Dynamisches Netzmanagement steigert Kapazität um das Siebenfache

Mehr E-Ladepunkte ohne Netzausbau möglich

von Nakisa Kaltenbach
Foto: © Daniel Hawelka /Wien 3420 aspern Development AG zum Firmenprofil
  • Siemens Österreich und die Wiener Netze präsentieren gemeinsame Forschungsergebnisse auf der CIRED Konferenz in Genf
  • Ergebnisse zeigen, dass die Anzahl der Ladepunkte für Elektrofahrzeuge um das rund Siebenfache erhöht werden kann – ohne zusätzlichen Netzausbau

Die Siemens AG Österreich und die Wiener Netze haben gemeinsam im Rahmen eines Aspern Smart City Research Projekts die Integration von E-Mobilitäts-Ladeinfrastruktur in städtische Niederspannungsnetze erforscht. Präsentiert wurden die neuesten Forschungsergebnisse im Rahmen der diesjährigen Cired Konferenz in Genf.

„Die rasante Zunahme von Elektrofahrzeugen stellt eine große Herausforderung für die bestehende Stromnetz-Infrastruktur da. Ziel unseres Forschungsprojekts ist, durch ein Netzkapazitätsmanagement die verfügbaren Kapazitäten optimal zu nutzen und die Sicherheit des Netzes zu gewährleisten. Unbedingt notwendig dafür ist Transparenz im Verteilnetz“, so Alfred Einfalt, Principal Key Expert bei Siemens, der das zugehörige Projekt mit initiiert hat.

Im Rahmen des Forschungsprojekts hat das Team von Siemens und den Wiener Netzen fünf verschiedene Planungs- und Betriebsstrategien für die Ladeinfrastruktur eines typischen städtischen Niederspannungsnetzabschnitts untersucht. Im Fokus standen dabei vorwiegend Lösungsszenarien, die ohne Netzverstärkung auskommen. Diese reichen von aktuellen statischen Verfahren bis hin zu innovativen Betriebsmodi, in denen auch dynamische Betriebsgrenzen (Operating Envelops, OEs) angewendet werden. Für die Simulationen wurde ein bereits sehr hoch ausgelastetes, typisches urbanes Niederspannungsnetz verwendet. Auf Basis von Echtzeitdaten wurden tatsächliche Netzengpässe ermittelt und durch flexible Anpassung der Ladeleistung die vollständige Erfüllung der Ladeleistung in einer netzverträglichen Art sichergestellt. Durch die Einführung von OEs als dynamische Leistungsgrenzen für Ladeeinrichtungen, basierend auf Echtzeitdaten, konnte die Anzahl der Ladepunkte für Elektrofahrzeuge in dem Simulationsszenario um das rund siebenfache erhöht werden – ganz ohne Netzausbau. Darüber hinaus wurde noch ein Szenario untersucht, in dem die strategische Nutzung der n-1 Reservekapazität für öffentliche Schnellladeeinrichtungen freigegeben wird. N-1 ein zentrales Kriterium in der Netzplanung, das sicherstellt, dass ein Stromnetz den Ausfall einzelner Komponenten durch das „Einspringen“ von anderen Komponenten kompensieren kann. Stromausfälle können so reduziert und in ihrer Dauer verkürzt werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass das dynamische Netzkapazitätsmanagement die Effizienz und Auslastung des Stromnetzes erheblich verbessern kann – und dass die intelligente Planung und Steuerung der Elektromobilität einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten. In einem nächsten Schritt ist die reale Erprobung der Forschungsergebnisse im Testgebiet der Aspern Smart City Research (ASCR) geplant. Das Projekt Sense wurde von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und dem Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) gefördert.

Siemens bietet verschiedene Lösungen an, um Netzbetreibern zu ermöglichen ihre Niederspannungsnetzen besser monitoren zu können und so das Management von Netzbetrieben zu verbessern. Dazu gehören etwa die Software-Lösung Gridscale X LV Insights oder der Sicam EGS Sensor.

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