94 Prozent des heimischen Stromverbrauchs wurden 2024 laut E-Control aus erneuerbaren Quellen gedeckt – ein historischer Höchstwert. Doch nicht alle Marktakteure teilen den Optimismus: Der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) kritisiert die Zahlen als irreführend, während Oesterreichs Energie strukturelle Defizite bei Windkraft und Netzausbau ortet. Der aktuelle EAG-Monitoringbericht zeigt: Der Umbau des Energiesystems macht große Fortschritte – aber es bleiben zentrale Herausforderungen. Wo stehen wir wirklich bei der Energiewende?
Rekordwert bei erneuerbarem Strom
„94 Prozent des heimischen Stromverbrauchs wurden 2024 durch erneuerbare Energien gedeckt“, bilanziert Alfons Haber, Vorstand der E-Control, bei der Vorstellung des aktuellen EAG-Monitoringberichts Mitte Oktober in Wien. Die Bruttostromerzeugung stieg deutlich auf rund 70.861 GWh. Treiber des Zuwachses waren vor allem Windkraft, Wasserkraft und Photovoltaik. Für Haber ist das ein Beweis für den Erfolg des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG), das bis 2030 eine bilanziell vollständige Deckung des Stromverbrauchs aus Erneuerbaren vorsieht.
EEÖ widerspricht: „Tatsächlich nur 89 Prozent“
Doch nicht alle teilen diese Einschätzung. Der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) übt scharfe Kritik an der Methodik der Berechnung. Laut EEÖ liege der tatsächliche Anteil erneuerbarer Energie am Stromverbrauch nur bei rund 89 Prozent – nicht 94 Prozent, wie von der E-Control angegeben. Der Grund: Die Berechnung beinhalte auch Pumpstrom aus Pumpspeicherkraftwerken – Strom, der unter Umständen aus fossilen Quellen stammen könne. „Auch wenn Pumpstrom für das neue Energiesystem unverzichtbar und wertvoll ist, darf er nicht als erneuerbar ausgewiesen werden“, betont Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin des EEÖ.
Photovoltaik als Wachstumstreiber
Einigkeit herrscht hingegen beim Blick auf die Photovoltaik. 2024 wurden in Österreich rund 2.130 MW PV-Leistung neu installiert. Die Zahl der PV-Anlagen, die sich im Fördersystem der OeMAG befinden, wuchs von 21.093 auf 27.744 Anlagen. „Das zeigt, dass viele Betreiber wieder in das Fördersystem zurückkehren“, erklärt E-Control-Vorstand Haber. Besonders deutlich war auch der Zuwachs bei der installierten Windkraftleistung – ein Plus von 196 MW.
Energiegemeinschaften erleben Boom
Ein weiterer zentraler Befund des Monitoringberichts: Energiegemeinschaften boomen. Ende 2024 zählte die E-Control 2.618 Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften, Mitte 2025 waren es bereits 3.868. „Wir sind hier europaweit Vorreiter, worauf wir stolz sein können“, betont Wolfgang Urbantschitsch, Vorstand E-Control. Gleichzeitig mahnt er gesetzliche Klarstellungen ein, insbesondere bei Abrechnungsmodalitäten und Datenverfügbarkeit. Die geplante ElWG-Novelle hätte hier „dringend nötige Regelungen bringen sollen“, so Urbantschitsch weiter.
Erneuerbare Gase bleiben Problemkind
Wenig Dynamik zeigt sich weiterhin bei erneuerbaren Gasen – insbesondere Biomethan. Der Anteil am österreichischen Gasverbrauch lag 2024 bei lediglich 0,16 Prozent. Ein wesentliches Hemmnis: Das lange erwartete Erneuerbare-Gas-Gesetz lässt weiterhin auf sich warten. „Letztendlich geht es nicht nur um die reine Förderung, sondern um eine langfristige Strategie zu Bedarf und Einsatz“, erklärt Urbantschitsch.
Oesterreichs Energie warnt vor Netzausbaustau
Die Interessenvertretung der E-Wirtschaft, Oesterreichs Energie, begrüßt die Fortschritte, mahnt jedoch zur Vorsicht. „Die Investitionen der E-Wirtschaft in Erzeugung und Netze zeigen Wirkung“, sagt Generalsekretärin Barbara Schmidt. Der Zubau bei der PV sei beachtlich, doch der Ausbau der Windkraft hinke hinterher. Besonders im Winter sei Windenergie essenziell für die Versorgungssicherheit. Schmidt weist auch auf ein strukturelles Problem hin: In Zeiten hoher Einspeisung – etwa an sonnigen Sommertagen mit geringem Verbrauch – komme es vermehrt zu negativen Strompreisen. „Speicher und Flexibilität sind das Rückgrat eines erneuerbaren Energiesystems“, so Schmidt. Nur durch gezieltes Verschieben und Nutzen von Überschüssen lasse sich der Markt stabilisieren.
Förderlandschaft im Wandel
2024 wurden insgesamt 115 Mio. Euro an Marktprämien ausbezahlt – vor allem für Windkraft (883 MW) und PV (804 MW). Die Marktprämie ersetzt schrittweise die langfristigen Einspeisetarife aus dem Ökostromgesetz. Gleichzeitig wurden Förderbeitrag und Pauschale 2024 aus dem Bundesbudget gedeckt. 2025 zahlen Haushalte wieder rund 60 Euro pro Jahr in das Fördersystem ein – mit einer Deckelung bei 75 Euro für einkommensschwache Haushalte.
Fortschritte mit Hindernissen
Der EAG-Monitoringbericht 2025 dokumentiert eindrucksvolle Fortschritte im Ausbau der Erneuerbaren – vor allem bei PV und in der Zahl der Energiegemeinschaften. Doch die ambitionierten Ziele bis 2030 und 2040 rücken nur näher, wenn auch rechtliche, technische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen nachziehen. „Der Ausbau der Erneuerbaren erlebt weiterhin einen nie dagewesenen Boom“, betont Urbantschitsch. Doch klar ist: Ohne raschen Netzausbau, Investitionen in Speicher und eine präzise Marktgestaltung droht der Boom an seine Grenzen zu stoßen.
Weitere Informationen auf: www.e-control.at
1 Kommentar
Wie kommt es bitte das unsere Energie zu 89% aus erneuerbarer Energie besteht, wir (als kunden/konsumenten) aber in Krisen Zeiten (gas knappheit zur stromgewinnung) echt tief in die Tasche greifen müssen für unsere 230volt??? Machen diese 11% die da noch übrig sind sooooo wahnsinnig viel aus???? Kann mir das bitte einer erklären? Ich versteh das so mit meiner Logik nicht. Weil wenn wir keine erneuerbahre energie hätten…… wo währe der strompreis dann gelandet???? er währe doch rein rechnerisch ins nirvana gerutscht!!!!! Aber kann ja sein das es wirklich so ist und ich nen dau bin.