Ausschreiben ohne Bauchweh:

Schrack Planertag 2025: Learnings für Planer:innen

von Laura Peichl
von Thomas Buchbauer – Recherche, Konzept und Kuration Foto: © www.i-magazin.com

Manchmal kippt ein Projekt nicht an großen Fragen, sondern an kleinen Unschärfen. Ein fehlender Projektauftrag. Eine Abrechnung, die wackelt. Ein Rettungszeichen, das im Ernstfall übersehen wird. Beim Schrack Planertag erzählten fünf Stimmen, wie man diese Kippmomente entschärft: Vergabe sauber aufsetzen, Sicherheitsbeleuchtung risikogerecht planen, Ladeinfrastruktur nach Stehzeit dimensionieren, Licht mit Wirkung denken – und rechtzeitig die richtige Nummer wählen. Die stille Pointe kommt ganz am Ende.

Oeynhausen, Schrack Technik Academy. Ein kompakter Tag, fünf Bausteine, ein roter Faden: Welche Möglichkeiten, Tools, Tipps und Handlungsanleitungen bekommen Planer:innen, damit Projekte planbar bleiben – von der Idee bis zur Übergabe? Der Ablauf führt bewusst von Struktur (Vergabe) über Sicherheit, Laden, Licht bis zu Service. Was folgt, sind die Essenzen, erzählerisch verdichtet – im Ton vom i-Magazin: klar, nah an der Praxis, ohne Fachjargon-Overkill.

Service ist kein Extra – es ist die Abkürzung im Alltag

„Schön, dass Sie da sind.“ Mit dieser ruhigen Begrüßung eröffnet Hermann Hartl den Tag. Kein Show-Block, sondern Handwerk: zuhören, mitschreiben, mitnehmen. Vorne werden die Punkte sortiert, die später auf der Baustelle den Puls senken. Der Plan: erst Roman Duskanich, dann Erich Gattermayer, Markus Essbüchl, Michael Helfert, zum Schluss Michael Fichtinger mit dem Service-Shortcut. So greifen die Zahnräder ineinander.

Roman Duskanich – Vom Wunsch zur Wirklichkeit

Roman Duskanich – Vom Wunsch zur Wirklichkeit: Er erklärt, wie ein Projektauftrag trägt – und warum saubere Ausschreibungen die beste Nachtragsversicherung sind. (Bild: www.i-magazin.at)

Am Anfang steht kein Rendering, sondern ein Gespräch: Wer nutzt? Wozu? Welche Räume, welche Qualität, welche Kosten, welcher Zeitpfad? Duskanich bleibt bei den einfachen Worten und zeigt, wie daraus Grundlagen werden. Erst wenn Funktion und Größe verstanden sind, lohnt sich der Schritt in die Projektorganisation – mit einem Projektauftrag, der nicht nur unterschrieben ist, sondern Kompetenzen klärt: Wer entscheidet? Wie schnell? In welchem Rahmen?

Er zeichnet die Rollen nicht als Zäune, sondern als Spielräume: Management (Kosten, Termine, Mengen, Qualität, Änderungen), Planung (die fachliche Werkbank der Disziplinen), Ausführung (entscheiden auf der Baustelle). Wenn Management bei der Architektur liegt, dann bewusst – schriftlich, transparent, für alle lesbar. Sonst rutscht Verantwortung und mit ihr der Termin.

Ein Projekt braucht Gelenke. Deshalb plädiert Duskanich für ein Projekthandbuch, das wie eine Bedienungsanleitung wirkt: schlank, verbindlich, lesbar. Darin: Sitzungen, Freigaben, Änderungen, Ablage. Keine Perfektion, sondern Machbarkeit – damit das Dokument gelebt wird und nicht verstaubt.

Dann die Stelle, an der Budgets kippen oder halten: Änderungsmanagement. Jede Abweichung von freigegebener Planung oder bestellter Leistung wird früh als Änderung benannt. Danach läuft ein kurzer, immer gleicher Prozess: Antrag aus der Fachdisziplin, Verteilung an die betroffenen Planer, Bewertung von Kosten, Terminen und Beschreibung, Benennung von Verursacher und Kostenträger. Kleine Änderungen bleiben im Spielraum des Projektleiters; große bekommen den Beschluss, weil der Kostenrahmen steigt. So bleibt die Kurve steuerbar.

Zum Schluss führt er dorthin, wo der spätere Frieden beginnt: Ausschreibungen. Sie sind dann gut, wenn sie verstehen lassen, was bestellt ist. Dazu gehört, dass die Planung fertig ist, Mengen plausibel sind und die Umstände der Leistungserbringung klar benannt: Innenhof statt Straßenfront; Nachtarbeit statt Normschicht; Zwischen- und Endtermine, die nicht „drüberfahren“. Die ÖNORM B 2110 ist dabei kein Stolperstein, sondern ein Geländer: vollständig beschreiben, Gleichartiges bündeln, Nebenleistungen sauber zuordnen. Standardpositionen zuerst, Z-Positionen nur, wenn es anders nicht geht. Neubau und Sanierung trennen, Eventualpositionen und „Menge 1“-Angstbremsen hinterfragen. So entsteht ein LV, das in der Vergabe Vergleichbarkeit schafft und in der Abrechnung trägt.

Zwei kleine Beispiele mit großer Wirkung: Abbruch in m³ heißt in der Entsorgung t – mit hinterlegter Rohdichte. Sonst laufen Umlagen und Sprungpreise davon. Und bei Deckenschalungen entscheidet die Vorhaltemenge über die Fairness in der Änderung. Wie sauber das K-Blatt ist, merkt man erst dann. Wer das weiß, plant ruhiger.

„Ist das „Wie“ geklärt, wird das „Womit“ plötzlich einfach.“

Erich Gattermayer – Sicherheitsbeleuchtung: Sichtbar, wenn Nerven hochgehen

Erich Gattermayer – Sichtbar, wenn’s zählt: 1 Lux am Weg, 5 Lux vertikal an den entscheidenden Stellen – plus Betrieb, der die Anlage wachhält. (Bild: www.i-magazin.at)

Gattermayer räumt die Normen auf, ohne Pathos. Er zeigt, wie das harmonisierte Layout der Regelwerke Orientierung gibt, und warum eine Risiko-Brille besser passt als Tabellenmut. Drei Größen rücken ins Zentrum: Aktivierungszeit, Systembetriebsdauer, Evakuierungszeit. Was sich trocken anhört, wird praktisch, sobald man Wege nicht als Linien denkt, sondern als Bewegung: Wo Menschen abbiegen, absteigen, Türen öffnen, braucht es vertikale Sichtbarkeit.

1 Lux am Boden des Rettungswegs ist die Mindestlinie; 5 Lux vertikal an Brandmelde- und Erste-Hilfe-Elementen, an Aufzugstüren Richtung Rettungsweg und an Punkten, an denen Menschen mit Behinderung bedienen müssen. Wichtig ist die Verteilung: Eine einzelne ausgefallene Leuchte darf den Weg nicht „schwarz“ machen. Rettungszeichen hängen so, dass sie nicht einander verdecken; Leuchten sitzen ≥ 2 m – Ausnahmen nur, wenn sie griffig begründet sind. Reflexionen werden nicht schön gerechnet, Glas bleibt Glas.

Dann weitet er den Blick: Sanitärbereiche über acht Quadratmeter bekommen Anti-Panik-Beleuchtung plus Kennzeichnung; barrierefreie WCs und Duschen brauchen 1 Lux am Boden und 5 Lux vertikal am Notruf; Technik- und Verteilerräume sind arbeitsfähig auszuleuchten – nicht nur am Boden, sondern an den Schalttafeln. Draußen reicht der Weg bis zum Sammelplatz. Blendung in Laufrichtung wird vermieden; die Leuchten sind nur im Notfall aktiv.

Mit der Übergabe wechselt die Verantwortung – und die Anlage bleibt wach: tägliche Selbsttests, monatliche Sichtprüfungen mit Protokoll, jährliche Volltests über die gesamte Autonomiezeit. Das Anlagenbuch liegt vor Ort – kein Link in einer Ablage, die man in der Hektik nicht findet.

Zum Schluss das Update, das vielen hilft: Für kleinere LPS-Anlagen sind nationale Erleichterungen wirksam, wenn Leuchtenanzahl und Brandabschnitt im Rahmen bleiben. Was bleibt, ist die Entlüftung – unspektakulär, aber im Ereignisfall entscheidend. Wer so plant, misst später ohne Überraschung.

„Sicherheit ist kein Zusatz, sie ist eine Betriebsart des Gebäudes.“

Markus Essbüchl – Ladeinfrastruktur: Planen nach Stehzeit, nicht nach Angst

Markus Essbüchl – Stehzeit statt Bauchgefühl: Anschlusswerte schrumpfen, wenn Lastmanagement denkt; Direct Payment macht die Anlage alltagstauglich.(Bild: www.i-magazin.at)

Das Gespräch beginnt oft mit dem Wort „Anschlusswert“ – und endet mit einem übergroßen Trafo. Markus Essbüchl dreht die Perspektive: Stehzeit dimensioniert die Leistung. Eine Woche Parkdauer? Eine kleine Leistung mit Lastmanagement reicht. Ein Tag? AC 11–22 kW. Eine Stunde? DC um 200 kW. Unter einer Stunde? Dann skaliert man hoch – aber gezielt.

Essbüchl rechnet das Bauchgefühl aus: 20 Ladepunkte à 11 kW sind nicht 220 kW Anschlussleistung, wenn dynamisches Lastmanagement das Gebäude im Blick hat. Die reale Spitze liegt deutlich darunter; in sechs Stunden entsteht genug Reichweite – über alle Fahrzeuge gemittelt. So schrumpft der Netzanschluss, ohne dass der Betrieb leidet. Rechnen statt raunen.

Auf der Produktseite reicht die Spannweite von DC 30 bis 480 kW – als Wand- oder Standgerät, als Cabinet mit Dispenser oder als kompakter „Doppelpunkt“. Pkw nehmen heute hohe Leistungen an, aber die Batterie gibt den Takt. Wer 200 bis 300 Kilometer „in einer Kaffeepause“ verspricht, sorgt lieber für Kühlung und stabile Komponenten, als Zahlen zu stapeln. Für Lkw sind Megawatt-Konzepte im Zulauf; dort wird der Pantograph plötzlich pragmatisch.

Die zweite Klammer ist die Abrechnung. Kleine Anlagen kommen ohne großes Backend aus; eine Handvoll Punkte lassen sich mit Bordmitteln dokumentieren. Sobald es komplexer wird, punktet Transparenz – für Betreiber, für Dienstwagen, für den Kunden. Direct Payment macht vieles leichter: EC, Kreditkarte, Smartphone, ein dynamischer QR-Beleg per E-Mail, kein Karten-Zoo. Betreiber bleiben abrechnungsfähig, Nutzer spontan.

PV-Überschuss klingt nach Gratis-Energie, fühlt sich im Netz aber nur dann so an, wenn er in der Minute messbar ist. Lastmanagement muss mit ruhiger Hand reagieren. Wer dazu dynamische Tarife nutzt, verschiebt Ladefenster in preisgünstige Zeiten – genau der SmartGyver-Gedanke: Strom dort verbrauchen, wo er entsteht und wann er Sinn macht. Das entlastet Netze und Geldbörsen.

Zum Schluss die Zukunft in Reichweite: V2X. Das Auto als Speicher ist kein Gag mehr. DC-seitig ist die Technik reifer; Projekte zeigen, dass Entladen funktioniert. Die große Vision – Fahrzeuge als verteilte Flexibilität – lebt von offenen Schnittstellen in der Planung. Wer heute daran denkt, spart morgen Umbauten.

Wer seine Last kennt, plant Anschlusswerte – nicht Ängste.“

Michael „Michi“ Helfert – Licht: Wirkung vor Watt

Michael „Michi“ Helfert – Wirkung vor Watt: Drinnen flexibel, draußen regelkonform. Messen, justieren, fertig. (Bild: www.i-magazin.at)

Michael Helfert spricht leise, aber deutlich: „Licht ist gut, wenn niemand darüber reden muss.“ Gemeint ist: Es passt zum Zweck, zur Stimmung, zur Aufgabe. Im Büroalltag helfen umschaltbare Farbtemperaturen, dimmbares Licht und schaltbare Indirektanteile – gesteuert per DALI, ohne die Anlage zu verkomplizieren. Eine Leuchtenfamilie wird zum Werkzeugkasten: mehrere Durchmesser, Schwarz/Weiß, 3.000/4.000 K, montierbar bündig, abgesetzt oder pendelnd. Man plant nicht Lumen, sondern Wirkung – inklusive Blendbegrenzung und Farbtreue.

Draußen ist das Spiel ein anderes. Seit die Lichtverschmutzung in Normen gegossen ist, gilt die einfache Linie: kein Licht nach oben, wärmere Farbtemperaturen, gebietsspezifische Vorgaben. Abweichungen – Sport, TV, Verkehr – werden abgestimmt. Oft genügt Abschirmung oder Dimmen, um Nachbarn und Natur zu beruhigen. Und ja: Reflexion zählt mit. Wer helle Fassaden flutet, macht den Himmel nicht dunkler.

Im Bestand sind die „schnellen Lösungen“ selten die besten. Retrofit-Röhren in Direkt/Indirekt-Leuchten verändern das Lichtbild; die Decke verliert, der Raum wirkt enger, obwohl Messwerte stimmen. Sanierungssätze sind rechtlich Neuleuchten – mit Prüfung. Unkritisch: Tragschienen mit definierten Einsätzen. Am Ende hilft eine kleine Vor-Ort-Messung: Ist-Luxwerte notieren, Zielbild beschreiben, Varianten testen. So wird aus Meinung Wissen – und aus „zu hell/zu dunkel“ ein lösbares Detail.

„Gutes Licht fällt nicht auf – es fällt richtig.“

Michael Fichtinger – Tools, Texte, Muster. Und jemand, der abhebt.

Michael Fichtinger – Der kurze Weg: Tools, Texte, Muster – und jemand, der abhebt, bevor etwas kippt.(Bild: www.i-magazin.at)

Die letzte Präsentation ist die leiseste – und wahrscheinlich die wirksamste. Michael Fichtinger ist Erstansprechpartner. Keine Hotline-Warteschleife, sondern ein kurzer Weg: Anliegen aufnehmen, die richtige Fachabteilung dazuholen, Antwort mit realistischem Zeitfenster zurückspielen. Das spart die Schleifen, die Projekte ermüden.

Er zeigt, was sofort hilft: Konfiguratoren für den Planungsalltag; Ausschreibungstexte als ONLV-Datenträger und PDF, die zu den Leistungsbeschreibungen passen; Kataloge physisch und am USB-Stick; und die Musterbox für das Visio-Schalterprogramm, die man einfach mitnimmt – alle Farben, beide Designlinien, entscheidungsfähig am Tisch des Auftraggebers. So werden Varianten sichtbar, bevor sie teuer werden.

Ein Moderator-Hinweis ergänzt das Bild: Die Schrack-Texte sind Ergänzungen zu LBH-Formaten – das vermeidet Bruchstellen zwischen Planung und Vergabe. Wer diese Brücke früh nutzt, muss später weniger reparieren. Genau hier liegt die stille Pointe des Tages.

www.schrack.at

www.i-magazin.com

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