Die Wscad Gmbh hat am 13. Oktober 2026 in Bergkirchen mit Electrix Os eine KI-native Engineering-Software vorgestellt, die Teile der technischen Planungsarbeit übernehmen soll. Ingenieure definieren die Ziele, bewerten technische Lösungen und geben sie frei. Der Hersteller ordnet die Plattform einer von ihm als Engineering Intelligence bezeichneten Softwarekategorie zu. Für das Produkt Wscad Electrix Os ist der Marktstart 2027 geplant.
Die angekündigte Arbeitsteilung setzt vor der eigentlichen Konstruktion im CAD-System an. Nach Herstellerangaben interpretiert die Plattform Anforderungen, berücksichtigt technische Randbedingungen und nutzt vorhandenes Engineering-Wissen, um Lösungen zu entwickeln. Damit soll die KI in der Elektrokonstruktion nicht nur einzelne Arbeitsschritte unterstützen, sondern an der technischen Lösungsentwicklung mitwirken.
Welche Planungsaufgaben soll die KI übernehmen?
Ausgangspunkt ist ein Planungsauftrag des Konstrukteurs mit Zielen und technischen Vorgaben. Als Grundlagen können Lastenhefte, Kundenvorgaben, Unternehmensstandards oder Aufgabenbeschreibungen dienen. Electrix Os soll diese Informationen in prüfbare Anforderungen zerlegen und deren Herkunft dokumentieren. Die KI-native Architektur sieht dafür eine Engineering-Ebene vor, die Anforderungen interpretiert, Lösungen entwickelt und die Ausführung durch nachgelagerte CAD-Systeme steuert.
Bei fehlenden Angaben oder widersprüchlichen Vorgaben soll das System Rückfragen stellen. Antworten kann es aus Unternehmensstandards oder früheren Projekten vorschlagen. Die betroffenen Planungsschritte bleiben offen, bis die jeweiligen Punkte geklärt sind. Unvollständige Vorgaben werden damit nicht unmittelbar in eine abgeschlossene Planung überführt.
Als möglichen Anwendungsfall nennt Wscad die Elektrokonstruktion einer Verpackungsmaschine. Vorgegeben werden eine Produktionsleistung von 250 Flaschen pro Minute, Allen-Bradley-Komponenten, relevante UL-Anforderungen, redundante Sicherheitskreise und eine maximale Schaltschrankbreite von 50 Zoll. Daraus soll die Plattform einen Entwurf entwickeln, der von der Funktionsstruktur über Energie-, Steuerungs- und Sicherheitskonzepte bis zur Geräteauswahl reicht.
Was prüft und entscheidet der Konstrukteur?
Der Konstrukteur steuert den Planungsprozess. Im beschriebenen Maschinenbeispiel bewertet er die vorgeschlagenen Alternativen, verlangt bei Bedarf Änderungen und gibt die technische Lösung frei. Die Entwicklung von Vorschlägen durch die Software ersetzt somit nicht die im Konzept vorgesehene Bewertung und Freigabe durch den Menschen.
Dr. Axel Zein, CEO der Wscad Gmbh, beschreibt die angestrebte Rollenverschiebung so: „Der Ingenieur wird vom Ausführenden zunehmend zum Entscheider und Orchestrator“.
Als Hintergrund für den Entlastungsbedarf führt Wscad eine eigene, 2026 veröffentlichte Studie zur Zukunft der Elektrokonstruktion an. Unter 1.267 befragten E-CAD-Anwendern aus 40 Ländern gaben rund 54 Prozent an, keine Zeit für Innovationen oder die Verbesserung ihrer Arbeitsabläufe zu haben. Die Untersuchung beschreibt damit die zeitlichen Engpässe der Befragten; konkrete Einsparungen durch die angekündigte Plattform nennt die Mitteilung nicht.
Wie unterscheidet sich Electrix Os von Electrix Ai?
Electrix Os ist für die Entwicklung der technischen Lösung und die Steuerung der anschließenden Engineering-Prozesse vorgesehen. Electrix Ai ist dagegen die unternehmenseigene E-CAD-Software, über die zunächst die Anbindung für die konstruktive Umsetzung erfolgen soll. Nach der Freigabe des Entwurfs nutzt die Plattform das E-CAD-System, um die erforderlichen Stromlaufpläne, Stücklisten und Fertigungsunterlagen zu erstellen.
Die Unterscheidung betrifft damit die Aufgaben im Arbeitsablauf: Die vorgelagerte Engineering-Ebene bearbeitet Anforderungen und Lösungskonzepte, das angebundene CAD-System übernimmt Umsetzung und Dokumentation. Wscad grenzt diesen Ansatz sowohl von klassischen CAD-Systemen als auch von KI-Copiloten ab, die einzelne Arbeitsschritte unterstützen. Engineering Intelligence ist dabei die Bezeichnung des Herstellers für die neue Softwarekategorie.
Prüfregeln und Protokolle sollen Vorschläge nachvollziehbar machen
Für die technische Kontrolle verbindet Electrix Os laut Wscad spezialisierte KI-Agenten mit einem strukturierten Engineering-Modell und festen Prüfregeln. Die Agenten übernehmen unterschiedliche Aufgaben, etwa die Anforderungsanalyse oder die Entwicklung von Energie-, Steuerungs- und Sicherheitskonzepten. Bevor ihre Vorschläge in das Projektmodell gelangen, prüft das System Struktur, Vollständigkeit und mögliche Widersprüche.
Jeder KI-Arbeitsschritt wird mit seinen Eingaben und Ergebnissen protokolliert. Bei Änderungen kann der Konstrukteur gezielt die davon abhängigen Planungsteile überarbeiten lassen. Der Hersteller will damit den Anpassungsaufwand begrenzen, statt bei einer Änderung sämtliche Planungsschritte erneut bearbeiten zu lassen.
Daniel Papp, Product Owner Electrix Os bei Wscad, erläutert den vorgesehenen Umgang mit KI-Vorschlägen: „Jeder Vorschlag muss durch dieselben Prüfregeln, die auch für einen menschlichen Eintrag gelten. Und wo die KI unsicher ist, fragt sie, statt zu entscheiden.“
Projektmodell und Wissensbasis bleiben getrennt
Im gemeinsamen Projektmodell verknüpft die Plattform Anforderungen, Annahmen, Funktionen und technische Objekte. Dadurch soll nachvollziehbar bleiben, warum eine bestimmte Lösung gewählt wurde und welche Folgen spätere Änderungen haben. Technische Entscheidungen werden so mit ihren Grundlagen verbunden.
Getrennt davon liegt eine Wissensbasis mit Normen, Unternehmensrichtlinien und bewährten Lösungsmustern. Die KI darf dieses Wissen anwenden, aber nicht eigenständig verändern. Erarbeitete Lösungen sollen auch für weitere Projekte verfügbar bleiben. Damit lässt sich dokumentiertes Erfahrungswissen über Projektgrenzen und Personalwechsel hinweg nutzen; weniger erfahrene Konstrukteure können auf die Lösungen ihrer Organisation zurückgreifen.
Das zugrunde liegende Engineering-Wissen kann nach Herstellerangaben auf unternehmenseigenen Rechnern oder Servern gespeichert werden. Eine Verarbeitung der Daten in einer öffentlichen oder externen Cloud ist dafür nicht erforderlich.
Entwicklungspartner können bis zum Marktstart mitarbeiten
Bis zum geplanten Marktstart von Wscad Electrix Os im Jahr 2027 können Unternehmen die Plattform als Entwicklungspartner mitgestalten. Vorgesehen ist die gemeinsame Arbeit an eigenen Projekten mit dem Wscad-Entwicklungsteam. Die beteiligten Unternehmen bringen dabei ihre Anforderungen in die weitere Entwicklung ein. Informationen zur Beteiligung stellt Wscad unter www.wscad.com/electrixos/ bereit.
Weitere Informationen auf: www.wscad.com
Quelle: WSCAD
Häufig gestellte Fragen
Welche Aufgaben soll Wscad Electrix Os übernehmen?
Nach Herstellerangaben soll Electrix Os Anforderungen aus Lastenheften, Kundenvorgaben oder Unternehmensstandards analysieren und daraus technische Lösungen entwickeln. Dazu zählen Funktionsstrukturen, Energie-, Steuerungs- und Sicherheitskonzepte sowie die Geräteauswahl. Ingenieure bewerten die Vorschläge und geben die technische Lösung frei.
Wie unterscheiden sich Electrix Os und Electrix Ai?
Electrix Os ist für die Entwicklung technischer Lösungen und die Steuerung anschließender Engineering-Prozesse vorgesehen. Electrix Ai ist die E-CAD-Software von Wscad, über die zunächst die konstruktive Umsetzung angebunden werden soll. Nach Freigabe des Entwurfs nutzt die Plattform das E-CAD-System zur Erstellung von Stromlaufplänen, Stücklisten und Fertigungsunterlagen.
Wann soll Wscad Electrix Os auf den Markt kommen?
Der Marktstart ist für 2027 geplant. Bis dahin können Unternehmen als Entwicklungspartner eigene Projekte gemeinsam mit dem Wscad-Entwicklungsteam bearbeiten und ihre Anforderungen in die weitere Entwicklung einbringen.