Der Bundesverband Energiespeicher Österreich drängt auf rasche regulatorische Klarheit für den Ausbau großer Batteriespeicher. Beim 1. Forum Batteriespeicher Österreich in Wien bezifferte der heuer gegründete Verband das potenzielle Investitionsvolumen auf rund fünf Milliarden Euro. Damit könnten nach Angaben der Branche fünf Gigawatt Speicherleistung errichtet und etwa 1.000 Arbeitsplätze geschaffen werden.
Die Veranstaltung im Cape10 war laut Verband mit mehr als 180 Unternehmen aus ganz Österreich ausgebucht. Neben Vertreterinnen und Vertretern der österreichischen Speicherbranche nahm auch der deutsche Bundesverband Energiespeicher Systeme teil. Für die Bundesregierung sprach Elisabeth Zehetner, Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus.
Fünf Gigawatt als Zielgröße
Mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz hat die Bundesregierung erstmals ein Speicherziel von fünf Gigawatt festgelegt. Aus Sicht des Bundesverbands Energiespeicher Österreich liegt die zentrale Frage nun darin, ob die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen den Ausbau ermöglichen.
Der Verband argumentiert, dass die dafür notwendigen Investitionen von Unternehmen getragen würden und keine zusätzlichen Fördermittel, Garantien oder Ausnahmen erforderlich seien. Voraussetzung seien jedoch passende Regeln, insbesondere bei Netzentgelten und bei der Behandlung von Speicheranlagen im Stromsystem.
Staatssekretärin Zehetner ordnete Speicher als wesentliches Element eines Stromsystems mit steigenden Anteilen erneuerbarer Erzeugung ein. „Es geht nicht mehr nur darum, was erzeugt wird, sondern darum, wie wir Erzeugung und Verbrauch zueinander bringen“, sagte sie. Zur laufenden Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung der E-Control erklärte Zehetner: „Die Regulierung muss mit der Realität Schritt halten.“ Ziel sei es, neue Speichergeschäftsmodelle zu ermöglichen und möglichst viele Speicher rasch ans Netz zu bringen.

Präsident des Bundesverbands Energiespeicher Österreich Christoph Schmidt, Staatssekretärin Elisabeth Zehetner und BVES-Geschäftsführer Urban Windelen beim 1. Forum Batteriespeicher Österreich. (Bild: Bundesverband Energiespeicher Österreich )
Relevanz für Stromkosten und Netze
Der Verband stellt den Ausbau großer Batteriespeicher vor allem in Zusammenhang mit leistbarer Energie, Netzstabilität und Standortkosten. Nach seinen Berechnungen könnten Haushalte im Schnitt um rund 200 Euro pro Jahr entlastet werden. Für Betriebe nennt der Verband potenziell um fünf bis zehn Prozent niedrigere Energiekosten.
Diese Angaben stammen aus der Darstellung der Branche und hängen wesentlich von der konkreten regulatorischen Ausgestaltung sowie von Markt- und Netzentwicklungen ab. Fachlich zentral ist dabei die Rolle von Speichern als Flexibilitätsoption: Sie können Strom in Zeiten hoher Erzeugung aufnehmen und später wieder abgeben, wodurch teure Lastspitzen und Netzengpässe reduziert werden können.
Verbandspräsident Christoph Schmidt, Geschäftsführer in der Bloch3-Gruppe, betonte den Nutzen auch für jene Haushalte, die keinen eigenen Speicher installieren können. „Nicht jeder kann sich einen eigenen Speicher leisten. Fakt ist aber: Speicher machen die Stromrechnung günstiger. Und jeder Tag ohne sie im Netz ist ein verlorener Tag für die Menschen“, sagte Schmidt.
Arbeitsplätze entlang der Umsetzungskette
Der geplante Ausbau hätte laut Verband auch Auswirkungen auf die regionale Wertschöpfung. Gefragt wären demnach Elektro- und Anlagentechniker, Fachkräfte im Hoch- und Tiefbau, Metalltechniker, Planer sowie Servicemonteure. Allein für Niederösterreich, wo viel Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt wird, rechnet die Branche mit mehr als 400 zusätzlichen Arbeitsplätzen.
Insgesamt spricht der Verband von rund 1.000 möglichen Jobs in Österreich. Dazu kämen nach seiner Einschätzung bis zu rund vier Milliarden Euro, die im Stromsystem nicht mehr für Spitzen und Engpässe aufgewendet werden müssten.

Christoph Schmidt Elisabeth Zehetner Urban Windelen (Bild: Bundesverband Energiespeicher Österreich)
Netzentgelte als Streitpunkt
Ein wesentlicher Konfliktpunkt bleibt die Frage, wie Batteriespeicher bei Netzentgelten behandelt werden. Urban Windelen, Bundesgeschäftsführer des deutschen Bundesverbands Energiespeicher Systeme, verwies auf die deutsche Rechtslage und argumentierte, Speicher seien weder klassische Erzeuger noch klassische Verbraucher.
„Es gibt bisher die drei Säulen Erzeugung, Transport und Verbrauch – und jetzt kommt die vierte Säule hinzu. Das ist Flexibilität“, sagte Windelen. „Speicher ist Flexibilität. Da wird nichts erzeugt, da wird nichts verbraucht.“ Daraus leitete er ab, dass Speicher bei einer Rückspeisung in dasselbe Netz nicht wie Endverbraucher behandelt werden sollten.
Aus Sicht der Speicherbranche würde eine doppelte Belastung durch Entgelte den wirtschaftlichen Betrieb von Batteriespeichern erschweren. Der Verband fordert daher eine Regelung, die Speicher ihrer Systemfunktion entsprechend einordnet.
Neuer Verband positioniert sich in energiepolitischer Debatte
Der Bundesverband Energiespeicher Österreich wurde 2026 gegründet und vertritt nach eigenen Angaben bereits mehr als 60 heimische Unternehmen entlang der energiewirtschaftlichen Wertschöpfungskette. Mit dem Forum positioniert sich der Verband als Ansprechpartner für Politik, Regulierung und Branche.
Für Elektroinstallation, Planung, Energietechnik und Industrie ist die Debatte unmittelbar relevant. Der Ausbau großer Speicher beeinflusst Netzanschlüsse, Projektentwicklung, Anlagenbau, Betriebsführung und künftig auch Geschäftsmodelle im Umfeld von Flexibilität, Eigenverbrauchsoptimierung und erneuerbarer Stromerzeugung.
Weitere Informationen auf: https://energiespeicher-oesterreich.at/
Quelle: Bundesverband Energiespeicher Österreich