WKW-Studie zur Akzeptanz digitaler Zutrittssysteme in Österreich:

Mechanische Schlösser bleiben Vertrauensanker an der Haustür

von David Lodahl
Foto: © Studiowey

Das klassische Haustürschloss bleibt in Österreich die vertrauenswürdigste Variante. Laut einer repräsentativen Umfrage der Landesinnung Metalltechnik der Wirtschaftskammer Wien gemeinsam mit TQS Research & Consulting könnten sich 69,6 Prozent der Befragten ein rein mechanisches Schloss für die eigene Haustür ohne Sicherheitsbedenken vorstellen.

Unter den digitalen Alternativen schneiden biometrische Schlösser am besten ab. Dazu zählen Systeme mit Fingerabdrucksensor, Gesichtserkennung oder Iris-Erkennung. Dahinter folgen digitale Zahlencodes sowie Lösungen mit NFC- oder RFID-Chips. Schlüssel-Apps erreichen in der Befragung den niedrigsten Wert unter den abgefragten digitalen Varianten.

Biometrische Systeme liegen vor Zahlencode und Chip

Die Umfrage zeigt eine klare Abstufung beim Vertrauen in digitale Zutrittssysteme. 28,9 Prozent der Befragten könnten sich einen digitalen Zahlencode anstelle eines klassischen Schlüssels vorstellen. NFC- und RFID-basierte Systeme kommen auf 26,6 Prozent. Eine Schlüssel-App wäre für 18,1 Prozent eine Option.

Biometrische Systeme werden in der Presseaussendung als jene digitale Variante beschrieben, die innerhalb der abgefragten Technologien das höchste Vertrauen erzielt. Ein Grund dafür dürfte die Verbreitung vergleichbarer Funktionen im Alltag sein. Viele Nutzerinnen und Nutzer kennen Fingerabdrucksensoren und Gesichtserkennung bereits von Smartphones.

Christian Adamovic, Landesinnungsmeister Metalltechnik der Wirtschaftskammer Wien, ordnet die Ergebnisse entsprechend ein: „Das Vertrauen in Funktionen wie Gesichtserkennung oder Fingerabdrucksensoren ist angelernt. Die meisten Handys nutzen diese Art von Sicherung mittlerweile seit über zehn Jahren. Und die Inhalte dahinter sind für viele fast so privat wie die eigene Wohnung.“

Jüngere Befragte zeigen höhere Offenheit

Besonders deutlich fällt der Altersunterschied aus. In der Gruppe der 16- bis 29-Jährigen erreichen alle vier abgefragten digitalen Schlossvarianten die höchsten Vertrauenswerte. Fast die Hälfte dieser Altersgruppe würde laut Studie über ein biometrisches Schloss nachdenken. Mehr als ein Drittel nennt ein Chip-Schloss, knapp ein Drittel einen Zahlencode.

Die 30- bis 39-Jährigen liegen nur knapp über dem Durchschnitt. In den Altersgruppen ab 40 Jahren fällt die Zustimmung zu digitalen Schlossvarianten laut Erhebung deutlich niedriger aus. Für Anbieter, Planer und ausführende Betriebe ist dieser Befund relevant, weil sich daraus mittelfristig eine steigende Nachfrage nach elektronischen und digitalen Zutrittssystemen ableiten könnte.

Mehr Technik erhöht Anforderungen an Fachkräfte

Mit der zunehmenden Verbreitung digitaler Schließsysteme verschieben sich auch die Anforderungen an Planung, Installation und Wartung. Mechanische Kenntnisse allein reichen bei modernen Zutrittslösungen nicht mehr aus. Elektronik, digitale Komponenten, Schnittstellen und normgerechte Ausführung gewinnen an Bedeutung.

Adamovic verweist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung qualifizierter Fachkräfte: „Grundsätzlich sind moderne Schlösser deutlich sicherer als das klassische, rein mechanische Schloss. Aber eben nur dann, wenn sie professionell eingerichtet werden. Damit die steigende Nachfrage bedient werden kann, braucht es also genügend gut ausgebildete Fachkräfte.“

Die Lehre Metalltechnik wurde laut Landesinnung vor einigen Jahren entsprechend weiterentwickelt. Das Hauptmodul Sicherheitstechnik umfasst neben Schließsystemen auch Alarmanlagen, Safes, Tresore, Fluchtwegtüren sowie Zutrittskontrollsysteme. Neben mechanischen, elektronischen und digitalen Kenntnissen spielen dabei auch Normen und Vorschriften, etwa im Brandschutz, eine Rolle.

Regionale Unterschiede bei der Akzeptanz

Die Studie weist auch regionale Unterschiede aus. Salzburg zeigt laut Erhebung die höchste Offenheit gegenüber modernen Sicherheitssystemen. Dort liegt die Akzeptanz biometrischer Schlösser bei 46,6 Prozent. In Vorarlberg, dem Bundesland mit der insgesamt zweithöchsten Akzeptanz digitaler Schlossvarianten, wird der Zahlencode mit 41,7 Prozent am häufigsten genannt.

Balkendiagramm: „Welche Art von Schloss könnten Sie sich für Ihre Haustüre ohne Sicherheitsbedenken vorstellen?“ © WKW Metalltechnik

Balkendiagramm: „Welche Art von Schloss könnten Sie sich für Ihre Haustüre ohne Sicherheitsbedenken vorstellen?“ © WKW Metalltechnik

Am zurückhaltendsten fällt das Ergebnis in der Steiermark aus. Dort liegt das durchschnittliche Vertrauen in die abgefragten digitalen Schlossvarianten laut Studie bei 23 Prozent. Zusätzlich zeigt sich laut Presseaussendung bei Personen mit höherem Einkommen tendenziell eine größere Zuversicht gegenüber modernen Sicherheitssystemen.

Zur Methodik der Umfrage

Die Ergebnisse stammen aus einer Mehrthemenumfrage, die TQS Research & Consulting im Auftrag der Landesinnung Metalltechnik der Wirtschaftskammer Wien durchgeführt hat. Befragt wurden 1.000 Personen im Alter von 16 bis 65 Jahren. Die Erhebung erfolgte von 2. bis 6. Juni 2026 mittels CAWI, also Computer Assisted Web Interviews.

Die Stichprobe ist laut Angaben der Studienbetreiber repräsentativ für Österreich nach Geschlecht, Alter, Bundesland und Bildungsstand. Mehrfachantworten waren möglich.

Weitere Informationen auf: www.wko.at

Quelle: WKO Wien

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