20 Jahre Liberalisierung:

Stromversorgung heute erneut im Umbruch

von David Lodahl
Foto: © Pixabay/fietzfotos

Seit 1.10.2001 ist der Strommarkt vollständig geöffnet und der Wettbewerb hat in Österreich als einem der ersten Länder in Europa Einzug gehalten. Nun soll Österreich wieder Vorreiter sein und seine Stromversorgung bis 2030 zu 100% aus erneuerbaren Energien (national, bilanziell) stammen. Damals wie jetzt steht die Branche in einer Transformation, die sie aktiv gestalten wird, wenn die Rahmenbedingungen passen.

Die Liberalisierung des Strommarktes war für die österreichische E-Wirtschaft der Beginn einer Zeitenwende. Neue Lieferanten traten am österreichischen Markt auf, aus Versorgungsgebieten wurden Märkte, aus Stromabnehmern Kunden, aus integrierten Versorgungsunternehmen wurden Stromerzeuger, Netzbetreiber, Händler und Lieferanten. Mit der Liberalisierung wurde ein Marktmodell etabliert, das heute noch gilt. „Die österreichische E-Wirtschaft hat diesen Wandel mit großem Einsatz mitgestaltet und die Unternehmen haben bewiesen, dass sie sich auch im europäischen Wettbewerb behaupten können“, sagt Michael Strugl, Präsident von Oesterreichs Energie, der Interessenvertretung der E-Wirtschaft. Heute steht die Branche vor einer ähnlichen Herausforderung: In weniger als einem Jahrzehnt soll der Strom in Österreich über das Jahr betrachtet vollständig aus erneuerbaren Quellen stammen, bereits in zwei Jahrzehnten soll das gesamte Land die Klimaneutralität erreichen.

„Die politischen Ziele im Bereich des Erneuerbaren-Ausbaus stellen die Liberalisierung aber klar in den Schatten: Heute geht es nicht darum, ein bestehendes System an neuen Regeln auszurichten. Es geht darum ein funktionierendes System im Vollbetrieb massiv auszubauen und in weiten Teilen neu zu errichten – und all das unter den Spielregeln eines wettbewerbsorientierten Marktes“, sagt Strugl. „Damit das Projekt Energiewende gelingen kann, braucht es die richtigen Rahmenbedingungen. Wir brauchen geeignete Flächen, auf denen wir unsere Kraftwerke und Netze errichten können. Wir brauchen zügige und berechenbare Genehmigungsverfahren, damit wir unsere Projekte in vernünftiger Zeit planen und umsetzen können – und wir brauchen ein zeitgemäßes Marktdesign, das eine gute Balance zwischen Kosteneffizienz und Anreizen für Zukunftsinvestitionen findet“, so Strugl weiter.

Die vergangenen zwei Jahrzehnte haben gezeigt, dass das österreichischen Marktmodell in der Lage ist eine ausgezeichnete Balance zwischen günstigen Energiepreisen, einer hohen Versorgungsicherheit und einer hohen Innovationsfähigkeit herzustellen. In den kommenden zwei Jahrzenten steht uns nun eine Transformation bevor, die es in diesem Ausmaß im Energiebereich noch nicht gegeben hat. „Um diesen Übergang reibungslos und effizient zu gestalten, werden wir unser Marktmodell in den nächsten Jahren sicher in einigen Teilbereichen anpassen und weiterentwickeln müssen, etwa durch die Einführung einer fairen und umfassenden CO2-Bepreisung. Nur so wird es gelingen, das Energiesystem ohne laufende Detailsteuerungen in Richtung Klimaneutralität zu bewegen.“

Energiewende ist Netzwende

„Entscheidend für das Gelingen der Energiewende ist außerdem der rasche Ausbau der Übertragungs- und der Verteilernetze“, sagt Strugl. Dafür muss das Regulierungssystem klare Anreize in Form einer angemessenen Verzinsung der Investitionen bieten und es müssen Signale geschaffen werden, die alle Marktteilnehmer dazu anhalten sich an den Erfordernissen eines sicheren Betriebs der Stromnetze zu orientieren. Eine weitere wesentliche Hürde sieht Strugl in den teils überlangen Genehmigungsverfahren insbesondere für Leitungsprojekte. „Die Energiewende ist eine Netzwende. Wir müssen die Netze synchron mit den Erzeugungskapazitäten ausbauen, sonst wird die Energiewende nicht zu schaffen sein“, betont Strugl.

Zudem gibt es insbesondere bei Kraftwerken, die für die Versorgungssicherheit wesentlich sind – also bei Pumpspeichern, bei Sektorkopplungsanlagen und bei Gaskraftwerken – derzeit zu wenig Investitionssicherheit. Das wirkt sich negativ auf die Attraktivität von Projekten aus und könnte langfristig dazu führen, dass wichtige Projekte in diesen Bereichen verzögert oder verhindert werden.

Infrastrukturausbau ist Grundlage für Klimaneutralität

Mit dem Beschluss des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG) wurde im Hinblick auf die Errichtung zusätzlich erneuerbarer Erzeugungsanlagen kürzlich eine wichtige Grundlage geschaffen. Die wesentlichen Aspekte des Pakets sind aus Sicht der Branche die differenzierte Förderkulisse, die Definition technologiespezifischer Ausbaupfade, die einen gleichzeitigen Ausbau aller Erzeugungsformen sicherstellt, und die Einführung einer wettbewerbsorientierten Marktprämie. „Das EAG enthält aus unserer Sicht viele gute Ansätze – damit wir aber mit der Umsetzung unserer Projekte starten können, brauchen wir rasch die entsprechenden Verordnungen und die Zustimmung der EU-Kommission. Wir hoffen sehr, dass hier nicht weiter unnötig Zeit verloren geht“, so Strugl.

Quelle: Österreichs E-Wirtschaft

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