EU-Regulierung trifft auf hohe Zustimmung bei Konsument:innen:

Österreich zeigt hohe Zustimmung zu strengeren Verpackungsregeln

von David Lodahl
Foto: © www.i-magazin.at | KI-generiert

Mit der neuen EU-Verpackungsverordnung rücken Verpackungsreduktion, Recyclingfähigkeit und transparente Kennzeichnung stärker in den Fokus von Unternehmen. Ab 12. August gelten EU-weit strengere Regeln gegen Überverpackung, schwer recycelbare Materialien und irreführende Kennzeichnung. Eine aktuelle Studie von PwC Österreich zeigt, dass diese Vorgaben in Österreich auf breite Zustimmung treffen.

Für die Untersuchung wurden im Juni 2026 vom Marketagent Institut 1.000 Personen im Alter zwischen 14 und 75 Jahren in ganz Österreich online befragt. Die Stichprobe wurde laut PwC gewichtet und ist repräsentativ für die österreichische Gesamtbevölkerung.

Überverpackung wird klar abgelehnt

Die Ergebnisse fallen deutlich aus: Neun von zehn Befragten ärgern sich über unnötig große Verpackungen. 84 Prozent sprechen sich dafür aus, nachhaltige Verpackungen verpflichtend als Standard vorzusehen. 82 Prozent wollen Handel und Hersteller gesetzlich dazu verpflichten, Verpackungsmaterial zu reduzieren. Ebenso viele befürworten ein weitgehendes Verbot nicht recycelbarer Verpackungen.

Verpackungsmüll ist dabei nicht nur ein abstraktes Umweltthema. 46 Prozent der Befragten geben an, sich durch die Menge an Verpackungsabfall im eigenen Haushalt gestört zu fühlen. Gleichzeitig zeigt die Studie eine hohe Bereitschaft zur Mitwirkung: 88 Prozent trennen Verpackungen laut eigenen Angaben zuverlässig oder verwenden sie wieder. Neun von zehn Personen bringen eigene Taschen zum Einkaufen mit.

Ein Problem bleibt jedoch die praktische Umsetzung im Alltag. 37 Prozent der Befragten ist nach eigenen Angaben oft unklar, wie bestimmte Verpackungen korrekt zu entsorgen sind. Männer empfinden die Mülltrennung laut Studie deutlich häufiger als mühsam als Frauen, mit 45 gegenüber 29 Prozent.

E-Commerce steht besonders unter Druck

Besonders stark wird der Online-Handel mit Verpackungsmüll in Verbindung gebracht. 82 Prozent der Befragten nehmen wahr, dass Verpackungsabfall durch Online-Bestellungen zugenommen hat. Für Unternehmen mit Versandgeschäft, Großhandelslogistik oder direkter Belieferung von Kund:innen wird Verpackung damit zunehmend zu einem operativen und regulatorischen Thema.

83 Prozent erwarten laut PwC wiederverwendbare Versandverpackungen. 85 Prozent würden diese nutzen, wenn die Rückgabe einfach funktioniert. Auch bei der Liefergeschwindigkeit zeigen sich viele kompromissbereit: 72 Prozent würden längere Lieferzeiten akzeptieren, wenn dadurch Verpackungsmaterial eingespart wird.

STEFAN MERL Director Sustainability Services bei PwC Österreich Copyright: PwC Österreich

Stefan Merl | Director Sustainability Services bei PwC Österreich (Bild: PwC Österreich)

Stefan Merl, Director Sustainability Services bei PwC Österreich, ordnet die Entwicklung so ein: „Verpackung ist für viele Konsument:innen längst ein sichtbares Nachhaltigkeitsthema. Unternehmen müssen deshalb nicht nur neue Vorgaben erfüllen, sondern auch den Erwartungen ihrer Kund:innen gerecht werden, vom Einkauf im Geschäft bis zur Lieferung nach Hause.“

Pfandsystem ist bekannt, Rückgabe bleibt Thema

Das österreichische Pfandsystem wird von der Mehrheit der Befragten verstanden. 89 Prozent geben an, das System insgesamt gut zu verstehen. 78 Prozent empfinden die Rückgabe im Alltag als unkompliziert. Knapp zwei Drittel wünschen sich eine Ausweitung auf weitere Verpackungsarten.

Gleichzeitig benennt die Studie konkrete Schwachstellen. 63 Prozent wünschen sich mehr Rückgabestellen. 58 Prozent stören sich am Zustand bestehender Rückgabestellen, etwa an Geruch, klebrigen Böden oder fehlenden Desinfektionsmöglichkeiten. 44 Prozent empfinden den zusätzlichen Aufwand als Nachteil.

Verpackung wird zur strategischen Aufgabe

Für Hersteller, Handel und Logistik verschiebt sich Verpackung damit weiter von einer reinen Kosten- und Transportfrage hin zu einem Thema an der Schnittstelle von Regulierung, Kreislaufwirtschaft und Kundenerlebnis. Relevanter werden Verpackungsdesign, Materialwahl, Recyclingfähigkeit, Kennzeichnung und praktikable Mehrweg- beziehungsweise Rückgabesysteme.

„Nachhaltige Verpackung ist für viele Menschen längst eine konkrete Erwartung im Alltag. Wer Verpackung reduziert, Mehrweg ermöglicht und Entsorgung einfacher macht, gewinnt nicht nur regulatorische Sicherheit, sondern echtes Kundenvertrauen“, sagt Merl.

Die Studie zeigt damit weniger einen kurzfristigen Stimmungstrend als eine klare Erwartungshaltung an Unternehmen und Politik. Mit dem Inkrafttreten der neuen EU-Regeln dürfte der Handlungsdruck insbesondere dort steigen, wo Verpackungen im Versand, im Handel oder in komplexen Lieferketten eine zentrale Rolle spielen.

Weitere Informationen auf: www.pwc.at

Quelle: PWC Österreich

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