Der produzierende Bereich in Österreich hat im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 99,7 Milliarden Euro erwirtschaftet, um 4,6 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Das zeigt das am 29. Oktober 2026 veröffentlichte EY Industriebarometer. Während Umsatz und Exporte wie bereits im ersten Quartal zulegten, setzte sich der seit fast drei Jahren anhaltende Beschäftigungsrückgang fort. Die Entwicklung der Industrie in Österreich bleibt damit auch 2026 von unterschiedlichen Trends bei Geschäftsentwicklung und Personalstand geprägt.
Umsatz steigt zum dritten Mal in Folge
Mit dem jüngsten Ergebnis verzeichnete der produzierende Bereich bereits das dritte Quartal in Folge einen Umsatzanstieg gegenüber dem jeweiligen Vorjahreszeitraum. Das Plus fiel im zweiten Quartal stärker aus als in den beiden vorangegangenen Perioden. Zuvor waren die Umsätze zehn Quartale hintereinander im Jahresvergleich gesunken.
Die aktuellen Zuwachsraten bleiben allerdings deutlich hinter jenen der Jahre 2021 und 2022 zurück. Im zweiten Quartal 2021 war der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 38,8 Prozent gestiegen, im entsprechenden Quartal 2022 um 28,7 Prozent.
Marion Raninger, Leiterin Industrials bei EY Österreich, ordnet die Entwicklung ein: „Das leichte Umsatzwachstum und die steigenden Exporte sind ermutigende Signale – wenngleich wir nach wie vor deutlich von den Wachstumsraten der Jahre 2021 und 2022 entfernt sind. Entscheidend wird sein, ob aus der aktuellen Stabilisierung ein dauerhaft selbsttragender Aufschwung wird“.
Elektrotechnik und Elektronik wachsen zweistellig
Die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie in Österreich steigerte ihren Umsatz im zweiten Quartal 2026 um 13,0 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Unter den acht untersuchten Industriebranchen lag sie damit hinter der Metallerzeugung und -bearbeitung, die mit einem Plus von 15,6 Prozent den stärksten Zuwachs verzeichnete. Auch die Automobilindustrie wuchs mit 10,6 Prozent zweistellig.
Die übrigen untersuchten Branchen entwickelten sich unterschiedlich. Bei Gummi- und Kunststoffwaren stieg der Umsatz um 8,0 Prozent, bei Textil und Bekleidung um 2,7 Prozent sowie bei Chemie und Pharma um 2,6 Prozent. Der Maschinenbau lag mit einem Plus von 0,7 Prozent nahezu auf Vorjahresniveau. Papier und Pappe verzeichneten dagegen einen leichten Umsatzrückgang von 0,5 Prozent.
15.350 Stellen weniger im produzierenden Bereich
Zum Ende des zweiten Quartals 2026 beschäftigte der produzierende Bereich in Österreich rund 1,05 Millionen Menschen. Gegenüber dem Vorjahreszeitpunkt entspricht das einem Rückgang um 1,4 Prozent beziehungsweise 15.350 Stellen. In sechs der acht untersuchten Industriebranchen lag die Beschäftigung unter dem Niveau des Vorjahres.
Den stärksten prozentualen Personalrückgang verzeichnete die Textil- und Bekleidungsindustrie mit 3,7 Prozent. Es folgten Papier und Pappe mit 2,8 Prozent sowie die Metallerzeugung und -bearbeitung mit 2,6 Prozent. Leichte Beschäftigungszuwächse gab es ausschließlich bei Chemie und Pharma mit 0,6 Prozent sowie im Maschinenbau mit 0,1 Prozent.
Im Siebenjahresvergleich fällt das Bild anders aus: Seit dem zweiten Quartal 2019 entstanden in der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie rund 9.100 zusätzliche Stellen. Der Maschinenbau gewann rund 7.800 Arbeitsplätze hinzu, Chemie und Pharma rund 5.700. Nur diese drei der acht untersuchten Branchen bauten in diesem Zeitraum Beschäftigung auf. In der Automobilindustrie gingen hingegen rund 8.100 Stellen verloren.
Exporte legen um 7,8 Prozent zu
Die Exportumsätze österreichischer Unternehmen mit beweglichen Gütern einschließlich elektrischem Strom erreichten im zweiten Quartal 2026 insgesamt 50,7 Milliarden Euro. Das waren 7,8 Prozent beziehungsweise fast 3,7 Milliarden Euro mehr als im Vorjahreszeitraum. Alle acht näher untersuchten Industriebranchen meldeten Zuwächse. Die Metallerzeugung und -bearbeitung lag mit 19,6 Prozent vorne, gefolgt von Elektrotechnik und Elektronik mit 14,0 Prozent sowie der Automobilindustrie mit 13,1 Prozent.
Die Ausfuhren in die Eurozone erhöhten sich um 7,7 Prozent, jene nach Amerika um 7,3 Prozent. Deutschland blieb mit knapp 15 Milliarden Euro der wichtigste Exportmarkt. Österreich lieferte dorthin Waren im Wert von rund 968 Millionen Euro mehr als im Vorjahresquartal.
Auf Deutschland folgten Italien mit einem Exportwert von 3,6 Milliarden Euro und die USA mit 3,4 Milliarden Euro. Die Zuwächse betrugen 15 beziehungsweise 10 Prozent. Rückläufig waren dagegen die Ausfuhren nach China mit minus 15 Prozent und nach Rumänien mit minus 1 Prozent.
Umsatz- und Exportanalyse nutzen unterschiedliche Daten
Die Untersuchung stützt sich grundsätzlich auf die EU-harmonisierte Konjunkturerhebung im Produzierenden Bereich. Sie umfasst die Abschnitte B bis F der ÖNACE 2008 und 2025 und verwendet monatliche Unternehmensdaten aus Primärerhebung und modellbasierter Datenergänzung.
Für die Exportentwicklung insgesamt und nach Ländern dient hingegen die Außenhandelsstatistik ITGS als Grundlage. Sie erfasst den grenzüberschreitenden Handel mit beweglichen Gütern einschließlich elektrischem Strom. Die Exportkennzahlen haben damit eine andere Datengrundlage als die Umsatz- und Beschäftigungsdaten des produzierenden Bereichs.
Häufig gestellte Fragen
Wie entwickelte sich der Umsatz des produzierenden Bereichs in Österreich im zweiten Quartal 2026?
Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 4,6 Prozent auf 99,7 Milliarden Euro. Damit verzeichnete der produzierende Bereich das dritte Quartal in Folge einen Umsatzanstieg im Jahresvergleich.
Wie viele Stellen gingen im produzierenden Bereich Österreichs verloren?
Zum Ende des zweiten Quartals 2026 lag die Beschäftigung um 15.350 Stellen beziehungsweise 1,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Insgesamt beschäftigte der produzierende Bereich rund 1,05 Millionen Menschen.
Wie entwickelte sich die österreichische Elektrotechnik- und Elektronikindustrie im zweiten Quartal 2026?
Die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie steigerte ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 13,0 Prozent und ihre Exporte um 14,0 Prozent. Im längerfristigen Vergleich mit dem zweiten Quartal 2019 entstanden in der Branche rund 9.100 zusätzliche Stellen.
Weitere Informationen finden Sie unter www.ey.com.
Quelle: EY Österreich
