Gemeinsame Projektgesellschaft für grünen Wasserstoff in der Wesermarsch:

Elektrolyse JadeWeser: Ewe und Verbund planen bis zu 500 MW

von Laura Peichl
Foto: © EWE

CHC Elektrolyse JadeWeser ist ein geplantes Wasserstoffprojekt von Ewe Ag und Verbund Ag in Nordenham in der Wesermarsch. Die Energieunternehmen kündigten am 9. Oktober 2026 an, das Vorhaben über eine eigenständige Projektgesellschaft zu entwickeln. Vorgesehen sind die Erzeugung von grünem Wasserstoff, dessen Speicherung und eine Anbindung an das zukünftige Wasserstoff-Kernnetz. Damit wollen die Partner künftig Industrie, Mobilität und den Energiesektor versorgen und zum Aufbau einer integrierten europäischen Wasserstoffwirtschaft beitragen.

Bis zu 500 Megawatt Elektrolyseleistung geplant

Kern des Vorhabens ist ein Elektrolyseur mit einer Leistung von bis zu 500 Megawatt. Die geplante Produktionskapazität liegt bei rund 50.000 Tonnen grünem Wasserstoff pro Jahr. Als Grundlage für die Produktion nennen die Partner heimische erneuerbare Energien. Wasserstoff könnte voraussichtlich ab dem Jahr 2032 bereitgestellt werden.

Die Eckdaten beschreiben damit ein geplantes Projekt, keine bereits verfügbare Erzeugungskapazität. Auch die Bereitstellung ab 2032 ist als Möglichkeit und nicht als fest zugesagter Betriebsbeginn formuliert. Für die künftige Versorgung setzen die Partner auf die Kombination aus Produktion, Speicherung und Netzanbindung. Der Elektrolyseur soll somit Teil eines integrierten Wasserstoff-Hubs werden, der mehrere Stufen der Versorgung zusammenführt.

Tochtergesellschaften bündeln ihre Wasserstoffaktivitäten

Die Ewe Hydrogen GmbH und die Verbund Green Hydrogen GmbH etablieren das Joint Venture. Die Partner bringen Kompetenzen entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette ein. Gemeinsam verfügen Ewe und Verbund bereits über Wasserstoffprojekte mit einer Leistung von rund 400 Megawatt, die sich in Umsetzung oder bereits im Betrieb befinden. Diese Angabe bezieht sich auf das bestehende Projektportfolio der Partner, nicht auf den geplanten Elektrolyseur in Nordenham.

Die Gründung fällt nach Einschätzung der Unternehmen in eine Phase zunehmender Konsolidierung des Wasserstoffmarkts. Für die Umsetzung von Vorhaben seien neben technologischer Kompetenz insbesondere belastbare Infrastruktur, gesicherte Standorte, starke Finanzierungspartner und konkrete Vermarktungsperspektiven entscheidend. Die Partnerschaft soll die Erfahrungen beider Energieunternehmen aus großtechnischen Wasserstoffprojekten zusammenführen und die Grundlage für die Realisierung des gemeinsamen Vorhabens schaffen.

Flächen und elektrische Infrastruktur in Nordenham

Für das Wasserstoffprojekt in Nordenham sind nach Angaben der Kooperationspartner Flächen im südlichen Stadtgebiet langfristig gesichert. Der geplante Standort liegt neben einem ehemaligen Kernkraftwerk. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein leistungsfähiger 380-kV-Netzanschluss mit einer Ausbauperspektive bis in den Gigawattbereich. Die genannte Ausbauperspektive ist von der vorhandenen elektrischen Infrastruktur zu unterscheiden.

Als weitere Standortvoraussetzungen führen Ewe und Verbund eine gesicherte Wasserverfügbarkeit sowie bestehende Industrieinfrastruktur an. Hinzu kommt die Nähe zu wichtigen Industrie-, Mobilitäts- und Importkorridoren. Als Beispiel nennen die Unternehmen die künftige Autobahn A20. Auch hier handelt es sich um eine zukünftige Verkehrsverbindung und nicht um eine bereits bestehende Voraussetzung. Die Partner begründen die Standortwahl damit sowohl mit vorhandenen Ressourcen als auch mit den Perspektiven für den weiteren Infrastrukturausbau in der Region.

Kernnetzanbindung vorgesehen, Speicherzugang als Standortvorteil

Die Anlage soll an das zukünftige deutsche Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen werden. Dieses verorten die Unternehmen ebenfalls in unmittelbarer Nähe des Standorts. Eine bereits bestehende Anbindung des geplanten Elektrolyseurs wird damit nicht beschrieben. Perspektivisch soll das Vorhaben außerdem in zukünftige europäische Wasserstoff-Korridore eingebunden werden.

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Für die Speicherung nennen die Partner den Zugang zu Wasserstoff-Kavernenspeichern beziehungsweise die unmittelbare Nähe zu entsprechenden Speicherinfrastrukturen. Diese Voraussetzung soll es ermöglichen, Wasserstoff künftig flexibel zu speichern und bedarfsgerecht bereitzustellen. Die Speicheroption ergänzt damit die geplante Erzeugung und den vorgesehenen Netzanschluss. Aus Sicht der Unternehmen soll diese Kombination die Versorgungssicherheit stärken und eine marktorientierte Wasserstoffversorgung ermöglichen.

Stromkosten und regulatorische Vorgaben bleiben entscheidend

Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der Ewe Ag, verweist trotz der gebündelten Projekterfahrung auf den regulatorischen Handlungsbedarf: „Für einen erfolgreichen Markthochlauf sind aber weiterhin regulatorische Anpassungen notwendig, wie zum Beispiel die RFNBO-Vorgaben der EU.“ Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen betont Dohler die Bedeutung starker Partnerschaften für die Umsetzung.

Tobias Moldenhauer, Geschäftsführer der Ewe Hydrogen GmbH, nennt die langen Entwicklungs- und Investitionszyklen als wesentliche Herausforderung. Dafür seien verlässliche regulatorische, wirtschaftliche und infrastrukturelle Rahmenbedingungen erforderlich. Konkret verweist er auf die Strombezugskosten sowie die aktuelle Mehrbelastung durch RFNBO-Vorgaben, Netzentgelte und indirekte Emissionskosten.

Auf der Nachfrageseite fordert Moldenhauer Anreize für eine wettbewerbsfähige Nutzung von Wasserstoff in der Industrie. Als Beispiel nennt er geeignete Instrumente zur Kompensierung der Differenzkosten. Den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft beschreibt er als kapitalintensiv, langfristig angelegt und im Markthochlauf mit unterschiedlichen Risiken verbunden. Strategische Partnerschaften sollen helfen, diese Herausforderungen zu bewältigen.

Europäische Versorgung als gemeinsames Ziel

Elektrolyse JadeWeser ist ein zentrales Element der gemeinsamen Wasserstoffstrategie von Ewe und Verbund. Über die deutsche Kernnetzanbindung und die perspektivischen europäischen Korridore soll das Vorhaben zur Integration der europäischen Energiemärkte beitragen. Die Unternehmen verbinden damit auch Ziele der Versorgungssicherheit und des Klimaschutzes.

Mit der Produktion auf Basis heimischer erneuerbarer Energien wollen die Partner langfristig die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten verringern. Michael Strugl, CEO der Verbund Ag, ordnet JadeWeser als Baustein einer künftig europäischen Wasserstoffwirtschaft ein. Die Zusammenarbeit soll nach seiner Einschätzung Voraussetzungen für eine sichere und wettbewerbsfähige Versorgung mit grünem Wasserstoff schaffen.

Energieunternehmen aus Deutschland und Österreich

Ewe hat seinen Hauptsitz in Oldenburg und befindet sich überwiegend in kommunaler Hand. Der Konzern ist in Energie, Telekommunikation und Informationstechnologie aktiv und beschäftigt rund 11.200 Mitarbeitende. Der Umsatz betrug im Jahr 2025 8,1 Milliarden Euro. Zu den angekündigten Investitionsfeldern zählen Stromnetze, Glasfaserinfrastruktur, neue Windkraftanlagen und Wasserstoffinfrastruktur.

Verbund erzeugt rund 95 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien, vorwiegend aus Wasserkraft, und handelt in zwölf Ländern mit Strom. Mit Tochterunternehmen und Partnern deckt der österreichische Konzern Aktivitäten von der Erzeugung über den Transport bis zum internationalen Handel und Vertrieb ab. Verbund notiert seit 1988 an der Börse Wien; 51 Prozent des Aktienkapitals hält die Republik Österreich.

Weitere Informationen auf: www.ewe.com

Quelle: EWE

Häufig gestellte Fragen

Welche Leistung und Produktionskapazität sind für Elektrolyse JadeWeser geplant?

Ewe und Verbund planen in Nordenham einen Elektrolyseur mit bis zu 500 MW Leistung. Die vorgesehene Produktionskapazität beträgt rund 50.000 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr auf Basis heimischer erneuerbarer Energien.

Ab wann könnte Elektrolyse JadeWeser grünen Wasserstoff bereitstellen?

Grüner Wasserstoff könnte voraussichtlich ab 2032 bereitgestellt werden. Der Artikel beschreibt diesen Zeitpunkt als Möglichkeit, nicht als fest zugesagten Betriebsbeginn.

Wie sollen Speicherung und Transport des Wasserstoffs erfolgen?

Die Anlage soll an das zukünftige deutsche Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen und perspektivisch in europäische Wasserstoff-Korridore eingebunden werden. Für die Speicherung nennen die Partner den Zugang zu Wasserstoff-Kavernenspeichern beziehungsweise die unmittelbare Nähe zu entsprechenden Speicherinfrastrukturen.

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