Der OVE Österreichischer Verband für Elektrotechnik hat im Rahmen seiner Energietechnik-Tagung am 14. und 15. Oktober 2026 in der Seestadt Aspern die OVE-Energietechnik-Preise 2026 verliehen. Die Auszeichnungen würdigen Abschlussarbeiten zu technischen Fragen eines nachhaltigen und zukunftssicheren Energiesystems. Mehr als 300 Energietechnik-Expert:innen nahmen an der zweitägigen Veranstaltung teil; die Preisverleihung fand bei der Abendveranstaltung statt.
Inhaltlich widmete sich die OVE-Energietechnik-Tagung 2026 den Herausforderungen durch neue Verbraucher im Stromnetz und Lösungsansätzen in der Nieder- und Mittelspannung. Neben Fachvorträgen, einer Podiumsdiskussion und einer Poster Session diskutierten die OVE Young Engineers in einem Expert:innen-Talk über die Verteilernetze der Zukunft.
Dissertation: Mittelspannungs-AC-Kabel für den DC-Betrieb
Patrik Ratheiser von der TU Graz erhielt den mit 3.000 Euro dotierten Preis in der Kategorie Dissertationen. Er untersuchte, ob Standard-Mittelspannungs-AC-Kabelsysteme auch für den Gleichstrombetrieb geeignet sind. Damit adressiert die Arbeit die Einsatzmöglichkeiten dieser Kabelsysteme für die Mittel- und Hochspannungs-Gleichstromübertragung.
Die Ergebnisse bestätigten den zuverlässigen Betrieb unter DC und zeigten, dass Raumladungsansammlungen in polymeren Isoliermaterialien unkritisch sind. Ratheiser erarbeitete zudem Erkenntnisse zum Verhalten von Polymerisolierungen unter Gleichspannung, validierte Ergebnisse aus der Literatur und stellte Qualifikationsmethoden für die untersuchten Kabelsysteme bereit.
Universitätsarbeit: Gate-Treiber für einen 6,5-kV-SiC-Umrichter
In der Kategorie Diplom-/Masterarbeit Universität wurde Davut Evsen von der TU Wien mit 2.500 Euro ausgezeichnet. Seine Arbeit trägt den Titel „Design der Ansteuerschaltung eines 6,5 kV SiC-Umrichters für mittelspannungsgespeiste leistungselektronische Konverter“.
Evsen entwarf einen kompakten Gate-Treiber für ein SiC-Leistungsmodul der Spannungsklasse 6,5 kV. Die zugehörige Umrichterstufe unterstützt Zwischenkreisspannungen bis zu 4 kV DC und Ausgangsleistungen bis zu 50 kW. Der Umrichter ist für den Versuchsaufbau eines resonanten DC/DC-Konverters auf Basis eines Mittelfrequenztransformators vorgesehen. Der entwickelte Gate-Treiber erfüllt Anforderungen an Isolationsfestigkeit, Selbstschutz, elektromagnetische Störfestigkeit und einfache Skalierbarkeit.
FH-Masterarbeit: Gebäudemodelle für die Wärmepumpenregelung
Fiona Feurstein von der FHV – Vorarlberg University of Applied Sciences erhielt den mit 2.000 Euro dotierten Preis für ihre Masterarbeit zur Systemidentifikation von Gebäudeenergiesystemen mit Wärmepumpen für die modellprädiktive Regelung.
Um Flexibilitäten eines Gebäudeenergiesystems mit dieser Regelungsmethode nutzen zu können, sind Modelle des Systems erforderlich. Feurstein bildete solche Modelle mit einem Grey-Box-Ansatz und bestimmte anschließend die Modellparameter mittels Systemidentifikation anhand von Realdaten. Die Modelle bildeten das gesamte Gebäudeenergiesystem und dessen Dynamik ab. Berücksichtigt wurden unter anderem solare Einträge sowie die von den Verteilsystemen im Gebäude abgegebene Wärme.
HTL-Diplomarbeit: Solartracker mit Fernüberwachung
Fabian Gutkauf und Thomas Haas von der HTBLVA Pinkafeld wurden in der Kategorie HTL-Diplomarbeit ausgezeichnet. Das Preisgeld beträgt 1.500 Euro. Ihre Arbeit „Smarter Solartracker mit Fernüberwachung“ untersucht, wie sich die Effizienz von Photovoltaikanlagen durch eine automatische Ausrichtung nach dem Sonnenstand steigern lässt.
Im Mittelpunkt standen ein- und zweiachsige Nachführsysteme, die den wechselnden Sonnenverlauf berücksichtigen und Ertragsverluste reduzieren. Die Ergebnisse zeigen Potenzial für höhere Energieerträge, machen aber auch wirtschaftliche und technische Herausforderungen solcher Systeme sichtbar.
Weiterer Forschungspreis und Einreichungsmöglichkeit für 2027
Der Verein zur Förderung der Schalterforschung vergab bei der Tagung außerdem den Prof. Werner Rieder-Preis an Leonhard Reinthaler. In seiner Diplomarbeit an der TU Wien verglich er Konzepte zur Blindleistungskompensation auf Höchstspannungsebene und analysierte sie am Beispiel des österreichischen Übertragungsnetzes.
Mit den Energietechnik-Preisen zeichnet der OVE jährlich Abschlussarbeiten von HTL-Schüler:innen sowie Studierenden an Fachhochschulen und Universitäten aus. Einreichungen für die OVE-Energietechnik-Preise 2027 sind bereits über www.ove.at möglich.
Häufig gestellte Fragen
Welche Abschlussarbeiten erhielten die OVE-Energietechnik-Preise 2026?
Ausgezeichnet wurden Patrik Ratheiser von der TU Graz für seine Dissertation zu Mittelspannungs-AC-Kabelsystemen im Gleichstrombetrieb, Davut Evsen von der TU Wien für seine Arbeit zu einem Gate-Treiber für einen 6,5-kV-SiC-Umrichter, Fiona Feurstein von der FHV für ihre Masterarbeit zu Gebäudemodellen für die Wärmepumpenregelung sowie Fabian Gutkauf und Thomas Haas von der HTBLVA Pinkafeld für ihre Diplomarbeit zu einem Solartracker mit Fernüberwachung.
Wie hoch sind die Preisgelder der OVE-Energietechnik-Preise 2026?
Der Preis für Dissertationen ist mit 3.000 Euro dotiert, jener für Diplom- beziehungsweise Masterarbeiten an Universitäten mit 2.500 Euro. Für die FH-Masterarbeit wurden 2.000 Euro und für die HTL-Diplomarbeit 1.500 Euro vergeben.
Sind Einreichungen für die OVE-Energietechnik-Preise 2027 bereits möglich?
Ja, Einreichungen für die OVE-Energietechnik-Preise 2027 sind bereits über www.ove.at möglich. Der OVE zeichnet jährlich Abschlussarbeiten von HTL-Schüler:innen sowie Studierenden an Fachhochschulen und Universitäten aus.
Quelle: OVE Österreichischer Verband für Elektrotechnik