Zwei Wiener Unternehmen, ein gemeinsames Kapitel österreichischer Digitalgeschichte. Mehr als 20 Jahre arbeiteten die Schrack Technik GmbH und die Web- und Digitalagentur plan2net GmbH zusammen. Was 2005 mit einer Open-Source-basierten Webplattform begann, entwickelte sich zu einem internationalen E-Commerce-Ökosystem mit rund 180.000 Produkten online und etwa 250 Mio. Euro Online-Umsatz pro Jahr.
Beide Unternehmen richten sich 2026 strategisch neu aus und schließen damit ein gemeinsames Kapitel ab, das die digitale Entwicklung im Elektrotechnik-Großhandel über viele Jahre geprägt hat.
Wenn Geschäftsbeziehungen im digitalen Umfeld mehr als 2 Jahrzehnte bestehen, ist das mehr als eine lange Kooperationszeit. Es zeigt vielmehr, dass technologische Entscheidungen, organisatorisches Vertrauen und gemeinsames Verständnis für Geschäftsprozesse über viele Jahre tragfähig bleiben können.
Bei Schrack Technik und plan2net begann die Zusammenarbeit 2005. Damals ging die erste Website auf Basis des Open Source Enterprise-CMS TYPO3 live, kurz darauf folgten weitere Länderwebsites im Wochenrhythmus. Für die damalige Zeit war das eine strategische Entscheidung: die Schrack Technik bekannte sich früh zu Open Source und legte damit den Grundstein für einen IT-Weg, der auf Selbstbestimmung, Anpassbarkeit, langfristige Entwicklungsmöglichkeiten und Wachstum setzte anstatt auf starre, kostenintensive Lizenzmodelle und Vendor Lock-in.
Die Auswahl der eingesetzten Applikationen folgte klaren Vorgaben: hohe Individualisierungs-möglichkeit an die konkreten Anforderungen von Schrack Technik, Geschwindigkeit im Rollout, vorhandene und aufbaubare Kompetenzen der eigenen IT-Fachkräfte, Sicherheit und nicht zuletzt Kosten. Diese Kriterien prägten die IT-Architektur des Unternehmens über zwei Jahrzehnte und verschafften Schrack Technik frühzeitig Handlungsspielraum in einem Markt, in dem digitale Vertriebsprozesse erst nach und nach strategische Bedeutung gewannen.
Vom Webauftritt zur digitalen Vertriebsschiene
Der erste große Schritt war die neue Weblandschaft. Schrack Technik war schon damals von Wien aus international aufgestellt, mit mehreren Länderniederlassungen und entsprechend hohen Anforderungen an Struktur, Redaktion und Mehrsprachigkeit. TYPO3 bildete dafür die technologische Grundlage.
Doch die Zusammenarbeit entwickelte sich weit über klassische Websiteprojekte hinaus. 2008 folgte ein erster Aktions-Webshop auf Basis von osCommerce. 2009 wurde mit SugarCRM ein neues CRM-System eingeführt, das die bisherige Excel-basierte Kundenverwaltung ablöste. Ende 2009 startete die Konzeption des eigenen Webshops. 2010 ging der erste Webshop von Schrack Technik auf Basis der E-Commerce-Plattform Magento live.
Damit wurde der reine Webauftritt um eine digitale Vertriebsschiene erweitert. Für ein Handelsunternehmen mit technischen Produkten war das eine komplexe Aufgabe: Produktdaten, technische Parameter, Verfügbarkeit, Preislogiken, Kundenprozesse, Suche, Content und Systemintegration mussten so zusammenspielen, dass Nutzerinnen und Nutzer im Alltag schnell und zuverlässig zum richtigen Produkt finden.
Genau darin lag eine der zentralen Stärken der Zusammenarbeit: plan2net war für Schrack nicht nur Web-Dienstleister, sondern Systemintegrator. TYPO3, Magento, Apache Solr, CRM, Warenwirtschaft, Produktdaten, redaktionelle Inhalte und später auch Microservices wurden nicht als isolierte Systeme geplant und bearbeitet, sondern als zusammenhängendes digitales Ökosystem der Schrack Technik.
Open Source als strategischer Vorsprung
Aus heutiger Perspektive zeigt die Entwicklung bei Schrack Technik, welchen Vorsprung eine konsequent verfolgte Open Source-Strategie im B2B-Handel schaffen konnte. Während viele Unternehmen mit standardisierten, teilweise schwerfälligen und kostenintensiven Systemen arbeiteten oder E-Commerce als nachgelagerten Zusatzkanal betrachteten, baute Schrack Technik früh eigene digitale Vertriebskompetenz auf. Digitale Kanäle wurden nicht nur als ergänzende Informationsflächen verstanden, sondern als strategischer Bestandteil des Vertriebs.
Open Source bedeutete dabei vor allem Gestaltbarkeit: Systeme konnten auf konkrete Anforderungen angepasst, erweitert und in vorhandene Prozesse integriert werden. Gleichzeitig blieb die eigene IT stark eingebunden und konnte Kompetenzen aufbauen, statt lediglich externe Softwarevorgaben zu verwalten, wie dies bei proprietären Systemen oft der Fall ist.
Das Ergebnis war kein einzelner Webshop, sondern eine über Jahre gewachsene digitale Onlineplattform. Rund 180.000 Produkte sind aktuell online verfügbar, internationale Märkte wurden über ein Mehrsprachen- und Mehrländer-Setup unterstützt und digitale Kanäle entwickelten sich zu einem wesentlichen Umsatzträger des Unternehmens. Aktuell erwirtschaftet Schrack Technik rund 250 Mio. Euro pro Jahr über den Webshop in 16 Ländern.
Besonders wichtig war immer die Verbindung von Content und Commerce. TYPO3 wuchs im Laufe der Jahre weit über die Rolle des klassischen CMS hinaus: redaktionelle Inhalte, SEO-Texte, Produktinformationen, Kategorieseiten, Übersetzungsworkflows und Daten für automatisierte Produktkataloge wurden so organisiert, dass Marketing, Produktmanagement und Redaktion effizient arbeiten konnten.
Für Nutzerinnen und Nutzer entstand dadurch eine weitgehend unterbrechungsfreie Erfahrung: Inhalte, Produktdaten, Suche und Shop wirken im Frontend wie aus einem Guss, obwohl im Hintergrund mehrere spezialisierte Systeme miteinander kommunizieren.
Suche, Performance und Integration als Erfolgsfaktoren
Im technischen Handel entscheidet nicht nur, ob ein Produkt online verfügbar ist. Entscheidend ist, ob es schnell, eindeutig und mit den richtigen Zusatzinformationen gefunden wird. Gerade bei elektrotechnischen Produkten mit vielen Varianten, technischen Parametern, Datenblättern und Anwendungsfällen ist die Suche ein geschäftskritischer Bestandteil des E-Commerce.
Hier spielte Apache Solr eine zentrale Rolle. Die von plan2net entwickelte Search-Integration ermöglichte unter anderem eine performante Livesuche mit Autosuggest für Produkte und Kategorien. Auch bereits ausgelistete Produkte blieben mit Datenblättern und Produktinformationen verfügbar und wurden mit passenden Nachfolgeprodukten verknüpft – ein einfacher aber immenser Mehrwert für Fachkunden, die häufig mit bestehenden Installationen, älteren Artikeln oder Ersatzteilen arbeiten.
Parallel dazu wurden Qualitätssicherung, Deployment und Betrieb kontinuierlich professionalisiert. Automatisierte Tests, GitLab-Pipelines, Visual Regression Tests, ein Doppelserver Deployment System und hohe Testabdeckung sorgten dafür, dass auch komplexe Weiterentwicklungen im laufenden Betrieb kontrolliert umgesetzt werden konnten. Bei internationalen 24/7-Webshops sind Stabilität und Sicherheit schließlich kein technisches Detail, sondern kaufmännische Notwendigkeit.
Die letzte Etappe: Ein neuer Maschinenraum für das E-Commerce-Ökosystem
In den letzten Jahren der Zusammenarbeit verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf Modernisierung, Entkopplung und Zukunftsfähigkeit. Ab 2023 begann der Umbau in Richtung Headless-Architektur. 2024 und 2025 standen unter anderem die Modernisierung von Produkt- und Kategoriedaten, Mehrsprachigkeit, Microservices und den neuen Search Services im Fokus.
Der letzte große Projektauftrag an plan2net markierte einen großen Schritt in die technologische Zukunft der Architektur von Schrack Technik. Ziel war der Aufbau eines neuen technischen Maschinenraums für das E-Commerce-Ökosystem von Schrack Technik. In rund 2,5 Personenjahren implementierte plan2net eine entkoppelte, API-basierte und serviceorientierte Grundlage, die es Schrack Technik ermöglicht, ältere Systeme und monolithische Strukturen schrittweise durch eine modulare, serviceorientierte Architektur abzulösen.
Kern dieser neuen Grundlage ist eine Such- und Datenarchitektur, die klassische Suchverfahren mit vektorbasierten Ansätzen für semantische Suche und KI-gestützte Anwendungen verbindet. An diese Grundlage können künftig unterschiedliche Systeme und Anwendungen angebunden werden: LLMs (Large Language Models), RAG (Retrieval Augmented Generation)-Anwendungen, MCP-basierte Integrationen, neue Webshop- oder Content Management-Systeme, Produktdatenbanken oder ERP-Systeme. Damit entsteht eine hochmoderne technische Basis, die klassische Suche, Produktdatenlogik und KI-gestützte Informationsnutzung stärker miteinander verbindet.
Auch in diesem Projekt setzte plan2net auf bewährte Open Source-Technologien und offene Standards, darunter Apache Solr für leistungsfähige Suchfunktionen, Go als Basis für performante API-Services, die bestehende TYPO3- und Magento-Erfahrung, Linux-basierte Betriebsumgebungen, GitLab CI für automatisierte Build-, Test- und Deployment-Prozesse, sowie offene Schnittstellenprinzipien. Dadurch blieb die neue Architektur anschlussfähig, erweiterbar und unabhängig von starren proprietären Plattformvorgaben.
Das Projekt wurde Anfang April 2026 von plan2net in den Betrieb von Schrack Technik übergeben. Damit leistete plan2net zum Abschluss der langjährigen Zusammenarbeit noch einen wesentlichen Beitrag zur Modernisierung der bestehenden E-Commerce-Basis und zur Vorbereitung künftiger digitaler Anwendungen.
Ein professioneller Abschluss
Nach 21 Jahren endet die Zusammenarbeit zwischen Schrack Technik und plan2net im Mai 2026, weil sich die strategischen, organisatorischen und technologischen Anforderungen beider Unternehmen weiterentwickelt haben. Solche Schritte gehören zur Entwicklung langfristiger Geschäftsbeziehungen – besonders in einem technologischen Umfeld, in dem Anforderungen, Organisationsstrukturen und strategische Ziele laufend weiterwachsen.
Schrack Technik stellt seine digitale und IT-seitige Ausrichtung für die kommenden Jahre neu auf, plan2net fokussiert künftig verstärkt auf komplexe Suchlösungen, digitale Produktinformationen, E-Commerce-Integrationen und KI-gestützte Anwendungen.
Bemerkenswert ist nicht nur die Dauer der Zusammenarbeit, sondern auch ihre Entwicklung: von der ersten TYPO3-Website über CRM, Webshop, internationale Content- und Commerce Prozesse bis hin zu Headless-Architektur, Microservices und moderner Search Infrastruktur.
Für plan2net war Schrack Technik über viele Jahre strategischer Partner, mit dem technologische Weichenstellungen, anspruchsvolle Integrationsprojekte und digitale Handelsprozesse gemeinsam entwickelt wurden. Für Schrack Technik wiederum war die Zusammenarbeit ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer starken, international skalierbaren E-Commerce-Landschaft.
„plan2net hat uns über viele Jahre hinweg zuverlässig begleitet – von den frühen digitalen Schritten bis zu komplexen internationalen Online-Prozessen. Besonders wichtig war für uns, digitale Lösungen flexibel an unsere Anforderungen anpassen und gleichzeitig eigene Kompetenzen aufbauen zu können. Da hat uns plan2net über viele Jahre professionell, verlässlich und kompetent beraten und aktiv unterstützt.“
Andreas Scharf, Leitung Marketing, Schrack Technik GmbH
Der Übergang wurde geordnet vorbereitet, sodass laufende Systeme, Know how-Transfer und operative Kontinuität entsprechend berücksichtigt wurden. Beide Seiten schließen die Zusammenarbeit mit gegenseitiger Wertschätzung ab.
„Über zwei Jahrzehnte Zusammenarbeit sind in unserer Branche etwas Besonderes. Gemeinsam mit dem Team von Schrack Technik konnten wir zeigen, wie aus einer Open-Source-basierten Website Schritt für Schritt ein internationales E-Commerce-Ökosystem entsteht. Wir haben vieles gemeinsam erreicht – und diese Ergebnisse immer als Teamerfolge verstanden. Dass sich Wege manchmal neu ordnen, gehört zu langfristigen Geschäftsbeziehungen dazu. Wichtig ist, dass dies mit Respekt und Wertschätzung geschieht – das ist beiden Unternehmen wichtig.“
Mag. Sabina Loicht, Geschäftsführung, plan2net GmbH
Was andere Unternehmen daraus lernen können?
Die Geschichte von Schrack Technik und plan2net zeigt, dass Digitalisierung im B2B-Handel nicht durch ein einzelnes Großprojekt entsteht. Erfolgreiche digitale Plattformen wachsen über Jahre: mit den richtigen strategischen Entscheidungen, stabilen Partnerschaften und Vertrauen, technologischem Mut und der Bereitschaft, eigene Kompetenzen aufzubauen. Und sie zeigt, dass solche Plattformen auch aus Österreich heraus international skalieren können.
Sie zeigt aber auch, dass Open Source im Unternehmenskontext weit mehr sein kann als eine Lizenzentscheidung. Richtig eingesetzt, wird Open Source zu einem Instrument für Flexibilität, Integrationsfähigkeit und digitale Souveränität. Die Erfolge der Onlineshops von Schrack Technik zeigen außerdem, dass erfolgreicher E-Commerce nicht nur eine Frage guter Produkte, exzellenter SEO-, GEO, Content- oder Marketingmaßnahmen ist. Entscheidend sind ebenso eine verlässliche, zukunftsorientierte IT-Architektur und ein Dienstleister, der die Domäne des Kunden versteht, gewachsene Systemlandschaften beherrscht und technologische Modernisierung mit kaufmännischer Realität verbinden kann.
Ein professionelles Ende steht daher nicht im Widerspruch zum Erfolg einer Zusammenarbeit.
Im Gegenteil: Wer über 21 Jahre gemeinsam Systeme aufgebaut, Märkte digital erschlossen, Online-Prozesse und technologische Generationenwechsel gestaltet hat, kann ein solches Kapitel auch mit Respekt und Anerkennung abschließen.

