir gehen weg von zentralen Großveranstaltungen und hin zu regionalen, kompakteren Formaten. 2026 starten wir mit zwei Events – eines im Süden und eines im Westen Österreichs. Unser Ziel ist: mehr Kundennähe, kürzere Anfahrtszeiten, weniger Kosten – dafür mehr Qualität.
Was war ausschlaggebend für diesen Richtungswechsel?
Schaffer: Vor allem die Rückmeldungen unserer Kund:innen. Viele sagten uns: „Wir würden gerne kommen, aber der heurige Veranstaltungsort liegt für uns einfach zu weit weg.“ Wenn ein Betrieb vier Mitarbeiter für einen ganzen Tag abstellen muss – mit zu acht Stunden Fahrzeit – dann ist das einfach zu viel. Und auch aus der Industrie kam der Wunsch, Messen effizienter und zielgerichteter zu gestalten.
Also ist es auch ein Stück weit eine wirtschaftliche Entscheidung?
Schaffer: Absolut. In Zeiten von massivem Margendruck müssen wir alle auf die Kosten schauen – auch unsere Partner aus der Industrie. Und ehrlich gesagt: Wenn man auf der einen Seite vom Sparen spricht, etwa bei Personal oder Servicekosten, und auf der anderen Seite für Großevents tief in die Tasche greift, passt das nicht mehr zusammen.
Das klingt fast nach einem Paradigmenwechsel. Wird das neue Format auch inhaltlich anders aufgebaut sein?
Schaffer: Ja, das wird es. Wir wollen kein klassisches Messe-Layout mit Stand an Stand. Stattdessen setzen wir auf moderne Veranstaltungsorte, offene Präsentationsflächen und Erlebniselemente – etwa im Bereich Elektromobilität oder Digitalisierung. Wir denken über Locations nach, wo das auch möglich ist. Ziel ist es, Innovation erlebbar zu machen – in einem Umfeld, das inspiriert.
Was dürfen Besucher:innen konkret erwarten?
Schaffer: Zum einen geballte Information: Produktneuheiten, Live-Demos, Podiumsdiskussionen, Fachvorträge – etwa zur Rolle von Künstlicher Intelligenz im Handwerk, Prozessoptimierung, Materialwirtschaft. Zum anderen persönliche Gespräche auf Augenhöhe. Kein Spektakel, sondern Relevanz. Und was uns wichtig ist: Alles soll an einem Tag kompakt erlebbar sein.
Stichwort KI – was können Webshops der Zukunft?
Schaffer: Stellen wir uns einen Webshop vor, mit dem man sprechen kann – per Spracheingabe Anfragen stellen, Produkte finden, technische Daten abrufen. Das ist besonders spannend für Betriebe, die im Tagesgeschäft schnell Antworten brauchen. In Kombination mit unserem sinkenden Personalpool – Stichwort Pensionierungswelle – ist das eine echte Zukunftslösung.
Wie wollen Sie sicherstellen, dass auch wirklich die richtigen Besucher:innen zu den Veranstaltungen kommen?
Schaffer: Wir sprechen gezielt Entscheider an: Geschäftsführer:innen, Projektleiter:innen, Bauleiter:innen. Wir laden direkt über den Vertrieb ein, setzen auf persönliche Kontakte. Es soll kein Goodie-Sammel-Event werden, sondern ein Format mit echtem Nutzen. Qualität statt Quantität ist unsere neue Devise.
Wie bindet Sonepar die Außendienstmitarbeitenden ein?
Schaffer: Der Außendienst bleibt zentrale Schnittstelle – aber ohne Druck. Wir analysieren die Aktivitäten, erkennen, wo welche Potenziale liegen, und motivieren unsere Teams, ihre Kund:innen mitzunehmen. Aber das Format muss für sich selbst sprechen. Wenn es gut ist, kommen die Leute von allein – das ist unser Anspruch.
Klingt nach einem durchdachten Plan. Wie geht es weiter?
Schaffer: 2026 starten wir mit zwei Events, 2028 folgen vier weitere. Parallel bleiben unsere Stammtische und die Soneplanet-Veranstaltungen bestehen. Außerdem engagieren wir uns weiterhin bei der e-nnovation. Das Ganze ist kein Entweder-oder, sondern ein intelligentes Zusammenspiel aus regionaler Nähe und nationalem Netzwerk.
Herr Schaffer, danke für das Gespräch. Ein Satz zum Schluss?
Schaffer: Sonepar hat verstanden: Wir wollen unseren Kund:innen keine Zeit stehlen, sondern Mehrwert bieten. Und unseren Industriepartnern keine unnötigen Kosten aufbürden, sondern gemeinsam mit ihnen mehr Qualität erzeugen – durch Nähe, Innovation und Dialog.