Metz Connect Academy zum Thema Fiber In The Home:

„Grün auf Blau ist nicht schlau!“

von Laura Peichl
von Thomas Buchbauer – Recherche, Konzept und Kuration Foto: © Metz Connect

In immer mehr österreichischen Straßen liegt die Glasfaser – genutzt wird sie deutlich seltener, als sie verfügbar ist. Zwischen dem Punkt, an dem der Netzeigentümer übergibt, und der Dose im Wohnzimmer liegt ein Gewerk, das kein Provider mitliefert: die gebäudeinterne Infrastruktur. Sie gehört dem Bauherrn, und der vergibt sie – im Regelfall an das Elektrotechnik-Handwerk. Dirk Reich, Fachreferent und Trainer der Metz Connect Academy, hat in einem Webinar durchdekliniert, worauf es ankommt – von der Faserart bis zum Steckerschliff. Wir haben mitgeschrieben und ergänzt, was in Österreich anders läuft.

Drei Zuständigkeiten, eine Schnittstelle

Reich beginnt mit jener Abgrenzung, die für die meisten Missverständnisse sorgt. Der Netzeigentümer verlegt die Faser in der Straße und bringt sie bis zum Hausübergabepunkt (HÜP) – dort endet seine Zuständigkeit. Der Provider verkauft nur Datenmengen über diese Faser und hat auf die Gebäudeinfrastruktur keinen Einfluss. Dazwischen steht der Gebäudeeigentümer: Ihm gehört alles zwischen Haus- und Wohnungsübergabepunkt (WÜP), und er vergibt den Auftrag frei. Im Einfamilienhaus ist der HÜP zugleich der Wandlungspunkt – ab dort ist Schluss mit Glas, es beginnt Kupfer. Im Mehrfamilienhaus entsteht dagegen ein eigenes Leitungsnetz aus Lichtwellenleitern – genau das ist das Auftragsvolumen, das derzeit vergeben wird. „Im besten Fall an den fachkundigen Elektroinstallateur, der das Gebäude kennt“, sagt Reich.

Was in Österreich anders ist

Für den heimischen Markt heißt das zweierlei. Erstens ist die Schere zwischen verfügbarem und geschaltetem Anschluss auch bei uns das eigentliche Thema. Nach den Zahlen des FTTH Council Europe, die Open Fiber Austria im April einordnete, ist die Glasfaser für rund 2,4 Millionen österreichische Haushalte verfügbar – 58 Prozent nach 49,7 Prozent zwei Jahre zuvor. Genutzt wird sie von etwa 600.000. Für das Handwerk ist das ein Auftragspolster: Jeder dieser dunklen Anschlüsse braucht irgendwann jemanden, der ihn ins Gebäude bringt. Zweitens ist der im Webinar gezeigte Telekom-Ratgeber ein deutsches Dokument. Bei uns gibt jeder Netzeigentümer eigene Errichtungsrichtlinien heraus – A1, Magenta, öGIG, nöGIG/kabelplus, LIWEST, die Salzburg AG, dazu die Energieversorger- und Stadtwerke-Töchter. Ein Appell an die Installierenden: Holen Sie sich diese Richtlinie, bevor Sie das erste Rohr setzen. Die Grundlagen sind überall dieselben, die Details – Steckgesicht, Kabeltyp, Verteilerpunkt, Brandabschottung – sind es nicht.

Singlemode, und nichts anderes

Technisch fängt die Sorgfalt bei der Faser an. Im Heimbereich wird ausschließlich Singlemode mit 9/125 µm eingesetzt; eine Multimodefaser mit 50 µm Kern hat dort nichts verloren, mischen darf man beide ohnehin nie. Weil im Gebäude um Ecken gearbeitet wird, empfiehlt Reich biegeunempfindliche Fasern – wer den Mindestbiegeradius unterschreitet, treibt den Dämpfungswert durch die Decke. Idealerweise liegen im Hausübergabepunkt vier Singlemode-Fasern: eine je Wohneinheit für das Internet – über einen optischen Splitter sind an einer Faser bis zu 64 Wohneinheiten möglich –, eine für den Energieversorger, eine für Dienstleistungen, eine als Reserve.

Der eigentliche Stolperstein ist der Stecker. LC oder SC, dazu grün mit 8°-Schrägschliff (APC) oder blau mit geradem Schliff (PC/UPC) – mechanisch passt beides in dieselbe Kupplung, optisch bleibt ein Luftspalt, und die Verbindung ist unbrauchbar. „Grün auf Blau ist nicht schlau“, fasst Reich das zusammen, und dieser Satz gehört auf jede Baustelle. Trifft eine LC-APC-Verkabelung auf ein Endgerät mit SC-PC, löst man das mit einem passend konfektionierten Patchkabel; der Online-Konfigurator gibt Artikelnummer und Ausschreibungstext gleich mit aus.

Hinter der Faser beginnt das Kupfer

Alle fest installierten Geräte – Kameras, Wallboxen, Steuerungen, Aktorik und Sensorik – gehören sternförmig auf den Kommunikationsverteiler verkabelt, in Klasse EA und damit auf 10 GBit/s ausgelegt. Das ist kein Rückschritt: Der Glasfaseranschluss liefert im Standardfall 1 GBit/s, die Kupferstrecke auf ihren maximal 100 m das Zehnfache. Unterputz gehört sie ins Leerrohr, damit sie austauschbar bleibt. WLAN ist ergänzend zu verstehen und braucht in mehrgeschoßigen Objekten mehrere Access Points mit gleicher SSID, damit die Übergabe nach IEEE 802.11 funktioniert. Für Österreich gilt dabei nicht die im Webinar zitierte DIN 18015-1, sondern OVE E 8015 mit den Anforderungen an Anlagen der Informationstechnik in Wohngebäuden. Die übrigen Verweise sind europäisch harmonisiert und deckungsgleich: OVE EN 50173-4 für die Planung, OVE EN 50174 für Installation und Verlegung, OVE EN 50310 für Erdung und Potentialausgleich.

Eine echte Bruchstelle liegt am Zählerplatz. Reich beschreibt den deutschen Abschlusspunkt Zählerplatz (APZ) samt der Vorgabe, dort nur stoßspannungsgeprüfte 6-kV-Patchkabel zu rangieren. Ein wortgleiches Pendant kennt Österreich nicht – hier gelten die TAEV samt den länderweisen unterschiedlichen Ausführungsbestimmungen der Netzbetreiber, und die Smart-Meter-Anbindung läuft in aller Regel nicht über die Hausanschluss-Faser. Die Anforderung dahinter bleibt sinngemäß bestehen: Wer mit Netzwerktechnik in den Zählerbereich geht, baut isoliert auf und hält sich an das, was der Netzbetreiber vorschreibt. Ein weiterer Tipp an die Elektrotechniker lautet daher: Fragen Sie das ab, bevor Sie ein Standard-Patchkabel einsetzen.

Vorkonfektioniert statt gespleißt
Feldkonfektionierbare Glasfaserstecker in Grün und Blau mit gelber und weißen Fasern sowie Montagehalter

Für offene Kabelenden im Feld: Stecker mit mechanischem Spleiß, als LC und SC, grün mit Schrägschliff, blau mit geradem Schliff. Foto: © Metz Connect

Auf der Produktseite zielt Metz Connect auf Betriebe ohne Spleißgerät im Fahrzeug. Die Anschlussdose »OpDAT ADT« gibt es als VIK-Version für vorkonfektionierte Kabel, als Spleißvariante mit Kupplungen und Pigtails sowie als »OpDAT VADT«, die fertig auf der Kabeltrommel kommt. Bis zu acht Fasern lassen sich auflegen, montiert wird auf Unterputz- und Hohlwanddosen, auf T35-Tragschiene oder als Aufputzdose. Als Hausübergabepunkt dient die »OpDAT APL«: mit Aufnahme für Mikrorohre inklusive Gasblocker, ausgelegt auf ein bis vier Wohneinheiten, plombierbar und gegen den Zugriff Dritter zu sichern. Neu ist die designfähige Unterputzdose »OpDAT VGAD«, die auf die Zentral- und Abdeckplatten gängiger Schalterprogramme passt – nach Herstellerangaben auf alle deutschen Programme, bei italienischen und französischen wird es enger; Auskunft geben die Cross- und Referenzlisten im Downloadbereich der Website. Kritisch ist die Einbautiefe: mindestens 45 mm, für Unterputz-, Hohlwand- und Kanaleinbaudosen gleichermaßen. Flache Dosen scheiden aus, ebenso Stecker mit langem Knickschutz.

Blauer Koffer mit Fiber Video Monitor, One-Click-Reinigungsstiften und Reinigungsmaterial für Glasfaserstecker

Rund 90 Prozent aller Fehler gehen auf Verschmutzung zurück – jeder Stecker gehört vor dem Stecken gereinigt. Foto: © Metz Connect

Ein Detail, das Bestellfehler kostet: Das FITH-Kabel mit 2,3 mm Durchmesser führt 250-µm-Adern und ist deshalb nur mit offenem Ende zu haben – auf eine blanke Faser lässt sich kein Stecker montieren. Wer beidseitig Stecker will, greift zum Mini-Breakout Compact mit 4,5 mm und 900-µm-Adern. Für offene Enden im Feld gibt es den »OpDAT FAST Hybrid« mit mechanischem Spleiß, Brechungsindex-Gel und dem hauseigenen Opto-Elast; innen ist die Faser mit 6° angeschnitten – nicht zu verwechseln mit dem 8°-Schrägschliff der Stirnfläche. Das mitgelieferte Werkzeug reicht nach Herstellerangaben für rund 250 Konfektionierungen – die Zahl gilt für den kompletten Satz, im Besonderen für die Cleaver-Klinge –, weshalb sich Nachbestellungen als reine Zehnersätze rechnen. Und weil laut Reich rund 90 Prozent aller Fehler Verschmutzungen sind: Jeder Stecker wird vor dem Stecken gereinigt, ungesteckte bekommen ihre Staubschutzkappe.

Die Ersteinlagerung läuft nach Auskunft von Andreas Paul, Vertriebsleiter Metz Connect Österreich derzeit bei Sonepar, Rexel und den Mitegro-Partnern an. Wer einen LWL-Konfigurationsartikel bestellt, muss je nach Ausführung mit sieben bis zehn Arbeitstagen rechnen – diese Zeit gehört in den Bauzeitplan eingepreist, denn ein Meter zu viel oder zu wenig lässt sich am Lager nicht korrigieren.

Für das Mehrfamilienhaus empfiehlt Reich nicht den Standard-Wandverteiler, sondern die FTTH-Variante in Größe M: 30 Wohneinheiten, 30 LC-Q-Kupplungen mit 120 Fasern, je Wohneinheit eine Klappkassette und eine dreistöckige Kabelabfangung für jeweils zwölf Kabel. Wird es im Keller feucht, übernimmt der Multifunktionsverteiler »OpDAT MV« mit höherer Schutzart.

Was das für den Betrieb bedeutet

Ein Herstellerwebinar ist kein neutrales Seminar, die Produktschau nimmt gut die Hälfte der 45 Minuten ein. Der fachliche Kern trägt trotzdem, weil er beschreibt, was bei jedem Mitbewerber genauso gilt: Singlemode, Biegeradius, Steckerschliff, Sauberkeit. Bemerkenswert ist, wie deutlich der Markt auf vorkonfektionierte Ware zuläuft. Das senkt die Einstiegshürde für Betriebe ohne LWL-Erfahrung – und verlagert Wertschöpfung von der Baustelle in die Fertigung. Wer spleißen kann, verkauft künftig weniger Spleiße und mehr Planung.

Nachdenklich stimmt ein anderer Punkt. Praxisschulungen bietet Metz Connect auch in Österreich an – die Nachfrage sei derzeit gering, heißt es aus der heimischen Vertriebsmannschaft. Ein Gewerk, das gerade an die Betriebe vergeben wird, trifft also auf eine Branche, die sich dafür nur zögerlich schulen lässt. Wer Glasfaser verlegt, ohne den 6°-Schnitt im Stecker vom 8°-Schliff an der Stirnfläche unterscheiden zu können, produziert Dämpfungswerte, die erst bei der Abnahmemessung auffallen – und dann jemanden kosten.

Die Unterlagen – Vortrag als PDF, Aufzeichnung, die Broschüre »Fiber In The Home« und die »Bestellhilfe FITH« – gibt Metz Connect per Link heraus; für Österreich gelten die deutschen Fassungen unverändert. Hierzulande stehen drei Ansprechpatern zur Verfügung:

Die Academy erreichen Sie unter .

Weitere Informationen auf: www.metz-connect.com

Text: i-Magazin-Redaktion · Fotos: Metz Connect (Bildnachweis vor Druck einholen)

  • Bildrechte: Produktfotos und Grafiken nur mit schriftlicher Freigabe und © Metz Connect.

Ähnliche Artikel

Hinterlassen Sie einen Kommentar

* Zur Speicherung Ihres Namens und Ihrer E-Mailadresse klicken Sie bitte oben. Durch Absenden Ihres Kommentars stimmen Sie der möglichen Veröffentlichung zu.