Der Bundesverband Photovoltaic & Battery Austria (PV&B Austria) sieht bei den Entwürfen der Verteilernetzentwicklungspläne der 16 größten österreichischen Verteilnetzbetreiber noch deutlichen Nachbesserungsbedarf. Die Pläne sollen Ende September veröffentlicht werden und erstmals als strukturierte Grundlage zeigen, wie sich die Verteilernetze angesichts steigender Stromnachfrage, wachsender Photovoltaik-Leistung und zunehmender Batteriespeicher entwickeln sollen.
Nach Analyse des Verbands fehlen in den vorliegenden Entwürfen jedoch zentrale Informationen, um daraus eine belastbare Planungsgrundlage für Projektentwickler, Netzbetreiber und andere Marktteilnehmer abzuleiten. Besonders relevant sind aus Sicht von PV&B Austria Angaben dazu, wo, wann und in welchem Umfang neue Netzanschlusskapazitäten entstehen.
Neue Pflicht durch das Elektrizitätswirtschaftsgesetz
Mit dem Elektrizitätswirtschaftsgesetz sind Verteilnetzbetreiber erstmals verpflichtet, Verteilernetzentwicklungspläne zu erstellen und zu veröffentlichen. Diese sollen unter anderem darstellen, welche Maßnahmen zur Erhöhung der Netzkapazitäten geplant sind, wo bestehende Netzengpässe liegen und wann zusätzliche Anschlussmöglichkeiten für Erzeugungsanlagen und Speicher verfügbar werden.
Für die Photovoltaik- und Speicherbranche ist diese Transparenz ein wesentlicher Faktor. Projektentwicklungen hängen in der Praxis stark davon ab, ob Netzanschlüsse verfügbar sind und ob Ausbauperspektiven nachvollziehbar dargestellt werden. Laut einer Mitgliederbefragung von PV&B Austria bewerten knapp 53 Prozent der Befragten fehlende Transparenz über verfügbare oder geplante Netzkapazitäten als größtes Hindernis bei der Umsetzung neuer PV- und Batteriespeicherprojekte in Abstimmung mit Netzbetreibern.
„Die V-NEPs sind eine große Chance für Österreichs Energiewirtschaft. Diese Chance müssen wir auch tatsächlich nutzen und einen echten Mehrwert schaffen. Dafür müssen die Pläne klar zeigen, wo, wann und in welchem Umfang zusätzliche Netzkapazitäten entstehen“, sagt Herbert Paierl, Vorstandsvorsitzender von PV&B Austria.
Vier Punkte für mehr Aussagekraft
Aus der Analyse der Entwürfe leitet PV&B Austria vier Bereiche ab, in denen die Verteilernetzentwicklungspläne aus Sicht des Verbands konkreter werden sollten.
- Ausbau- und Erzeugungsszenarien: Die Pläne sollten offenlegen, welche Annahmen zu Strombedarf, Photovoltaik, Batteriespeichern und weiteren Erzeugungstechnologien zugrunde liegen. Maßgeblich sei dabei die Orientierung am Österreichischen Netzinfrastrukturplan (ÖNIP), der als übergeordnetes Planungsdokument die künftige Entwicklung abbilden soll.
- Netzanschlusskapazitäten: Für neue PV-Anlagen und Batteriespeicher brauche es nachvollziehbare Angaben, wo welche Leistung angeschlossen werden kann und ab wann zusätzliche Kapazitäten verfügbar sind. PV&B Austria fordert dabei technologiescharfe Informationen mit Zeitpunkten und Leistungsangaben. Geplante Netzausbaumaßnahmen sollten außerdem mit PV-Beschleunigungsgebieten beziehungsweise Vorrangzonen abgeglichen werden.
- Flexibilität im Netzbetrieb: Der Begriff Flexibilität werde in den Entwürfen zwar häufig genannt, müsse aber mit konkreten Umsetzungsschritten verbunden werden. Dazu zählen laut Verband Instrumente wie flexibler Netzzugang, PV-Spitzenkappung, Ansteuerbarkeit oder die Beschaffung von Flexibilitätsleistungen. Entscheidend seien Angaben dazu, welche Instrumente wann und in welcher Form eingesetzt werden sollen.
- Digitalisierung und Smart Grids: Auch bei Digitalisierung, Netzmonitoring und Smart-Grid-Entwicklung sieht PV&B Austria Informationslücken. Insbesondere im Niederspannungsnetz seien konkrete Zielbilder, Maßnahmen und Entwicklungspfade notwendig, um die Auslastung von Transformatoren und den Stand der Digitalisierung belastbar beurteilen zu können.
Relevanz für Projektentwicklung und Netzbetrieb
Gut ausgearbeitete Verteilernetzentwicklungspläne könnten sowohl für Projektentwickler als auch für Netzbetreiber einen praktischen Nutzen haben. Projektentwickler erhalten eine bessere Orientierung, wo PV- und Speicherprojekte netztechnisch sinnvoll realisierbar sind. Netzbetreiber wiederum können Engpässe transparenter darstellen und Optionen für einen flexibleren Netzbetrieb systematischer berücksichtigen.
Vera Immitzer, Geschäftsführerin von PV&B Austria, verweist auf die Bedeutung verlässlicher Informationen zwischen den Marktteilnehmern: „Projektentwicklung ist gerade in einem so komplexen Umfeld wie der Energiebranche keine Einbahnstraße. Transparenz zwischen den unterschiedlichen Playern ist dabei das A und O.“
Ob und in welchem Umfang die Netzbetreiber die Entwürfe bis zur Veröffentlichung noch anpassen, bleibt abzuwarten. Für die Branche werden die finalen V-NEPs jedenfalls ein wichtiger Prüfstein dafür, wie transparent der künftige Verteilnetzausbau in Österreich künftig dargestellt wird.
Weitere Informationen finden Sie unter pvbaustria.at.
Quelle: Bundesverband Photovoltaic & Battery Austria