Rechnungshofbericht:

Smart Meter: Teurer, langsamer, unvollständiger

von Julia Petz
Foto: © www.i-magazin.com / mit KI erstellt

Das war kein Bilderbuch-Rollout. Der Nationalrat nahm am 21. Mai 2026 den Rechnungshofbericht zur Einführung der Smart Meter zwar einstimmig zur Kenntnis – die darin enthaltene Bilanz fällt für Österreich aber alles andere als schmeichelhaft aus. Die intelligenten Messgeräte gelten als zentrale Infrastruktur der Energiewende. Ihre Einführung war laut Rechnungshof jedoch teurer, langsamer und technisch weniger konsequent als geplant.

68 Prozent statt 80 Prozent

Bis Ende 2020 hätten in der EU 80 Prozent der Stromzähler durch Smart Meter ersetzt werden sollen. Österreich erreichte dieses Ziel nicht. Ende 2022 waren hierzulande erst 68 Prozent aller Stromzähler getauscht. Damit blieb Österreich, wie mehr als die Hälfte der EU-Mitgliedstaaten, hinter der Vorgabe zurück.

Der Rechnungshof kritisierte zudem, dass nicht alle eingebauten Geräte tatsächlich „intelligent“ waren. Manche konnten nur eingeschränkt kommunizieren. Auch bei der täglichen Auslesung der Verbrauchsdaten zeigte sich ein zentrales Problem: Keinem Betreiber gelang es laut Rechnungshof, alle erfassten Messgeräte täglich auszulesen.

Damit trifft der Bericht den neuralgischen Punkt der Debatte: Ein Smart Meter ist nicht schon deshalb smart, weil er eingebaut wurde. Sein Nutzen entsteht erst dann, wenn Messdaten verlässlich verfügbar sind, technisch genutzt werden können und daraus Mehrwert für Netzbetreiber, Stromkunden und das Energiesystem entsteht.

2,2 Milliarden Euro und fünf Jahre Verzug

Auch finanziell fiel die Bilanz schwerer aus als ursprünglich angenommen. Die vom Rechnungshof errechneten Gesamtkosten lagen bei rund 2,2 Milliarden Euro. Rechnungshofpräsidentin Margit Kraker kritisierte im Nationalrat eine unzureichende Steuerung, Umsetzungshindernisse und eine Gesamtumsetzungsdauer von zwölf Jahren. Der Zeitplan wurde damit um fünf Jahre überschritten.

Zu den Empfehlungen des Rechnungshofs zählen eine vollständige Kostenerfassung und ein verbessertes Monitoring durch die E-Control. Genau dort liegt die eigentliche Lehre aus dem Bericht: Wer Energiewende, Netzmanagement und Verbrauchssteuerung ernst nimmt, braucht nicht nur Geräte im Feld, sondern belastbare Daten, klare Verantwortlichkeiten und funktionierende Kontrolle.

Zwischen Milliardenflop und Schlüsseltechnologie

Politisch wurde der Bericht unterschiedlich eingeordnet. Die FPÖ sprach von einem „Milliardenflop“, warnte vor zusätzlichen Belastungen für Stromkundinnen und Stromkunden und verwies auf Datenschutzbedenken. Die Grünen hielten dem entgegen, dass der Rechnungshof keine Überwachungsmaßnahmen festgestellt habe, forderten aber mehr Kostentransparenz und bessere Geräte für die nächste Generation.

Die SPÖ kritisierte Kostenüberschreitungen, nicht funktionsfähige Zähler und mahnte die Steuerungsverantwortung des zuständigen Ministeriums ein. Für die NEOS bleiben Smart Meter dennoch ein wesentliches Werkzeug der Energiewende – vor allem für Steuerung, Effizienz und Netzmanagement. Die ÖVP verwies darauf, dass mittlerweile nahezu 100 Prozent Ausrollungsgrad erreicht seien, und betonte die Möglichkeiten, Stromverbrauch gezielt zu steuern und von volatilen Strommärkten zu profitieren.

Daten sind die neue Infrastruktur

Der zweite Rechnungshofbericht zur Energieeffizienz der BIG-Gebäude zeigt, dass sich das Problem nicht auf Smart Meter beschränkt. Auch dort sprach Kraker von einem „Datenproblem“. Für die Elektrotechnik-Branche ist das mehr als eine Randnotiz. Denn ob Smart Meter, Gebäudetechnik oder Energieeffizienz: Die Zukunft hängt daran, ob Daten nicht nur gesammelt, sondern richtig genutzt werden.

Smart Meter bleiben damit eine Schlüsseltechnologie. Der Bericht macht aber deutlich: Der Rollout allein ist noch keine Energiewende. Entscheidend ist, ob aus intelligenten Messgeräten auch ein intelligentes Energiesystem wird.

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