Die zukunftsweisende Initiative „100 Projekte Raus aus Gas“ für saubere Energie der Stadt Wien wurde für die renommierten European Sustainable Energy Awards (EUSEW) nominiert. Ausgezeichnet wird ihr Beitrag zur Förderung einer Wärmeversorgung – und bei Bedarf auch Kühlung – aus 100 Prozent erneuerbarer Energie bis 2040. Das Siegerprojekt unter drei nominierten Initiativen wird durch eine öffentliche Online-Abstimmung ermittelt, die ab sofort bis zum 31. Mai läuft. Die Preisverleihung erfolgt am 9. Juni 2026 in Brüssel.
Die Initiative „100 Projekte Raus aus Gas“ zeigt, wie der Umstieg von Gas auf lokale erneuerbare Heizsysteme gelingt, und schafft einen positiven Kreislauf: Ideen werden von den Projekten in konkrete Maßnahmen übersetzt und die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden anhand replizierbarer Beispiele für Heizungstausch und Gebäudesanierung als übertragbares Wissen aufbereitet.
Von der Idee zur Maßnahme
Innerhalb von zwei Jahren haben die umgesetzten Projekte der Initiative „100 Projekte Raus aus Gas“ 1.030 Gasheizungen in Wien durch lokale erneuerbare Energiesysteme ersetzt. Dadurch wurde die lokale Wirtschaft gestärkt und jährlich mehr als 2.300 Tonnen CO₂ eingespart. Prominentes Beispiel ist das denkmalgeschützte KunstHausWien, das sich als „grünes Museum“ versteht, und vom Künstler und Umweltpionier Friedensreich Hundertwasser gegründet wurde. Der besondere Mehrwert der Initiative liegt jedoch darin, dass die Erfahrungen aus diesen Projekten in übertragbare Erkenntnisse übersetzt werden – etwa dazu, wie Herausforderungen im Zusammenhang mit Eigentums- und Entscheidungsstrukturen sowie rechtliche und verfahrensbezogene Hürden in Mehrparteienhäusern überwunden werden können. „Unser Ansatz besteht darin, praktische Lösungswege für verschiedene Ausgangssituationen in Wien aufzuzeigen. So können einzelne Gebäudeumstellungen in übertragbares Wissen umgewandelt werden“, erklärt Projektleiterin Petra Schöfmann von UIV Urban Innovation Vienna, der Klima- und Innovationsagentur der Stadt Wien, die die Initiative im Auftrag der Stadt Wien umsetzt.
Einzelprojekte werden durch systematische Recherche, gezielte Ansprache und offene Einreichungen identifiziert und anhand technischer sowie rechtlicher Kriterien ausgewählt. Ausgewählte Projekte erhalten außerdem fachliche Unterstützung bei Umsetzungsfragen, etwa zu geeigneten Technologien und Versorgungsoptionen wie Wärmepumpen, Geothermie, Solarthermie oder Biomasse, sowie Informationen zu Fördermöglichkeiten und rechtlichen sowie administrativen Fragen.
Schöfmann erklärt, dass die gewonnenen Erkenntnisse anschließend in Checklisten, Vorlagen und Entscheidungshilfen überführt und sowohl an die öffentliche Verwaltung als auch an die Bau- und Immobilienbranche zurückgespielt werden. Dadurch wird die zukünftige Umsetzung schneller und einfacher.
„Was diese Initiative besonders auszeichnet, ist ihre Breite und ihr Anspruch“, sagt Dr. Stefan Sattler, Referatsleiter für erneuerbare Energien und innovative Energielösungen in der Abteilung Energieplanung der Stadt Wien. „Sie vereint technische Lösungen, soziale Einbindung bis hin zur praktischen und rechtlichen Umsetzung. Damit hat sie wichtige Impulse gesetzt und das notwendige Vertrauen aufgebaut, das für eine Weiterführung und Verbreitung bis 2040 wesentlich ist.“
Die konkreten Auswirkungen sind bereits messbar: Bis Dezember 2025 haben die Projekte der Initiative „100 Projekte Raus aus Gas“ 1.861 Wohnungen von fossilen Systemen auf erneuerbare Heizlösungen umgestellt. Dies zeigt die Umsetzbarkeit im großen Maßstab und schafft eine Grundlage für die nächste Phase.
Europaweit anwendbar
„Die Initiative wird besonders skalierbar, wenn dieser Prozess als kontinuierlicher Lernkreislauf organisiert wird“, erklärt Schöfmann und hebt hervor, dass das Modell europaweit übertragbar ist. „Wenn dieser Ansatz breiter angewendet wird, kann er Städten in ganz Europa helfen, den Ausstieg aus Gas zu beschleunigen, erneuerbare Heizung und Kühlung auszubauen und eine sozial gerechte Energiewende zu ermöglichen“, ergänzt Sattler. „Der Handlungsbedarf ist groß“, betont er und verweist darauf, dass der Wärme- und Kältesektor rund die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs der EU ausmacht, während der Anteil erneuerbarer Energien in diesem Bereich im Jahr 2024 nur bei 26,7 Prozent lag.
Finalist beim EUSEW 2026
Die Initiative „100 Projekte Raus aus Gas“ gehört zu den drei Finalisten in der Kategorie „Local Energy Action“ der European Sustainable Energy Awards 2026. Die Auszeichnung würdigt umgesetzte nachhaltige Energieprojekte, die von Bürger:innen oder Verbraucher:innen als Gruppe getragen werden und zur Energiewende auf lokaler Ebene beitragen. Gleichzeitig sollen sie andere dazu inspirieren, ähnliche Maßnahmen umzusetzen, um eine EU-weite Verbreitung mit wirtschaftlichen und ökologischen Vorteilen zu erreichen.
Die weiteren Finalisten in dieser Kategorie sind Nova Energia Osona aus Spanien und das Projekt MultiHome Service Hub and Platform aus Bulgarien. Nova Energia Osona hat ein Energieprojekt entwickelt, das auf einer Allianz zwischen lokalen Behörden und Energiegemeinschaften basiert und 50 Gemeinden in Katalonien umfasst. Der MultiHome Service Hub and Platform bietet eine lokale Kooperationsplattform für energetische Sanierungen in der zweitgrößten Stadt Bulgariens, Plowdiw. Das Siegerprojekt wird durch eine öffentliche Online-Abstimmung ermittelt, die ab sofort bis zum 31. Mai geöffnet ist. Die Bekanntgabe erfolgt im Rahmen einer Preisverleihung am 9. Juni 2026 in Brüssel.
Quelle: UIV Urban Innovation Vienna GmbH